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Diese 10 Fehler solltest du als Whisky-Fan nicht machen

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Trinken kann ich, riechen auch. Dem Whisky-Genuss steht also nichts mehr im Wege. Dass dieser Zusammenhang leider überhaupt nicht stimmt, erkannte ich als Whisky-Einsteiger nicht. Wie die meisten machte ich daher folgende Fehler. Dabei wäre die Lösung so einfach gewesen.


Fehler #1: Ich verwechselte Mundgefühl mit Komplexität

Ich kenne keine 2 Begriffe der Whisky-Industrie, die häufiger verwechselt werden als „Mundgefühl“ und „Komplexität“. Und ich gebe zu, dass ich in den ersten Jahren in der Whisky-Szene auch keinen blassen Dunst hatte, was das eine noch das andere bedeutet.

Ich stellte mir damals nicht einmal die Frage, ob ich sie verwechsle, denn ich wusste nicht, was sie bedeuten. Als ich dann erstmals eine grobe Definition bekam, begann die Verwechslung.  „Mundgefühl“ und „Komplexität“ definieren zu können, sie unterscheiden zu können, ist jedoch wichtig, wenn du einen Whisky analysieren möchtest.

So machst du es besser: Lies dir die Definition beider Begriffe durch und verinnerliche sie, in dem du einen Whisky parat hast. Verkoste diesen und versuche folgende Fragen mit eigenen Worten zu beantworten:

  • Mundgefühl/Körper: Was fühle ich im Mund? Intensives Brennen? Oder ist der Whisky eher weich? Liegt er eher schwer oder leicht auf der Zunge? Wirkt er gar ölig?
  • Komplexität: Hat dein Whisky nur ein paar auffällige Aromen oder ist er vielschichtig und du könntest endlos nach kleinen Nuancen suchen?

Fehler #2: Ich ignorierte Adstringenz

Ich ignorierte Adstringenz einfach aus dem Grund, da ich nicht wusste, dass sie bei Whisky existierte. Zwar hatte ich es schon im Zusammenhang mit Wein und seinen Reben gehört, übertrug es aber nicht auf Whisky.

Dabei hat Whisky ebenfalls eine Adstringenz-Quelle. Eine, in der er mehrere Jahre verbringt: das Holzfass. Dieses gibt neben anderen Molekülen auch Tannine bzw. Gerbstoffe an das Destillat ab. Ist deren Konzentration zu groß kann es zu Adstringenz kommen.

So machst du es besser: Hast du ein Glas Whisky vor dir und fragst dich, ob er jetzt adstringierend wirkt oder nicht, dann beantworte dir folgende Fragen: Habe ich beim Trinken das Gefühl, dass es mir den Mund nach innen zieht? Bekomme ich ein pelziges Gefühl auf der Zunge?

Merkmale der Adstringenz sind meistens eindeutig. Kannst du daher die beiden Fragen mit „Ja“ beantworten, ist es wahrscheinlich, dass dein Whisky zu viele Tannine bzw. Gerbstoffe enthält.

Fehler #3: Ich verkostete nicht retronasal

Wenn ich Whisky zu mir nehme, gelangen 2 Dinge in mich: der Whisky in den Mund, die Luft in die Nase. Auf diese Weise erkannte ich zwar einige Aromen, bei weitem aber nicht alle, die der Whisky anbot. Dies lag daran, dass ich nicht wusste, dass meine Nase die meisten Whisky-Aromen erst beim Ausatmen erkennt.

So machst du es besser: Riechst du an einem Whisky, ist es vor allem das Einatmen, dass es dir ermöglicht Aromen zu entdecken. Hast du den Whisky allerdings im Mund, solltest du dich auf die retronasale Atmung konzentrieren. Kurzum: Achte auf die Aromen beim Ausatmen.

Spiele mit deiner Zunge den Whisky hin und her. Halte dabei den Mund geschlossen und atme langsam ein- und aus. Während du nun die Luft in deiner Nase hin- und herschiebst, nimmt diese zahlreiche Aromen wahr.

