Hendricks-Gin-07

 

Hendricks ist ein Gin voller Extravaganz. Nicht nur stammt er aus dem schottischem Whiskyhaus von William Grant & Sons, welches in erster Linie für Single Malts von Glenfiddich und Balvenie bekannt ist, auch die Auswahl der Botanicals verleiht Hendricks Gin ein markantes Auftreten.

Neben dem obligatorischen Wacholder fanden bei der Herstellung vor allem bulgarische Rosen und Salatgurken Verwendung und sorgen dafür, dass sich bei Hendricks Gin die Geister scheiden.

Dies ist zumindest das, was sich die Allgemeinheit der Gin-Trinker über den Hendricks Gin erzählt.

In Wahrheit stammt das Aroma dieser beiden Zutaten im Hendricks Gin nicht aus diesen Naturprodukten direkt, sondern aus deren Essenzen. Diese gibt das Unternehmen ihrem Produkt nach der Destillation zu.

So erhält der Hendricks Gin seine Aromen zum einen aus einer Hand voll Botanicals: Wacholderzapfen, Koriandersamen, Engelwurz, Orangen- und Zitronenschalen sowie Veilchenwurzel, Kamille, Pfeffer, Holunder, Schafgarbe und Kümmel.

Zum anderen durch die Aromatisierung mit Gurken- und Rosen-Essenzen im Nachgang der Destillation.

Zwar erhält der Gin durch diese Vorgehensweise eine charakteristische Note, verliert aber den Status eines „Dry“ oder „London Dry“-Gins. Denn Vertreter dieser beiden Kategorien dürfen nach der Destillation nicht weiter aromatisiert werden.

Ihr Bouquet darf daher ausschließlich von den verwendeten Botanicals stammen.

Suchst du dennoch eine Kategorie, in die du den Hendricks einordnen kannst, dann stehen dir „Distilled Gin“ und dessen Unterkategorie „Compound Gin“ zur Verfügung.

Neben ihrer Extravaganz in Sachen Aromatisierung fährt die bekannte schottische Gin-Marke aber auch bei der Destillation eine eigene Linie.

Eine, die ich in dieser Form bei nur wenigen anderen Destillerien bisher gefunden habe.

 


Du liebst Gin genauso wie wir?

Dann mache es wie über 4.000 andere Gin-Fans, klicke hier und lade dir jetzt unser kostenfreies eBook „Die Botanicals des Gin“ herunter.


 

So verwendet die Brennerei für ihren Hendricks zunächst eine kupferne Bennet Still. In diese Brennblase füllt sie Neutralalkohol mit 55 bis 60 %Vol. In diesen gibt sie alle Botanicals und lässt diese 24 bis 36 Stunden ziehen.

Eine zweite Brennblase füllt das Unternehmen ebenfalls mit Neutralalkohol. Dieser so genannten Carter-Head werden die Botanicals aber nicht in den Kessel gegeben, sondern in einen Kupferkorb, der über der Flüssigkeit hängt.

Auf diese Weise, die so genannte Vapour Infusion-Methode, steigt der Alkoholdampf während der Destillation in die Kräuter und Gewürze. Bei entsprechend hoher Konzentration reißt er dann deren Aromastoffe mit sich und bringt sie ins Destillat.

Im Anschluss an beide Destillationen vermählt die Destillerie beide Feinbrände zum fertigen Produkt, dem Hendricks Gin.

Egal, ob du nun diesen Gin ablehnst oder über alles lobst, du findest in beiden Lagern Gleichgesinnte. 

Denn das war auch das Ziel, der Marketing-Agentur, die vor 17 Jahren die Vermarktung des Hendricks Gin in die Hände nahm. Es sollte ein Gin werden, der polarisiert.

Und das tut er.

Sowohl inhaltlich als auch äußerlich.

 

Degustation des Hendricks Gin

 

Schwenkst du das Glas Hendricks 2 bis 3 mal, entdeckst du eine Hand voll öliger Tropfen, die langsam zum Glasboden zurück kriechen.

Sobald die ersten jener Tränen wieder in der Flüssigkeit angekommen sind, kannst du schon deine Nase über das Glas halten. Dann hatte das Bouquet genug Zeit, um nach oben zu steigen.

Beim Nosing wird dir sogleich das schwache Wacholderaroma des Hendricks Gins auffallen. Trotz dessen, dass dies für viele Liebhaber des puren Gins eher ein Kontrapunkt ist, kann es sich allerdings bei der Verwendung in Cocktails durchaus positiv auswirken.

Wenn auch nicht unbedingt für das Gros klassischer Drinks. In einem Negroni oder Martini Dry geht ein Hendricks meiner Ansicht nach gnadenlos unter.

Nach einer gewissen Weile zeigen sich dir in der Nase Aromen von Rosen, Zitrusschalen und einer Hand voll Kräutern wie Angelika und Pfeffer. Dies führt zu einem leicht süßlichen Geruch, der irgendwie an eine Pralinenmischung erinnert.

Vielmehr hat er allerdings in der Nase nicht zu bieten.

Im Mund erscheint Hendricks Gin zunächst mild mit dem dezenten Aroma von Rosen. Trotz Nuancen von schwarzem Pfeffer zeigt er sich insgesamt jedoch etwas geschmacksarm.

Obwohl der Abgang kurz verläuft, ist er doch brennend und beißend. Im Vergleich zum aktuellen Status quo der Gin-Szene ist dies ein absolutes Manko des Hendricks Gins.

 

 

Hendricks Gin - 41,4%Vol. - 33€/0,7l

6

Bouquet

5.9/10

Geschmack

5.8/10

Mundgefühl

6.5/10

Nachklang

5.9/10

Positiv

  • Design
  • Einzelne ansprechende Aromen

Negativ

  • Fehlende Komplexität
  • Aromen-Defizit im Mund
  • Scharfer Nachklang