Gin pur sowie Gin in Cocktails und Longdrinks ist nicht allein durch den Gin & Tonic in Deutschland mittlerweile eine ganz große Nummer. Dies zeigen sowohl die unzähligen Cocktailkreationen, deren Basisspirituose Gin ist, als auch die neue Riege an Brennereien, die auch in Deutschland Destillate produzieren, die hochwertiger nicht sein könnten.

Im Gegensatz jedoch zu den Bezeichnungen Whisky und Cognac, bei denen man recht schnell in rechtliche Stolperfallen tritt, da die Bedingungen für diese Namen doch so streng sind, sieht man es mit den Definitionen von Dry Gin und London Dry Gin etwas lockerer. Und obwohl oder gerade weil auch beim Dry und London Dry Gin bestimmte Vorgaben zu beachten sind, schleicht sich seit ca. 8 Jahren immer mehr eine neue Kategorie ein: Der New Western Dry Gin.

Um eine neue Kategorie in Sachen Gin definieren zu wollen, muss man in erster Linie verstehen, wo die vorhandenen Begriffsdefinitionen anfangen und wo sie aufhören. Im Gegensatz zum gesüßten Old Tom Gin sind es dabei vor allem die beiden trockenen, d.h. ungesüßten Kategorien Dry Gin und London Dry Gin, die man üblicherweise als den allgemein bekannten Gin bezeichnet. Grundvoraussetzung dieser beiden Kategorien ist allerdings, dass Wacholder nicht nur bei der Herstellung verwendet wird, sondern auch geschmacklich die dominante Note ist. Und gegen exakt diese Eigenschaft „revoltierte“ man mit der Klassifizierung des New Western Dry Gins.

Diese Art Gin-Evolution vollzog sich sowohl  bei großen Spirituosenmarken, als auch bei kleinen regionalen Gindestillerien in den U.S.A. und Europa. Ziel war und ist es mit dem New Western Dry einen Gin zu kreieren, bei dem der Wacholder durch zusätzlich Botanicals nicht nur akzentuiert wird, sondern dass andere Zutaten nun geschmacklich mit Wacholder auf Augenhöhe sind. Zwar muss man dem Wacholder immer noch seinen Stammplatz zuteilen, da man sonst die Bezeichnung „Gin“ ablegen müsste, der Kreativität eröffnet diese unkonventionelle Denkweise aber ganz neue Wege.

 

Erfahre, wie Gin zu seinen Aromen kommt. Klicke hier und lade dir jetzt unser kostenfreies eBook „Botanicals des Gins“ herunter.

 

Wie oben bereits erwähnt, so muss man nicht einmal aus Deutschland herausgehen um die Gin-Evolution in hoher Qualität zu erleben. Auch hierzulande zeigt sich ein Trend, bei dem man sich nicht durch die Bezeichnung der englischen Hauptstadt hervorheben will, sondern ganz gezielt seine eigene Heimat im Titel einbaut. So zeigt beispielsweise The Duke mit seinem Munich Dry Gin, dass man mit außergewöhnlichen Botanicals wie Hopfen und Malz auch abseits des ausgetrampelten Pfades hohe Qualität produzieren kann. Ebenso präsentiert man auch beim Monkey 47  mit der Bezeichnung Schwarzwald Dry Gin, dass man zwar im Gin-Geschäft ist, aber seine eigene kreative Linie fährt.

Außerhalb der Landesgrenzen zieht dieser Trend, d.h. anderen Botanicals gleiche Gewichtung wie dem Wacholder zu geben, immer größere Kreise. So fielen hier in den letzten Jahren vor allem Hendrick’s Gin, Bluecoat American Dry Gin sowie der Aviation Gin im Bereich der New Western Dry Gins auf, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Ryan Magarian, Mitproduzent des Aviation Gins, ist hierbei einer der Vorreiter im Bereich des New Western Dry Gins. Da Geschmack bekanntlich subjektiv ist, beschreibt Magarian auch gerne seine Weise verschiedene Gins der entsprechenden Kategorie zuzuordnen: Ist das erste Aroma, das man erkennt, kein Wacholder, sondern ist auf ein anderes Botanical zurückzuführen, so ist es ein New Western Dry Gin. Ist Wacholder jedoch der erste und durchweg dominanteste Eindruck, so ist es ein klassischer Dry Gin. Seiner Meinung nach ist diese neue und offene Sichtweise auf Gin vor allem einer Marke zu verdanken: Tanqueray. Durch ihren 2000 eingeführten Tanqueray No. 10 (und dem nich mehr erhältlichen Tanqueray Malacca) ging man bewusst weg vom hervorstechenden Wacholderaroma hin zur moderneren Zitrusdominanz.

Was Tanqueray hierbei für einen Stein ins Rollen gebracht hat, wird wohl am Beispiel des Hendrick’s Gin am deutlichsten. Nie liest man, dass Hendrick’s für seinen Wacholdercharakter bekannt ist. Rose und Gurke sind vielmehr die Aromen, mit denen der Hersteller das Produkt in Verbindung bringen will.

Obwohl die New Western Dry Gin Kategorie immer mehr Fürsprecher gewinnt, so gibt es doch auch Traditionalisten, die in Gin eine ganz klar definierte Spirituose sehen. Und auch wenn oder gerade weil der Begriff New Western Dry nach wie vor keine genaue Definition besitzt, möchte ich hier kurz eine allgemeinverständliche Zusammenfassung des Begriffs New Western Dry Gin geben:

“ Unter New Western Dry Gin versteht man eine neue Kategorie des Gins, die sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelt hat. Jene Destillate, die sich dieser Kategorie zuordnen lassen, zeichnen sich durch Wacholderaroma aus, zusätzlich jedoch mit weiteren Aromen mit mindestens gleicher Intensität“.

Welche der Ihnen bekannten Gins würden sie der New Western Dry Gin Kategorie zuordnen?