Woodford Reserve zählt heute zu jenem Bourbonsegment, das für jeden erschwinglich ist. Und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist die Entwicklung und die Geschichte des Bourbon in Kentucky maßgeblich auch die Geschichte des Woodford Reserve Bourbon Whiskeys.

Standard-Whiskey Woodford ReserveNicht nur hielten einige heute namhafte Distiller ihre Hand über Woodford Reserve, auch die Sour Mash- Methode, heute Standard bei der Bourbonherstellung, wurde in der Woodford Reserve Destillerie perfektioniert. Ein Werdegang, welcher diesen Kentucky Straight Bourbon zum Bourbon Nummer eins beim Mint Julep macht – Der Drink des Kentucky Derby.

Geschichte

Woodford Reserve Whiskey aus der heute gleichnamigen Destillerie hat seinen aktuellen Status vor allem einer Person zu verdanken: James Crow. Der gebürtige Schotte war hauptberuflich Arzt, jedoch aus Leidenschaft auch Chemiker und Brennmeister. Über 20 Jahre verbrachte er mit der Brennaufsicht der Woodford Reserve Destillerie, die damals noch unter dem Namen Oscar Pepper Distillery bekannt war.

Seine Fähigkeiten als Chemiker und Distiller machten nicht nur Woodford Rerserve zu dem was es heute ist, auch die gesamte Bourbonentwicklung wurde von ihm maßgeblich mitgeprägt. Durch regelmäßige Forschungen und Optimierungen perfektionierte Crow die heute übliche Sour Mash-Methode. Fälschlicherweise wird ihm oftmals auch die Erfindungen jener Methode nachgesagt, deren Ursprung heute aber nicht mehr eindeutig belegt ist.

James Crow sammelte in diversen Destillerien Berufserfahrung bis er schließlich auf Anfrage von Oscar Pepper in dessen Oscar Pepper Distillery in Versailles, Kentucky miteinstieg um von dort aus die Geschicke der weiteren Bourbongeschichte maßgeblich mitzubestimmen und eben diese Destillerie zu einer der historisch bedeutendsten der Welt machte.

1870 verließ die Destillerie jedoch zunächst das Glück als Oscar Pepper die Whiskeybrennerei aufgab um sein persönliches Glück weiter nördlich in New York zu versuchen. Von da an begann eine Periode ständig wechselnder Besitzer. Großteils handelte es sich hierbei um Personen, die später mit anderen Destillerien amerikanische Whiskeygeschichte schrieben, unter anderem die Gaines (später Old Crow Distillery), Colonel Edmund Taylor (Old Taylor Distillery) sowie George T. Stagg (heute Ancient Age Distillery).

Der permanente Wechsel fand erst 1878, also 8 Jahre später statt, als die Destillerie von James Graham und dem Franzosen Leopold Labrot übernommen wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurde sie, von der Prohibition einmal abgesehen, kontinuierlich bis 1941 geführt, als sie in jenem Jahr von dem damals wirtschaftlich angeschlagenem Unternehmen Brown-Forman eingekauft wurde. Brown-Forman, die zu jener Zeit mit einem sehr geringen Whiskey- bzw. Bourbonvorrat zu kämpfen hatten, übernahmen die international noch unbekannte Marke Labrot and Graham für läppische 75.000 Dollar.

Dies beinhaltete neben den Ländereien und Gebäuden zusätzlich 25.673 Fässer hochwertigen Bourbon und brachte Labrot and Graham nicht nur international Erfolg sondern Brown-Forman auch die dringend benötigten Whiskeyvorräte. Und dies für eine bereits zu damaligen Zeiten lächerliche Summe. Der Erfolg währte jedoch nicht lange und so wurde bereits 1970, aufgrund weltweit sinkender Bourbonnachfrage das Geschäft mit Labrot & Graham abgebrochen und die Gelände und Apparaturen wieder verkauft bzw. hat man es verkommen lassen. Knapp 25 Jahre dauerte das Dahinvegetieren der ehemals so erfolgreichen Destillerie.

Erst 1995 war die entsprechende Nachfrage wieder vorhanden und Brown-Forman erwarb wieder die Rechte und Einrichtungen von Labrot and Graham. Dieses mal aber nicht für ein bescheidenes Sümmchen. Insgesamt 10 Millionen Dollar kostete die Restaurierung aller Einrichtungen, Gebäude und Apparaturen. Man beschloss Nägel mit Köpfen zu machen und ersetze alte rostige Destillierapparaturen durch drei neue Pot Stills des schottischen Still-Herstellers Forsyth of Rothes.

Seit der Wiedereröffnung wird bei Labrot and Graham nur noch eine Bourbonmarke angeboten: Woodford Reserve. Auf dessen Basis werden die wenigen anderen Sonderabfüllungen hergestellt, die sich dann in der Lagerdauer und Fassauswahl unterscheiden. Der Name, abgeleitet vom Woodford County in dem sich die Destillerie befindet, galt ab 2003 auch als Bezeichnung der Destillerie an sich, welche heute unter dem Namen Woodford Reserve Distillery brennt.

Woodford Reserve gilt heute als der Bourbon der Wahl bei der Zubereitung des Mint Juleps beim jährlichen Kentucky Derby.

Produktion

Auf Basis der Pot Stills von Forsyth of Rothes wird Woodford Reserve Whiskey dreifach destilliert. Hierbei wird die beer still (das amerikanische Äquivalent zum schottischen wash still) zunächst auf 20 %Vol. destilliert. Beim zweiten Durchgang erhält man 52 %Vol. Alkohol, um dann beim dritten Mal die endgültige Stärke von 79 %Vol. zu erreichen.

Bei Labrot and Graham ist man darauf bedacht Bourbon nach Art der alten, ursprünglichen US-Destillerien herzustellen. Daher verwendet man für die Zusammensetzung der Maische 72 % Mais, 18 % Roggen und 10 Prozent Gerstenmalz. Die Volumenstärke mit der Woodford Reserve in Fässer abgefüllt wird liegt bei 55 %Vol. und ist somit die Niedrigste bei der gesamten Bourbonherstellung.

Portfolio

Während die Standardabfüllung von Woodford Reserve heute in vielen Supermärkten zu erhalten ist, sind die Collection-Abfüllungen, meist selten oder nur in speziellem Fachhandel zu bekommen.

Woodford Reserve (43,2 %Vol.)Einblick in das Lagerhaus, in welchem auch Woodford Reserve lagert.

President’s Reserve (50,2 %Vol.)

Master’s Collection No 4 Seasoned Oak Finish (50,2 %Vol.)

Master’s Collection No 3 Sweet Mash (43,2 %Vol.)

Kentucky Derby 132 (45,2 %Vol., Inhalt ist identisch mit der Standardabfüllung, lediglich das Label wurde anlässlich des Kentucky Derbys mit einem Pferdekopf erweitert)

(Bilder: Bacardi Deutschland GmbH)