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9 Fragen, die sich Cognac-Einsteiger stellen…und deren Antworten

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Erreichen mich Mails von Lesern, handeln sie in erster Linie von Whisky. Gelegentlich steht in der Betreffzeile aber auch „Cognac“. Etwa ein Mal alle 6 Wochen. Die folgenden Fragen tauchten dabei immer wieder auf, scheinen Cognac-Einsteiger daher am meisten unter den Nägeln zu brennen.


Was hält diesen Stoff am Boden? Zumindest in Europa. Denn hierzulande kennt ihn jeder, trinkt ihn aber nicht. Dennoch: Seine Aromatik stellt manch andere Spirituosen-Kategorien in den Schatten, ist Messlatte und Wegweiser zugleich.

Was den Weinbrand aus der Charente allerdings wie eine Fußfessel im Händlerregal hält, ist sein Ruf. Er ist das eingestaubte Altherren-Getränk; er ist das, was Scotch vor 30 Jahren war. 

Zumindest bei uns. Denn uns steht der Sinn nach Single Malts, nach Single Cask Rums oder nach Mezcal. Ohne Frage sind dies hervorragende Destillate, in dessen Reihe sich jedoch Cognac befinden sollte. Es ist ein Muss, denn ansonsten geht uns ein Bouquet durch die Lappen, dass unseren aromatischen Horizont enorm erweitert.

Dass wir eine Entwicklung wie in den USA brauchen, in denen Cognac zum Mode-Drink wird, bezweifle ich. Trinken wir einen VSOP oder XO zu Rap-Songs direkt aus der Flasche, ist das in etwa so sinnvoll wie ein Rauchmelder mit Standby-Funktion.

Denn von seiner Komplexität und Raffinesse kriegen wir dann genau so wenig mit, wie wenn wir ihn schlicht im Händlerregal stehen lassen.

Sollte dich also deine Lieblings-Scotch-Marke mal wieder mit einer Marketing-Abfüllung ohne Alter provozieren oder ein Gin mehr nach Ananas als nach Wacholder schmecken, dann probiere Cognac.

Um dir beim Genuss dieses Weinbrand noch etwas unter die Arme zu greifen, habe ich dir im folgenden einige Fragen und Antworten aufgelistet. Fragen, die sich das Gros der Cognac-Einsteiger stellt.

Was ist der Unterschied zwischen Cognac und Weinbrand?

Weinbrand ist die Ober- Cognac die Unterkategorie.

Produziert eine Brennerei ein Destillat auf Basis von Weintrauben, ist das Produkt ein Weinbrand. Egal, ob Brandy, deutscher Weinbrand oder eben Cognac, all diese fallen unter die Kategorie „Weinbrand“.

Cognac zu Weinbrand ist daher ähnlich wie Tequila zu Mezcal oder Champagner zu Schaumwein.

Wo kommt Cognac her?

Vor 4 Jahren folgte ich zusammen mit einer Hand voll Bloggern und Journalisten einer Einladung von METAXA nach Griechenland. Eines der Programmpunkte war damals eine Führung durch deren Destillerie. Vorbei an Brennblasen, an Fässern. Und Vitrinen.

Das Spannendste an diesem Rundgang war eine einzelne Flasche. Eine Flasche mit dem Aufdruck METAXA Koniak.

Heute ist diese Abfüllung ein Vermögen Wert, denn ab 1919 untersagte der Versailler Friedensvertrag die Herstellung von Cognac. Dies galt für alle Gebiete, außer einer kleinen Region im Westen Frankreichs. Die letzten Flaschen Metaxa Koniak stammen also aus den Jahren um die Jahrhundertwende.

Jener Vertrag sicherte Frankreich das Markenrecht an Cognac zu. Zuvor verwendeten Hersteller weltweit Cognac als Bezeichnung ihres Weinbrands. „Cognac“ verkaufte sich einfach besser als „Brandy“ oder „Weinbrand“. „Cognac“ wurde zum Synonym eines Genres. Wie „Tempo“ oder „Zewa“ heute.

Auch deutsche Weinbrand-Hersteller wie Asbach „Uralt“ machten regen Gebrauch von diesem Begriff. Bis 1919.

Heute dürfen Destillerien Cognac nur in einer Region Frankreichs produzieren: im Westen entlang des Flusses Charente. Dort erstrecken sich die Rebflächen über 4 Départements. 79.000 Hektar Weinanbau. 95 Prozent davon für die Weinbrand-Herstellung.

