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Wie du mit 5 einfachen Schritten deine Sensorik für Rum verbesserst

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Rum sei die komplexeste, die spannendste Spirituose. Jeder zweite Rum-Aficionado wird dir dies sagen. Allerdings ist dies eine Behauptung, die jegliche Szene über ihre Spirituose in Anspruch nimmt. Wer auch immer die Liste anführen mag, Rum spielt ganz oben mit. Probiere daher einmal folgende Tipps vor deinem nächsten Glas.


Das Schönste an Rum? Wenn man Anfänger ist; wenn einem die vielen Wow-Momente noch bevorstehen. Wenn man erkennt, dass neben den Discounter-Rums voller Vanille und Zucker Destillate mit komplexen Bouquets auf einen warten.

Während die deutschsprachige Rum-Literatur eher rar gesät ist, findest du im Internet Informationen zu Rum in Massen. Bisher konnte ich allerdings noch keinen Ratgeber finden, der dir hilft, in das Thema Rum einzusteigen; dir einen Leitfaden gibt, wie du am besten einen neuen Rum probierst.

Gehst du es richtig an, kannst du dir jedoch in kurzer Zeit viel Wissen über Rum aneignen. Diese Tipps sollen dir dabei helfen. 

TRINKE ANDERS

Möchtest du dein Rum-Wissen auf ein neues Niveau bringen, solltest du eines ändern: dein Trinkverhalten. Gehe anders an ein Glas Rum, setze ihn in einen Kontext. Am Ende trinkst du Rum nicht nur anders, du kaufst ihn auch anders. 

Behalte folgende 4 Tipps im Hinterkopf und jedes Glas Rum erweitert dein Wissen:

  • Übe den Verkostungprozess jedes Mal, wenn du ein Glas Rum in die Hand nimmst
  • Arrangiere Vergleichstastings, um deine Sensorik zu verbessern
  • Informiere dich über Herkunft des Rums
  • Suche Rum-Stile, die dir bisher noch nicht so vertraut sind.

Diesen Leitfaden musst du nicht jedes Mal bis zum Ende durchspielen. Je häufiger du dies jedoch tust, desto schneller erkennst du Fortschritte deiner Rum-Kompetenz. Wichtig ist jedoch, dass du adäquate Tasting Notes schreibst. Notiere dir was du riechst, was du schmeckst, was du auf der Zunge fühlst.

ARRANGIERE EIN VERGLEICHSTASTING

Um deine Sensorik zu schulen, reicht es verschiedene Rums zu verkosten. Das bringt dich weiter, das schult deine Sinne. Weitaus größere Sprünge macht dein Rum-Wissen jedoch, wenn du einer Systematik folgst.

Nimm dir einen Rum und picke einzelne Geschmacksmerkmale heraus. Verkoste parallel dazu eine Gegenprobe, in der du das Merkmal übertrieben hervorgehoben hast. Ich mache dies von Zeit zu Zeit mit folgenden 4 Rum-Charakteristika:

  • Tannin (schwarzer Tee)
  • Vanillin (Vanille)
  • Zucker (Haushaltszucker)
  • Alkohol (Vodka)

Dies sind bei weitem nicht alle Eigenschaften eines Rums. Weder aromatisch noch geschmacklich. Dennoch helfen sie uns regelmäßig die 4 wichtigsten Merkmale vieler Rums besser zu erkennen.

WAS DU BRAUCHST

  • 1 Flasche eines trockenen Rums. 
  • 1 Beutel Schwarztee
  • 1/2 TL Zucker
  • 1/2 TL Vanillepulver, ungesüßt
  • 1 TL Hochprozentigen Vodka/Neutralalkohol (mindestens 10 Volumenprozent mehr als der Rum)
  • 5 Nosing-Gläser
  • Notizblock + Stift

So bereitest du das Tasting vor: Gieße 4 Zentiliter in jedes der 4 Rum-Gläser. Gib den Teebeutel in eines der Gläser, Zucker und Vanille in jeweils ein anderes, den Vodka ebenfalls in ein anderes. Das letzte der 5 enthält nur Rum; es dient dir als Kontrollglas.

TANNIN | schwarzer tee

Lasse den Tee rund 7 bis 8 Minuten im Rum ziehen. Nach dieser Zeit hat das Destillat bereits genug Verbindungen aufgesogen.

Nimm zunächst einen Schluck des Referenz-Rums. Beschreibe seine Aromen, sein Mundgefühl, seinen Geschmack. Anschließend nimmst du etwas vom Tee-Rum und beantwortest dir folgende Fragen:

  1. Ist der Tee-Rum sehr bitter? 
  2. Fühlt es sich an, als ziehe es meinen Mund nach innen?

Entscheidend ist deine Antwort auf Frage 2. Dieses pelzige Gefühl auf der Zunge, das Gefühl als ziehe es dir Wangen nach innen, wird von bestimmten Molekülen ausgelöst: Gerbstoffen bzw. Tannine.

