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Wenige Spirituosen-Kategorien sind derart komplex, bieten dir solch ein Bouquet wie Rum. Seine Vielseitigkeit ist allerdings auch seine Achilles Ferse. Denn nicht jeder Rum-Hersteller spielt sauber. Die folgenden Fakten hätte ich daher gerne gewusst, bevor ich für meinen ersten Rum Scheine auf den Tische legte.

 

Wie du den richtigen Rum auswählst

 

Benutze „leicht“, „trocken“ und „komplex“ um den richtigen Rum auszuwählen

Meinen ersten Rum kaufte ich bei einem Händler in Erfurt. Ich stand in seinem Laden und wusste, dass ich Rum wollte, hatte mir vorher aber keine Gedanken gemacht welchen. Schmecken sollte er halt. Achja, und der Alkohol sollte nicht zu sehr kratzen.

2 Aussagen, mit denen der Händler wenig anfangen konnte. Um genau zu sein: gar nichts. Dies lag aber nicht an seiner Inkompetenz, sondern an meinem Unvermögen auszudrücken, was ich möchte.

Um dich zu orientieren und einen Rum zu kaufen, der dir gefällt, solltest du dir daher folgende Fragen stellen:

  • Möchte ich einen süßen oder einen trockenen Rum?
  • Sollte er eher leicht oder lieber schwer und ölig auf der Zunge liegen?

Sofern die Destillerie nicht mit Zucker nachgeholfen hat, bekommen Rums ihre Süße in erster Linie aus dem Holz des Fasses. Je nach Art des Rohbrands und der Reifung bekommt der Rum ein süßes oder trockenes Geschmacksprofil.

Ob ein Rum „leicht“ oder „schwer“ ist, sagt nichts darüber aus, ob er auch viele Aromen liefert. Es beschreibt vielmehr, das gefühlte Gewicht auf deiner Zunge.

 

Kauf deinen Rum nicht im Supermarkt

 

Einige Supermärkte wählen ihren Bestand an Premium-Spirituosen sorgfältig aus, andere wiederum nicht. Discounter definitiv nicht. Der Lebensmitteleinzelhandel wird jedoch bis auf wenige Ausnahmen von Konzernen und großen Distributoren beliefert. Deren Ziel ist Umsatz, nicht dem Gaumen zu schmeicheln. Auch wenn es hier ebenfalls Ausnahmen gibt.

Der Fachhandel bietet dir weitaus mehr Rumauswahl. Dort findest du Rum-Hersteller und -Destillerien deren Credo andersherum läuft. Qualität zuerst. Die Wahrscheinlichkeit, dass du dort etwas findest, das dir Freude bereitet, ist weitaus größer.

Geh in einen Rum-Laden in der nächst größeren Stadt oder online und beginne mit deren günstigeren Produkten. Berät dich der Händler oder der Online-Shop gut, bekommst du so die Möglichkeit typische Eigenschaften bestimmter Rum-Regionen kennen zu lernen. Und dabei setzt du nicht zu viel Geld in den Sand, wenn der ein oder andere Rum dir nicht schmeckt. Im schlimmsten Fall machst du einfach einen Cuba Libre draus.

 

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Betrachte Rum-Bewertungen mit Vorsicht

 

Bewertungen von Produkten bieten Kunden einen ersten Ausweg bei der Frage: Welchen Rum soll ich kaufen“. Bewertungen sind aber ein schwieriges Feld. Spirituosen bilden da keine Ausnahme. Im Gegenteil. Anders als technische Gegenstände, die sich anhand von Parametern messen und vergleichen lassen, basieren Bewertungen von Spirituosen auf subjektiven Meinungen.

Orientierst du dich an Rum-Bewertungen, dann solltest du dich mit den grundlegenden Kategorien wie Melasse-Rum, Zuckerrohr-Rhum und Cachaca bereits auskennen. Auch ist es wichtig, dass du die einzelnen Rum-Regionen kennst, du also weißt, was dich aromatisch erwarten kann.

Möchtest du einen komplexen aber leichten Rum, dann entscheide dich für einen Kubaner. Auch wenn ein Jamaikanischer Rum der selben Preisklasse vielleicht 2 bis 3 Bewertungspunkte mehr hat.

Denn entscheidest du dich stattdessen für den schweren, ester-lastigen Jamaikaner, gehst du vermutlich mit einem Rum nach Hause, der dir keine Freude macht. Aber der ein Loch im Geldbeutel hinterlassen hat.

 

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Diese Rum-Kategorien solltest du kennen

 

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich eine Vielzahl neuer Rum-Kategorien entwickelt. Im Vordergrund stand dabei nicht die Qualität des Destillats, sondern sein Einsatzzweck. Die bekanntesten Varianten daraus waren diese:

  • Weißer Rum
  • Brauner Rum (fassgelagert)
  • Einzelfass-Rum
  • Spiced Rum
  • Rhum Agricole

Suchst du einen Rum, den du pur genießen möchtest, sind aus der obigen Liste nur 3 Kategorien für dich relevant: Fassgelagert, Einzelfass und Rhum agricole.

