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4 einfache Gründe, warum du nicht in Whisky investieren solltest

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Es ist verlockend. Ich habe die Wahl: Whisky trinken oder stattdessen Geld bekommen. Ein Zusammenhang, den jeder versteht. Nur leider verschweigen viele Artikel über Whisky-Investition die Risiken, die auf dich als Sammler zukommen. Und schon sieht ein Macallan 1962 gar nicht mehr so lukrativ aus.


Ich sparte Monate auf mein erstes Skateboard. Als ich es in Händen hielt, war ich begeistert. Mehrere Jahre. Doch irgendwann gab ich es in Zahlung und holte mir von dem Erlös eine PlayStation. Ein intensives, wenn auch kurzes Vergnügen, denn schon wenige Monate später sammelte ich alle meine Habseligkeiten zusammen und verkaufte sie. Das Zahl: eine Gitarre.

Meine Jugendjahre waren geprägt von An- und Verkauf. Und auch während des Studiums gab ich Geld aus, um einen Mehrwert dafür zu erhalten. An Investitionen, gar über mehrere Jahre, war nicht zu denken. Weder hatte ich die Mittel noch das Interesse mich mit Anlagestrategien zu befassen.

Eine ähnliche Vita haben viele Whisky-Fans. Personen, die zum schottischen Getreide-Brand kamen, da sie ein Genussmittel suchten, kein Asset, keinen Vermögenswert.

Allerdings konnten aber auch die wenigsten eine Marktsituation wie die jetzige vorhersehen. Ein Zustand, bei dem du für Altersangaben auf einem Whisky tief in die Tasche greifen musst. Oder du bei Neuerscheinungen im Schnitt 70 bis 80 Euro einplanen musst.

Auch dass zahlreiche Malt Whisky-Destillerien Gefallen an Produkt-Serien finden, ist ein Phänomen der Neuzeit. So folgte bei Highland Park in den vergangenen Jahren fast jeder Abfüllung eine Erweiterung. Alle standen sie dabei unter einem Motto. Egal, ob nordische Gottheiten, Wikinger oder Elemente.

Auch unbekanntere Destillerien wie Tobermory springen auf den Zug auf. Bis 2018 planen sie 6 verschiedene Single Malts für Sammler zu veröffentlichen.

Dabei ist das Potential von Tobermory als Investitionsgut bescheiden. In der von der schottischen Rare Whisky 101 Ltd. aufgestellten Liste zu den meist gehandelten Whisky-Marken taucht die Brennerei der Isle of Mull nicht einmal auf.

Dennoch möchte sie Sammler und Privatinvestoren anlocken. Und dies aus guten Grund: Der Sekundärmarkt, der private Handel mit Malt Whiskys, floriert.

Allein auf der deutschen Whisky-Auktionsplattform whiskystats.net wurden nach eigenen Angaben 2016 51.382 Flaschen Malt Whisky gehandelt. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Zuwachs von 24,2 Prozent.

Und dies ist nur eine von einer Fülle an Investitions- und Auktionsplattformen für Whisky. Jede mit der Option seltene Single Malts zu Genusszwecken zu erwerben oder als Renditehoffnung.

Wirfst du einen Blick auf den World Whisky Index findest du dort Abfüllungen, von denen du zuvor noch nie gehört hast. Jahrgänge, von denen du gar nicht wusstest, dass diese oder jene Brennerei da etwas im Portfolio hatte. 300 Euro ist dort keine Summe, an die man viele Gedanken verliert.

Solltest du auf dieser oder anderer Plattformen einen Whisky finden, bei dem dich ein 3-stelliger Betrag nicht schmerzt, dann hole ihn dir. Hole dir einen Bowmore 21 Year 1987 oder Springbank 31 Year 1967. Schnapp ihn dir, freue dich über einen guten Tropfen im Glas. Oder freue dich schlicht daran, wenn du ihn ins Regal stellst und jedes Mal daran vorbeigehst.

Überweist du allerdings den Betrag für diesen Whisky, in der Hoffnung in einigen Jahren diesen mit Rendite weiterzuverkaufen, dann stehst du vor einer Hand voll Probleme. Probleme, über die kein Online-Artikel über Whisky-Investment bisher informierte. Dennoch müssen Whisky-Investoren genau diese lösen, bevor sie einen Single Malt mit Gewinn weiterverkaufen.


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Grund #1: Du bekommst selten mehr als eine Flasche

Investiere ich Geld, lege ich es also in einer Wertanlage beiseite, erhoffe ich mir Rendite. Ich möchte, dass sich der Aufwand in geraumer Zeit lohnt und ich durch den Verkauf einen Gewinn einfahre. Sowohl vor als auch nach Steuern.