Diese gelangen in den Rum durch das Holzfass, in dem er reifte. Geschah diese Lagerung zu lange, gelangen zu viele Gerbstoffe in den Whisky. Adstringenz mit seinem pelzigen Mundgefühl ist die Folge.

ZUCKER | haushaltszucker

Arbeitet der Rum-Hersteller nicht mit Zusatzstoffen, gibt es nur eine Möglichkeit wie Zucker in der Whisky gelangt: das Eichenfass. In erster Linie ist dies Traubenzucker, also Glucose.

Haushaltszucker ist üblicherweise jedoch Saccharose. Ein etwas größeres Molekül, jedoch mit demselben Effekt in unserem Mund. Es ist für diesen Versuch daher ausreichend, wenn du das Küchenregal öffnest und den günstigen Discounter-Zucker nimmst.

Verrühre den Zucker im Rum, bis er sich vollständig gelöst hat. 

Auch hier solltest du zunächst einen Schluck vom Referenz-Rum nehmen und ihn anschließend mit einem vom Zucker-Rum vergleichen. Stelle dir folgende Fragen:

  1. Wie fühlt sich der Rum auf deiner Zungenspitze an?
  2. Was macht der Zucker mit den Aromen im Rum, z.B. Vanille oder Karamell?
  3. Wie fühlt es sich an nachdem, du ihn geschluckt hast?

Häufig verknüpft unser Unterbewusstsein süßen Geschmack mit bestimmten Aromen. Ganz vorne mit dabei sind Vanille und Karamell. Durch unsere Erfahrung mit herkömmlichen Lebensmitteln riechen wir dies auch gelegentlich, selbst wenn sie nicht vorhanden sind.

Versuche daher klar zu trennen, ob du tatsächlich Vanille riechst oder der Zucker dir dies nur vorgaukelt. Der Referenz-Rum hilft dir dabei.

VANILLE vanillin

Vanille ist bekömmlich, Vanille schmeckt. Aus diesem Grund spricht Rum viele Spirituosen-Einsteiger an. Es gibt kaum einen Menschen, der von Vanille angewidert den Kopf abwendet. Einige Produzenten nutzen dies aus und strecken ihren Rum mit einer zusätzlichen Portion.

Abseits von diesen schwarzen Schafen der Industrie gelangt Vanille-Aroma auch durch Fassreifung auf natürlichem Wege in den Rum.

Für diesen Vergleichstest ist es wichtig, dass du ungesüßtes Vanillin verwendest. Würde er Zucker enthalten, beeinflusst dies deine Wahrnehmung.

Gib das Vanillin in den Rum und verrühre bis sich es sich aufgelöst hat. Nimm daraufhin zunächst wieder einen Schluck vom Referenz-Rum und anschließend von der Vanille-Version. Beantworte dir folgende Fragen:

  1. Unterscheidet sich das Vanille-Aroma in beiden Proben deutlich?
  2. Wie fühlt sich der Rum im Mund an?

ALKOHOL vodka/neutralalkohol

Es ist schwierig, bei einem Produkt, das per Gesetz mindestens 37,5 %Vol. besitzen muss, den Alkohol zu testen. Dies funktioniert jedoch, wenn du Vodka oder Neutralalkohol zur Hand nimmst, dessen Alkoholgehalt deutlich über dem des Rums liegt.

Hat der Rum also 40 %Vol. sollte der Vodka mindestens 50 %Vol. besitzen. Findest du einen mit deutlich mehr, dann nimm diesen.

Beginne, wie auch zuvor, mit einem Schluck des Kontroll-Rums. Danach folgt der Vodka-Rum.

Stelle dir dabei folgende Fragen:

  1. Ist der Rum nun spritziger?
  2. Schmeckt er besser? Bietet er mehr Aromen?
  3. Verleiht der Alkohol dem Rum Würze?
  4. Prickelt der Alkohol auf der Zunge oder brennt er im Mundraum?
  5. Ist der Nachklang brennend und scharf?

 

Die Vorbereitung eines solchen Vergleichstasting erfordert wenig Zeit. Ein paar Gläser, ein paar Utensilien, fertig. Für die einzelnen Verkostungsschritte solltest du dir aber Zeit nehmen. Ein guter Richtwert sind 30 Minuten.

Wiederholst du dies aller 6 bis 8 Wochen, wirst du merken, dass du neue Rums anders analysiert. Präziser.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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