Die Masse an erhältlichen Gins macht es möglich, dass einige Start Ups das große Ding landen. Das Kundeninteresse ist vorhanden. Die Masse an erhältlichen Gins macht es aber auch möglich, dass du eine Hand voll Gins nie auf den Schirm bekommst. Auch solche High End-Tropfen wie den N-Gin nicht.

Rund 80 Flaschen pro Charge sind nicht viel. Derzeit reicht dies gerade einmal, um die Nachfrage vor Ort und über deinen eigenen Online-Shop zu decken. Beim N-Gin ist das der Status quo.

Das ist Boutique.

Brennmeister Joachim Weiss brennt in seiner Destillat-Scheune einen Gin auf Basis von 22 Botanicals. Diese mazeriert er sowohl kalt als auch warm und bringt zusätzlich während der Destillation einen Aromenkorb an.

Dieser bewirkt, dass die aufsteigenden Alkoholdämpfe Aromen mit in das Destillat reißen.

So verwendet Weiss zwar neben Rotem Pfeffer, Lavendel auch Vanille, der Schwerpunkt seines Gins liegt dennoch auf Wacholder und einem Potpourri an Zitrusfrüchten.

Du musst diesen Tropfen noch nicht probiert haben, liest du dir aber die Liste an Früchten durch, die im N-Gin zum Einsatz kommen, weißt du, dass dies kein klassisches Aromenprofil wird.

Limetten, Pampelmusen, Orangen und Zitronen machen aus dem N-Gin den Prototypen eines New Western Dry.

 

DEGUSTATION DES N-GIN

 

Selbst wenn du die Liste an Botanicals im Vorfeld nicht durchgelesen hättest, riechst du am Bouquet, weißt du, welche Zutaten hier den Ton angeben.

Die vorderste Front an Aromen, die aus dem Glas drückt, sind Zitrusnoten in verschiedenen Nuancen. Sie bilden dabei eine Einheit, sodass er schwierig ist, einzelne Früchte zu unterscheiden. In Anflügen erkennst du jedoch Zitrone und Pampelmuse.

Angenehm finde ich zudem die Aufgabe des Wacholders. Zwar spielt er nicht die erste Geige der Aromen, flankiert aber die Zitrusnoten derart gut, dass der Einfluss jener Zapfen immer erkennbar bleibt.

So bekommst du mit dem N-Gin ein Destillat, das zwar ein leichtes, sommerliches Bouquet besitzt, dennoch von der Komplexität des Wacholders profitiert.

Gibst du dem Bouquet eine Weile Zeit, steigen dezente Gras-, Süßholz und Erde-Aromen hervor. Allerdings musst du danach suchen, sie springen dir nicht entgegen.

Ganz der Sommer-Gin, der er in der Nase war, legt er sich beim zweiten und dritten Schluck samtig und leicht auf die Zunge. Der Alkohol stört zu keinem Zeitpunkt. Körper und Textur passen demnach gut zu den Aromen, die du in der Nase entdecken konntest.

Zwar ist die Aromenverteilung nach wie vor die gleiche, das heißt, Zitrus bildet die Vorhut und Wacholder stärkt ihm den Rücken. Die Intensität jener Aromen ist im Mund allerdings schwächer als noch zuvor in der Nase.

Im Purgenuss ist dies durchaus angenehm, erschwert jedoch die Auswahl von anderen Cocktail-Zutaten. So bin ich der Meinung, dass der grazile Körper und die dezenten Aromen des N-Gin in einem Negroni gnadenlos untergehen, in Kombination mit einem floralen Tonic aber punkten.

So filigran und zurückhaltend der N-Gin in Nase und Mund war, hatte ich erwartet, dass sein Nachklang recht kurz sein wird. 

Falsch.

Er schien ewig am Gaumen zu haften. Denn hier hat der Wacholder die Zitrus-Konkurrenz verdrängt und legt sich mit harzig-trockenen Tönen schier endlos in den Mund.

Suchst du einen Gin, der zwar eindeutig zur New Western Dry-Fraktion zählt, aber dir dennoch die Vorzüge des Wacholders liefert, dann schnapp dir eine Flasche des N-Gin.

Ohne Frage ist es für mich einer der gelungensten Gins der vergangenen Monate. Und dies bei einem Preis, von dem ich gedacht hätte, er wäre in der modernen Gin-Szene ausgestorben.

 

 

N-Gin - 45%Vol. - 24 €/0,5l

8.4

Bouquet

8.3/10

Geschmack

8.3/10

Mundgefühl

8.5/10

Nachklang

8.5/10

Positiv

  • Spannendes Bouquet
  • Hoher Wiedererkennungswert
  • Langer Nachklang
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Negativ

  • Verliert im Mund an Aromen