Für die Reinigung von Vodka werden derzeit nicht weniger als 10 verschiedene Methoden und Techniken angewendet, die in der Aussendarstellung zum Teil in den höchsten Tönen ausgelobt werden. Höchste Zeit also, mal eine Ecke des Vorhabens zu heben und bei den verschiedenen Profis, Alchemisten und teilweise auch Illusionisten, die hier emsig zugange sind, etwas hinter die Kulissen zu gucken.

 

Kältefiltration

Der gewonnene Alkohol wird so schnell wie möglich abgekühlt. Das Ausfrieren ist eine relativ billige Methode und wir hauptsächlich für kostengünstigen Vodka verwendet. Hierbei wird der Rohalkohol in spezielle Stahltanks gefüllt und auf Temperaturen herunter gekühlt, bei denen der Alkohol noch flüssig bleibt, das Wasser jedoch gefriert und dabei auch die Fuselstoffe bindet. Danach wird der so gereinigte Vodka abgepumpt und weiterverarbeitet. Es handelt sich um eine unvollkommene Methode, da auf diese Weise nicht alle unerwünschten Inhaltsstoffe beseitigt werden, während umgekehrt jedoch wichtige Geschmacksstoffe ebenfalls eliminiert werden.

Aktivkohlefiltration

Aktivkohle besteht aus Kohlenstoff mit stark poröser Struktur. Die innere Oberfläche beträgt zwischen 500 und 1500 m² pro Gramm Kohle. Als Ausgangsmaterialien für die Vodka-Filtration dient dabei Aktivkohle aus dem Holz der Birke. Bei der Adsorptionsfiltration mit Aktivkohle werden die zu entfernenden Substanzen an die Aktivkohle gebunden. Ionische Substanzen, wie Mineralien, Salze und Kalk, verbleiben dagegen im Wasser. Aktivkohle weist allerdings nur eine beschränkte Adsorptionskapazität auf, weshalb sie periodisch regeneriert werden muss. Diese Regeneration erfolgt in der Regel durch Erhitzen des Filtermaterials auf mehrere hundert Grad Celsius. Der adsorbierte Stoff wird dabei eliminiert. Die Aktivkohlefiltration gilt als Standardfiltration für die Verarbeitung von Trinkalkohol der mittleren Klasse.

Papierfiltration

Dabei handelt es sich um eine klassische Art der Filtration; im Ansatz ist sie mit dem Papierfilter bei der Kaffeezubereitung zu vergleichen. Dabei werden mehrere Lagen Papier zusammengepresst, durch welche dann der Rohalkohol fliest. Die Methode wird in der Regel als Vorfiltration genutzt, ehe die nachgeschalteten, effizienteren und aufwändigeren Filtrierverfahren zur Anwendung gelangen.

Silberfiltration

Schon den alten Römern war die reinigende und desinfizierende Wirkung von Silber bekannt. Durch das Silber werden im Wasser wie auch in der Milch jene Bakterien abgetötet, die sie ungenießbar machen. Was lange Zeit nur praktisches, überliefertes Wissen war, wurde schließlich im 19. Jahrhundert wissenschaftlich nachgewiesen: die antibiotische Wirkung von Silber. Aus diesem Grund werden Aktivkohlefilter häufig mit Silber angereichert. Experten streiten sich bisweilen darüber, ob diese Kombination gesundheitsschädlich sei oder nicht.

Da es mittlerweile sogar Nahrungsergänzungsmittel mit kolloidal gelöstem Silber gibt, ist das in der Aktivkohle vorhandenen Silbers wohl eher unbedenklich. Durch die Kombination von Aktivkohle und Silber kann ein Reinheitsgrad bis 98% und mehr erreicht werden. Die Silberfiltration kommt denn auch primär in der Premiumklasse zum Einsatz.

Platinfiltration

Die Anwendung des Platinfilters entspricht in der Effizienz in etwa der Silberfiltration – allerdings bei weitaus höheren Kosten. Hier steht denn auch weniger die Reinigungsaufgabe als vielmehr das Marketing im Vordergrund. Mit dem Begriff „Platin“ – das bekanntlich teurer ist als Gold – verleiht man dem Produkt einen Hauch von Exklusivität und Extravaganz. Platin kommt somit ebenfalls bei Premium-Produkten zur Anwendung.

