Wurde die Abneigung gegen Marketing- und Agentur-Gins erhört? Ich weiß es nicht. Es fühlt sich aber zumindest so an. Denn was in den vergangenen Monaten auf dem Markt erschien, waren im Handwerk produzierte Destillate, keine AMGs.

So auch der Fieldfare Dry Gin aus Hessen. Ein Gin, auf den wir gewartet haben.

Als ich mich mit Mitja Hendrik Fehring, einem der Köpfe hinter dem Fieldfare Gin, unterhielt, erzählte er mir einiges über die Herstellung des Destillats. Dass Botanicals wie Wacholder, Wakame Alge und Sanddorn oder Grapefruit, Orange und Granatapfel zum Einsatz kamen.

Auch das die Wacholderbeeren von Hand gepflügt werden, wurde erwähnt.

Ohne Frage war dies alles interessant. Aber letzten Endes eine austauschbare Geschichte, denn es war die Blaupause, mit der jeder Gin-Hersteller arbeitet.

Und dann kam eine andere Mail.

In dieser ging es nicht um die Frage nach Mazeration oder Dampfinfusion. Auch nicht darum, warum sie die Wakame-Alge in ihrem Gin verwenden.

Es ging darum, welche Arbeit Mama Kerstin bei der Gin-Produktion hat, indem sie allen anderen den Rücken freihält. Es ging um Papa Jo, der mit Mitja ein eigenes Projekt auf die Beine stellt.

Um Christoph und Felix, um Tobi, Kai und Lukas, die neben ihren Vollzeitjobs, dem Fieldfare Gin-Projekt unter die Arme greifen.

Die Kernaussage dieser Mail war eindeutig: 

Pfeiff auf Botanicals, pfeiff auf die Destillation. Die wichtigste Zutat für Gin sollte Leidenschaft sein.

Ich habe in den letzten 5 Jahren nur wenige Mails bekommen, in der so viel Passion für das Destillat steckte.

 

DEGUSTATION DES FIELDFARE DRY GIN

 

Einmal im Glas hast du einen klaren Tropfen. Es braucht allerdings nicht viel Temperaturschwankung nach unten, um dem Fieldfare Gin eine ordentliche Trübung zu verpassen. Dies ist kein Kritikpunkt, zeigt es lediglich, dass hier ein ungefiltertes Destillat auf dich wartet.

Mit allen ätherischen Ölen und anderen langkettigen Molekülen, die bei einer Filtration verloren gegangen wären.

Schwenkst du ihn 2 bis 3 Mal, bildet der Fieldfare Gin auffallend viele Tropfen an der Glasinnenseite. Das ganze Glas scheint in Bewegung zu geraten.

Bevor du deine Nase darüber hältst, um das Bouquet zu entdecken, solltest du diesem Gin erst etwas Ruhe gönnen. Mindestes so lange bis er sich nach dem Schwenken beruhigt hat, am besten jedoch 2 Minuten.

Denn hältst du deine Nase ohne Umschweife über das Glas, steigt dir eine leicht alkoholische Schärfe entgegen. Etwas, dass du mit etwas Wartezeit vermeiden kannst.

Ein kleines Manko, das allerdings kaum die Wucht deckeln kann, die im Anschluss folgt.

Das Bouquet des Fieldfare Gins hat es in sich. Das erste Aroma, das deine Nase erreicht ist Wacholder. Seine harzig-trockene Note ist das Leitaroma, das du ständig wieder entdecken wirst. In dessen Windschatten folgen Nelke, Anis und Kardamom, Eukalyptus, Minze und Preiselbeeren als auch Aubergine und anderes Gemüse. Vor allem letztere sind typisch für ein Großteil ungefilterter Gins.

 

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Nach diesem Schwung erster Aromen, übernehmen 2 andere: Kamille und Zimt. Die beiden huschen allerdings nicht nur kurz an deinen Nasenflügeln vorbei. Sie bleiben. Und zwar lange.

So lange, dass du sie am nächsten Morgen noch im leeren Glas riechst. Ein Phänomen, das du so meist nur bei fassgelagerten Spirituosen wie Whisky, Rum oder Cognac entdeckst.

Verkoste den Fieldfare dreimal und deine Nase steckt jedes mal in einer anderen Duftwolke. Ich kenne wenige Gins, die ein derart vielseitiges und komplexes Bouquet besitzen. 

Weg von der Nase, ab in den Mund. Der erste Eindruck: schwer und ölig. Der Gin scheint bereits beim ersten Schluck deine Zunge nach unten zu drücken. Ein kraftvoller Körper, den man fast erwarten konnte, bei den vielen Eigenheiten eines ungefilterten Gins, die der Fieldfare bereits zuvor zeigte.

Positiv fand ich beim Tasting seine Aromenvielfalt im Mund. Während viele Gins ihr Pulver bereits in der Nase verschießen, bleibt im Mund nur noch Leere. Beim Fieldfare hingegen bekommst du eine Palette würziger und floraler Noten, die an Wacholder, Veilchen und Sanddorn erinnern.

Im Hintergrund sorgt ein Hauch Zitrone und Grapefruit für Frische.

Schluckst du den Gin hinunter, verlässt er also deinen Mund, scheint er sich dagegen zu wehren. Mittellang bleibt ein cremiges Gefühl zurück, ähnlich dem von Sahne. Nur in diesem Fall kommen noch Karamell-Aromen und die harzig-trockenen Noten des Wacholders hinzu.

Kurz vor Schluss zeigt sich auch der Alkohol nochmal. Allerdings nicht von einer unangenehmen, spritigen Seite, sondern prickelnd und würzig.

Will ein Markt, der bis zum Bersten gefüllt ist, in dem Neurerscheinungen häufig nur noch langweiligen, am Leben bleiben, braucht er Glanzstücke. Eine der neuesten dieser Highlights ist der Fieldfare Dry Gin der Diemelstrand Distillers.

Ein Tropfen, der zwar seine Ecken und Kanten hat, der dir aber Komplexität und Aromenvielfalt liefert, die du nur bei wenigen anderen Gins findest.

 

 

Fieldfare Dry Gin - 45%Vol.

8.9

Bouquet

9.1/10

Geschmack

8.7/10

Mundgefühl

8.8/10

Nachklang

9.1/10

Positiv

  • Komplexes Bouquet
  • Angenehmes Mundgefühl
  • Viele Aromen im Mund
  • Intensiver Nachklang

Negativ

  • Alkohol in der Nase