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Wie du einen Mojito am besten zubereitest

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Es ist bunt, sehr bunt. Suche einmal auf Pinterest nach „Mojito“. Die Ergebnisse sind Bilder in den schillerndsten Farben. Ganze Obstkörbe werden in jenem Cocktail-Klassiker verbraten. Und kaum eine dieser Varianten kommt an das Original heran. Vorausgesetzt du machst ihn richtig.


Als ich meinen ersten Mojito zubereitete, war dies ein widerlicher Sud. Der Alkohol scharf, die Minze bitter. Und der Zucker hat dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. Am Ende schmeckte es wie Pfefferminzlikör aus dem Discounter. 

Mein Problem war, dass ich zwar die Rezeptur des Drinks kannte, aber nicht in der Lage war, zwischen den Zeilen zu lesen. Ich wusste nicht, wie ich die Minze bearbeiten sollte, so dass sie frisch schmeckt und nicht bitter. Auch nahm ich den Rum, den mir Plakat- und TV-Werbung vorschlugen.

Ich hatte also einen Drink, der eins zu eins dem Rezept entsprach, den ich aber nicht runterbrachte. Geschweige denn, dass ich ihn einem Gast servieren würde.

Um genau jene Fehler zu vermeiden, hilft dir ein Leitfaden. Einer, der die einzelnen Zutaten analysiert.

Bevor du allerdings Shaker und Muddler suchst, solltest du dich mit dem wichtigsten befassen: die Aromatik der Zutaten. Rum, Limette und Minze.

Denn wenn du schlicht Produkte verschiedener Marken vermixt und hie und da mal einen Zentiliter mehr oder weniger in den Shaker gießt, ist das Glücksspiel. Es ist wie die Spaghetti Al Dente-Methode: Du wirfst sie gegen die Wand und hoffst, eine bleibt kleben.

Du kannst aber den anderen Weg gehen und gezielt auf Balance im Mojito hinarbeiten. Um bereits dessen Basis, den Rum zu verstehen, haber wir hierzu für dich 2 Artikel veröffentlicht: Die wichtigsten Rum-Sorten auf einen Blick und Wie du mit 5 einfachen Schritten deine Sensorik für Rum verbesserst.

Die Rezeptur des Mojito

Googelst du den Begriff „Mojito“, erhältst du 27.800.000 Suchergebnisse. Meist Rezepte. Ein Großteil dieser verlangt nach braunem Rohrzucker. Allerdings beschreiben sie nur ungenau, wie du diesen zu verarbeiten hast. 

Folgst du jenen Rezepten schlürfst du dich durch eine herb-saure Flüssigkeit, um am Ende mit dem Strohhalm den Rohrzucker vom Glasboden aufzusaugen. Das Knirschen zwischen den Zähnen mag vielleicht Spass machen. Für die Zubereitung eines guten, ausbalancierten Drinks macht dies jedoch soviel Sinn wie ein wasserdichter Teebeutel.

Das für uns beste Rezept haben wir mit folgenden Maßen und Volumina gefunden:

  • 5 cl Weißer Rum
  • 5 Minzezweige
  • 2 cl Zuckersirup (Weißer Rohrzucker : Wasser = 2:1)
  • 2 cl Limettensaft
  • 2 Tropfen Angostura Bitters
  • 4 cl Soda

Gib zunächst die Minzblätter zusammen mit dem Zuckersirup in den Shaker. Quetsche mit einem Stößel/Muddler die Blätter mehrmals gegeneinander und gegen die Shakerwand. Fülle nun Rum, Limettensaft, Angostura Bitters und wenig Crushed Ice hinzu.

Die Zutaten anschließend „whippen“. Das heißt, du schüttelst den Drink einige Mal im Shaker, sodass sich das Crushed Ice auflöst. Dadurch erreichst du kaum Kühlung, aber einen Zusammenschluss aller Zutaten.

Gieße nun in einen doppelten Tumbler. Soda dazu, mit Crushed Ice auffüllen und mit Minzezweig dekorieren.

Ob du ein paar Tropfen Angostura Bitters dem Drink zugibst, ist optional. Der Mojito funktioniert auch ohne. Dennoch bin ich der Meinung, dass wenige Tropfen jenes Bitters dem Drink einen Hauch mehr Raffinesse und Komplexität verleihen.


