Was machst du, wenn du eine Originalabfüllung einer Rum-Destillerie möchtest? Einen Tropfen der Monymusk Distillery aus Jamaica oder der Foursquare Brennerei aus Barbados.

Bei Malt Whisky dies einfach. Du gehst in den Laden, kaufst dir eine. Bei Rum sieht die Sache hingegen anders aus, denn viele Rums verschwinden in Blends. Du wirst also nie erfahren wie sie pur schmecken. Gäbe es da nicht unabhängige Rum-Abfüller.

Kennst du die National Rums of Jamaica?

Dies ist eine staatliche Gesellschaft unter deren Fittichen Clarendon Distillers Ltd. (damit auch Monymusk), Long Pond Distillery und Innswood Distillery Rum produzieren. 

Jene Brennereien entscheiden daher nicht in Eigenregie darüber, welche Destillate und in welcher Form sie sie auf den Markt bringen. Erst recht nicht in den Export. Die Regelung und Zuteilung erfolgt von staatlicher Seite.

Das Resultat sind häufig Blends, die durchaus einen Genusswert haben können, die die einzelnen Destillate aber kaum durchblicken lassen.

Diese Vermarktungsstrategie mit sozialistischem Einschlag ist nicht Standard der Rum-Industrie, die Cléments, Mount Gays oder Botucals beweisen das Gegenteil, aber es zeigt, dass Rums mit klarer Herkunftsbezeichnung eben auch nicht der Standard sind.

Anders als bei Single Malts kannst du bei den meisten Rums nicht allein durch das Flaschenlabel herausfinden, welche Brennerei für diesen oder jenen Rum verantwortlich ist. Dir geht dadurch der Hausstil flöten, charakteristische Aromen und Hintergrundwissen.

Dies ist unter anderem dadurch möglich, da es zwar Regulierungen zur Rum-Herstellung gibt, diese aber von Land zu Land unterschiedlich sein können. Und zwar extrem.

Denn während wir uns in der westlichen Hemisphäre zumindest darauf einigen können, dass Rums aus Zuckerrohrsaft, Melasse oder Zuckerrohrsirup hergestellt werden muss, ist dies in manchen asiatischen Ländern kein Muss.

Aber auch wenn wir zumindest den Rohstoff definieren, heißt dies nicht, dass du am Ende auch ein authentisches Produkt ins Glas bekommst.

Denn wenn du hierzulande einen Rum kaufst, dessen Herkunft als „Karibik“ angegeben wird, heißt das was? Die Region, in der er produziert wird, liegt irgendwo zwischen den Südstaaten der USA und Südamerika.

Das grenzt die Sache…nun ja….nicht gerade ein.

Selbst wenn der ein oder andere Hersteller sich auf eine konkrete Region bezieht, bedeutet dies nicht, dass du einen Single Estate-Rum erhältst. Du bekommst keinen Rum, der den Charakter einer einzelnen Destillerie wiederspiegelt.

Ein Jamaica Rum kann immer noch ein Verschnitt unzähliger Einzeldestillate verschiedener Brennereien sein.

Diese Freiheit in der Rum-Produktion, vor allem in Hinblick auf den Export, veranlasst einige Hersteller ihre Produkte in eine Richtung zu drängen. Sie liefern dem Kunden ein Klischee, das er erwartet.

Ein Rum muss süß sein, man darf den Unterschied zu einer Vanille-Schote nicht erkennen und er darf keinerlei alkoholische Schärfe zeigen.

Und dennoch: Das ist Unsinn.

Denn Rum ist weder übermäßig süß, noch hat er über die Maßen mehr Vanille-Aromen als andere fassgelagerte Destillate wie Cognac oder Whisky.

[…] Rum ist weder übermäßig süß, noch hat er über die Maßen mehr Vanille-Aromen als andere fassgelagerte Destillate […]

Im Sinnes des Massenmarktes sind es aber genau diese Eigenschaften, die manche Rum-Hersteller für ihr Produkt anstreben. Diese Eigenschaften erreichen einige, in dem sie ihrem Rum folgende Substanzen beigeben:

  • Vanillin: Sorgt für ein intensives Vanille-Aroma
  • Zucker: Sorgt für ein weiches Mundgefühl und süßen Geschmack
  • Glycerin: Soll bei unterdurchschnittlichen Destillaten die alkoholische Schärfe reduzieren

Wenn es dir deine Sinnesrezeptoren nicht verraten, wirst du von der Zugabe jener Stoffe, nie erfahren. Rum-Hersteller werden sich hüten, dies auf ihr Label zu schreiben.

Es gibt aber eine andere Möglichkeit, High End-Rum zu bekommen. Single Cask Rums unabhängiger Abfüller liefern dir nicht nur Hintergrundinformationen, sondern zudem einen Einblick wie vielseitig diese Spirituose tatsächlich ist.

