Die Nachfrage an Spirituosen stieg gegen Ende der 1990er stark an. Dabei interessierte sich der Konsument nicht nur für Discounter-Alkoholika, sondern auch mehr und mehr für das Premium-Segment. Mancherorts überstieg der Wunsch nach Spirituosen sogar den Konsum von Bier. Bei allen High-End-Getränken gehen sie aber völlig unter: die alkoholischen Kuriositäten dieser Welt.

Jeglichem alkoholischen Getränk, sei es Bier, Wein oder Spirituosen, geht die Gärung voraus. Ohne diese gäbe es keinen Trinkalkohol für Getränke und auch das Aroma würde deutlich darunter leiden. Wie die Maische jedoch für die Gärung vor- bzw. zubereitet wird, kann auf diverse und teils skurrile Art geschehen.

Auch wird alkoholischen Getränken viel nachgesagt. Selbst den Alkohol an sich umgibt seit jeher ein gewisser Mythos. Manchen Produzenten ist dies aber nicht genug. Und so setzt man noch das ein oder andere Tierchen in die Flasche, um dann noch das ein oder andere Märchen dazu erzählen zu können.

1. Chicha  – Das „Spuckebier“ aus Peru

Während sich der südamerikanische Staat Peru mit seinem Traubenbrand Pisco mittlerweile auch in Europa einen guten Ruf erarbeitet hat, bleibt uns das ein oder andere „Schmankerl“ des Andenstaates verborgen.

Chicha ist ein bierähnliches Getränk, dessen Ausgangsstoff Mais ist. Mais an sich ist aber nur schlecht vergärbar. Man muss die darin enthaltene Stärke zunächst in Zucker umwandeln, welche dann vergoren werden kann. Soweit so gut. Das Besondere an Chicha ist jedoch, dass die Umwandlung von Stärke in Zucker im Mund der Hersteller geschieht. Die Einwohner kauen dabei den Mais, wodurch er sich mit dem Speichel vermischt. Das in der Spucke enthaltene Enzym Amylase spaltet die Stärke in Zucker. Jeder der schon einmal Brot längere Zeit gekaut hat, wird dies merken, da ein leicht süßlicher Geschmack im Mund entsteht.

Das Mais-Speichel-Gemisch wird anschließend mit Wasser verdünnt und vergoren. Das fertige „Bier“ hat einen Alkoholgehalt zwischen 1 und 6 %Vol. Prinzipiell lässt sich diese Herstellungsweise mit fast jedem stärkehaltigen Rohstoff durchführen. Man findet daher auch Reis-, Maniok- oder Fruchtversionen des Chicha.

2. Pizza Beer – Flüssige Capricciosa aus Illinois, USA

Im Jahr 2006 hatten Tom und Athena aus Illinois die bahnbrechende Idee, ein Bier zu kreieren, das perfekt zu ihrem Lieblingsessen Pizza passt. Foodpairing mal anders. Sie versetzten daher ihren vergorenen Gerstensaft mit diversen Gewürzen wie Knoblauch, Oregano, Tomaten, Basilikum etc. Man muss jedoch nach dem Genuss des Bieres die restlichen Überbleibsel im Mund nicht noch kauen und nachspülen. Pizza Beer wird nach der Aromatisierung gefiltert und ist äußerlich kaum von herkömmlichem Bier zu unterscheiden.

Auch hinsichtlich Merchandising war man sich seiner Sache sicher. Auf der offiziellen Pizza Beer Website kann man sich dies alles ansehen.

3. Lizard Wine – Eingelegte Echsen aus China

Dass diverse Kräuter und andere Pflanzen eingelegt in Alkohol tatsächlich medizinische Wirkung entfalten, ist seit Jahrhunderten bekannt und bewiesen. Bei eingelegten Tieren steckt eher Kult und Mythos dahinter.

So auch beim Lizard Wine aus China, bei dem Echsen (allem voran Geckos) zwischen 1 und 10 Tagen in Alkohol eingelegt werden. Die Flüssigkeit besteht dabei entweder aus Reisschnaps oder Whisky. Der graue starre Blick der Echse soll dabei gegen Krebs, Arthritis und andere Krankheiten helfen.

Unglaublich wie fantasievoll und kreativ manch einer beim Verkauf seiner Produkte werden kann.

4. Snake Bile Wine – Saft aus Vietnam

Das vierte Getränk, dass ich Ihnen vorstellen möchte, ist für mich persönlich das Widerlichste, von dem ich je gehört habe.

Das Einlegen von Tieren in alkoholische Flüssgkeiten ist seit alters her bekannt. Mit Mezcal hat es sogar ein solches Destillat zu weltweitem Ansehen gebracht. Manchen Personen scheint das einfache Einlegen von Tieren jedoch nicht zu genügen und so werden spezielle Organe verwendet.

Der Snake Bile Wine ist ein in Vietnam bekanntes Getränk, das vor allem in Restaurants mit exotischer Küche, wie z. B. in Ho Chi Minh-Stadt, angeboten wird. Vor den Augen des Gastes seziert der Gastgeber eine lebendige Schlange, entnimmt deren Galle (engl.: bile) und vermischt die Gallenflüssigkeit mit Reisschnaps. Anschließend wird die grünliche Flüssigkeit serviert. Natürlich gibt es hierzu auch nette Geschichten, die u.a. besagen, dass Snake Bile Wine die männliche Potenz fördern sollen.

Schlussendlich entscheidet auch bei den obigen Getränken der subjektive Geschmack bzw. der kulturelle Hintergrund. Dennoch kann ich mir nur schwer vorstellen, dass manche der o.g. Flüssigkeiten außerhalb des jeweiligen Landes großen Zuspruch finden würden.