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Die wichtigsten Rum-Sorten auf einen Blick

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Jamaika? Kuba? Von deren Rum hatte ich schon gehört. Irgendwas mit Melasse. Es hieß, man kann es auch pur trinken. Bei meinen ersten Rums hatte ich jedoch nicht auf dem Schirm, dass sich 2 Nationen derart in Bouquet und Geschmack unterscheiden. Und es gibt mehr als ein Dutzend Rum-Sorten.


Die wichtigsten Rum-Sorten auf einen Blick

Wähle Rum-Sorten nach Aromen- und Geschmacksprofil

Guyana bestand zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert aus 3 niederländischen Kolonien: Essequibo, Demerara und Berbice. Bis 1815 wurde das Land mehrmals zwischen den Kolonialmächten Niederlande, Großbritannien und Frankreich hin und her gereicht. Erst 1815 wurde Großbritannien alleinige Herrschaftsmacht.

Aus diesem Grund findest du Guyana- bzw. Demerara-Rum häufig in der Kategorie „Britischer Rum-Stil bzw. Britische Rum-Sorte“. Das Problem ist jedoch: Rum hatte für Kolonialherren in erster Linie wirtschaftliche Bedeutung. Interesse das Aromenprofil zu ändern oder gar neue Rum-Sorten zu etablieren, bestand selten.

Und dennoch. Im Laufe der Zeit entwickelten sich diese 3 Rum-Sorten, entsprechend ehemaliger Kolonien:

  • Britischer Stil: Kräftig und würzig
  • Spanischer Stil: Leicht und süß
  • Französischer Stil: Intensiv und komplex

Jene Eigenschaften mögen auf einzelne Destillerien und Produkte zutreffen, die Regel ist es aber nicht. Dafür sind die einzelnen Brennereien zu unterschiedlich. Rum-Sorten und -Marken nach ehemaligen Kolonialgebieten zu gliedern, ist bei der Rumauswahl daher nicht hilfreich. Im Gegenteil. Es suggeriert uns Verbindungen, die nicht existieren.

Die gemeinsame Sprache machte Migration zwischen Inseln einer Kolonialmacht leichter. Rum-Destillateure konnte von einer zur anderen Insel auswandern. Dies führte auch dazu, dass Aromatik-Tendenzen innerhalb spanischer oder britischer Rum-Sorten erkennbar sind. Von Insel zu Insel.

Nimm aber einmal als Beispiel Rums von Barbados und Jamaica. Beide sind Teil des britischen Rum-Stils. Barbados produziert jedoch einen Rum mit im Schnitt 192 mg/L Ester-Moleküle, Jamaika hingegen 1732. Ein Unterschied um knapp den Faktor 10.

Jamaikanischer besitzt folglich deutlich mehr jener Frucht-Moleküle als Rum von Barbados, hat also ein gänzlich anderes Aromenprofil. Dennoch: Beide zählen zum britischen Stil.

Hinzukommt die Tatsache, dass in einigen Ländern wie Antigua die Zuckerproduktion derart einbrach, dass deren Rum-Hersteller auf Auslands-Melasse angewiesen sind. Hier von regionalem Stil zu sprechen, ist daher kaum mehr möglich.

Zusammenhänge wie die der Ester-Konzentration findest du auch bei anderen Rum-Sorten. Daher macht es mehr Sinn Rum-Sorten nach ihrem Aromenprofil zu ordnen. Dadurch erkennst du Beziehungen zwischen einzelnen Ländern und Marken und weißt beim Kauf deines nächsten Rums, auf was du achten solltest.

Mit diesem Leitfaden möchte ich dir allerdings nur einen Überblick geben, der Tendenzen wiedergibt. Dies kann sich jedoch von Destillerie zu Destillerie, teilweise sogar von Rum zu Rum unterscheiden.