Milcheiweissreinigung

Die klassische Milcheiweissreinigung ist keine neue Erfindung in der Vodka-Herstellung. Sie bildet vielmehr eines der ältesten Verfahren für die Reinigung von Samagon, dem Schwarzgebrannten. Da die Vodka-Produktion früher ein Privileg des Adels war, konnte man sich hier die Entwicklung aufwändigerer und scheinbar effizienterer Filtrationsmethoden leisten. Die unterprivilegierte Landbevölkerung musste sich dagegen mit den einfachen Methoden zufrieden geben. Bei diesem Filtrationsprozess wird dem Vodka Milcheiweiss zugeführt. Dadurch wird ein Gerinnungsprozess ausgelöst, der dem Vodka auf natürlichem Weg unerwünschte Mikroorganismen und störende Geschmacksstoffe entzieht. Diese Art der Reinigung ist heute in Russland wieder sehr populär. Sie wird – allerdings auf perfektionierter verfahrenstechnischer Stufe  – mittlerweile ausschließlich im Premium-Bereich verwendet. Dies dank der hohen Reinheit, welche durch eine hoch professionelle Anwendung der Methode erreicht wird.

Ozonreinigung

Die Ozonierung dient vor allem der Entkeimung vor allem flüssiger Substanzen. So gehört die Methode eine Ozonierung in vielen Trinkwasserwerken zu den zentralen Aufbereitungsstufen. Ozon tötet durch sein hohes Oxidationspotential sowohl Keime wie auch Algen weitgehend ab und verbessert die Filtrierbarkeit dieser feindispersen Verunreinigungen und damit die Reinigungswirkung. Ozon hilft auf natürlicher Basis, Quellwasser für die Vodka-Produktion stets sauber und keimfrei zu halten. Es beeinflusst dabei nicht den pH-Wert des Wassers. Beim Zerfallsprozess des Ozons werden Bakterien und Keime abgetötet. Gleichzeitig wird das Wasser mit natürlichem Sauerstoff angereichert. Es ändert die Wasserzusammensetzung nicht, senkt aber die Wasserhärte auf ein gewünschtes Maß, um den Vodka weich und geschmeidig werden zu lassen.

Quarzsandfiltration

Der Quarzsandfilter ist ein mehrfach unterteiltes Filtersystem, bei dem das Wasser durch verschiedene Filterwatten und Sandschichten fließt. Sie werden zur Wasserreinigung eingesetzt um Trübstoffe abzufiltrieren und dadurch zum Beispiel die nachfolgende Aktivkohlefilter zu schützen. Die Trübstoffe werden im Sandfilter zurückgehalten. Wenn die Kapazität des Filters erschöpft ist, muss er in entgegengesetzter Richtung zurückgespült werden. Dadurch werden die festgehaltenen Partikel ausgetragen; die Filtersande sind anschließend wieder aufnahmefähig. (Bild:

Membranfiltration

Sauberes Wasser ist das wichtigste Lebensmittel. Steigende Ansprüche an die Reinheit verlangen nach neuen Verfahren. Mit der Membranfiltertechnik gelingt es, Bakterien und Viren nicht nur abzutöten, sondern vollständig aus dem Trinkwasser zu eliminieren. Die Technik kommt daher immer häufiger auch bei der Vodka-Herstellung zum Einsatz. Das Rohwasser wird beim Einsatz von Membranfiltern nicht durch Sand geleitet, sondern durch feine Membranen, eine Art Siebe, gepresst. Mit solchen Membranfiltern können heute Bakterien und Viren aus dem Rohwasser vollständig herausfiltriert werden. Zur Wirkungsverbesserung lassen sich bei der Trinkwasseraufbereitung die erwähnten konventionellen Verfahren mit Membranfiltern kombinieren. Die Membranfilter müssen periodisch durch Rückspülung gereinigt werden.

Diamant- oder Diamantstaubfiltration

Auch hier scheint der Phantasie der Marketingabteilungen mal wieder keine Grenze gesetzt zu sein. Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass die spezifischen Schwingungsmuster der Diamanten dem Vodka eine bestimmte Qualität zu verleihen vermögen, anderseits gibt es jedoch weder erstzunehmende wissenschaftliche Studien, noch effektive Qualitätsnachweise für den Nutzen der Diamant-Filter bei der Vodka-Herstellung. Diamant- oder Diamantstaubfiltration scheint sich somit eher um ein Thema für Märchen und Träume zu handeln.