Wodka-Martini, geschüttelt, nicht gerührt!

Über Filmhelden und ihre bevorzugten Drinks

Die wohl bekannteste Bestellung eines Cocktails in der Filmgeschichte hat uns dazu Anlass gegeben mal über Hollywoodstreifen und ihre Drinks zu schreiben. Denn das beste Beispiel, das diese von Gästen bestellt werden, wenn sie nicht nur über die Bar sondern auch über die Leinwand laufen, haben wir alle wahrscheinlich schon einmal gemixt: den Cosmopolitan. Eigentlich schon 1934 (damals noch mit Gin und Himbeersirup) zum ersten Mal erwähnt, kam der Drink erst durch die US-Serie „Sex and the City“ zu großem Erfolg. Natürlich veranlasst der Kinostart jedes Teils der Frauen-Großstadtsaga Cocktailbars dazu ein Cosmo-Special anzubieten. Doch nicht erst seit Sarah Jessica Parker und ihre Freundinnen stilgerecht durch New York stiefeln und Cocktails schlürfen, kommen gemixte Drinks, quasi als Ausdruck des Lifestyles in Tonfilmen vor. 1927 war die Premiere des ersten abendfüllenden Tonfilms und drei Jahre danach kam dann auch die erste große Drinkbestellung der Filmgeschichte. Stummfilmdiva Greta Garbo spielt „Anna Christie“ im gleichnamigen Film, ein Mädchen mit einer geheimnisvollen Vergangenheit. „Gib mir nen Whisky, dazu´n Ginger Ale und geiz nicht rum, Baby.“ So salopp und mit herrlichem Akzent orderte sie beim Kellner den Drink, der eine Anlehnung an den Whisky Mac war. (Bild: Chesi – Fotos CC)

Bis heute legendär, wurde 1939 „Vom Winde verweht“ mit zehn Oscars ausgezeichnet und ist das kommerziell erfolgreichste Werk der Filmgeschichte. Dabei wird der Drink Planter´s Punch durch Rhett Butler und Scarlett O´Hara zum absoluten Cocktail-Klassiker gekührt. Er stammt von den Zuckerplantagen Jamaikas und wird Frank Myers zugeschrieben, der dort Ende des 19. Jahrhunderts eine Rumbrennerei gründete. Tatsächlich aber existieren Variationen zu Punches schon seit dem 18. Jahrhundert. Sie dienten dazu, den damals noch recht harschen Rum angenehmer trinkbar zu machen.

 

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Mitten im II. Weltkrieg kommen wir zu dem Schauspieler, den wahrscheinlich jeder Barkeeper gern mal an der Bar gehabt hätte, Humphrey Bogart. Er spielt 1942 in der Hauptrolle zusammen mit Ingrid Bergman, im Melodrama „Casablanca“, den Besitzer des Café Americain. Ilsa Lund (Ingrid Bergmann) liebte es klassisch, einen Champagner Cocktail (Trockener Champagner, Brandy, ein Zuckerwürfel mit Bitters) zu den Klängen von „As time goes by“, um sich dabei an die Zeit mit Rick Blaine (Humphrey Bogart) zurückzuerinnern. Ich schau dir in die Augen, Kleines! Und weil der Herr so ein guter Schauspieler war, hängen im auch viele Cocktails nach. Zum Beispiel wäre da noch der Ramos Gin Fizz, der 1947 im Film „Dead Reckoning“ gern getrunken wurde. Hier spielt er Rip Murdock, einen Kriegshelden, der auf der Suche nach dem Mörder seines Kumpels Johnny Drake (William Prince) ist. Murdock findet heraus, dass Drake selbst einst wegen Mordes angeklagt war. Als er Coral Chandler (Lizabeth Scott), die Witwe von Drakes Opfer, kennenlernt, bekämpft diese ihre Trauer mit Gin. „Was werden Sie jetzt tun?“, fragt sie. „Noch mehr Ramos Gin Fizz trinken?“

Wer kennt sie nicht, die Szene in der der weite weiße Rock von Marilyn Monroe durch die Abluft der U-Bahn aufgewirbelt wird? In der Beziehungskomödie von Billy Wilder, „Das verflixte siebte Jahr“ von 1955, bringen Richard Shermann (Tom Ewell) und „das Mädchen“, gespielt von Marilyn Monroe, so manchen Cocktail zustande. Ein schöner Dialog zwischen den beiden, im Film war: „Haben Sie je probiert, Kartoffelchips in Sekt zu tunken?“ fragt Marilyn Monroe Tom Ewell. Das hat er nicht, gesteht jedoch ein: „Ich bin durchaus imstande, mir mein Frühstück selbst zu richten. Ich hatte zwei Peanutbutter-Sandwiches und zwei Whiskey Sour.“ In der deutschen Synchronisation leider zu „zwei Joghurts“ verfälscht. Billy Wilder wird übrigens folgendes Statement zugeschrieben, als er völlig durchnässt von einem Dreh ins Haus kam: „I have to get out of the wet clothes and into a dry Martini.“

