Es erfordert etwas Arbeit. Abseits der breitgetretenen Cognac-Pfade nach hochwertiger Ware zu suchen. Denn das meiste, was uns in Sachen Cognac hierzulande ins Regal gestellt wird, ist zu jung, zu wässrig oder zu süß. Von Boisé ganz zu schweigen.

Der Blick nach Frankreich außerhalb des hiesigen Angebots lohnt sich. Denn dort findest du dann kleine Unternehmen wie Jean Grosperrin.

Cognac hat hierzulande keinen guten Standpunkt. Zwar bezweifelt keiner, dass es ein Genussprodukt der obersten Liga ist, so wirklich Geld ausgeben, möchte aber dann noch irgendwie keiner.

Dies mag zum an Cognacs Reputation liegen, da es vielen noch als eingestaubtes Altherren-Gedeck gilt. Es fehlt die Coolness eines Rye Whiskeys, es fehlt die Kundennähe wie bei Single Malt Scotch.

Zum Teil liegt dies am Portfolio einiger Spirituosen-Großunternehmen, die uns 2 Möglichkeiten lassen: Kauf unsere günstigen Produkte, dann bekommst du kaum Qualität, oder kauf unsere teuren Produkte, dann bekommst du vielleicht Qualität.

Unter einer solchen Prämisse lässt sich nur schwer Begeisterung für ein Genre aufbauen.

Suchst du hingegen Genuss liefert es dir Cognac. Und dies in Hülle und Fülle. Du musst nur abseits der ausgetrampelten Pfade suchen. Dort findest du dann Unternehmen wie Jean Grosperrin.

Der kleine französische Familienbetrieb produziert selbst keinen Eau-de-vie. Vielmehr kaufen sie seit Jahrzehnten einzelne Fässer verschiedener kleiner Brennereien ein, um sie schließlich unter eigener Marke auf den Markt zu bringen.

Die geringe Menge, die dabei umgesetzt wird, zwingt Grosperrin daher zwangsläufig Qualität zu liefern. Denn über Masse funktioniert dieses Verkaufsprinzip nicht.

So schreibt sich Grosperrin folgende Eigenschaften für seine Cognacs auf die Fahnen:

  • Keine Zuckerzugabe
  • Kein Farbstoff
  • Kein Boisé
  • Keine Kühlfiltration

 

 DEGUSTATION DES COGNAC GROSPERRRIN GRANDE CHAMPAGNE 1977

 

Hältst du den Cognac Grosperrin Grande Champagne 1977 vor weißen Hintergrund, zeigt er eine Farbe, die an Ocker erinnert.

Schwenkst du ihn dann 2 bis 3 mal, dauert es eine Weile, bis er Tropfen an der Glasinnenseite bildet. Er lässt sich Zeit, ist nicht der Schnellste.

In dem Moment, in dem sie sich aber bilden, wandern sie mit einer Schwerfälligkeit in Richtung Glasboden, das man sich fragt, ob sie überhaupt unten ankommen. Eine solche Viskosität am Glasrand habe ich bisher selten erlebt.

Hältst du deine Nase über das Glas, wird dir eine Eigenschaft dieses Cognacs sofort ins Gesicht springen: Zurückhaltung. Du erkennst zwar Aromen, es wirkt allerdings, also wollen sie nicht aus dem Glas.

Du musst nach ihnen suchen.

Am besten du beginnst das pronasale Tasting, d.h. das direkte Riechen, des Cognac Grosperrin Grande Champagne 1977 in dem du deinen Mund leicht öffnest. Dadurch kann der Luftstrom zwischen Mund und Nase zirkulieren und streift genügend Aromastoffe an deine Sinneszellen.

Dann erreicht als erstes ein Sammelsurium an Früchten deine Nase. Ein Obstkorb voller Äpfel, Ananas und Birnen, dazwischen Kirschen, Aprikosen und Bananen. Um diese zu erkennen, ist es jedoch wichtig, dass du den Cognac nicht jede 10 Sekunden wie ein Kettenkarussell im Glas herumwirbelst.

Schwenke ihn 2 bis 3 Mal und gib ihm Zeit sich wieder zu beruhigen.

So bildet sich nach der Obst-Front eine zweite Reihe an Aromen. So dicht gepackt, dass sie wie eine Art Teppich wirken, auf dem der erwähnte Obstkorb steht.

Dieser Aromen-Teppich liefert die Düfte, die an Vanille, Karamell und Honig erinnern. Du bekommst hier also klassische Holz-Aromen, ergänzt um einen dezenten Geruch nach schwelenden Holzscheiten.

Je länger du ihn im Glas lässt, desto mehr steigen malzige und blumige Noten hervor; je mehr Wasser du hinzugibst, desto mehr zeigen sich exotische Früchte wie Mango und Maracuja. 

Positiv finde ich an dem Bouquet des Cognac Grosperrin Grande Champagne 1977, dass es sowohl komplex wirkt, der Alkohol jedoch nie negativ auffällt. Die knapp 53 %Vol. dienen hier nur als Transportmittel für Aromen.

Für das Tasting solltest du ihm allerdings 6 bis 7 Tropfen Wasser auf 4 cl Cognac geben. Dies reduziert etwas das alkoholische Brennen auf der Zunge, welches ohne Wasser etwas stört.

Da der Cognac Grosperrin Grande Champagne 1977 jedoch nicht kaltfiltriert ist, solltest du dir bewusst sein, dass er eintrübt. Zudem wird er mit jedem Tropfen Wasser öliger.

Nimmst du den ersten Schluck, wird dich seine alkoholischer Charakter erst einmal umhauen. Gib ihm etwas Zeit und Wasser. Bereits beim zweiten und dritten Schluck legt er sich leicht und trocken auf die Zunge.

Die Komplexität, die sein Bouquet noch in der Nase zeigte, kann er im Mund nicht beibehalten.

Aus Fairness-Gründen muss ich allerdings sagen, dass er in der Nase schon eine echte Hausnummer war. Fällt er in anderen Bereichen ab, ist dies Jammern auf hohem Niveau.

So zeigt er im Mund Aromen von Nüssen, Aprikosen und Eiche. Alle in einer angenehmen Balance.

Während die Aprikose nach einer Weile verschwindet, sind es jene Nüsse und Eiche, die dir im Nachklang erhalten bleiben. Zwar nicht lange, aber dafür genussvoll.

 

 

Cognac Grosperrin GC 1977 - 52,7%Vol. - 170 €/0,7l

8.1

Bouquet

8.6/10

Geschmack

8.0/10

Mundgefühl

7.6/10

Nachklang

8.1/10

Positiv

  • Spannendes Bouquet
  • Interessanter Nachklang

Negativ

  • Alkoholische Schärfe im Mund