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8 von 10 Cognac-Trinkern machen dieselben Fehler

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Mein erster Cognac war ein V.S. Ein 2-jähriger Tropfen, der mir im Rückblick nicht besonders schmeckte. Das lag nicht an dem Brand selbst, das lag an mir. Ich machte jeden Fehler, der als Cognac-Einsteiger möglich war. Mit den folgenden Fakten, hast du jedoch die Chance sie zu vermeiden.


Mein erster Versuch in die Cognac-Thematik einzusteigen, scheiterte kläglich. Und dies noch bevor ich das erste Glas in Händen hielt, noch bevor ich die Flasche entkorkte.

Ich machte einen Fehler, der beim Gros der Spirituosen zum Scheitern verurteilt ist. Ich wählte das Destillat entsprechend ihres Preises; setzte Qualität mit dem Loch im Geldbeutel gleich. 

Dieser Anfängerfehler hielt mich aber nicht davon ab, gleich den nächsten Fauxpas nachzulegen. Statt eines Nosing-Glas verwendete ich einen Cognac-Schwenker. Ich dachte mir, wenn das Ding schon „Cognac-Schwenker“ heißt, dann muss ja wohl auch Cognac rein.

All diese Fehler halfen mir jedoch auch, meine Sensorik zu verbessern. Sie zwangen mich dazu.

Um dir zu helfen, diese ersten Gehversuche zu beschleunigen und dir beim Kauf eines Cognacs Geld zu sparen, findest du im folgenden 7 gängige Fehler.

Fehler #1: Cognac darf keine Zusatzstoffe enthalten

Oh doch, darf er. 

Die Regeln zur Herstellung von Cognac sind zwar streng, das schließt allerdings Additive nicht per se aus. Ähnlich wie bei Scotch Whisky dürfen Cognac-Häuser ihren Bränden nach der Destillation sowohl Wasser als auch Zuckercouleur zugeben.

Ersteres, um den Alkoholgehalt auf Trinkstärke zu reduzieren, zweiteres um eine konstante Farbe zu erhalten. Der Farbstoff E150 beeinflusst nicht das Aroma, sondern garantiert dem Hersteller, dass sein Produkt in jeder Flasche die gleiche Farbe besitzt. Höchstens 2 Prozent des Gesamtvolumens darf er hinzugeben. 

Während es bei Scotch Whisky nun mit Zusatzstoffen vorbei ist, hat der Cognac-Destillateur noch 2 in der Hinterhand: Zucker und Boisé.

Gibt ein Hersteller seinem Tropfen Zuckerlösung hinzu, soll dies den Geschmack abrunden. Maximal 2 Prozent sind zulässig, für Exportcognac hingegen 3,5 Prozent.

Während für viele Cognac-Fans dies bereits auf Ablehnung stößt, grenzt Boisé an Blasphemie. Dies ist eine Lösung, die du gewinnst, wenn du geröstete Eichenspäne in Alkohol gibst. Der Alkohol entzieht der Späne Farbe und einige trockene Holzaromen. Gibst du dieses Konzentrat anschließend in einen Cognac, wirkt auch ein junger Tropfen recht alt.

Wahrscheinlich denkst du dir jetzt, dass dies an Betrug grenzt. Sehe ich auch so. Es lässt sich aber ganz leicht umgehen: Kaufe keine Produkte der ganz großen Häuser.

Deren Absatz basiert in erster Linie auf ihren Qualitäten jungen Alters. V.S. Cognacs, die knapp über dem Altersminimum reifen und schließlich für den Massenmarkt mit Boisé und Zuckerlösung „aufgehübscht“ werden.

Zumal viele der großen Häuser den Großteil ihrer jungen Cognacs nicht selbst produzieren. Sie kaufen ihn von kleinen Destillerien ein, füllen ihn in Flaschen und vermarkten ihn unter eigenem Namen.

Möchtest du daher einen Cognac, der frei von Additiven ist, habe ich dir im folgenden einige Hersteller zusammengefasst: Dudugnon, Jean GrosperrinDaniel BoujuChateau de Beaulon oder Leopold Gourmel.

Fehler #2: Der meiste Cognac wird in Frankreich getrunken

Falsch. Die USA sind mit Abstand der größte Konsument des französischen Weinbrands. Anschließend folgt China.

Dies ist kein Phänomen der vergangenen Jahre, der Markt war bereits in den 1980ern so aufgeteilt. Zwar variierten die Absatzzahlen von Zeit zu Zeit enorm – zum Beispiel während der Korruptionsaffäre der chinesischen Regierung -, die Platzierungen waren jedoch meist konstant.

Rund 95 Prozent des Cognacs verlässt das Land. Einmal auf Flaschen gezogen bleibt nur ein kleiner Teil des Weinbrands für den eigenen Konsum im Land.

In Frankreich steht man mehr auf Scotch Whisky und Gin.

Fehler #3: Cognac hat keine Altersangaben

Hast du Probleme anhand des Labels zu erkennen wie alt ein Cognac ist, bist du nicht alleine. Vor diesem Dilemma steht jeder Einsteiger. Selbst Fortgeschrittene müssen gelegentlich nachlesen, was die ein oder andere Klassifizierung bedeutet.

Und wenn dann noch Hersteller hausintern Begriffe definieren, wird es für uns richtig kompliziert.

Dennoch gibt es eine Abstufung des Alters, die per Gesetz bindend ist. So darf Cognac erst nach 2 Jahren Fassreifung in die Flaschen. Der jüngste Cognac, den du daher im Handel findest, verbrachte mindestens 2 Jahre im Eichenfass. Diese findest du unter der Bezeichnung V.S. oder *** (3 Sterne).

