Absinth, Raki, Ouzo, Pastis, Sambuca und diverse andere Anis-Spirituosen haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden bei Wasser-Zugabe milchig-trüb. So seltsam dies wirken mag, so interessant ist der Grund, der dahinter steckt.

Die Ursache für das als Louche-Effekt bezeichnete Auftreten einer Weiss-Färbung klarer Anis-Spirituosen dürfte der ein oder andere bereits von anderen Alltags-Phänomenen kennen.

Sie haben eine Suppe vor sich und sehen kleine Fett- bzw. Öltröpfchen auf der Oberfläche schwimmen. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch aus der Schulzeit an den Grund dafür, dass die Tröpfchen sich partout nicht mit Wasser vermischen wollen.

Die Ursache liegt in der Struktur der Öl- und Fettteilchen, was schlussendlich bei Kontakt mit Wasser zu einer Emulsion führt.

Und dieses Alltagsphänomen lässt sich fast 1 zu 1 auf die milchig-trübe Färbung übertragen, wenn Absinth & Co. mit Wasser in Berührung kommt.

 

louche effekt

 

Der Louche-Effekt: Ätherische Öle vs. Wasser

 

Anis-Spirituosen jeglicher Qualität, sogenannte Anisées, enthalten eine Fülle an ätherischen Ölen, egal ob diese dabei durch Mazeration ohne künstlich ins Destillat gelangen.

Geht man einmal von hochwertigen Anisées aus, stammen diese geschmacksgebenden Öle aus den diversen Kräutern wie Melisse, Minze, Fenchel und allem voran Anis und Sternanis.

Das entscheidendste ätherische Öl ist dabei Anethol. Gibt man nun tröpfchenweise Wasser in die klare Spirituose kommt es zur Bildung einer Emulsion.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum die Trübung nicht schon viel früher einsetzt, da der Großteil der Spirituose ja aus Wasser besteht.

Der Grund liegt darin, dass der enthaltende Alkohol eine Art Hülle um die ätherischen Öle bildet und eine „Vermischung“ von ätherischen Ölen und Wasser ermöglicht.

 

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Gibt man jetzt allerdings tropfenweise Wasser hinzu, verringert man tropfenweise die Konzentration des enthaltenen Alkohols. Mehr und mehr ätherische Öl-Moleküle stehen ohne Hülle da.

Die Konsequenz ist, dass sich diese zu kleinen ätherischen Öl-Verbänden zusammenschließen.

Diese Verbände brechen das einfallende Licht auf eine Art und Weise, die das Getränk für den Betrachter undurchsichtig und milch-trüb erscheinen lässt.

Folglich kann man sagen, je weniger Alkohol bzw. je mehr Anethol im Anisée enthalten ist, desto schneller setzt bei Wasserzugabe die Trübung ein.

Prinzipiell kann man diese als Louche-Effekt (vom französischen louche für trüb, undurchsichtig) bezeichnete Trübung auch durch starke Abkühlung erzielen, da das Lösungsvermögen von Alkohol bei niedrigen Temperaturen abnimmt.