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Diese 9 Gin-Begriffe solltest du kennen

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Ich habe es aufgegeben. Jedes Mal, wenn ich denke, der Gin-Trend hat seinen Zenith überschritten, belehren mich die Verkaufszahlen eines Besseren. Um dir daher in der Gin-Flut eine Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, haben wir diese 9 Gin-Begriffe unter die Lupe genommen.


#1: Genever

Blickt der Gast nur kurz über den Rand seines Gin & Tonics, dringt etwas tiefer in die Materie, entdeckt er Genever. Er muss ihm nicht schmecken, er muss ihn nicht mögen, aber er hat zumindest von ihm gehört. Denn die Rechnung ist einfach: Ohne Genever keinen Gin.

Als noch kein Münchner an einen Gin & Tonic dachte, noch keine britische Destillerie Gin brannte, war Genever in Europa bereits eine Hausnummer. Bereits im 17. Jahrhundert exportierten die Niederlande den Wacholderschnaps. Er war folglich einer der ersten aromatisierten Kornbrände, der für Jahrhunderte bleiben sollte.

Genever basiert auf Malzwein oder auch Malzweindestillat und hat einen Alkoholgehalt von mindestens 35 %Vol.

Je nach dem, ob du dich für Jonge oder Oude Genever entscheidest, bekommst du 2 unterschiedliche Aromenprofile:

  • Oude: Für diesen Genever-Typ muss der Anteil von Malzwein im Verhältnis zum Neutralalkohol bei mindestens 15 Prozent liegen. Nicht bei allen Produkte wirst du Wacholder schmecken können.
  • Jonge: Jonge-Genever darf höchstens 15 Prozent Malzwein besitzen.

#2: Compound

Ob ein Gin nun als Compound oder Distilled eingestuft werden soll, ist ein Streitthema der Szene. Die Frage, um die es dabei geht, ist folgende: Darf ein Gin, der 2-mal destilliert wurde, anschließend aber noch Aromastoffe erhielt, als Distilled Gin bezeichnet werden? Oder ist es doch ein Compound Gin?

Per definitionem ist ein Compound Gin destillierter Alkohol, der mit Botanicals aromatisiert wurde. Ein Teil der Szene sieht diese Definition aufgehoben, sobald der Gin ein zweites Mal destilliert wurde. Unabhängig davon, ob die Destillerie anschließend nochmals aromatisiert oder nicht.

Die andere Fraktion hält dagegen: Egal, wie oft destilliert wurde, gibt der Hersteller anschließend noch Essenzen oder Botanicals dazu, ist es ein Compound oder Bathtub Gin.

Dieses Thema könnte als Haarspalterei von Nerds gelten, wenn es nicht um bares Geld gehen würde. Distilled Gin ist die Voraussetzung, einen Gin als London oder Dry bezeichnen zu dürfen. Prädikate, die einen höheren Preis rechtfertigen. Bei Compounds ist dies nicht der Fall.

Ein Produkt, bei dem diese Frage regelmäßig auftritt, ist Hendrick’s Gin.

#3: Agency-made-Gins

Googles Suchanfragen liefern ein Indiz für unser Interesse an Gin.

Dieses Interesse erzeugt Nachfrage. Und Nachfrage klingt wie Musik in den Ohren von Herstellern und Händlern. In den vergangenen Monaten und Jahren schien es dabei keine Rolle zu spielen, ob sich etablierte Brennereien oder Trittbrettfahrer an den Wacholderschnaps wagten.

Bei letzteren handelte es sich häufig um PR- und Werbeagenturen, die sich um die Vermarktung kümmerten. Die Gin-Produktion gaben sie in Form von Lohnabfüllungen an Brennereien ab. Um welche es sich dabei handelte, wurde nicht immer kommuniziert.

Und die Qualität war häufig bescheiden.

Informiere dich daher im Vorfeld über den Gin. Wer hat ihn destilliert? Gibt es keine Auskunft über die Destillerie oder den Brennmeister, dann wäre dies der Zeitpunkt für Skepsis.

#4: Juniper forward

„Juniper forward“ bedeutet, dass der Wacholder hervorsticht. Riechst du an diesem Gin, nehmen jene Zapfen einen Großteil des Bouquets ein.

Nachdem um das Jahr 2010 herum mehr und mehr fruchtige und blumige Gin-Sorten in den Handel kamen, schien die Szene vor 1 bis 2 Jahren umzudenken. Das Aromenprofil mit Wacholder als dominante Note rückte wieder mehr in den Fokus. Sowohl in der Gastronomie als auch beim Endverbraucher.

Meist immer an der Seite vom Wacholder: Koriander und Zitrusfrüchte. Gemeinsame chemische Verbindungen erzeugen Komplexität und heben das Wacholder-Aroma nach oben.