RUM-SORTE #1 | Light Bodied

Light Bodied-Rums liegen leicht auf der Zunge und liefern häufig ein mildes Mundgefühl. Einige Rum-Connaisseure bezeichnen diesen Stil auch als Latin.

Kubanischer Rum

Rum aus Kuba ist der Inbegriff für einen leichten und dennoch komplexen Brand.

Ab 1830 verwendete Don Facundo Bacardi eine Filtrationsmethode mit Aktivholzkohle für seinen Rum. Ein Meilenstein in der Entwicklung der kubanischen Rum-Industrie. Bacardi als auch die Marke Matusalem genossen vor und nach der US-Prohibition hohe Nachfrage, wurden jedoch im Zuge der Verstaatlichung kubanischer Unternehmen enteignet. Die Besitzer führten ihre Marken fortan in anderen Ländern.

Heute ist Havana Club das Flaggschiff der kubanischen Rum-Industrie.

Dominikanische Republik

Die Dominikanische Republik teilt sich mit Haiti eine Insel. Wurden sie früher gemeinsam als Hispaniola bezeichnet, sind es heute 2 eigenständige Staaten. 2 Staaten, mit eigenem Rum-Stil. Wobei vor allem die der Dominikanischen Republik von Exil-Kubanern beeinflusst wurde.

Den Export aus der Dominikanischen Republik bedienen heute in erster Linie 3 Destillerien: Barceló, Brugal und Bermudez.

Nicaragua

Ebenfalls an die Kameraden aus Kuba erinnern die Rums aus Nicaragua. Leichte Brände auf Basis von Melasse. 

Guatemala

Guatemala ist einer der Newcomer unter westlichen Rum-Nationen. Im industriellen Maßstab produziert das Land erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Hat heute mit Botrán, Malteco und Zacapa Szene-Größen anzubieten.

Das Steckenpferd jener Rum-Sorte ist die Verwendung von Zuckerrohrsirup statt Melasse.

RUM-SORTE #2 | Medium Bodied

Guyana

Guyana ist eine der Größen in Mittelamerikas Rum-Produktion. Dies liegt vor allem daran, dass jene Rums – oft auch als Demerara-Rum bezeichnet – als Basis vieler britischer Navy Rums dienten.

Eines der Markenzeichen Guyanas ist die Verwendung von Pot Stills aus Holz, die neben klassischen Brennblasen Individualität liefern.

Venezuela

Rum genießt zusammen mit Chuao, einer hochwertigen Kakao-Sorte und Cocuy Pecayero, einem Alkohol gewonnen aus einer heimischen Pflanze, das Privileg der Regionalität: Die Herkunft venezuelanischen Rums ist geschützt.

Für den Export venezuelanischen Rums spielen vor allem 3 Marken eine Rolle: Diplomatico bzw. Botucal, Santa Teresa und Pampero.

Trinidad & Tobago 

Hier wird Rum in Massen destilliert. Zum einen, da Trinidad & Tobago im großen Stil Zucker produziert, zum anderen da deren Rum als Massengut, so genannte Bulkware, exportiert wird. Ausländische Hersteller können diesen dann nach Belieben weiterverarbeiten.

Aber auch den Purgenuss bedient Trinidad & Tobago im Medium Bodied-Segment. Vor allem die Angostura Destillerie ist hier maßgebend.

 

RUM-SORTE #3 | Heavy Bodied

Jamaika

Jamaika ist der Inbegriff einer Rum-Insel. Dafür sorgt der Lebensstil, den jenes Eiland erfolgreich exportiert. Aber auch deren Eigenheiten bei der Rum-Produktion sorgen für Wiedererkennungswert.

So produzieren jamaikanische Rum-Hersteller ihren Brand so, dass er eine hohe Menge an Ester-Molekülen besitzt. Chemische Verbindungen mit charakteristischen Aromen. Zum anderen destillieren 2 deren Destillerien, Long Pond und Clarendon, auf seltenen Brennblasen: Adams Pot Stills.

Wie auch in Barbados darf jamaikanischer Rum nicht mit Zucker gesüßt werden.

