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18 Aromen, die du im Gin finden kannst

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Wacholder, etwas Zitrone. Unsere Vorstellung von gutem Gin ist schon ziemlich beschränkt. Unser Unterbewusstsein springt bei den 3 Buchstaben an und hält uns 2 bis 3 Aromen vor Augen. Dabei findest du in den meisten Gins mehr. Deutlich mehr.


(Zum Vergrößern Bild anklicken)

GIN-AROMA #1 | Wacholder | Würzig-trocken

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Die Anzahl an Gins, bei denen das Wacholder-Aroma in den Hintergrund rückte, explodierte in den vergangenen Jahren. Dennoch: Wacholder ist das einzige Botanical, das per Verordnung in einem Gin vorkommen muss.

Dies hat in erster Linie historische Gründe. Nimmst du allerdings die Wacholder-Zapfen einmal auseinander, sprechen auch dessen Aromen dafür. 4 chemische Verbindungen sorgen im Wacholder dafür, dass es uns ein kräftiges Bouquet beschert. Diese Moleküle – Limonen, Pinen, Myrcen und Sabinen – sind es aber auch, die als Basis weiterer Zutaten dienen. Wacholder hebt sie auf eine Bühne, damit sie brillieren können.

Tipp: „Wacholder-Beeren“ verwenden wir in unserer Alltagssprache; korrekt wäre hingegen „Wacholder-Zapfen.

GIN-AROMA #2 | Hagebutte | Fruchtig-sauer, erdig

Ihr Aroma ist markant, ihr Geschmack trocken. Du erkennst sie an einem fruchtig-sauren und teils erdigen Aroma. Hast du Hagebutten in deinem Gin, bist du auf eines der seltenen Botanicals gestoßen. Hagebutten verwenden nur wenige Hersteller, da sich deren Aromen in Konkurrenz mit anderen Botanicals kaum durchsetzen.

Greift ein Brenner dennoch zu den kleinen roten Früchten, entkernt und trocknet er diese zunächst. Denn entscheidend für seinen Beitrag in einem Gin ist nicht deren Fruchtfleisch, sondern deren Hülle. Dort sind die Aromastoffe gelagert.

Ich staunte nicht schlecht, als ich das erste Mal die Liste las, was Hagebutten im Angebot haben: Vitamine A, B1, C und E, Mineralien, ätherische Öle, Karotin, Pektin sowie Säuren und Gerbstoffe.

GIN-AROMA #3 | Bisameibisch | Moschus

Kannst du beschreiben wie Bisameibisch schmeckt oder riecht? Nein? Ich auch nicht. Dies liegt daran, dass diese Pflanze einen Duft versprüht, den wir mit etwas anderem assozieren: Moschus. Bisameibisch riecht nach Moschus.

Dessen Samen enthalten ein ätherisches Öl, das diesen Geruch abgibt. Dies ist so markant, dass auch Parfüm-Hersteller, Likör- und Süßspeißenproduzenten darauf zurückgreifen. Diese und Gin-Hersteller.

Um Bisameibisch in die Flasche zu bringen, legt der Gin-Hersteller dessen Samen zunächst in hochprozentigen Alkohol ein; er mazeriert ihn. Dadurch geben die Samen das Öl Ambrette ab. Jener Stoff, der so intensiv nach Moschus riecht.

GIN-AROMA #4 | Limette | Fruchtig-sauer

Will der Destillateur seinem Gin eine fruchtig-saure Note verleihen, sind Limetten eine gute Wahl. Sie verleihen dem Gin eine Frische, die kaum ein anderes Botanical vermag. Schieben wir an dieser Stelle einmal die anderen Zitrusfrüchte beiseite.

Wie die meisten anderen Botanicals werden die Schalen der Limetten mazeriert. Der Alkohol entzieht ihnen ätherische Öle und andere Aromastoffe. Allem voran Limonen. Eine Verbindung, die auch in Wacholder vorkommt. Der Hauptgrund, warum Wacholder meist in Kombination mit Zitrusfrüchten wie Limetten verwendet wird. Sie passen einfach wie die Faust aufs Auge.

GIN-AROMA #5 | Zitronenmelisse | Fruchtig-sauer, Minze

Es kommt selten vor, dass ein Gin-Hersteller Zitrusfrüchte verwendet und gleichzeitig Zitronenmelisse. Die Schalen der Zitrusfrüchte überlagern das eher dezente Aroma der Zitronenmelisse, machen es dadurch obsolet.