1956 hatte dann auch die Bloody Mary ihr Filmdebüt. In dem anspruchslosen, dafür aber urkomischen und mit sanfter Ironie auf Kosten des Rock´n-Roll-Fiebers, gedrehten Film „The girl can´t help it“. Die Gangsterbraut Gerry Jordan (Jayne Mansfield) servierte den Anti-Kater-Drink, dem trinkfesten Presseagenten Tom Miller (Tom Ewell) und sagte zu ihm: „Ich glaube, Sie brauchen das hier… die habe ich immer meinem Vater gemacht. Er trank um meine Mutter zu vergessen…“

Aber nicht nur Neuinterpretationen von Cocktails kommen in klassischen Kinofilmen vor. In der 1959 erschienenen Gaunerkomödie „Manche mögen´s heiß“ versteckt Marilyn Monroe ihren, mit Whiskey gefüllten Flachmann in ihren Strümpfen vor der streng abstinenten Bandleaderin Sweet Sue. Zu Zeiten der Prohibition angesiedelt wird im Speakeasy des Mafiapaten Gamaschen-Colombo in Tassen Kaffee angeboten – Scotch Kaffee, Canadian Kaffee,…..Der Pate selbst trinkt allerdings Buttermilch. Auf der Yacht des „Millionärs“ Junior (Tony Curtis) wird hingegen Champagner aus den damals üblichen Schalen gereicht. Unvergesslich ist natürlich auch die Spontanparty im Bettabteil von Daphne (Jack Lemon), bei der ein Manhatten in einer Wärmeflasche gemixt wird. Statement: He, nicht zu viel Vermouth!

„Blaues Hawaii“. In diesem eher nicht so bekannten Hollywood-Klassiker aus dem Jahre 1961 kam der Mai Tai auf die Leinwand. Eine Bilderbuchlandschaft im Südpazifik war die Kulisse für dieses Elvis-Presley-Märchen. Er spielt Chad Gates, der nach kurzem Dienst in der Army zurück nach Hawaii kommt und ein romantisches Intermezzo mit Maile Duval (Joan Blackburn) hat. Elvis-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten. Der King singt Hits wie „I Can´t Help Falling in Love“. Ein weiterer Film aus dem Jahre 1961 setzt, der Zeit entsprechend, ebenfalls auf Tikistyle. Wenn das bezaubernde New Yorker Partygirl Holly Golightly (Audrey Hepburn) ihren legendären Satz sagt: „Versprechen Sie mir, dass Sie mich erst nach Hause bringen, wenn ich betrunken bin – sturzbetrunken.“, dann trinkt sie Zombies. Am nächsten Tag wieder „Frühstück bei Tiffany“. Der Film basiert auf einer Novelle von Truman Capote, dem ursprünglich Marilyn Monroe in der Hauptrolle vorschwebte.

Nach diesen Ausflügen in romantische Komödien schauen wir uns das cocktail-trächtige Genre des Agentenfilms etwas näher an. Sean Connery, der inzwischen berühmteste Geheimagent ihrer Majestät, flimmerte erstmals 1962 über die Kinoleinwände (Jagt Dr. No) und die Figur James Bond schrieb dabei Cocktail-Filmgeschichte. Dieser Charakter des faszinierenden Womanizers, der scheinbar kaltblütig alle Aufträge seines Chefs M mit tödlicher Sicherheit durchführt, hatte von Anfang an etwas rebellisches an sich. Das spiegelt sich auch in der Auswahl seines ersten Cocktails wieder. Er bestellt sich einen Martini Cocktail. Soweit, so gut. Aber James verlangt einen Wodka-Martini und diesen will er geschüttelt und nicht gerührt. Zur damaligen Zeit ein offener Affront gegen das Cocktail-Establishment. Damit hat James Bond, sei es gewollt, oder zufällig Maßstäbe gesetzt und dem Wodka eine ungeahnte Popularität verschafft. Aber nicht nur Wodka-Martini wurde von James getrunken, auch diverse andere Drinks sind durch seine Kehle gelaufen. Zum Beispiel wurde Scotch mit Soda geordert, was in den Romanen am häufigsten getrunken wurde in den Filmen allerdings untergegangen ist. Auch der Bösewicht „Goldfinger“ (der unvergessene Gert Fröbe), im gleichnamigen Film von 1964, schwärmte für einen Cocktail: dem Mint Julep. Der Dialog zwischen ihm und 007 auf Goldfingers Ranch in Kentucky lautete: „Ein Mint Julep? Mein Hausgetränk. Sehr wohlschmeckend.“ Bond darauf: „Ja, danke. Kräftig, aber bitte nicht zu süß!“

