Werbung

Tomatin Whiskys und wie du sie am besten trinkst

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Du möchtest die Geschichte von schottischem Whisky im Schnelldurchlauf sehen? Dann blicke auf Tomatin. Keine Destillerie verkörpert die Trends und Hypes der Scotch-Industrie so akkurat wie jene Highlands Destillerie. Vom Blend-Zulieferer zum Single Malt mit Birnen-Aroma.


DIE AROMEN VON TOMATIN 

Cú Bòcan. Als Tomatin diesen Single Malt 2013 in den Handel brachte, folgte sie mit einem Streich 2 Trends. Zum einen bediente dieser Whisky die Nachfrage nach rauchigen Malts, zum anderen war Cú Bòcan ein No-Age-Statement. Ein Whisky mit schmucken Beinamen statt Altersangabe.

Wie Bruichladdich mit Port Charlotte und Octomore oder Edradour mit Ballechin, Tomatin gründete mit dem Cú Bòcan eine unabhängige Marke mit Fokus auf Rauch-Aromen.

Tomatins zweites Standbein ist allerdings nur die Spitze einer Geschichte, die als Blaupause der gesamten Scotch-Industrie gelten könnte. Man folgte den Trends, baute auf und ab.

Die Destillerie begann 1897 mit 2 Brennblasen, 1956 verdoppelt, 1958 verdreifacht. Und das war erst der Anfang:

  • 1897: 2 Pot Stills
  • 1956: 4 Pot Stills
  • 1958: 6 Pot Stills
  • 1961: 10 Pot Stills
  • 1974: 23 Pot Stills

Ende der 70er flossen 12 Millionen Liter Alkohol aus den Brennblasen Tomatins. Mit dieser Menge würden sie selbst heute ganz oben in der Industrie mitspielen. Im Gegensatz zu den heutigen Marktführern im Single Malt-Segment produzierte Tomatin jedoch in erster Linie für den Blended Whisky-Markt.

Trotz ihres gigantischen Ausstoßes stand Tomatin 1985 vor der Auflösung. Was jedoch von den japanischen Unternehmen Takara Shuzo Co. und Okara & Co. verhindert wurde. Sie kauften Destillerie und Marke Tomatin Distillery Co.

Fortan verschwanden die Malts der Destillerie in Blends ihres japanischen Besitzers. Single Malt-Abfüllungen gab es de facto nicht.

Als Mitte der 90er das Blended Whisky-Geschäft mehr und mehr Marktanteile an Single Malts verlor, zog Tomatin mit. Die Malt-Produktion für Drittunternehmen wurde aufgelöst und die Destillerie auf Single Malts ausgerichtet.

Dies hatte auch Kürzungen der Produktionsmenge zur Folge. Von ehemals 12 Millionen Litern sind heute nur noch 2 Millionen übrig. Tomatin verschob seine Prioritäten von Quantität zu Qualität. Ihr Kernportfolio umfasst heute 7 Single Malt-Abfüllungen.

Egal, ob eine Vintage-Qualität von 1988 oder 18 jährige Fassreifung, die Whiskys von Tomatin basieren auf demselben New Make. Einem Rohbrand, der dir fruchtige Noten sowie einen scharfen Nachklang liefert.

Er hat ein intensives Bouquet, bei dem dir vor allem Äpfel, Birnen und eine charakteristische Gemüse-Note auffallen werden. Hinzukommen dezente Blumen-Aromen. Dass der Whisky einen solchen Duft bekommt, liegt in erster Linie an einer langen Fermentationsdauer. Dies sorgt für zahlreiche Ester-Moleküle mit markant fruchtigem Geruch.

Kleine Pot Stills mit Kondensatoren, die unter freiem Himmel stehen; kleine Pot Stills mit langen Hälsen. Neben einem fruchtigen Bouquet bekommt Tomatins New Make hierdurch eine Schärfe, die du vor allem im Nachklang erkennst. 

Sowohl die fruchtigen Basis-Aromen als auch die markante Schärfe ergänzt Tomatin mit zahlreichen weiteren Noten. Je nach Fasswahl, je nach Reifungsdauer.