Kaufe ich mir nun einen Jahrgangs-Malt der Macallan Distillery ist eine Preissteigerung eine sichere Hausnummer. Sowohl in der Anzahl gehandelter Flaschen, als auch im Wert. Ähnlich gut oder sogar besser wären Malts von Brora oder Killyloch. Egal, ob in 2,4 oder 7 Jahren, die Flasche wird weggehen. Wahrscheinlich auch mit einer schicken Rendite.

Das Problem: Diese Rendite bezieht sich nur auf eine Flasche. Es ist selten der Fall, dass du mehr als eine Flasche eines Single Malts kaufen kannst. Zumindest bei solchen mit Investitionspotential. Du bekommst keinen Karton 1967er Springbanks .

Gehen wir einmal davon aus, du bestellst dir bei einer privaten Auktion einen Brora Single Malt 30 Jahre für 850 Euro. Der Trend geht weiter wie bisher und die Nachfrage steigt in den kommenden 10 Jahre um jährlich 10 Prozent. Das hieße: 2026 erhältst du eine Rendite von 850 Euro vor Steuern.

Ein nettes Sümmchen. Aber über 10 Jahre?

Das Ziel ist es also möglichst viele dieser Abfüllungen zu ergattern. Und genau hier liegt die Crux: Dies ist in den seltensten Fällen möglich. Denn wäre er in Hülle und Fülle verfügbar, hätte er keinen solchen Wertzuwachs.

Grund #2: Die Transaktionskosten fressen deine Rendite

Möchtest du mit Wertanlagen handeln, fallen Transaktionskosten an. Seien es Aktien, Immobilien oder Single Malts. Wechselt eines dieser seinen Eigentümer fallen Gebühren an. Nur leider stehen die bei Scotch Whisky häufig nicht in Relation zur Rendite.

Sofern der Käufer nicht bereit ist, diese zu übernehmen, kommen folgende Kosten auf dich zu:

  • Transaktionskosten der Auktionsplattform
  • Verpackung
  • Versand und Versicherung

Hast du nun den Entschluss gefasst, deinen Malt zu verkaufen, ist Ebay meist die erste Anlaufstelle. Ist es immerhin einer der größten Online-Marktplätze der Welt. 

Allerdings spricht das Angebot von Ebay die Allgemeinheit an, ist also kein Treffpunkt, wo sich Whisky-Freaks versammeln. Dementsprechend kannst du dort zwar dein Verkaufsglück probieren, meiner Erfahrung nach schöpfst du das Potential einer Abfüllung dort nicht aus.

Vor einigen Jahren beobachtete ich eine Ardbeg Original-Abfüllung auf Ebay. Deren Verkaufspreis lag am Ende bei rund 1.500 Euro. Ich staunte nicht schlecht, bis ich 2 Wochen später beim britischen Auktionshaus Bonhams den gleichen Single Malt fand. Endpreis: rund 2.800 Euro.

Einen ähnlichen Preis erzielte er bei einer Auktion in Hong Kong. Das Problem dabei sind jedoch horrende Verpackungs und Versandkosten. Möchtest du zum Beispiel eine Flasche an einen Auktionator in China per DHL versenden, wäre es schlau, diese für den Versand zu versichern.

Rein hypothetisch: 500 Euro Versicherung. In diesem Fall verlangt der Zustelldienst knapp 100 Euro für den Versand. Bei einem anderen Anbieter wären sogar 249 Euro fällig. Und dabei ist noch nicht einmal die volle Summe versichert.

Und das für 1 Flasche.

Grund #3: Viele unterschätzen die Lagerungskosten

Hast du 2 oder 3 Single Malts im Regal stehen, brauchst du dir um Lagerungskosten keine Gedanken machen. Solange das Regal nicht einstürzt, brauchst du keinen Tresor.

Stockst du jedoch auf, kaufst mehr und mehr Single Malts zu Investitionszwecken, sieht die Sache anders aus. Die Summen, mit denen du dabei jonglierst, sind eine ganz andere Hausnummer.

Sammelst du eine ganze Batterie an Jahrgangs-Whiskys von Brora, Mallacan und Ardbeg im Wohnzimmerschrank, ist dies fahrlässig. Spontan fallen mir 3 Gründe ein, die dein Investitionsvorhaben dann zunichte machen können: Diebstahl, Feuer und Raumklima.

Diebstahl erklärt sich von selbst, und auch Feuer ist ein recht passendes Mittel, um dein Whisky-Vermögen zu vernichten. Aus diesem Grund mieten sich manche Whisky-Sammler kleine Wohnungen mit CO2-Anlagen.

Denn sollte ein Feuer ausbrechen, wären Sprinkleranlagen zwar in der Lage dieses zu löschen, aber deine Whiskys kannst du dann auch vergessen. Zumindest als Investitionsgut. Das Wasser würde die Labels zerstören und somit den Sammlerwert der Flasche auf exakt 0 Euro reduzieren.