Hier nun noch ein paar Cocktails aus den Romanen und Filmen: Gin Tonic mit Angostura, Americano, Stinger, Old Fashioned, Mojito, Negroni, Irish Coffee und Rum Collins. Auch sehr interessant ist das Produkt-Placement. Der Champagner Bollinger wird seit 1983 (Octopussy) in jedem James Bond Film getrunken, vorher war es Dom Pérignon. Smirnoff Wodka hat einen Auftritt in „Jagt Dr. No“ und Gordon´s Gin wurde in „Casino Royal“ und „Ein Quantum Trost“ erwähnt. Beim Wein liebt er es klassisch: Château Mouton-Rothschild! Und ja, es ist ein Claret! (Diamantenfieber, Buch 1956, Film 1971)

Wenn zwei Barkepeer einen New Yorker Club auf Vordermann bringen, dann kann dieses mit ihren gut gemixten Cocktails zutun haben, oder auch einfach nur mit ihrem Charme. Bei Tom Cruise und Bryan Brown in „Cocktail“ (1988) ist wohl zweites der Fall, wenn Cruise mit Flaschen jongliert und dabei „Addicted to Love“ von Robert Palmer zum Besten gibt. Den Red Eye müssten wir nicht wirklich erwähnen, da dieser Cocktail wohl ungenießbar ist. Was wir uns bei dieser Rezeptur auch vorstellen können. Man nehme 30cl Bier, 20cl Tomatensaft, ein Spritzer Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Tabasco, zwei Aspirin und ein Ei. Eine Bloody Mary Variation, die nicht unbedingt sein muss.

Das Hauptnahrungsmittel des „Dudes“ im Kultfilm „The Big Lebowski“ (1998) ist uns wohl allen bekannt. Jeff Bridges schiebt im wahrsten Sinne des Wortes eine ruhige Kugel als Bowler. Er entspannt sich zwischen den regelmäßigen Bowlingrunden mit dem Lauschen von Walgesängen, dem Trinken von White Russians (Allerdings in diesem Fall mit Milch statt Obers/Sahne) und dem Rauchen von Joints in der Badewanne. Erst eine Verwechslung mit einem Millionär gleichen Namens, bringt sein Leben aus der Bahn und Fans ins Kino. Wenn der Regisseur

Quentin Tarantino sich schon einmal hinter die Bar begibt, dann darf auch das nicht unerwähnt bleiben. 2007 spielt er Barbesitzer Warren in „Death Proof“. Er serviert in dieser Hommage an die schlechten Autoverfolgungsstreifen der 60er und 70er Jahren, den grünen Chartreuse, mit den Worten: „Der einzige Likör, der so grün ist, dass sie eine Farbe nach ihm benannt haben.“

Nach diesen launigen Beispielen fragen wir uns, ob Filme wirklich Trendsetter in Sachen Cocktails sein können. Ja, sie sind zumindest Ausdruck einer Lebensweise, sind meistens cool und eine Sache in der sich der Zuseher leicht mit den Filmhelden identifizieren kann. Neben Tiki in den 1960er Jahren, oder dem Cosmo-Trend der letzten Zeit gibt es eine Reihe von Indizien dafür. Und wieder ist es James Bond, der dem Retrotrend der Cocktailszene gerecht wird. Seit die Figur von Daniel Craig verkörpert wird, hat sich ihr Wesen komplett verändert. Nicht mehr der coole, über alles erhabene Bond ist zu sehen, sondern der Mann, der erst seine neue Rolle als 00 Agent lernen muss. Daher diente auch das erste Buch Ian Flemmings „Casino Royale“ als Vorlage für das filmische Debut Craigs. Hier kreiert er ganz nebenbei einen Cocktail bestehend aus Gin, Wodka, Kina Lillet und einer Zitronenspirale, den er nach seiner Liebe Vesper tauft. Auch wenn ihn der CIA-Mann Felix Leiter lieber „ohne das Gemüse“ trinkt. Und tatsächlich findet sich die Vesper (wenn auch heute mit Lillet Blanc gemacht) auf immer mehr Cocktailkarten. Diesen Cocktail kreierte in Wirklichkeit Gilberto Preti, für Ian Flemmings Roman, der 1952 erschien. Preti war Bartender im Londoner Dukes Hotel.

Es gibt noch viele klassische Filme mit noch mehr klassischen Cocktails.

Zum Ende möchten wir noch, wie bei so manchem großen Hollywood Film, mit einer Frage abschließen. So lassen wir ein Türchen offen für einen zweiten Teil.

Wäre es wohl möglich, dass die Cocktails von mehr Erfolg geprägt sind, die über Kinoleinwände flimmerten? Auch wenn sie jetzt so bekannt sind, hat man sie vor mehreren Generationen vielleicht nur bestellt, weil sie grade in ihren neusten Lieblingsfilm vorkamen.

Drehbuch & Regie                                                            Executive Producer

Malte Müffelmann/Halbestadt Bar, Wien                               Erhard Ruthner/destille.at, Wien