Auch wenn es bei den anderen Ausnahmen gibt, werden diese nicht für den Purgenuss hergestellt. Ebenso wenig wie Gold Rum oder Dark Rum, deren Farbe meist ausschließlich von Farbstoffen herrührt.

Keine dieser Kategorien bietet dir aber eine gute Orientierungshilfe, wenn du nach aromatischen Stilen suchst. Ob ein Rum trocken oder süß, komplex, leicht oder schwer ist, kannst du hier nicht herauslesen.

Suchst du einen Rum für den Purgenuss, dann hilft dir folgender Leitfaden:

    • Barbados: Destillate von dieser Insel sind mittelschwere Rums. 3 Destillerien produzieren hier mit einer Kombination aus Pot Stills und Column Stills. Lediglich die Rums für St. Nicholas Abbey werden ausschließlich in Pot Stills gebrannt.

 

 

    • Latin: Dieser Stil umfasst mehr als nur eine Insel; es bezieht sich auf eine Rum-Art, die du in spanischsprachigen Karibikgebieten sowie Mittel- und Südamerika findest. Meist verweist „Latin“ aber lediglich auf kubanischen Rum. Die markanteste Eigenschaft dieses Rum-Stils ist sein leichtes Mundgefühl.

 

    • Guyana: In Guyana produziert heute nur noch eine einzige Destillerie Rum. Deren Dachkonzern, die Demerara Distillers Ltd., bietet allerdings eine Palette diverser Stile an. Hauptgrund hierfür ist, dass das Unternehmen die Brennblasen geschlossener Destillerien aufkaufte und wieder in Betrieb nahm. Das Aromen- und Geschmacksprofil von Demerara- bzw. Guyana Rum ist kräftig, vollmundig und komplex.

 

    • Cachaça: Cachaça ist einer der Nahverwandten des Rums. Er wird direkt aus Zuckerrohrsaft hergestellt und ist durch einen leichten Charakter geprägt. Um die genauen Unterschiede zwischen Cachaça und Rum kennenzulernen, haben wir den Artikel Rum vs. Cachaça – Der kleine aber feine Unterschied vor einigen Monaten für dich veröffentlicht.

 

    • Rhum agricole: Diesen Rum-Stil produzieren ausschließlich die französischen Übersee-Departements Martinique, Guadeloupe und La Réunion. Der markanteste Unterschied zu „normalem“ Rum ist die Verwendung von frischem Zuckerrohrsaft statt Melasse. Dies ist der Hauptgrund, warum Rhum agricole leichte, aber komplexe Destillate sind.

 

  • Clairin: Clairin ist eine kleine Unterkategorie des Rums, die ausschließlich in Haiti destilliert wird. Wie Cachaça und Rhum agricole basiert Clairin ausschließlich auf frischem Zuckerrohrsaft. Es gibt jedoch keine fassgelagerten Abfüllungen. Clairin ist ein komplexes und leichtes Destillat.

 

Achte auf schlechte Zusatzstoffe

 

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Rum-Hersteller unterliegen kaum Produktionsvorschriften. Einzelne Kategorien wie Rhum agricole und Cachaça bieten hier zwar Ausnahmen, und selbst manche Regionen wie Barbados oder Jamaica geben Richtlinien vor, aber das ist nicht die Regel.

So kann es vorkommen, dass Rum-Produzenten eine bestimmte Geschmacksrichtung oder einen gewünschten Rum-Charakter erst durch Zusatzstoffe erreichen. Diese schwarzen Schafe der Rum-Szene erkennst du leider nicht am Flaschen-Label. Zusatzstoffe müssen in den meisten Herkunftsländern nicht deklariert werden, und einmal im europäischen Handel sind sie schwer nachzuweisen.

Trickst ein Rum-Hersteller bei seinem Produkt, macht er dies meist mit einem oder mehreren dieser 3 Substanzen:

  • Glycerin: Glycerin wird dem Destillat zugegeben, um es weicher und bekömmlicher zu machen
  • Zucker: Jeder mag süßen Geschmack. Vor allem ist es das, was Einsteiger von einem Rum erwarten. Da das Holzfass ebenfalls Zuckermoleküle in den Rum gibt, ist eine zusätzliche Menge schwer nachzuweisen.
  • Vanillin: Bei Vanillin hast du dieselbe Problematik wie bei Zucker. Es ist bekömmlich, es schmeckt. Und zwar dem Großteil der Menschheit.

Je mehr Rums du probierst, desto feiner wird dein Gaumen. Du erkennst Nuancen. Das wichtigste aber ist: Du erkennst die schwarzen Schafe, da Vanille und Zucker in unverhältnismäßig hohem Maße im Mund kleben.

Möchtest du auf Nummer sicher gehen, dass du kein Geld für einen Rum mit Additiven ausgibst, informiere dich im Vorfeld über bestimmte Abfüllungen im Internet. Die andere Möglichkeit, um die schwarzen Schafe zu umgehen, sind Einzelfassabfüllungen oder Rums unabhängiger Abfüller. Diese bieten meist nur kleine Chargen an, bei denen sich Zusatzstoffe wirtschaftlich nicht lohnen.


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