 

# 5: Reserve Gin

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich das erste Mal „Reserve“ im Zusammenhang mit Spirituosen las. Es war auf das Label irgendeines Produkts gedruckt. Ich hatte keine Ahnung, was es bedeutet.

Dass ich hierzu auch in Literatur und Internet nichts fand, lag schlichtweg daran, dass der Begriff nicht definiert ist. Hersteller können ihn zu Verkaufszwecken frei verwenden.

In der Industrie ist es jedoch Usus den Begriff immer dann zu verwenden, wenn es sich um fassgelagerte Destillate handelt. Auch so bei Gin.

So beschreibt der Begriff „Reserve Gin“, Gin aus dem Holzfass. Um welches es sich dabei handelt, kannst du nicht herauslesen. Auch nicht die Reifungsdauer. Fakt ist aber, dass deren Preis meist höher liegt als der vergleichbarer Gins ohne Fasslagerung.

# 6: Sloe & Quince Gin

Eigentlich sind es keine Gins. Weder Sloe noch Quince Gins. Denn weder müssen diese Tropfen auf Gin bzw. Wacholder basieren, noch müssen Hersteller den Mindestalkoholgehalt von Gin erreichen. Aus diesem Grund sind Sloe und Quince Gins mit einem Alkoholgehalt von unter 37,5 %Vol. die Regel.

Sloe Gin wird meist nur aus historischen Gründen in die Gin-Kategorie eingeordnet. Inhaltlich hat es damit selten etwas zu tun. Vielmehr ist es ein Schlehen-Likör. Hersteller sind nicht einmal verpflichtet, Gin als Basis-Alkohol zu verwenden. Rein rechtlich reicht auch Neutralalkohol.

Quince Gin geht in eine ähnliche Richtung wie die Sloe-Variante, ist jedoch ein eher modernes Phänomen. Um es einfach auszudrücken: Schlehe wurde durch Quitte ersetzt. 

#7: Vapour Infusion

Um Aromen in einen Gin zu bekommen, braucht jeder Hersteller Botanicals. Naturprodukte wie Kräuter, Gewürze oder Früchte liefern chemische Verbindungen und damit Aromastoffe. Die Frage ist nur: Wie kriegt der Hersteller diese Moleküle aus den Pflanzen und in seinen Gin?

Die 2 gängigsten Methoden sind Mazeration und Dampfinfusion, englisch: vapour infusion.

Für diese gibt der Hersteller seine Botanicals in eine Art Korb. Durch diesen leitet er anschließend die Alkoholdämpfe, die während der Destillation entstehen. Der Alkohol durchdringt die Zutaten und entreißt ihnen Aromastoffe. Raus aus der Pflanze, rein in den Gin.

Die erste Gin-Marke, die dieses Verfahren als ihr Markenzeichen verkaufte, war Bombay Sapphire.

# 8: Wacholderlutter

Gin basiert nicht auf Wacholder; Gin basiert auf Getreide- oder Obstbränden. Wacholder verwenden Hersteller nur zum Aromatisieren, nicht aber um daraus Alkohol zu gewinnen.

Zwar enthalten Wacholderzapfen Zucker, allerdings in zu geringen Mengen, um daraus eine brauchbare Alkoholausbeute zu erhalten. Die Fermentation wäre nicht effizient. 

Blickst du dich allerdings in der Geschichte deutscher Wacholder-Brände um, gingen manche Hersteller diesen umständlichen Weg. Das Produkt: Wacholderlutter.

Hierfür vergärt der Brennmeister den Wacholder, destilliert ihn und vermengt das Produkt mit Getreidebränden.

Solltest du eines dieser Wacholder-Tropfen probieren wollen, dann schaue dir einmal die Destillate von Schlichte, Steinhäger oder Fürstenhöfer an.

# 9: Plymouth

Es ist eine der wenigen Ausnahmen, bei dem Gin nur in einer bestimmten Region hergestellt werden darf. Ähnlich wie Tequila, Cognac oder Champagner darf sich ein Gin nur „Plymouth“ nennen, wenn er innerhalb der Stadtgrenzen jenes englischen Ortes hergestellt wurde.

Die Original-Variante des Plymouth Gins besitzt 41,2 %Vol. Alkohol und ist etwas süßer als Gins des London-Stils. Neben dieser gibt es noch Navy Strength-Versionen mit 57 %Vol. und einer Export-Variante mit 47 %Vol.

Heute existiert mit der Black Friars Distillery lediglich noch eine Gin-Brennerei in Plymouth.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Diese 9 Gin-Begriffe solltest du kennen

  1. Philipp 31. Januar 2017 zu 15:43 #

    „wenn er innerhalb der Stadtgrenzen jenes englischen.“ … Ortes erzeugt wird.

    • Philip Reim 31. Januar 2017 zu 17:01 #

      Danke für den Hinweis, habe es soeben ausgebessert.

      Gruß Philip

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