Hältst du nun eine Flasche Cognac in Händen, wirst du von dieser Angabe meist nichts finden. Stattdessen drucken Hersteller Begriffe wie „Grande Champagne“, „Borderies“ oder „Fins Bois“ auf die Labels.

All dies sind Anbaugebiete, sogenannte Crus, innerhalb der Cognac-Region. 6 an der Zahl. Sie geben dir Hinweise darüber, was dich im Glas erwartet.

Grande Champagne: Der Boden der Grande Champagne ist Campanium-Kalk. Cognacs aus dieser Region besitzen häufig ein graziles und blumiges Aromenprofil. Vor allem Abfüllungen hohen Alters solltest du im Blick haben.

Petite Champagne: Die Petite Champagne bildet einen Ring um die Grande Champagne. Deren Boden entwickelte sich zudem in einer anderen Epoche, daher auch deren Name „Santon-Kalk“. Cognacs dieser Region sind meist voller Nuancen und Komplexität.

Vermählt ein Hersteller Grande Champagne Cognac mit jenem aus der Petite Champagne zu gleichen Teilen, bezeichnet man diesen Tropfen als Fine Champagne.

Borderies: Anders als die Champagne ist Borderies mehr spätsommerlichen Regenfällen ausgesetzt. Eine Tatsache, die die ein oder andere Ernte vernichten kann. Reben der Borderies wachsen auf Groies-Böden, eine Mischung aus Kalk und Lehm.

Durch seine chemische Zusammensetzung und vergleichsweise hohe Bodenfeuchtigkeit liefert die Borderies High End-Cognacs.

Fins Bois: Mit 31.000 Hektar ist es das größte Angebaugebiet. Cognacs aus dieser Region sind meist weiche, fruchtige Tropfen.

Bons Bois und Bois Ordinaires: Diese Tropfen sind die Haudegen unter den Cognacs. Sie wirken eher brachial und weniger grazil, eher einfach und weniger komplex. Einmal im Holzfass reifen sie im Vergleich zu anderen Cognacs schnell.

 

Was ist der älteste Cognac?

Einen Cognac aufgrund seines Alters hervorzuheben, ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Denn Hersteller sind nicht gezwungen eine Altersangabe zu ihrem Destillat zu machen. Und tun sie es doch, gibt „XO“ das höchste Alter an. Und dies ab 6 Jahren.

Das heißt: Reifte ein Coganc 6 Jahre im Fass, darf er die Bezeichnung „XO“ tragen. Da spielt es keine Rolle, ob es tatsächlich 6 waren oder 11 oder 37.

Suchst du allerdings eine Superlative hinsichtlich des Alters, dann dürftest du bei Augier Cognac fündig werden. Dieses Cognac-Haus existiert seit 1643 und ist somit die erste Destillerie jenes Weinbrands.

Im Herbst 2016 betrat Augier Cognac offiziell den deutschen Markt.

Was ist der Unterschied zwischen Cognac und Armagnac?

Armagnac ist der ältere Bruder des Cognacs. Und wenn ich es genau nehme, dann ist er sogar der ältere Bruder von allen französischen Weinbränden. Denn jener Weinbrand aus der Gascogne ist die älteste Spirituose Frankreichs.

Wie bei Cognac dürfen Destillerien Armagnac nur in einem genau definierten Gebiet Frankreichs anbauen und destillieren. Auch wenn es mit 15.000 Hektar gerade einmal so groß ist wie die Petite Champagne.

Neben Unterschieden in der Lagerung – Armagnac reift zwischen 3 und 20 Jahren – sind es vor allem Rebsorten und Destillation, die Armagnac von Cognac abgrenzen. Während Cognac zweifach destilliert wird, brennen Armagnac-Hersteller ihren Tropfen nur einmal.

Zugelassen sind hierfür Weine aus folgenden Rebsorten: Ugni Blanc, Baco Blanc, Colombard und Folle Blanche. Aber auch Blanc Dame, Graisse, Jurancon Blanc, Mauzac, Mauzac Rose und Meslier-Saint-Francois kommen zum Einsatz. Letztere sind Weine, die du bei Cognac nicht finden wirst.

Was heißt Cognac V.S.O.P und was XO?

