Um eine Whisky-Destillerie zu gründen, brauchst du Mumm. Vielleicht noch ein paar Euros, aber vor allem Mumm. Denn selbst wenn die Anlage läuft: In den kommenden 3 Jahren wirst du keinen Whisky verkaufen. Gin könnte da als Lückenfüller helfen. Aber was, wenn er so gut wird wie der Isle of Harris Gin?

Auch wenn das Single Malt-Lager nicht all zu viele Schnittstellen mit der neuen Gin-Welle hat: Ohne den Wacholdergeist sähe die Scotch Whisky-Landschaft etwas anders aus.

Denn Gin bedarf im Gegensatz zu Whisky keiner 3-jährigen Fassreifung. Seine Herstellung reißt kein so großes Loch in den Geldbeutel und schneller geht es zudem auch.

So half zum Beispiel The Botanist aus den Brennblasen von Bruichladdich der Malt Destillerie vor wenigen Jahren durch eine finanzielle Durststrecke.

Bei neuen Isle of Harris Gin läuft dies ähnlich.

2015 erhielt jene schottische Insel ihre erste Scotch-Destillerie. Deren Whisky kannst du ab 2019 bestellen. Aber was passiert in den 4 Jahren dazwischen?

Manch eine Destillerie entschied sich im ähnlichen Fall für die Veröffentlichung ihres New Makes, schob 1- und 2-jährige Destillate hinterher.

Nicht die Isle of Harris. Die macht auf Gin.

Hierfür schnappen sich die Jungs und Mädels der Destillerie 9 Botanicals. Manche Standard, manche individuell.

  • Wacholder
  • Koriandersamen
  • Angelikawurzeln
  • Schwertlilienwurzel
  • Kubebenpfeffer
  • Schalen der Bitterorange
  • Süßholz
  • Kassienrinde
  • Zuckertang

Vor allem letzteres soll dem Isle of Harris Gin Individualität verleihen. Zumal mir kein anderer Gin bekannt ist, der jene Braunalgenart in seiner Rezeptur enthält.

 

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DEGUSTATION DES ISLE OF HARRIS GIN

 

Schwenkst du den Isle of Harris Gin einige Mal im Glas bewegt er sich schwerfällig von Seite zu Seite. Ich hatte den Eindruck, der Gin hat gar kein Interesse daran sich zu bewegen.

Ähnliches kannst du beobachten, wenn seine Tropfen am Glasrand zurück zum Boden fließen. Ölig und langsam.

Bevor du beginnst, dich mit der Nase über das Glas zu stürzen, lass diesem Gin 3 bis 4 Minuten Zeit zum Atmen. Zwar hat er keine unangenehmen Alkoholnoten, je mehr Zeit du ihm aber lässt, desto komplexer wird sein Bouquet.

Dieses besteht aus vielen würzigen Nuancen vor harzig-trockenem Hintergrund.

Stelle es dir folgendermaßen vor: Du hast eine Graswiese mit zahlreichen Blumen. Die Blumen sind die Aromen, die dich an Paprika, frische Kartoffelschalen und Zitronen erinnern. Das Gras, der Boden, das sind die harzigen Noten, die der Wacholder liefert.

Das Bouquet des Isle of Harris Gins ist also eines im klassischen Stil. Der Wacholder liefert die Leitaromen, die anderen Botanicals die Raffinesse.

Nimmst du den ersten Schluck legt er sich weich auf deine Zunge. Dieser Gin ist definitiv ein Leichtgewicht.

Spielst du etwas im Mund mit ihm, entdeckst du neben typischem Wacholder auch Zitrusaromen und Koriandersamen. Beide sind kräftig und intensiv. So intensiv, dass die Aromen im Mund meiner Ansicht nach deutlicher hervorstechen als jene in der Nase.

Selten bei Gin.

Verlässt er deinen Gaumen bleiben dessen Aromen minutenlang haften. Erdige Töne sowie das harzig-trockene Wacholderaroma kleben förmlich in Mund und Rachen.

Um die Tasting Notes zusammenzufassen: Die Isle of Harris Distillery liefert dir einen Gin im klassischen Stil. Im High End-klassischen Stil. Zwar fehlt ihm in der Nase das ein oder andere Aroma, dennoch spielt er in der Oberliga.

Sowohl im Purgenuss als auch in Cocktails und Longdrinks wie Negroni oder Gin & Tonic.

 

 

Isle of Harris Gin - 45%Vol. - 41 €/0,7l

9

Bouquet

8.5/10

Geschmack

9.0/10

Mundgefühl

9.3/10

Nachklang

9.0/10

Positiv

  • Balance
  • Kräftiges Aroma im Mund
  • Perfekt für klassische Gin-Cocktails
  • Langer Nachklang

Negativ

  • Wenige Aromen in der Nase