Und häufig sind sie die einzige Möglichkeit die Qualität einzelner Rum-Destillerien zu entdecken.

Unsere Top 11 unabhängiger Rum-Abfüller möchte ich dir daher im folgenden vorstellen.
 

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 COMPAGNIE DES INDES

 

 

Die Compagnie des Indes ist der jüngste Zuwachs im Bereich der unabhängigen Rum-Abfüller. Anders als viele alteingesessene Unternehmen sprudelt das Unternehmen des jungen Franzosen Florent Beuchet vor Elan.

Für dies bedeutet dies zahlreiche Single Casks aus der ganzen Bandbreite des Rums. Von Fiji über Jamaica hin zu Trinidad, die CDI liefert dir High End-Destillate mit zahlreichen Hintergrundinformationen.

So erscheint derzeit fast halbjährlich Nachschub an Einzelfassabfüllungen sowie Erweiterungen des Kernportfolios.

Diese Rums solltest du probieren: Compagnie des Indes Guadeloupe 16 Jahre, Compagnie des Indes Indonesia 10 Jahre

 

SAMAROLI

 

 

Fans des italienischen Abfüllers Samaroli wissen, was Verzweiflung bedeutet.

Auf der einen Seite haben deren Rums knappe Stückzahlen und hohe Preise, auf der anderen bietet ihnen Samaroli Qualität und individuelle Designs.

Kaufst du dir einen Rum aus dem Portfolio jenes Unternehmens, bedienst du dich in der Oberliga, musst hierfür aber tief in die Tasche greifen. Deren Rums liegen meist im Bereich über 150 Euro.

Diese Rums solltest du probieren: Samaroli Demerara Rum 1998, Samaroli Jamaica Rum 1992

 

DUNCAN TAYLOR

 

 

Duncan Taylor ist einer der alten Hasen auf dem Gebiet einzelne Rum-Fässer auf Flaschen zu ziehen. Dennoch: Auch er spezialisiert sich – wie viele andere unabhängigen Abfüller auch – in erster Linie auf die Vermarktung von Whisky. Das ist sein Steckenpferd, das ist sein täglich Brot.

Einzelfassabfüllungen aus Zuckerrohr schwimmen da nur als Nebentätigkeit mit. 

Bei kaum einem anderen Unternehmen ist die Diskrepanz zwischen Whisky und Rum aber so ausgeprägt wie bei Duncan Taylor. Derzeit listet die offizielle Website des Unternehmens lediglich einen Rum.

Hältst du aber gelegentlich nach Neuerscheinungen oder bereits erschienen Tropfen Ausschau, findest du wahre Perlen in deren Portfolio.

Diese Rums solltest du probieren: Duncan Taylor 2000 Mount Gay Barbados, Duncan Tayer 2000 Mount Gay Barbados Guyana 10 Jahre

 

BERRY BROS & RUDD

 

Das britische Unternehmen Berry Bros & Rudd ist eines der Urgesteine des Wein- und Spirituosenhandels. Allein 8 Masters of Wine beschäftigt BBR in seinen Reihen, hinzukommen kommen zahlreiche Eigenmarken und Spezialabfüllungen.

Auch im Rum-Segment.

Denn dort ist Berry Bros & Rudd seit Jahren ein Garant für Stetigkeit. Für ein stets gefülltes Portfolio, für stets individuelles Design.

Unter dem Namen „Berrys‘ Own Finest“ findest du Single Cask Rums, die dir einen Einblick in diverse Rum-Nationen geben. Und dies bei einem moderaten Preis.

Diese Rums solltest du probieren: Berrys‘ Own Finest Fijian Rum 10 Jahre, Berrys‘ Own Finest Guyanan Rum

 

CADENHEAD

 

Halte ich einen Cadenhead Rum in Händen, ist mein erster Gedanke: „Von einem Discounter-Tropfen fast nicht zu unterscheiden.“

Label und Flasche wirken eher so als, ob der Rum in Kürze unter einer Flut von Cola ersticken wird. Denn beim Fachhändler, im Regal neben filigranen Flaschenformen wirken die Cadenhead Rums eher etwas plump. Das AIDA-Modell funktioniert hier nicht, zumindest bei mir nicht.

Und dennoch: Die Tropfen von Cadenhead sind Klassiker in der Welt der Einzelfassabfüllungen. Von Brasilien bis Trinidad liefert dir das Unternehmen Einblicke in verschiedene Rum-Destillerien.

Vor allem Guyana- bzw. Demerara-Rum ist dabei das Steckenpferd des Unternehmens. So heißt es, dass Cadenhead den weltweit größten Bestand an altem Demerara-Rum besitzt.

