wacholder

 

Gin ist in! Diese 3 Worte treffen den Kern der modernen Gin-Entwicklung. Das Wacholder-Destillat erfreut sich in Deutschland und der westlichen Welt steigender Beliebtheit.

Mehr als je zuvor.

Wie Pilz aus dem Boden sprießen neue Destillerien mit Top-Produkten.

Zwar besinnt sich dann der ein oder andere auf die berühmte Genever-Vergangenheit. Ein anderes traditionsreiches deutsches Wacholder-Destillat bleibt aber meist außen vor: Steinhäger.

Bei der momentanen Geschwindigkeit mit der neue London Dry Gins, Distilled Gins etc. auf den Markt geschmissen werden, verliert man schnell den Überblick. Allein der Blick in deutsche Regale zeigt, dass auch hierzulande die Gin-Fahne immer höher gehisst wird.

Und dies meist mit bahnbrechender Qualität. Mit dabei ist fast jedes ein Mal Tropfen Heimatverbundenheit. Sei es in Form heimischer Zutaten oder die Apparatur von deutschen Herstellern auf die die Destillerie stolz ist.

Und je größer die Blütezeit des Gins wird, desto mehr interessieren sich Connaisseure und Gin-Liebhaber für den geschichtlichen Hintergrund. Man muss nicht lange forschen, um dabei auf Genever zu stoßen.

Häufig wird in diversen Zeitschriften und Büchern Genever als der ultimate Vorläufer und einziges Wacholder-Destillat erwähnt, dass vor dem Gin das Licht der Welt erblickte. Neben Holland und seinem Genever hatte so manches andere Land aber ebenfalls ihr eigenes Ur-Wacholder-Destillat.

So auch Deutschland mit unter anderem dem Steinhäger.

 

Aus Steinhagen nach Deutschland

 

Steinhäger ist zwar selbst in Deutschland nicht großartig bekannt, besitzt jedoch eine Eintragung in der EU-Verordnung zu Spirituosen. Ähnlich wie Plymouth Gin regelt diese Verordnung den geographischen Bereich, in dem Steinhäger produziert werden darf.

Die ca. 20.000 Einwohner zählende Gemeinde Steinhagen liegt im nordöstlichen Nordrhein-Westfalen. Die Einwohner dieser Gemeinde produzierten bereits zwischen 1400 und 1500 ihre ersten urkundlich erwähnten Wacholder-Arzneien.

Ein ähnlicher Werdegang also wie bei den meisten anderen Spirituosen.

 

 

Erfahre, wie Gin zu seinen Aromen kommt. Klicke hier und lade dir jetzt unser kostenfreies eBook „Botanicals des Gins“ herunter.

 

Man weiss heute nicht, ob diese Extrakte damals bereits hochprozentigen Alkohol enthielten. Allerdings vermute ich dies stark. Zum einen, da Alkohol unvergleichlich besser chemische Verbindungen aus dem Wacholder löst als Wasser und zu jener Zeit die Destillationskunst gerade ihren Siegeszug quer durch Europa startete.

Wenige Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) begann dieser allmählich die Wirtstuben im damaligen Steinhagen zu erobern. Spätestens ab diesem Zeitpunkt galt das dortige Wacholder-Destillat als Genussmittel.

Allerdings dauerte es noch fast hundert Jahre bis der Steinhäger schließlich kommerziell und gewerblich produziert wurde. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Steinhäger ähnlich wie Genever meist in Tonkrüge abgefüllt und so in den Handel gebracht.

Die wenigen heute noch produzierenden Steinhäger-Unternehmen liefern fast ausschließlich auf diese Weise aus. Steinhäger und mit ihm Wacholder ist aber nach wie vor derart in der Steinhagener Tradition verwurzelt, dass selbst auf dem Stadtwappen Wacholderbeeren abgebildet sind.

 

Herstellung und der kleine Rest an Betrieben

 

Steinhäger ist ein Nischenprodukt. Ein sehr kleines sogar. Allerdings gehört es zur deutschen Spirituosenkultur und trägt seinen Teil zur hiesigen Vielfalt bei. Von den abermals 20 Brennereien produzieren heute allerdings nur noch 3.

Dies ist neben Schlichte und Fürstenhöfer noch Schinkenhäger.

Die Herstellung von Steinhäger unterscheidet sich im Detail von der des Gins bzw. Genever. Zum einen wird ein Destillat aus diversen Getreidesorten hergestellt, parallel dazu ein Destillat aus vergorenen Wacholderbeeren.

Das Produkt hieraus heißt Wacholderlutter. Beide Destillate werden anschließend miteinander vermischt und ein weiteres Mal destilliert. Vor diesem letzten Brennvorgang dürfen ausschließlich Wacholderbeeren zur Aromatisierung zugegeben werden. Laut EU-Verordnung muss Steinhäger mindestens mit 30 %Vol. abgefüllt werden.

Die feinen Unterschiede zu Gin/Genever in der Herstellung, die enge geographische Begrenzung und die Jahrhunderte alte Geschichte zeigen, dass Steinhäger zwar bei weitem kein Global Player ist, aber ein bedeutendes Stück deutscher Kultur.