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Ein Mojito funktioniert nicht mit jeder Minze

Willst du einen Mojito zubereiten, gelangst du irgendwann an den Punkt, an dem du zur Minze greifen musst. Du zupfst die Blätter vom Stängel, gibst sie in den Shaker. 

Bevor dies passiert, solltest du dir die Frage gestellt haben: „Welche Minze soll ich überhaupt verwenden?“. Vielleicht hast du das auch nicht und intuitiv zu einer passenden Art gegriffen. Bei den 25 bis 30 verschiedenen Sorten, die es gibt, ist die Wahrscheinlichkeit aber gering.

Für welche Minze du dich auch entscheidest, 2 Eigenschaften sollte sie besitzen: 

  • Frische: Das Aromenprofil eines Mojito lebt von der Frische, die ihm Minze liefert. Dadurch fallen Minze-Arten wie Nana oder Hirschminze heraus.
  • Intensität: Das Aroma der Minze muss gegen Rum und Limettensaft antreten. Damit du in deinem Drink „Minze“ auch wahrnimmst, kommen Sorten wie Apfel- oder Wasserminze nicht in Frage.

Eine Sorte, die beides besitzt, ist Mentha nemorosa. Daher auch deren Trivialname „Hemingway- oder Mojito-Minze“. Sofern sie nicht dein örtlicher Super- oder Baumarkt im Angebot hat, kannst du sie oder ihre Samen auch online bestellen.

Solltest du auch dort nicht fündig werden, funktioniert auch Pfefferminze Mentha piperita.

Warum schmeckt mein Mojito nicht nach Minze?

Dein Mojito ist fertig, zubereitet nach Rezeptur. Und doch fehlt ein Element. Es schmeckt einfach nicht nach Minze. Zwar siehst du die kleinen grünen Blätter in der Flüssigkeit treiben, im Mund fehlt davon jedoch jede Spur.

Hierfür gibt es 3 mögliche Ursachen. Die du jedoch alle recht schnell beseitigen kannst.

Ursache #1: Du hast die falsche Minze genommen

Nimmst du Schoko- oder Wasserminze, reichen deren Aroma nicht aus. Rum und Limette erdrücken sie.

Ursache #2: Du hast zu wenig Minze genommen

Selbst wenn du Minze-Arten nimmst, deren Aroma intensiv aus dem Glas steigt, brauchst du die passende Anzahl. Nimm pro Zentiliter Rum einen Minzezweig.

Ursache #3: Du hast die Minze falsch zubereitet

Gibst du die Minze in den Shaker, dann benutze den Stößel nicht als Presslufthammer. Du sollst die Minze Blätter andrücken, aber nicht zerreißen. Passiert dies, schmeckt dein Mojito bitter. 

Dies kannst du ganz einfach nachvollziehen, wenn du eines der Minzeblätter auf deine Zunge legst. Drücke es gegen deinen Gaumen und du erkennst ein frisches Minze-Aroma. Zerkaust du das Blatt hingegen, bleibt ein herber Geschmack zurück.

Aus diesem Grund findest du in vielen Cocktail-Büchern als auch Videos den Tipp mit den Handflächen. Laut diesem nimmst du die Minzeblätter in deine flache Hand und klatschtst mit der anderen Hand drauf. Dadurch sollen sich die Blattporen öffnen und die ätherischen Öle freisetzen.

Das tun sie auch. Aber was bringen mir die ätherischen Öle in meiner Hand? Du kannst dem Gast dann seinen Mojito servieren und deine Hand hin halten: „Riech‘ mal. So hätte dein Cocktail schmecken können.“

Die daher beste Variante die Minze-Aromen in den Drink zu bringen, ist folgender: Gib die Minzeblätter in den Shaker, Zucker hinzu (ich empfehle dir Sirup, da er die Aromen besser aufnimmt als reiner Zucker) und drücke mehrmals auf die Blätter ohne sie zu zerreißen.

Zuckersirup selbst herstellen

Stellst du deinen Zuckersirup selbst her, kannst du dessen Geschmack lenken. Je nach dem welchen Zucker du verwendest, bekommst du einen klaren, süßen Sirup oder einen Hauch Karamell.

8 Zucker-Arten stehen dir hierfür zur Verfügung.

Möchtest du wissen, welchen geschmacklichen Einfluss die einzelnen Varianten haben und wie du sie am besten einsetzt, haben wir hier einen Artikel für dich geschrieben: Sirup-Sessions Teil 2: Was du über Zuckersirup an der Bar wissen solltest.