Fehler #4: Ich wusste nicht, dass ich ein Lieblings-Nasenloch habe

Ich schreibe mit Rechts. Versuche ich es mit Links, sieht es aus, als hätte ich die vierte Klasse nie bestanden. Dass die Nase einem ähnlichen Links-Rechts-Schema folgt, war mir lange Zeit nicht bewusst. 

Die wenigsten wissen dies, da wir normalerweise mit beiden Nasenlöchern gleichzeitig riechen. Die Sinneseindrücke des dominanten Nasenlochs überlagern dabei die des schwachen.

So machst du es besser: Hast du dein Whisky-Glas vor dir, dann schwenke es langsam unter deiner Nase. Stelle zunächst fest, mit welchem Nasenloch du die meisten Aromen erkennst. Konzentriere dich auf dieses und schwenke nur manchmal zum anderen.

Fehler #5: Ich verkostete, ohne zu wissen woher die Aromen eines Whiskys kommen

Zu verstehen, woher ein Whisky seine Aromen bekommt, ist aus einem Grund wichtig: Erkennst du das eine Aroma, findest du häufig auch verwandte. Das war mir lange Zeit nicht bewusst, und so entdeckte ich zwar die ein oder andere Note, ähnliche blieben mir aber verborgen.

So machst du es besser: Um zu verstehen welche Aromen miteinander verwandt sind bzw. den gleichen Ursprung haben, solltest du die einzelnen Herstellungsschritte von Whisky kennen. Für Bouquet und Geschmack solltest du dich dabei vor allem auf Fermentation und Fassreifung konzentrieren.

Um dir etwas Hilfe zur Hand zu geben, haben wir folgende 3 Artikel für dich geschrieben:

Fehler #6: Ich achtete nicht auf Fehlnoten

Ich war in den ersten Jahren so sehr damit beschäftigt, überhaupt Aromen in einem Whisky zu entdecken, dass ich gar nicht an Fehlnoten dachte. Dass es einzelne Noten in jenem Brand geben sollte, die von der Destillerie nicht gewollt waren, per definitionem als Off-Flavours waren, war mir nicht bewusst. 

So machst du es besser: Die Fehlnoten eines Whiskys werden unterteilt in „Mangel“, „Krankheit“ oder „Fehler“. Bevor du dich auf die Suche nach diesen machst, solltest du zuvor wissen, was deren „Symptome“ sind. Lies dir daher zuerst deren Ursprung durch sowie typische Aromen, an denen du sie erkennst.

Als Leitfaden hilft dir folgender Artikel: Wie du erkennst, ob dein Whisky-Fehler oder Krankheiten hat

Fehler #7: Ich schulte nicht meine Verkostungssinne

Ich konnte nicht Auto fahren ohne Fahrstunden, ich konnte nicht Lesen ohne Deutschunterricht. Bei Whisky bildete ich mir allerdings ein, dessen Bouquet ohne systematisches Training entschlüsseln zu können.

Es mag Leute geben, die dies können; ich konnte es nicht.

So machst du es besser: Mache es wie ein Sportler und übe einzelne Bewegung bevor du aufs Feld gehst. Lerne schnell zu laufen, lerne den Ball zu lenken. Erst wenn du jeden dieser Schritte separat beherrschst, hast du eine Chance sie optimal zu kombinieren.

Bei der Whisky-Verkostung ist dies ähnlich. Stelle dir Verkostungsproben auf ,mit dem Ziel konkrete Aromen und Geschmacksrichtungen zu lernen. Von zu süß bis zu alkohollastig.

Versuche einmal folgende Vorgehensweise: 5 Tipps, um deinen Gaumen für Whisky-Tastings zu trainieren

Fehler #8: Ich schrieb Tasting-Notes ohne Schema

Meine ersten Verkostungsnotizen waren lose Sammlungen verschiedener Aromen. Ohne Zusammenhang schrieb ich „Ananas“, „Vanille“ und „Karamell“ aufs Blatt. Mehr als das Gefühl professionell zu wirken, brachte dies aber nicht.

Denn was ich da aufschrieb, folgte keiner Logik.

