Es gibt mehrere Möglichkeiten einen Bartender auf die Palme zu bringen. Mit dem Geld winken, pfeifen oder sich über die Maßen einen hinter die Binde kippen. Eine andere Möglichkeit wäre eine Runde Ramos Gin Fizz für sich und seine Freunde zu ordern.

Was du bekommst ist Genuss und den bösen Blick des Bartenders.

 

 

RAMOS GIN FIZZ. ZUTATEN

 

  • 6 cl Dry Gin
  • 3 cl Schlagsahne
  • 1 Eiweiß
  • 1,5 cl Frischer Zitronensaft
  • 1,5 cl Frischer Limettensaft
  • 2 cl Zuckersirup (2:1)
  • 2 – 3 Dashes Orangenblütenwasser
  • Soda

 

Gieße alle Zutaten bis auf das Sodawasser in einen Shaker und gib 4 bis 5 mittelgroße Eiswürfel hinzu. Schüttle den Drink lange genug, bis sich die Zutaten ausreichend miteinander verbunden haben.

Seihe anschließend in ein vorgekühltes Collins- bzw. Highball-Glas auf Eiswürfel ab. Fülle mit Sodawasser auf.

 

HIERAUF MUSST DU BEI DER ZUBEREITUNG ACHTEN

 

Ramos Gin Fizz

 

Ein Ramos Gin Fizz ist der Prototyp eines Cocktail-Klassikers.

Er hat Tradition, erfordert Geschick bei der Zubereitung und stammt aus einer der Cocktail-Metropolen unseres Planeten: New Orleans. 

Die Crux bei diesem Drink ist jedoch, dass du nicht nur ein Pedant bei der Auswahl der Zutaten sein solltest, sondern auch bei der Zubereitung mehr arbeiten musst als beim Gros anderer Cocktails.

So ging mein erster Versuch einen Ramos Gin Fizz zuzubereiten gründlich in die Hose. Ich schüttelte den Shaker eben so lange wie ich es von anderen Drink gewohnt war. 12 Sekunden enden bei einem Ramos Gin Fizz allerdings im Desaster.

Die Schaumkrone war völlig missraten.

 

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Auch mein zweiter Versuch endete im Ausguss. Ein paar Tropfen Orangenblütenwasser sind halt eben auch nur ein paar Tropfen. Und ein paar Tropfen sind keine 7 bis 8.

Zwar passte dieses Mal die Schaumkrone, der Cocktail schmeckte allerdings wie Seifenwasser.

Um dir den Weg zum Spülbecken zu ersparen und stattdessen ein Genussmittel zu kreieren, solltest du bei der Zubereitung eines Ramos Gin Fizz eine Hand voll Tipps beachten.

 

1. DRY SHAKE NICHT NÖTIG

 

Bereitest du Cocktails zu, deren Rezepturen nach Eiweiß verlangen, bietet sich ein Dry Shake in Kombination mit einem Wet Shake an.

Das heißt, du gibst du zunächst alle Zutaten in den Shaker und schüttelst sie ohne Eis. Hierdurch gibst du dem Eiweiß die Chance sich mit den restlichen Zutaten zu verbinden, ohne dass Eis in dieser Zeit den Drink zu sehr verwässert.

Bei einem Ramos Gin Fizz benötigst du nach meiner Erfahrung keinen Dry Shake, d.h. du musst den Drink nicht zuerst ohne Eis shaken, damit sich Eiweiß und Sahne mit den restlichen Zutaten verbinden.

Du kannst dies natürlich machen, aber bei mir brachte es dem Drink nie einen Vorteil. Weder im Geschmack noch in der Schaumtextur.

Entscheidender ist die Dauer des Shakens und die Art und Weise wie du abseihst.

 

2. SHAKE MINDESTENS 1 BIS 2 MINUTEN

 

Bereitest du den Ramos Gin Fizz ohne Dry Shake zu, musst du dich auf Ersatz einstellen. Das heißt, die Dauer bzw. die Bewegung die durch den fehlenden Dry Shake nicht zustande kommt, auszugleichen.

Hierfür solltest du den Wet Shake, also das Schütteln auf Eis, länger ausführen als üblich.

Deutlich länger als üblich.

Fährst du bei den meisten anderen Cocktails gut, wenn du sie rund 12 Sekunden shakst, musst du bei einem Ramos Gin Fizz ordentlich Zeit drauf packen.

Diesen Drink musst du mindestens eine Minute shaken. Besser noch 2 bis 3. 

Falls du dir jedoch nicht sicher bist, ob du bereits ausreichend geshakt hast, dann setze lieber noch eine Minute drauf.

Bedenke: Die Original-Rezeptur des Ramos Gin Fizz von 1888 sah eine Shake-Zeit von 12 Minuten (!) vor. Die Hölle für jeden Bartender. Vor allem wenn gleich mehrere auf der Bestellung stehen.

