Kaum eine Spirituosengruppe hat in den letzten Jahren einen derartigen Boom erlebt wie Gin. Dabei kommen sowohl neue Kreationen, von denen sich einige deutlich von dem klassischen Gingeschmack unterscheiden, als auch solche, die die typischen Wacholdernoten in den Vordergrund stellen. Neben neugegründeten Destillerien, viele davon sogenannte Garage-Distilleries, kontern auch alt eingesessene Hersteller mit „neuen“ Rezepten.

Hayman gilt als die älteste, noch aktive Familie im Gin-Geschäft. Der Urgroßvater des jetzigen Firmenchefs Christopher Hayman war niemand anderer als James Burrough, der Entwickler des weltberühmten Beefeater Gin. Auch wenn die Marke Beefeater und die Firma James Borrough Ltd. in den 1980er Jahren verkauft wurden, blieb die Familie im Geschäft.

Als unabhängige Familienfirma bringen die“ Hayman Distillers“ den Hayman´s Old Tom Gin, Hayman´s London Dry Gin und Hayman´s Sloe Gin auf den Markt. Darüber hinaus gehören Hayman´s 1820 Gin Liqueur und Sir Walt´s Original London Liqueur zu ihrem Portfolio.

Nachdem in England der Gin Craze des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts durch eine neue Gesetzgebung überwunden war, entstanden große, teils luxuriöse Verkaufsstellen für Gin, die „Gin Palaces“. Die übliche Art der Lieferung an diese Ginpaläste war im Fass, da die industrielle Glasflasche noch nicht im großen Stil verfügbar war. Verwendet wurden wohl alle möglichen Fässer.

Die Hersteller machten sich noch keine großartigen Gedanken über geschmackliche Einflüsse, auch weil das Fass als reines Transportmedium gesehen wurde. Der Gin verbrachte somit höchstens ein paar Wochen in so einem Fass, also fand auch keine gravierende Veränderung der Farbe oder des Geschmacks statt. Spätestens mit der Erfindung und dem massiven Einsatz des Stahltanks gehörte diese Tradition der Vergangenheit an.

Bei Hayman besann man sich vor kurzem dieser alten Methode und versuchte ein altes Rezept von 1850 wiederzubeleben. Für eine kurze Zwischenlagerung entschied man sich für Ex-Scotchfässer, in denen nun der Gin für 3 bis 4 Wochen ruht. Dieses Verfahren, „Cask resting“ genannt, bewirkt erstaunlicherweise, dass der Gin weicher und angenehmer wird.

Da Gin seit dem „Single bottle act“ von 1861 in Flaschen verkauft wird, füllt auch Hayman´s seinen cask rested Gin in eine traditionell anmutende Flasche. Die Anzahl der Flaschen pro Charge (batch) ist limitiert, derzeit ist batch No. 00-002 auf dem Markt erhältlich.

Degustation des Hayman´s 1850 Reserve Gin

In der Nase zeigt der Hayman´s 1850 Reserve sofort welchen Stammbaum er hat. Ein deutliche Wacholdernote, gepaart mit Koriander und Kassienrinde erweckt zunächst den Eindruck eines (London) Dry Gin. In weiterer Folge fällt allerdings auf, dass er sehr weich wirkt. Zwar geht das etwas zu Lasten einer sonst üblichen Zitrusfrische, aber es macht die Nase äußerst angenehm.

Am Gaumen wirken schöne, trockene Geschmäcker. Wacholder, leichte Lakritze, Pfeffer und Kräuter wechseln sich ab. Der Abgang ist relativ kurz, im Mund bleibt ein angenehm trockenes, würziges Gefühl. Ein „ehrlicher“ Gin ohne Verschnörkelungen oder Täuschungen. Macht sich sehr gut mit einem nicht allzu trockenen Tonic oder als Gimlet.

Details:

Art: Distilled Gin

Alter: –

Alkohol: 40% vol.

Region: England

Bottler: Hayman Distillers

Fazit: 9/10 Punkten