So machst du es besser: Beantworte dir einmal selbst folgende Frage: „Warum schreibe ich überhaupt auf, was ich gerade verkoste?“ Weil du eine Sammlung aller verkosteter Whiskys anlegen möchtest? Vielleicht machst du dies auch, um sie mit Freunden zu teilen oder an Online-Shops zu verkaufen?

Egal, was deine Motivation zum Festhalten deiner Verkostungseindrücke ist, was du aufschreibst, sollte einem Muster folgen. Dies hat 3 Gründe:

  • Du vergisst wichtige Punkte nicht
  • Deine Tasting Notes sind für andere nachvollziehbar
  • Deine Notizen sind vergleichbar

Wir du dabei am besten vorgehst, findest du hier: Wie du hervorragende Whisky Tasting-Notes schreibst

Fehler #9: Ich ignorierte die Farbe, da ich sie nicht „lesen“ konnte

Einer der ersten Sätze, die ich zur Whisky-Verkostung hörte: „Schließe niemals von der Farbe auf den Inhalt.“ Dieser Satz trifft zwar voll ins Schwarze, lässt allerdings einen wichtigen Punkt aus: Wenn du weißt, dass dir die Farbe Aromen vorgaukeln kann, die nicht da sind, dann kannst du anfangen die Farbe zu lesen. 

Denn es gibt durchaus einige Anhaltspunkte der Farbe, dir Rückschlüsse auf den Inhalt zulassen.

So machst du es besser: Achte zunächst drauf, dass du einen Whisky hast, der kein Zuckercouleur enthält. Danach suchst du dir eine Übersicht über die verschiedenen Farbstile eines Whiskys und findest heraus, welche Aromen häufig damit einhergehen.

Fehler #10: Ich kannte den Unterschied zwischen Bouquet und Geschmack nicht

Ich schmecke Apfel, ich schmecke Kaffee. Der Volksmund verwendet das Verb „Schmecken“ häufig. Selbst dann, wenn es unangebracht ist. Lange Zeit hatte ich davon keine Ahnung, sodass sich in meinen ersten Notizen solche Sätze befanden: „Ich schmecke etwas Vanille. Im Hintergrund schmecke ich fruchtige Aromen wie Birne.“

So machst du es besser: Wisse, dass der Geschmack auf deinen Mund und vor allem deine Zunge beschränkt ist. Das heißt, „schmecken“ kannst du süß, bitter, salzig und noch ein paar andere Geschmacksrichtungen.

Hast du hingegen das Gefühl, der Whisky erinnert dich an Früchte, an Karamell oder Tabak, dann liegt dies an Aromen. Deren Summe bezeichnet man als Bouquet, welches du in erster Linie mit deiner Nase wahrnimmst.


Bildquelle: © sabelskaya/Fotolia; „Tools“ (CC BY-NC-ND 2.0) by sigma.; Ivan Kruk/FotoliaUMB-O /Fotolia

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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Ein Kommentar für Diese 10 Fehler solltest du als Whisky-Fan nicht machen

  1. Miodrag Gale Jankovic 1. Januar 2017 zu 17:55 #

    1. Fehler zu Fehler #10:
    Die Zunge schmeckt nur vier Geschmacksrichtungen: süss, salzig, bitter und sauer.
    „Umami“ als fünften Geschmackstyp halte ich für umstritten, da es eigentlich nur eine Verstärkung einer oder mehrerer der vier Grundgeschmäcker darstellt, hervorgerufen durch Glutamat (Geschmacksverstärker).
    „…noch ein paar andere Geschmacksrichtungen…“ ist daher irreführend, vor allem für den Neuling – übrigens egal, ob Whisky, Wein oder Kaffee. Daher:
    2. Fehler zu Fehler #10: Kaffee ist ein viel zu komplexes Feld, um es als hier Einzelgeschmack dem Multigustus Whisky quasi unterzuordnen. Und es ist beleidigend. Für den Kaffee. Und für mich als Kaffee-Amateur-Aktivisten. Die mehr als 1000 Bestandteile des Kaffees setzen ihn dem Whisky mindestens gleich, vor allem, weil sein Geschmack nicht von seiner Ambalage abhängt – abgesehen von falscher Lagerung…
    Cheers & ein geschmackvolles Neues Jahr!
    Miodrag Gale Jankovic

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