RUM-SORTE #4 | Rhum Agricole

Rhum agricole ist eine Rum-Sorte, die Individualität versprüht. Hast du bis jetzt nur Rums bekannter Marken oder Länder probiert, wird dich das Aroma eines Rhum agricole überraschen. Als ich mein erstes Glas hatte, hatte dies für mich Rum neu definiert. Es hatte meinen Horizont erweitert.

Für die Rhum agricole-Produktion sind vor allem 3 Inseln bekannt: Martinique, Guadeloupe und La Réunion. Französische Übersee-Départements.

Dies ist aus meiner Sicht die einzige Rum-Sorte, bei der eine Zuordnung zum ehemaligen Kolonialherren Sinn macht. Denn als Teil des französischen Staates wird die Rhum-Produktion jener Inseln nach wie vor von Europa aus reguliert.

RUM-SORTE #5 | Cachaça

Cachaça ist kein Rum. Cachaça ist lediglich mit Rum verwandt, da beide auf dem gleichen Rohstoff basieren: Zuckerrohr. Im Gegensatz zu Rum, welcher auch aus Melasse oder Zuckerrohrsirup hergestellt werden kann, dürfen Cachaça-Produzenten lediglich auf frischen Zuckerrohrsaft zurückgreifen. Hinzukommt, dass Cachaça ausschließlich in Brasilien hergestellt werden darf. 

Um dir einen Überblick zu verschaffen, worin weitere Unterschiede zwischen Cachaça und Rum liegen, haben wir hier einen Artikel für dich veröffentlicht: Rum oder Cachaça? Der kleine aber feine Unterschied

RUM-SORTE #6 | Clairin

Blicke ich auf den deutschen Markt, ist Clairin einer der Newcomer. Wahrscheinlich sogar der vielversprechendste. Das vom Elend gebeutelte Land Haiti destilliert in kleinen Mengen jenen Zuckerrohrbrand.

Meist wird dieser Brand nur einmal destilliert und der Hersteller füllt schließlich mit rund 50 %Vol. Auf den hierzulande verfügbaren Produkten – und das sind nicht viele – findest du meist Details über das Produkt, die du bei Produkten anderer Kategorien selten findest.

Vom Dorf der Ernte bis hin zur Art des Zuckerrohrs. Für Terroir- und Individualitäts-Fanatiker ein Paradies.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

2 Kommentare für Die wichtigsten Rum-Sorten auf einen Blick

  1. calberto 10. Januar 2017 zu 17:59 #

    Eine Frage und eine Anmerkung hätte ich,
    – ist mit Adams Pot Still der Hersteller oder das „zwei Retorten-System“ gemeint? Letzteres ist in der Rumwelt, zumindest unter den Pot Still Besitzern, keine zu groß Seltenheit. Hampden (Jamaika), Worthy park (Jamaika) Foursquare (Barbados) South Pacifc (Fiji) und mindestens eine der drei Pot Stills auf St Lucia nutzen dieses System, kann gut sein, dass es noch andere gibt die mir momentan nicht einfallen bzw. nicht bekannt sind.
    Außerdem ist LP doch seid ein paar Jahren geschlossen (oder sind die wieder auf?!)

    – Woher kommen die Esterwerte bzw worauf beziehen sie sich? Sind „Werbe-Werte“ zu Massenmarktflaschen, der Durchschnittswerte der Durchschnittswerte der Destillerien, die ja auch versch. Stile produzieren?

  2. 1968superingo 12. Januar 2017 zu 10:07 #

    Philip, wo sortierst Du denn Ryoma aus Japan, Don Papa von den Philippinen und die in Deutschland gebrannten Rum (z.B. Don Ruffin) ein? Im Moment habe ich das Gefühl, dass sich Rum sehr internationalisiert und Länder auf der Rumweltkarte erscheinen, die bisher keiner so richtig auf dem Schirm hatte.

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