Die Welt befand sich zwischen ihren beiden schlimmsten Katastrophen, in den USA herrscht die Prohibition und Alexander Fleming entdeckt das Penicillin. Sowohl wissenschaftlich als auch gesellschaftspolitisch waren die 1920er eine prägende Zeit.

In ihr entwickelte sich aber auch eine Nische zu ihrem Höhepunkt. Bar- und Cocktailkultur.

In den 1920ern den Beruf eines Bartenders zu wählen, versprach nicht gerade die rosigste Zukunft. Es war, als würdest du heute in den Gelben Seiten als Dienstleister für Steuerhinterziehung werben.

In dem Moment, in dem die Gerichtsbarkeit davon Wind bekommt, solltest du die Beine in die Hand nehmen. Denn wie auch Steuerhinterziehung war in den Jahren von 1919 bis 1933 die Produktion oder der Vertrieb von Alkohol eine Straftat.

Nicht gerade die optimalen Arbeitsbedingungen für jemanden, dessen wichtigstes Werkzeug Alkoholika sind.

Trotz jener Repressalien erhielten Gäste ihre Drinks. Nicht in öffentlichen Cafès, aber in Speakeasys hinter verschlossenen Türen, auf Yachten vor der Küste der USA oder auf Privatpartys.

Die Möglichkeiten des illegalen Alkoholausschanks waren vielseitig. Ebenso wie die Drinks, die Bartender in den Jahren der Prohibition kreierten.

Diese 10 sind dabei zu Perlen des Cocktail-Genres geworden. Flüssige Zeitreisen in eine Ära des Hedonismus.

 

3 MILE COCKTAIL

 

Wenn schon ständig abstinent, dann bei der ersten Gelegenheit ordentlich auf die Pauke hauen. Wenn schon ständig 3 Meilen die US-Küste auf einer Yacht in Richtung internationale Gewässer verlassen, dann soll auch Alkohol dafür fließen. Und zwar üppig.

Diese Trotzreaktion war vermutlich einer der Gründe, warum der 3 Mile Cocktail zu Beginn mit mehr Alkohol gemixt wurde, als wir ihn heute kennen.

Der Drink bestand zunächst aus Unmengen der beiden Basis-Spirituosen Cognac und Rum, wurde lediglich um Grenadine und Zitronensaft ergänzt. Im passenden Verhältnis der Zutaten ist der 3 Mile Cocktail jedoch ein Gaumenschmaus. 

Zutaten: 

  • 3 cl Weißer Rum
  • 1,5 cl V.S. Cognac
  • 1,5 cl Grenadine
  • 1,5 cl Frischer Zitronensaft

Alle Zutaten werden in einen Shaker auf Eis gegeben und kräftig geschüttelt. Anschließend in eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen und mit Zitronenzeste garnieren.

 

MONKEY GLAND

 

Einen „Affenhoden“ in einer Bar zu bestellen, ist jetzt vielleicht nicht gerade alltäglich. Genau dies tust du aber, wenn du einen Monkey Gland bestellst. Zumindest sprichwörtlich.

Denn als Harry McElhone diesen Cocktail in seiner Harry’s New York Bar im Paris der 1920er das erste Mal zubereitete, passte dessen Name wie die Faust auf’s Auge. McElhone traf den Pariser Zeitgeist mit seinem Verlangen nach Verruchtem und Hedonismus.

Rezeptur:

  • 4,5 cl Dry Gin
  • 4,5 cl Frischer Orangensaft
  • 1 BL Grenadine
  • 1 BL Zuckersirup (1:1)
  • 1 BL Absinthe

In dieser Variante von 1927 besitzt der Monkey Gland vergleichsweise wenig Alkohol.

Gib zunächst alle Zutaten in einem Shaker auf Eiswürfel und schüttle rund 15 Sekunden. Anschließend seihst du in eine vorgekühlte Cocktailschale doppelt, das heißt durch Grob- und Feinsieb, ab.

 

ALGONQUIN COCKTAIL

 

Betrachtest du die Cocktails der 1920er als soziale Hierarchie, dann findest du den Algonquin in der Oberschicht. Auf Augenhöhe mit den Manhattans und Martinis.

Bekannt ist über ihn heute nur noch, dass er als Hommage an die Blütezeit des gleichnamigen New Yorker Hotels in den 20ern erinnern soll. Wer ihn wann mixte, ist heute aber nicht mehr überliefert.

Rezeptur:

  • 4,5 cl Rye Whiskey
  • 2 cl Vermouth Dry
  • 2 cl Frischer Ananassaft

Alle Zutaten in einen Shaker auf Eiswürfel rund 15 Sekunden schütteln. Anschließend in eine vorgekühlte Cocktailschale bzw. Cocktailkelch abseihen. Ohne Dekoration servieren.

 

WHITE LADY

 

Wie auch beim Monkey Gland ist Harry McElhone der Kopf hinter der White Lady. Wobei er für diesen Drink mehrere Anläufe benötigte.

Die erste Version, die er auf Basis von Crème de Menthe, Cointreau und Zitronensaft kreierte, floppte. Zumindest in Hinblick auf das Kundeninteresse.

Erst als er rund 10 Jahre später die Rezeptur gänzlich neu aufzog, entwickelte er einen weiteren Drink für die Annalen der Cocktailgeschichte.

McElhone orientierte wahrscheinlich sich für seine zweite Version an der Basis des Sidecars. Das heißt, er ersetzte Crème de Menthe durch Gin und passierte die Volumina an.