TOMATIN WHISKY VERKOSTEN

  • Glas: Nosing Glas; Stiel-Glas mit bauchigem Unterteil und schmal zulaufender Öffnung.
  • Serviertemperatur: ~ 20 – 21 °C; Tomatin Whiskys bedürfen nicht viel Aufmerksamkeit. Genieße sie bei Raumtemperatur von rund 20 °C und du erhältst ihre gesamte Bandbreite an Aromen. Je älter die Abfüllung ist, desto weniger Spielraum lassen sie jedoch bei der Temperatur. Zu niedrig und sie verlieren an Komplexität, zu hoch und sie werden zu ölig. 
  • Im Glas 2 – 3 Minuten atmen lassen: ja

FOODPAIRING MIT SINGLE MALTS VON TOMATIN

Entsprechend ihrer Aromatik funktionieren Single Malts von Tomatin vor allem mit leichten Speisen. Lachs oder Steinbutt mit einer Hand voll Kräutern passen vor allem zu Tomatin Single Malts jüngeren Alters.

Hast du einen Tomatin mit mehr als 14 Jahren Fassreifung, dann probiere diesen einmal mit Käse-Sorten wie Brie oder Cheddar. Vor allem jene Qualitäten, die einige Zeit im Sherryfass verbrachten, sind hier ein Genuss. 

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Ciabatta, Waffeln, Gruyère, Ziegenkäse, Brie, Cheddar

Kräuter/Gewürze

Darjeeling-Tee, Schwarzer Tee, Arabica-Kaffee, Waffeln, Honig, Rosmarin

Fleisch/Fisch

Steinbutt, Rind, Lachs

Früchte

Erdbeere, Mango, Apfel, Birne, Trauben, Banane

  • Besitz

Es gibt wenige Destillerien, die eine Whisky-Vergangenheit bis ins 15. Jahrhundert vorweisen können. In eine Zeit, in der der Begriff „Whisky“ erst wenige Jahre existierte. Tomatin kann es.

Am Ort der heutigen Brennerei destillierten bereits Viehhändler und -treiber Whiskyvorläufer in einer Destillerie namens Old Laird’s House.

Marke und Destillerie Tomatin gibt es allerdings erst seit 1897. In jenem Jahr wurde sie als Tomatin Spey Distillery Company eingetragen. Deren Produktion dauerte allerdings gerade einmal 9 Jahre. 1906 kam es zum Stillstand.

Erst 3 Jahre später heizte die Destillerie die Brennblasen wieder an. Und dies ordentlich. In den kommenden Jahrzehnten schien Tomatins Credo „Ausstoß um jeden Preis“ zu sein. Zwischen 1955 und 1974 erweiterte die Brennerei ihre Anzahl an Pot Stills von 2 auf 23. Tomatin belieferte im großen Stil den Blended Whisky-Markt.

Und dennoch. 1985 stand das Unternehmen vor der Auflösung. Nur den japanischen Unternehmen Takara Shuzo Co. und Okara & Co. war es zu verdanken, dass Tomatin vor der Stilllegung bewahrt wurde.

Sie waren es auch, die die Destillerie weg vom Blended Whisky-Zulieferer zum Single Malt-Produzenten machte. Seit den 1990ern erschienen so unter der Marke Tomatin mehr als 29 verschiedene Single Malts.

  • Produktion

Von den abermals 12 Millionen Litern Alkohol-Ausstoß pro Jahr ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Von der Menge, die Tomatin in den 70ern produzierte, sind heute nur noch 2 Millionen übrig geblieben.

Aber es ginge mehr. Die Destillerie hat eine Kapazität von 5 Millionen Litern Alkohol pro Jahr.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.

3 Kommentare für Tomatin Whiskys und wie du sie am besten trinkst

  1. 1968superingo 12. Januar 2017 zu 09:54 #

    Tomatin ist ganz klar eine der Brennereijuwelen in Schottland. Durch die Bank weg tolle Single Malts, die meist auch noch angemessen eingepreist sind. Mit dem Kauf einer Flasche macht man wenig verkehrt. Gerade der normale 12’er ist vom Preis-Leistungsverhältnis geradezu sensationell. In den letzten Jahren sind mir von Tomatin etliche klasse Abfüllungen über den Weg gelaufen.

  2. Philip 12. Januar 2017 zu 11:45 #

    Und was ist deine Meinung zum Cù Bócan?

    • 1968superingo 13. Januar 2017 zu 22:13 #

      Die beiden Abfüllungen des Cù Bócan, die ich bisher probiert habe, waren ansprechend. Interessante Abfüllungen!

Schreibe einen Kommentar