Stereotypisch stehen Bewohner ostasiatischer Länder, namentlich Japan, Korea und China, aber auch Indianer und Inuit, nicht gerade für Standhaftigkeit wenn es um den Konsum und die Verträglichkeit von Alkohol geht. Oft liest man, es läge an den Genen. Wie aber kann das sein? Eine gewisse Trinkfestigkeit mag vielleicht in gewissen Grenzen „trainierbar“ sein, wenn dies jedoch bereits seit frühester Geschichte eine bestimmte Bevölkerungsgruppe betrifft, sehen die Grenzen hier jedoch schon ganz anders aus.

Die Frage nach der Alkoholunterverträglichkeit von Ostasiaten im Vergleich zu Europäern oder Amerikanern ist seit Jahren Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Und obwohl eine hundertprozentige und vollständige Lösung dieser Frage nach wie vor offen ist, gibt es jedoch einige Fakten, die zur Aufklärung beitragen.

Japaner, Chinesen und Koreaner haben gemeinsame demographische Wurzeln und folglich eine enge genetische Verwandschaft. Obwohl man es nicht pauschalisieren kann, zeigen jedoch viele Ostasiaten körperliche Symptome wie Gesichtsrötung oder Herzrasen bei weit aus geringeren Konzentrationen von Alkohol als dies bei einem Durchschnittseuropäer der Fall ist.

Frühere Lebensweise als Ursache für Alkoholunverträglichkeit

Nach Aussagen eines Artikels im „BMC Evolutionary Biology“ eines chinesischen Forschungsteams um Bing Su geht die Alkoholunverträglichkeit vieler Asiaten auf ihre frühere Lebensweise zurück. Zu Zeiten als sich das Nahrungsangebot zum überwiegenden Teil auf Reis beschränkte, versuchte man jenen für Dürreperioden haltbar zu machen. Man bediente sich hierbei unter anderem bei Hefepilzen, welche den Reis vergoren und ihn somit länger haltbar machten.

Eines der Hauptprodukte der Gärung ist jedoch Ethanol, also Trinkalkohol. Folglich enthielt über Jahrtausende hinweg das Hauptnahrungsmittel von Japanern, Chinesen und Koreanern Alkohol. Die Folgen wären heute bekannt. Aufgrund der Abbauprodukte des Alkohols in der Leber und der dadurch geringeren Lebenserwartung entwickelte sich über die Jahrtausende im Zuge der Evolution ein gewisser Schutzmechanismus, durch den Alkohol weitaus langsamer abgebaut wurde als dies bei Europäern der Fall war und ist. Wichtig dafür, dass dieser ganze Schutzmechanismus funktionierte, war die Verringerung eines bestimmten Enzyms, welches für den Abbau von Alkohol im Körper mit verantwortlich ist: Aldehyd-Dehydrogenase 2, kurz ALDH2.

Aldehyd-Dehydrogenase 2 verstoffwechselt Acetaldehyd. Dieser einfache Aldehydvertreter ist hauptverantwortlich für einen „Kater“ und eines der gesundheitsschädlichen Abbauprodukte des Ethanols. Wird, wie im Fall vieler Ostasiaten, Acetaldehyd aufgrund von ALDH2-Mangel nun nicht sofort abgebaut und darüber hinaus umgewandelt, sondern erst allmählich und über einen längeren Zeitraum hinweg, erfährt der betroffene Körper deutlich intensiver die negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums.

Vielen Bewohnern des antiken Asiens dürfte dieser Mechanismus der Evolution das Leben gerettet haben. Heute ist dies für einige Asiaten in Feierlaune eher eine Bürde.