Gehst du auf der Qualitätsleiter eine Stufe nach oben, kommst du zu Cognac, der mindestens 4 Jahre im Fass verbrachte. Achte hier auf Begriffe wie V.S.O.P. oder Vieux.

Nach dieser folgt nur noch eine Kategorie. Darunter findest du die ganzen X.O.s, Napoléons oder Extras. Bisher durften Hersteller diese Bezeichnung verwenden, wenn ihr Cognac mindestens 6 Jahre im Fass lagerte. Ab April 2018 müssen es mindestens 10 Jahre sein.

Fehler #4: Von großen Häusern kaufen

Cognac hat ein Problem. Eines, das du bei kaum einer anderen Spirituosen-Kategorie findest: Es herrscht ein Oligopol. Das heißt, vielen Fans stehen wenige Anbieter gegenüber.

Dies liegt nicht in etwa daran, dass es in der Charente tatsächlich nur wenige Eaux-de-vie-Hersteller gibt. Nein, das ist es nicht. Allerdings dominiert eine Hand voll Marken, wie Hennessy, Martell oder Rémy Martin, den Markt. Sie prägen ihn, sie lenken ihn.

Die 10 größten Cognac-Häuser bedienen über 70 Prozent des Marktes. Die restlichen 30 Prozent teilen sich so auf:

  • Rund 250 mittlere und kleinere Unternehmen, die nicht alle selbst destillieren
  • Rund 200 Destillerien, die ihre Produkte fast ausnahmslos an die großen Häuser liefern
  • Rund 17.000 Winzer, die destillieren dürfen, aber meist ebenfalls an die Handelshäuser weiterverkaufen
  • Rund 500 kleine und winzige Produzenten, die selbst destillieren, auf Flaschen ziehen und verkaufen.

Für dich als Endkunden lohnt es sich vor allem dich in der letzten Kategorie umzusehen. Dort findest du Qualität.

Da jene Kleinbrennereien den großen Marken hinsichtlich Quantität nicht die Stirn bieten können, müssen sie umso mehr mit dem Inhalt punkten. Dort sind die Top-Produkte, dort sind die Tropfen für Connaisseure.

Auch hier findest du bei den unter „Fehler #1“ genannten Marken gute Anlaufstellen.

Fehler #5: Cognac reift genauso wie Whisky

Grundsätzlich ja. Beide Destillate lagern über mehrere Jahre in Eichenfässern.

Während die Cognac-Industrie hinsichtlich Additiven das ein oder andere Auge zudrückt, ist es die Scotch-Industrie beim Holz. In dieser dürfen Destillerien verwenden, was sie möchten. Größe, vorheriger Inhalt und Art. Lediglich Eiche (Quercus) ist vorgeschrieben, sowie eine maximale Größe von 700 Litern.

Cognac-Hersteller müssen sich hingegen an Vorgaben halten, die bei weitem nicht so liberal sind:

  • Mindestreifezeit: 2 Jahre
  • Fassvolumen: 270 bis 450 Liter (üblicherweise 300 Liter)
  • Holz: Qercus pedunculata und Quercus sessiliflora
  • Das Holz darf nur in den Wäldern der Tronçais und Limousin geschlagen werden

Hinzukommt, dass Scotch-Hersteller ihre Fässer aus jeder Spirituosen-Sparte bestellen können. Rum, Sherry oder Bourbon? Kein Problem.

Der Cognac-Produzent darf das nicht. Er hat die Wahl zwischen neuem, getoastetem Fass oder gebrauchtem Ex-Cognac-Fass. Das war es. Mehr gibt es nicht.

So kommt der frisch destillierte Cognac zunächst in neue Fässer und wird nach einigen Monaten in gebrauchte umgefüllt.

Fehler #6: Du verwendest einen Cognac-Schwenker

Diese Gläser sehen nicht nur altbacken und lächerlich aus, sie sind es auch. Diese Behälter sind eine Metapher für den derzeitigen Stand des Cognacs. Er wirkt verstaubt, gilt als Alt-Herren-Getränk. 

Der betagte Herr, der mit dem Cognac-Schwenker am Kamin steht. Ein Image, das diese Spirituose so sexy wirken lässt, wie einen Verkehrsunfall.

Und nicht nur schadet dieses Glas dessen Ruf, es ist auch ungeeignet für den Gebrauch.

Zum einen ist die Öffnung eines solchen Schwenkers zu groß. Die Aromen des Bouquets konzentrieren sich daher nicht auf deine Nase, sondern fliegen daran vorbei. Zum anderen liegt der Bauch des Glases in deiner Handfläche. Je mehr Zeit du dir mit deinem Cognac nimmst, desto mehr erwärmt deine Hand das Glas und damit den Cognac. Unangenehme Seife-Noten sind die Folge.

Schmeisse daher alle Cognac-Schwenker aus deinem Regal und ersetzte sie durch Nosing- bzw. Tasting-Gläser.

Fehler #7: Das Alter ist das einzige Qualitätsmerkmal eines Cognacs

Ohne Frage ist das Alter eines Cognac ein Qualitätsmerkmal. Hinsichtlich Mundgefühl, Geschmack und Bouquet bekommst du erst nach Jahren der Fassreifung Ergebnisse. Zumindest solche, die in Richtung Genuss gehen.

Bei nur wenigen anderen Spirituosen – zum Beispiel Armagnac oder Tequila – spielt aber auch Terroir eine solch wichtige Rolle wie bei Cognac. So entscheidet das Anbaugebiet der Reben maßgeblich über die Qualität jenes Weinbrandes. 

Um dir einen Überblick über die einzelnen Crus, die Anbaugebiete zu geben, haben wir hierfür diesen Artikel für dich veröffentlicht: 9 Fragen, die sich Cognac-Einsteiger stellen…und deren Antworten.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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