Cognac-Hersteller halten sich nicht mit Zahlen auf. Eine eindeutige Altersangabe wirst du auf den wenigsten Produkten finden. Stattdessen verwendet die Cognac-Industrie Akronyme und Abkürzungen wie VSOP und XO. Buchstaben, die dir einen Hinweis auf das Alter des Cognacs geben.

Üblicherweise ist ein Cognac eine Assemblage, ein Komposition verschiedener Jahrgänge und Lagen. Trägt das Produkt eine Altersangabe, bezieht es sich immer auf das jüngste Destillat, das in die Assemblage einfloss. Das heißt: Vermählt eine Destillerie Brände von 2, 8 und 45 Jahren zu einem Cognac, so erhält dieser die Kennzeichnung für ein 2-jähriges Produkt.

Damit du beim Kauf deines nächsten Cognacs weißt, welches Alter du in der Hand hältst, findest du im Folgenden die gängigsten Begriffe:

  • V.S. oder *** (3 Sterne): Diese Cognacs reiften mindestens 2 Jahre. Das gesetzliche Minimum.
  • V.S.O.P., Vieux, V.O., Réserve: 4 Bezeichnungen für einen Cognac, der mindestens 4 Jahre im Fass verbrachte. V.S.O.P. steht dabei für Very Superior Old Pale, also ein Cognac mit „vornehmer Blässe“. Halte im V.S.O.P.-Bereich vor allem nach Cognacs der Borderies Ausschau. Brände jener Lage trumpfen hier so richtig auf.
  • XO, Napoléon, Extra, Hors d’âge, Royal, Très Vieux, Vielle Réserve: Bisher mussten diese Cognacs mindestens 6 Jahre im Fass verbringen. Ab dem 01. April 2018 steigt das Mindestalter für XO-Cognacs allerdings von 6 auf 10 Jahre.

Ab April 2018 müssen XO-Cognacs ein Mindestalter von 10 Jahren besitzen.

Wie wird Cognac hergestellt?

Als Weinbrand ist das Ausgangsmaterial für Cognac klar: Wein. Für diesen können sich Cognac-Hersteller bei 6 verschiedenen Rebsorten bedienen:

  • Colombard
  • Folle Blanche
  • Montils
  • Ugni Blanc
  • Sémillon
  • Folignon

Den Löwenteil liefert Ugni Blanc. Eine Rebsorte, die 98 Prozent der Cognac-Produktion bestimmt.

Diese presst der Hersteller aus und fermentiert den daraus gewonnenen Saft.  Besonderes Augenmerk legt das Gros der Hersteller dabei auf Weine mit hohem Säure- und niedrigem Alkoholgehalt. Nach 2 bis 3 Wochen Fermentation enthalten die Weine daher rund 7 bis 8 %Vol. Alkohol.   

Anschließend erfolgt die Destillation. Anders als bei Scotch oder Gin richtet sich die Brennsaison nach der Ernte. So läuft die Destillation von November bis 31. März. In dieser Zeit kannst du einen feinen, süßlichen Duft in der Region erkennen. Aufgestiegen aus den Eaux-de-vies, den Bränden, die aus den Kupferbrennblasen tropfen.

Diese solltest du dir allerdings nicht vorstellen wie jene, die deutsche Obstbrenner oder schottische Single Malt-Destillerien verwenden. Cognac-Hersteller verwenden Charentaiser Brennblasen, so genannte Alembics.

In diesen brennt die Destillerie ihren Cognac zweimal auf höchstens 72,4 %Vol. Allerdings darf die zweite Destillation, die Bonne Chauffe, lediglich 25 Hektoliter umfassen. 

Anschließend kommt der Weinbrand ins Eichenfass. Mindestens 2 Jahre.

Wie reift Cognac?

Cognac reift in Eichenfässern mit einer Kapazität von rund 350 Litern. Anders als bei Rum, Whisky oder Tequila, wo meist Holz der Weisseiche (Quercus alba) verwendet wird, greifen Cognac-Hersteller ausschließlich zu 2 Eichen-Arten:

  • Quercus robur: Stiel- oder Limousin-Eiche mit markantem Aromenprofil und viel Tanninen und Gerbstoffen
  • Quercus petraea: Trauben- oder Troncaise-Eiche mit weniger Tanninen und Gerbstoffen

Blätterst du in Cognac-Literatur – wovon es nicht viel gibt – findest du gelegentlich die Begriffe: Quercus sessiliflora und Quercus pedunculata. Dies sind lediglich Synonyme der oben genannten Eichen-Arten.