Rezeptur:

  • 6 cl Dry Gin
  • 2 cl Triple Sec
  • 2 cl Zitronensaft
  • ( optional: 2 cl Eiweiß)

Falls du Eiweiß verwendest, führe zunächst einen Dry Shake durch. Gib hierfür die Zutaten ohne Eis in den Shaker und schüttle rund 10 Sekunden. Anschließend Eiswürfel in den Shaker und ebenso lange shaken. In eine vorgekühlte Cocktailschale doppelt abseihen.

 

MARY PICKFORD

 

Dieser Cocktail trägt den Namen eine Schauspielerin, die heute kaum einer mehr kennt: Mary Pickford. In den 1920ern war sie Star der Stummfilm-Branche…und Namensgeber eines Cocktailklassikers.

Der kubanische Bartender Constante Ribailagua kreierte in der El Floridita Bar diesen Drink als Hommage an jene Schauspielerin.

Rezeptur:

  • 6 cl Weißer Rum
  • 4 cl Frischer Ananassaft
  • 2 BL Maraschino Zitronensaft
  • 2 Dashes Grenadine

Zerdrücke die Ananasstückchen im Shaker und gib anschließend die restlichen Zutaten hinzu. Mit Eiswürfeln auffüllen und rund 15 Sekunden kräftig shaken. Seihe doppelt in eine vorgekühlte Cocktailschale ab.

 


Klicke hier und nimm an unseren kostenfreien Bartender-Workshops teil. Verbessere deine Technik und Sensorik für Cocktails.


 

FRENCH 75

 

Es gibt nicht viele Cocktails, die nach Waffen benannt wurden.

Die Barwelt der 1920er befand sich allerdings zwischen den beiden schlimmsten Kriegen der Menschheitsgeschichte, Militärutensilien waren da nichts exotisches.

So ist der French 75 nach einer französischen Kanone des 1. Weltkrieges benannt. Wer ihm diesen Namen verlieh, ist heute jedoch nicht mehr bekannt.

Die Rezeptur dieses Drinks tauchte allerdings erstmals 1930 in Harry Craddocks „Savoy Cocktail Book“ auf.

Rezeptur:

  • 3 cl Gin
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 1 cl Zuckersirup (2:1)
  • Champagner

Alle Zutaten bis auf den Champagner im Shaker auf Eiswürfel 15 Sekunden schütteln. In das vorgekühlte Champagner-Glas abseihen, mit Champagner auffüllen und mit Cocktailkirsche garnieren.

 

SIDE CAR

 

Suchst du einen Cocktail, der als Sinnbild der Roaring Twenties, des Jazz Age dient, dann findest du ihn im Side Car.

Dieser Cocktail verkörpert jene Ära, mit ihrem Glanz, ihrer Dekadenz wie kein zweiter. Ein Klassiker unter der 1920er Party-Elite, den Patrick MacGarry in London entwickelte und Harry McElhone in seinem 1927er „Barflies & Cocktails“ berühmt machte.

Rezeptur:

  • 3 cl Cognac
  • 3 cl Triple Sec
  • 3 cl Frischer Zitronensaft

Alle Zutaten im Shaker auf Eiswürfel shaken. Anschließend seihst du in eine vorgekühlte Cocktailschale ab. Dekoration: Zitronenzeste

 

BEE’S KNEES

 

Wolltest du während der Prohibition Alkohol herstellen, warst du – sofern es nicht medizinischen Zwecken diente – auf die Illegalität angewiesen.

Dort wärst du nicht alleine gewesen.

Zahlreiche Schwarzbrenner verdienten sich eine goldene Nase durch illegalen Alkoholhandel. Die Qualität ihrer Produkte kam häufig erst an zweiter Stelle.

Honig, mit seinem süßen, klebrigen Geschmack, war daher ein probates Mittel, Untrinkbares trinkbar zu machen.

Aus dieser Zweckehe entwickelte sich ein Drink zum Klassiker.

Rezeptur:

  • 6 cl Gin 
  • 3 BL Honig
  • 2 cl Frischer Zitronensaft

Gib zunächst Gin und Honig in den Shaker und verrühre bis sich der Honig im Gin gelöst hat. Ich empfehle dir Flüssighonig zu verwenden, da du sonst Stunden vor dem Shaker stehst.

Gib anschließend Eiswürfel und Saft hinzu und shake kräftig rund 15 Sekunden. In eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen und mit Zitronenzeste dekorieren.

 

BETWEEN THE SHEETS

 

Dieser Drink läuft im Schatten der Prohibitions-Klassiker. An den Erfolg eines Side Car kam er nie heran.

Eines der Gründe ist vermutlich seine unkonventionelle Rezeptur, bei der 2 Spirituosen als Basis dienen. Noch dazu 2 bei denen das Zusammenspiel stark von der Qualität der einzelnen Produkte abhängt.

Rezeptur:

  • 3 cl Brandy 
  • 3 cl Goldener kubanischer Rum
  • 3 cl Cointreau
  • 1,5 cl Zitronensaft

Alle Zutaten auf Eis rund 15 Sekunden schütteln. In ein vorgekühltes Martini-Glas abseihen und ohne Garnitur servieren.

 

EL PRESIDENTE

 

Dieser Drink entstand im Mekka US-amerikanischer Trink-Touristen: Kuba. In den 1920er wurde erstmals im Jockey Club in Havana gereicht.

Rezeptur:

  • 6 cl Gereifter kubanischer Rum
  • 3 cl trockener Wermut
  • 1 BL Orange Curacao
  • 3 Dashes Grenadine

Gib alle Zutaten in einen Shaker auf Eis und shake 15 Sekunden. Anschließend seihst du in ein vorgekühltes Martini-Glas ab und garnierst mit einer Orangenzeste.