WELCHER RUM EIGNET SICH?

Die Rezeptur des Mojitos entstand in Kuba. Dementsprechend entwickelten Bartender jenen Drink auf Basis des dortigen Rums. Ein Melasse-Destillat mit leichtem Aromen- und Geschmacksprofil.

Nimmst du einen jungen kubanischen Rum, fährst du daher recht gut. Allerdings bist du nicht auf Produkte jener Karibikinsel angewiesen, um einen guten Mojito zu kreieren. Auch Hersteller anderer Nationen liefern dir jene so genannten Light Bodied-Rums.

Bedienen kannst du dich zum Beispiel bei Produkten aus Nicaragua, Guatemala oder der Dominikanischen Republik.

EIN MOJITO IST EINE MELANGE AUS SMASH UND FIZZ

Einen Mojito in eine klassische Cocktail-Kategorie einzuordnen, ist schwierig. Das stellte ich in dem Moment fest, als ich zu meiner Rechten dessen Rezeptur hatte und zu meiner Linken eine Beschreibung aller Cocktail-Genres.

Caipirinhas ließen sich einsortieren, Daiquiris und Margaritas, Old Fashioneds und Slings. Alles kein Problem.

Und der Mojito? Der passte nirgends rein.

Kombinierst du allerdings 2 der bestehenden Kategorien, Smash und Fizz, miteinander, spiegelt dies die Rezeptur jenes kubanischen Cocktails wieder.

  • Smash: Spirituose + Zitrussaft + Zucker/Sirup + „gemuddelte“ Früchte/Kräuter
  • Fizz: Spirituose + Zitrussaft + Zucker/Sirup + wenig Sodawasser/Filler

Bildquelle: Titelbild: © Jacob Lund – Fotolia.de; Minze: SummerTomato – Fotolia.de

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

6 Kommentare für Wie du einen Mojito am besten zubereitest

  1. matthias 29. Januar 2017 zu 00:11 #

    ok toller artikel, jetzt muss ich im sommer nur noch dran denken ihn wieder zu lesen

    Mein Tipp,
    stellt den Artikel einfach im Sommer nochmal online, damit ihn ddie Leute anfang Juni wieder auf dem Schirm haben

    • Philip Reim 29. Januar 2017 zu 07:32 #

      Danke für den Hinweis. Wir arbeiten gerade am Redesign von Eye for Spirits. Da wollen wir sowas, wie von dir vorgeschlagen, aufgreifen.

      Gruß Philip

  2. Michael 31. Januar 2017 zu 09:12 #

    Toller Artikel über meinen liebsten Cocktail. Auf die Idee mit dem Sirup bin ich noch gar nie gekommen. Wird demnächst ausprobiert!

    Noch ein Hinweis zum Eis: Die Kubaner kennen kein Crushed-Ice. Die Kubaner trinken ihren Mojito mit Eiswürfeln. Der Mojito verwässert daher nicht so schnell und ist mit einem guten Rum eine hervorragende Variante.

  3. Ugur 31. Januar 2017 zu 11:51 #

    Sehr schön wie immer..noch dazu gelernt ,also nicht die Minze klatschen 🙂 hier Rich mal 🙂

    Macht mal bitte ein passenden Video darüber :))

  4. Nick 31. Januar 2017 zu 13:42 #

    Schöner Artikel, wie immer!

    http://creativshake.com/cocktails/mojito-blackwood-style
    http://creativshake.com/cocktails/mojito

    Kannst nächstes mal bei mir vorbei schauen dann brauchst du nicht lange nach einem guten Rezept suchen:-)

  5. Hauke G. T. 28. Februar 2017 zu 10:51 #

    Sehr schöner Artikel, obwohl ich sagen muss, das mir die Shaker Methode nicht wirklich zusagt. Eine elegantere Variante ist, die Minze ins Glas zu geben und mit dem Barlöffel am Glasrand reiben. Hierdurch werden die Aromen im ganzen Glas verteilt und es geht schneller im Abendgeschäft. Wenn man ihn dann noch wie einen Julep behandelt und etwas stehen lässt, hat man zusätzlich noch eine kleine Infusion und die Zeit sich um andere Drinks zu kümmern.

    Sorry für das Rum generde 😉

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