Wie auch in anderen Spirituosen-Kategorien, brennen Küfer die Cognac-Fässer vor Gebrauch aus. Ein Röstvorgang, der als Bousinage bezeichnet wird.

Wie wird Cognac getrunken?

Cognac ist ein Destillat, das von Nuancen und Komplexität lebt. Dementsprechend solltest du auch Nosing- bzw. Tasting-Gläser verwenden, die dir ein möglichst großes Geschmackserlebnis liefern.

Nimm Gläser mit schmal zulaufender Öffnung sowie einem Stil. Dieser ermöglicht dir, dass du das Glas in der Hand halten kannst, ohne den Weinbrand mit dieser uu erwärmen. Ein Problem, das bei bekannten Cognac-Schwenkern auftreten und zu seifigen Noten führen kann.

Wo wird am meisten Cognac getrunken?

Nicht in Frankreich. Cognac ist ein Produkt für den Export, denn statt ihres eigenen Weinbrands gießen die Franzosen lieber Whisky und Gin in ihre Gläser. Über 90 Prozent jenes Weinbrands geht ins Ausland.

Deren größter Abnehmer sind die USA, bei denen 65 Millionen Flaschen pro Jahr über die Ladentheke gehen. Darauf folgt China, wo Cognac in erster Linie als Status- und Luxus-Symbol gehandelt wird.

In Europa scheinen die Cognac-Flaschen hingegen ans Händlerregal gefesselt. Selbst in Großbritannien, Europas größter Abnehmer französischer Weinbrände, steht auf der Bremse. Und Deutschland? Wir befinden uns innerhalb Europas auf Platz 5. Tendenz nicht steigend.

Was ist Boisé?

Boisé ist etwas worüber die Cognac-Industrie nicht viele Worte verliert. Auch wenn es viele – wenn nicht sogar die meisten – Hersteller anwenden.

Hierfür werden Holzchips gekocht. So lang und so oft wie nötig, um eine dicke, braune Flüssigkeit daraus zu gewinnen. Diese soll dem Destillat eine gewisse Holznote verleihen und ein gewisses Alter suggerieren.

Es bietet also all jenen Cognac-Herstellern eine Abkürzung, die ihrem neuen Cognac einen Hauch von Holz mitgeben möchten. Zudem ist es eine günstige Alternative zum Kauf von neuen Fässern. Zumal ein einzelnes Barrique-Fass mittlerweile häufig bei über 600 Euro liegt; oder anders ausgedrückt: über 1 Euro pro Flasche Cognac.

Es ist also ein kleines schmutziges Geheimnis der Cognac-Industrie. Eines wie sie auch andere haben und hatten. So auch Scotch mit ihrem Paxarette.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

5 Kommentare für 9 Fragen, die sich Cognac-Einsteiger stellen…und deren Antworten

  1. Thomas Keller 18. Februar 2017 zu 13:18 #

    Hi Philip,
    dürfen beim Armagnac auch Stoffe zugesetzt werden wie beim Cognac?
    Was unterscheidet die beiden im Geschmack?

    Grüße
    Tom

    • Philip Reim 18. Februar 2017 zu 15:00 #

      Hallo Thomas,

      nein, Armagnac darf zum Beispiel keinen Zucker enthalten. Grundsätzlich eine Unterscheidung zu machen, wie Armagnac und Cognac im Vergleich schmecken, ist schwierig. Dafür sind die beiden Destillate zu nah verwandt und die Aromenprofile zu ähnlich. Zwar gibt es Unterschiede bei den Trauben, in der Praxis werden jedoch die gleichen Rebsorten bei beiden Produkten verwendet. Wenn ich es aber benennen müsste, würde ich sagen, der durchschnittliche Armagnac ist etwas nussiger und hat häufig Pflaumen-Aromen.

      Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen.

      Gruß Philip

      • Thomas Keller 18. Februar 2017 zu 17:11 #

        Vielen Dank, es hilft mir.

        Kannst du mal was über Calvados schreiben?

  2. Philip Reim 19. Februar 2017 zu 19:32 #

    Hatte ich vor. Kann dir leider im Moment aber noch keine genaue Zeitangabe geben.

    Gruß Philip

  3. Thomas Keller 21. Februar 2017 zu 04:28 #

    Kein Problem, lese ja regelmäßig mit. Würde mich sehr freuen, mal was über diese doch häufig sehr stiefmütterlich behandelte Spirituose zu lesen.

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