Kohlenstoffdioxid als Brandbekämpfungsmittel ist hingegen deutlich „Whisky schonender“. Allerdings auch ein Mittel, dass sich erst bei einer Flaschenzahl von mehreren Dutzend bis Hunderten Exemplaren rechtfertigt.

Du hast jedoch auch die Möglichkeit deine Whisky-Flaschen bei einem externen Anbieter zu lagern. Auch in Deutschland bieten mittlerweile eine Hand voll Unternehmen eine versicherte und geschützte Lagerung deiner Sammlungen an. Allerdings schrauben auch deren Kosten deine Rendite nach unten.

Grund #4: Keiner kennt heute den Whisky-Markt in 10 Jahren

Je nach Nachfrage schwanken die Grundstückpreise, je nach Marktentwicklung auch die von Aktien und Anleihen. Dass es Phasen gibt, in der meine Vermögenswerte schwinden und auch Phasen, in denen sie steigen, liegt in der Natur der Sache. Auch bei Single Malt Scotch Whisky.

Im Vergleich zum Aktien- oder Immobilienmarkt ist Whisky-Investment hingegen ein kleines Feld. Ein sehr kleines. Eines, bei dem in wenigen Jahren nicht nur Destillerien uninteressant werden können, sondern auch Auktionsplattformen verschwinden.

Ohne Frage gibt es einige Single Malt-Marken, mit denen wirst du wahrscheinlich auch noch in 10 Jahren sicher fahren. Macallan, Port Ellen etc. Allerdings kannst du dich nicht auf eine einzelne Brennerei konzentrieren. Zumindest nicht, wenn du im großen Maßstab investieren möchtest. Hierfür stehen dir schlicht zu wenige Abfüllungen mit Potential zur Verfügung.

Die Folge ist: Du musst diversifizieren, dein Portfolio aus verschiedenen Marken und Destillerien zusammenbauen. Niemand kann dir jedoch garantieren, dass das Interesse an jeder einzelnen dieser Marken über Jahre konstant bleibt oder sogar steigt.

 

Nichts spricht dagegen, dass du dir einen Whisky für 200, 300 oder gar 500 Euro kaufst. Wenn du entdeckst, dass sein Wert in 5 Jahren um 100 Prozent gestiegen ist, kannst du dich über eine nette Rendite freuen. Auch wenn die Nebenkosten daran zerren mögen.

Und falls nicht: Hast du einfach Spass an dem Tropfen im Glas. Das funktioniert nur leider nicht mehr, wenn du 100 von diesen Tropfen im Keller stehen hast, die eigentlich für den Wiederverkauf gedacht waren.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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4 Kommentare für 4 einfache Gründe, warum du nicht in Whisky investieren solltest

  1. matthias 10. Februar 2017 zu 16:14 #

    eine weiterer Gefährdungsfaktor sind eben auch alle anderen Dinge die in der Wohnung sind.

    Kinder, Freunde, Freundinnen.
    Mir mal passiert, ich sag „hol den weißen Rum aus dem Barschrank“ und was macht die Person, anstatt die Flasche ganz vorne zu nehmen, wo 2-3 Rums standen, holt er eine Flasche Havanna club die meine Eltern in den 70ern auf Cuba gekauft haben von ganz hinten im Schrank und als ich das reissen des Papiers höre, war es schon zu spät und er hatte die Flasche (Wert ca 400€, mindestens) geöffnet.

    Und eben die normalen Lagerrisiken.
    Schränke oder Regalblden können zusammenbrechen und im Gegensatz zu kleidung ,geht bei Whisky dann eben alles kaputt, und auch alles worauf dies dann landet.

    • Philip Reim 10. Februar 2017 zu 18:35 #

      Uhhh, das ist übel. Hat er denn wenigstens geschmeckt?

  2. Michael 14. Februar 2017 zu 09:04 #

    Wahre Worte und was für eine Wohltat, mal ganz sachlich (und dennoch unterhaltsam) über die durchaus realistischen Risiken eines Whisky- (bzw. Spirituosen-) Investments zu lesen 🙂
    Meine Antwort auf den Kommentar eines Händlers zum eben gekauften 1998er Caroni-Rum und dessen Wertsteigerungs-Potenzial war schlicht „so lange überlebt der nicht!“ 😉 in dem Sinne: Prost!

  3. Johannes Moosbrugger 14. Februar 2017 zu 11:56 #

    Nur um klarzustellen: Whiskystats.net ist KEINE Auktionsplattform!
    Auf Whiskystats wird lediglich der Whiskyauktionsmarkt beobachtet, d.h. Preisbeobachtungen gesammelt, aufbereitet und analysiert.

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