Findest du in der Botanicals-Liste deines Gins Zitronenmelisse, dann erwartet dich in den meisten Fällen eine moderate Frische. Zum einen aufgrund des dezenten Zitrusaromas, zum anderen aufgrund eines leichten Minze-Dufts. Eine Eigenschaft, die Zitronenmelisse von Zitrusfrüchten in einem Gin unterscheidet. Dafür sorgen chemische Verbindungen wie Rosmarin- und Kaffeesäure sowie ätherische Öle.

GIN-AROMA #6 | Liebstöckel | Maggi

Gibt es bei der Gin-Herstellung eine eierlegende Wollmilchsau, dann ist es Liebstöckel. Von dieser Pflanze kann der Destillateur nahezu alles verwenden. Von den Früchten, über das Rhizom und den Samen hin zu den Blättern. Er wählt aus, je nach dem, welche aromatische Richtung sein Gin einschlagen soll.

Aber egal, welcher Teil der Pflanze im Gin landet: es liefert immer einen Maggi-Geschmack. Entdeckst du in deinem Gin diesen herzhaften, würzigen Geruch, hat wahrscheinlich Liebstöckel seine Finger im Spiel.

GIN-AROMA #7 | Kalmus | Bitter

Kalmus verbindet Gin mit Coca Cola. Kalmusöl, das aus dem Rhizom gewonnen wird, riecht. Und zwar markant. Aus diesem Grund kommt Kalmus in der Rezeptur von Coca Cola als auch diversen Gins vor.

Zudem landet Kalmus häufig in Tee- und Gewürzmischungen.

GIN-AROMA #8 | Lakritz | Anis, Geranien

Lakritz als Zutat eines Gins anzugeben, birgt Risiken. Lakritz bietet nicht gerade den beliebtesten Geschmack in unseren Breiten. Zumal es einen dominanten, charakteristischen Geschmack besitzt. Diesen in einem Gin zu finden, schreckt den ein oder anderen Kunden ab.

Den meisten Herstellern ist dies durchaus bewusst und so wird eine andere Bezeichnung für Lakritz verwendet: Süßholz. Ein weiterer Vorteil von „Süßholz“ ist zudem, dass es präziser beschreibt, was der Hersteller verwendete.

Er nahm für seinen Gin nicht die Süßigkeit „Lakritz“, sondern das Rhizom von „Süßholz“ oder „Lakritz“.

Dieses enthält die chemische Verbindung Glycyrrhizin. Dieser Stoff ist 50-fach süßer als Haushaltszucker. Zusätzlich liefert das Rhizom Aromastoffe wie Geraniol oder Anethol. Geranien- und Anis-Duft.

GIN-AROMA #9 | Paradieskörner | Würzig-scharf

Paradieskörner ist ein Marketing-Begriff. Einer aus dem 15. Jahrhundert, der verschleiert, was dich geschmacklich erwartet. Seine Synonyme wie Guinea oder Malagetta-Pfeffer sind da schon deutlicher. Sie liefern dir einen würzig-scharfen Geschmack.

Paradieskörner stammen aus Westafrika. Gewürzhändler aus dem 15. Jahrhundert verpassten ihnen ihren heutigen Namen. Sie sollten einen Hauch Religion, einen Hauch „Garten Eden“ bekommen. Aus einem einfachen Grund: Der Preis sollte steigen.

GIN-AROMA #10 | Ingwer | Seifig, scharf

Ingwer in Gin oder Likör zu verwenden, ist für Hersteller eine Gratwanderung. Diese Zutat verzeiht nichts. Bereits geringe Mengen lassen das Produkt kippen. Seifiger Geschmack im Überfluss.

Richtig dosiert liefern Ingwer-Rhizome einem Gin aber einen pikanten, charakteristischen Geschmack. Verantwortlich ist hierfür vor allem das Molekül Gingerol.

GIN-AROMA #11 | Lorbeer | Würzig

Es gibt wenige Blätter, die es mit der Aromatik von Lorbeerblättern aufnehmen können. Nicht umsonst landen sie zahlreich in Suppen und Eintöpfen. Und dem ein oder anderen Gin.

Machst du dich nun auf die Suche, das Aroma von Lorbeerblättern in einem Gin zu entdecken, wirst du Probleme bekommen. Sie liefern keine Aromen, die hervorstechen. Vielmehr breiten sie einen Teppich aus, der die anderen Botanicals miteinander verbindet.

Dafür sorgen zahlreiche ätherische Öle und Duftstoffe, die ebenso in anderen Botanicals vorkommen: Pinen, Linalool, Geraniol etc.