Diese Rums solltest du probieren: Cadenhead Trinidad TMAH 21 Jahre, Cadenhead’s Belize SFBT 2005 9 Jahre

 

BRISTOL CLASSIC RUM

 

 

Schaust du dir die Website von Bristol Classic Rum einmal an, könnte man auf den Gedanken kommen, dass eine Anfrage im Äther verschwindet, die Bestellung nie bearbeitet wird.

Was dir das Unternehmen aus England allerdings in den hiesigen Fachhandel stellt, ist hingegen schon eine ganz andere Nummer.

Es bedient sich in den klassischen Rum-Nationen wie Kuba und Jamaica und stellt dir dortige Einzelfassabfüllungen zu akzeptablen Preisen ins Regal.

Diese Rums solltest du probieren: Bristol Enmore Still Guyana Rum 2003/2015 12 Jahre, Bristol Caroni Trinidad 1974

 

EKTE

 

 

Ekte aus Dänemark ist eines jener Unternehmen, die die moderne Rum-Welle hervorbrachte. Lechzt die Szene mehr und mehr nach hochwertigen Destillaten, ist bereit mehr Geld für weniger Rum auszugeben, können Kleinunternehmen wie Ekte existieren.

So bedienen die Jungs und Mädels des dänischen Unternehmens den Rum-Connaisseur sowohl mit eigenen Blends als auch Single Casks. Die kleinen Mengen, die Ekte hiervon umsetzt, haben jedoch ihren Preis. Die Single Cask-Varianten liegen im Preisbereich von 100 bis 150 Euro je 0,5 Liter-Flasche.

Diese Rums solltest du probieren: EKTE No2 Jamaica Rum MM 12 Jahre, EKTE No3 Nicaragua Rum 15 Jahre

 

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RUM NATION

 

 

Der Name ist kurz, der Name sagt alles. Der Fokus dieser Marke liegt allein auf dem Vertrieb von Single Domaine-Rums, d.h. Zuckerrohr-Destillaten aus einer Region.

Blends verschiedener Nationen findest du im Portfolio von Rum Nation nicht, hingegen Vintage-Qualitäten aus Guadeloupe, Trinidad oder Panama. Auch im „weißen“ Segment stellt dir der italienische Abfüller Rossi & Rossi mit seiner Marke Rum Nation den ein oder anderen Tropfen ins Regal.

Diese Rums solltest du probieren: Rum Nation Caroni 1999-2015, Rum Nation Guadeloupe Blanc 2015

 

VELIER

 

 

Velier ist eine jener Marken, die jeden Zuckerrohr-Fan zwingt von Zeit zu Zeit nach Italien zu blicken. Seien es Clairin oder Single Vintage Rums, italienische Importeure wie Velier liefern das gute Zeug.

Zudem kenne ich keinen Rum-Abfüller, der derart mit Transparenz um sich wirft, wie Velier. Nimm allein den Velier Hampden Jamaica 2010. Auf dessen Label findest du nicht nur die Destillerie, sondern zugleich den Ester-Gehalt des Rums.

Diese Rums solltest du probieren: Velier Hampden Jamaica 2010, Clairin Sajous

 

PLANTATION

 

 

Sprechen wir über den internationalen Markt an Single Cask-Rums, darf das französische Haus Cognac Ferrand nicht fehlen. Unter deren Marke „Plantation“ vermarkten sie seit Jahren erfolgreich Vintage-Abfüllungen.

Die Marke bietet dir nicht nur zahlreiche Einzelfassabfüllungen diverser Nationen an, es arbeitet auch am Puls der Zeit, wenn es für Bartender den Plantation Stiggin’s Fancy Dark Pineapple Rum auf den Markt bringt.

Diese Rums solltest du probieren: Plantation Barbados XO Anniversary, Plantation 8 Jahre Single Cask Panama

 

MEZAN

 

 

Das kleine französische Unternehmen Mezan startete 2015 mit 5 Vintage Single Rums auf den deutschen Markt. Seither hat sich nicht viel geändert.

Im Gegenteil. Auf ihrer Website listet das Mezan derzeit noch 3 verschiedene Single Casks.

Nicht gerade viel.

Aber ist es nicht gerade das, was dieses Genre so spannend macht? Sein Seltenheitswert?

Auch der Preis jener Rums bietet vielen einen Einstieg, ohne gleich den Kreditrahmen sprengen zu müssen. Hierfür muss du dann allerdings Abstriche beim Alkoholgehalt machen, denn der übersteigt nur selten die 40 %Vol.-Grenze.

Diese Rums solltest du probieren: Mezan Jamaica Long Pond, Mezan Trinidad Caroni