GIN-AROMA #12 | Kamille | Blumig, Apfel

Aus einem ähnlichen Grund wie Lorbeerblätter verwenden Gin-Hersteller auch Kamille-Blüten. Sie besitzen zahlreiche Verbindungen, die auch in anderen Botanicals vorkommen und liefern dadurch ein Netzwerk. Sie verbinden einzelne Zutaten.

Vor allem Inhaltsstoffe wie Anissäure, Kaffeesäure, Vanillinsäure oder Syringasäure spielen eine Rolle.

Jene Blüten liefern neben dem Duft, der uns an Kamilletee erinnert, eine weitere Eigenschaft. Sie helfen dem Destillateur, wenn er seinem Gin Apfel-Aromen verleihen möchte.

GIN-AROMA #13 | Mandel | Nussig

Mandeln teilen ihr Schicksal mit Wacholder. Während die einen fälschlicherweise als Beeren bezeichnet werden, gelten Mandeln als Nüsse. Dabei sind sie Steinfrüchte, wie auch Kirschen oder Pfirsiche.

Je nach Anbauregion liefern Mandeln verschiedene Aromen. Vor allem aber in Hinblick auf die Unterscheidung Bitter- oder Süßmandeln. Denn bei ersterem schlummert eine Große Menge des Moleküls Amygdalin.

GIN-AROMA #14 | Kardamom | Süßlich-scharf, Eukalyptus

Wacholder ist obligatorisch. Kein Gin kommt um ihn herum. Es gibt allerdings noch eine Hand voll anderer Zutaten, die Destillateure auffallend häufig für ihren Gin verwenden. Kardamom zählt dazu.

Zur Verfügung stehen 3 Varianten: grün, weiß und schwarz. Wobei die weiße Version lediglich entfärbte grüne sind, aufgrund ihrer Seltenheit für Gin aber kaum in Frage kommen. Auf grün und schwarz fällt die Wahl. 

Basiert dein Gin auf Kardamom, findest du darin häufig eine süßlich-scharfe Note, die dezent an Eukalyptus erinnert. Schwarzer Kardamom ist zudem etwas herber.

GIN-AROMA #15 | Koriander | Würzig, Orange, Zitrone

Ich glaube es ist leichter, einen Heavy Metal-Fan auf einem Helene Fischer-Konzert zu finden, als einen Gin ohne Koriander. Denn die Samen dieser Pflanze sind das Bindeglied zwischen Wacholder und zahlreichen anderen Botanicals.

Koriandersamen haben ein Aroma, das dezent an Zitronen und Orangen erinnert. Dafür sorgen chemischen Verbindungen wie Borneol, Limonen, Linalool und Geraniol. Verbindungen, die auch in der Parfümherstellung begehrt sind.

GIN-AROMA #16 | Kubeben-Pfeffer | Würzig-scharf

Verwenden wir hierzulande Pfeffer zum Würzen von Speisen, nehmen wir meist Schwarzen Pfeffer. Dies tun wir seit dem Ende des Mittelalters. Zu jener Zeit verdrängte Schwarzer Pfeffer den Kubeben-Pfeffer von unserem Speiseplan.

Aufgrund seines leicht bitteren Aromas greifen Gin-Destillateure heute jedoch häufig auf die Kubeben-Version zurück.

GIN-AROMA #17 | Zitrone | Fruchtig-sauer

Zitronenschalen gehören zum Standard-Repertoire modernen Gins. Heute erscheinen nahezu alle Wacholder-Destillate, mit irgendeiner Zitrusfrucht. Meist Zitrone. Sie verleiht dem Gin eine fruchtig-saure Note und fügt sich meist hervorragend in andere Botanicals ein. Dafür sorgt deren Hauptmolekül Limonen. Eine Verbindung, die zuhauf in Zitronenschalen vorkommt, aber ebenso in Wacholderzapfen und Koriandersamen.

GIN-AROMA #18 | Apfelminze | Fruchtig-frisch

Apfelminze ist als Gin-Botanical eine Rarität. Aus einem ganz einfachen Grund: ihr Aroma ist dezent und geht neben der Konkurrenz unter. So geht zum Beispiel deren Minze-Aroma gnadenlos unter, wenn du es mit der Intensität von Pfefferminze vergleichst.

Dennoch schreiben manche Gin-Destillateure Apfelminze auf ihr Rezept. Sie möchten das dezent frische Aroma, das nach Apfel duftet.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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