Egal für welche Dauer du dich nun entscheidest, es braucht deutlich länger als der Durchschnitt. Du solltest daher auch mehr Eiswürfel als bei anderen Drinks verwenden. Sind es meist 3 mittelgroße, sind in diesem Fall 4 bis 5 die bessere Wahl.

Eiweiß, Sahne und Gin, Zitrussaft, Zucker und Orangenblütenwasser werden auf diese Weise besser durchgewalkt und miteinander verbunden.

Während des Shakens entsteht aufgrund der Dauer mehr Schmelzwasser als bei Cocktails mit lediglich 12 Sekunden Shake-Dauer. Diesem wirkst du auf der einen Seite entgegen, in dem du mehr Eiswürfel nimmst, auf der anderen Seite durch das Sodawasser.

Da du am Ende eh mit Sodawasser auffüllst, spielt das Schmelzwasser nur eine untergeordnete Rolle.

 

3. GIB EIWEIß ALS LETZTE ZUTAT IN DEN SHAKER

 

Verlangt ein Cocktail wie der Ramos Gin Fizz nach Eiweiß, dann gib diese als letzte Zutat in den Shaker. Schütte erst die restlichen Ingredienzen zusammen, bevor du das Ei hinzugibst.

Denn machst du es anders herum, gibst du zuerst Eiweiß in den Shaker und dann Alkohol und Fruchtsäure, kann es zur Denaturierung kommen. Dabei greifen Alkohol und Säuren die Proteine des Eiklars an, wodurch dieses ausflockt.

Im ungünstigsten Fall hast du in deinem Cocktail kleine weiße Feststoffe, die zwar geschmacklich keinen Einfluss haben, allerdings nicht viel Ästhetik besitzen. Es wirkt etwas, als enthielte dein Ramos Gin Fizz Rührei.

 

4. NICHT DOPPELT ABSEIHEN

 

Seihst du einen Cocktail doppelt ab, hältst du 2 Siebe zwischen den Shaker und das Gästeglas. Der Drink fließt dabei zuerst durch einen groben Hawthorne-Strainer und anschließend durch ein Feinsieb.

Auf diese Weise sorgst du dafür, dass keinerlei Feststoffe wie Fruchtfleisch oder Eissplitter im Cocktail landen.

Bei vielen Drinks hat dies seine Berechtigung, bei einem Ramos Gin Fizz aber nicht.

Seihst du durch ein Feinsieb, zerstörst du die Textur. Das heißt, Sahne und Eiklar bilden auf dem Cocktail keine schöne Krone, sondern lediglich einen dünnen weißen Haufen.

Dessen Krone kannst du aber auch ganz einfach durch den Hawthorne-Strainer zerstören, d.h. wenn du lediglich das grobe Cocktailsieb und nicht das Feinsieb verwendest. Selbst dann kann die Optik des Ramos Gin Fizz darunter leiden.

Um dies zu umgehen, hast du 2 Möglichkeiten:

  1. Du nimmst kein Sieb und schüttest mit den Eiswürfeln des Shakers den Drink ins Gästeglas
  2. Du drehst den Hawthorne-Strainer auf den Kopf (Spirale nach außen) und gießt den Cocktail vorsichtig hindurch.

 

5. ORANGENBLÜTENWASSER IST KEIN ORANGENSAFT

 

Die Begriffe „Blüte“ und „Wasser“ sind bei dieser Zutat entscheidend. Denn Blütenwasser ist etwas völlig anderes als der Saft der entsprechenden Frucht.

Tauschst du in der Rezeptur das ein durch das andere, fehlt es nicht mehr nur den Zutaten an Balance, es ist auch kein Ramos Gin Fizz mehr.

 

6. VERWENDE WENIGER ZUCKER BEI EINEM OLD TOM GIN

 

In der Regel bereiten wir einen Ramos Gin Fizz mit London Dry Gin zu. Recherchierst du in Internet und Literatur allerdings nach der Rezeptur dieses Cocktails, findest du gelegentlich eine Variante, die auf Old Tom Gin basiert.

Vor allem bei früheren Versionen des Drinks war dies gelegentlich die Spirituose der Wahl.

Solltest du einen solchen Gin zur Zubereitung verwenden, dann reduziere den Zucker- bzw. Sirupanteil. Ein Old Tom bringt bereits süßen Geschmack mit, sodass die „normale“ Zuckermenge den Drink völlig aus der Balance wirft.

 

JEDE ZUTAT IN EINEM RAMOS GIN FIZZ HAT SEINE AUFGABE

 

Klar, ein Bartender sollte die Rezeptur des Ramos Gin Fizz auswendig können, ihn ohne Rezepturhilfe mixen können.

Dennoch ist es ein Cocktail, dem man als Gast den Jungs und Mädels hinter der Bar nicht antun sollte. Nicht an einem Freitagabend. Nicht bei einer Firmenfeier.

Jeder hat an diesem Drink seine Freude, vorausgesetzt du bereitest ihn dir zuhause zu. Ein Ramos Gin Fizz ist kein Alltags-Cocktail.

Und dies auch dann, wenn du ihn nicht wie in der Originalrezeptur 12 Minuten lang shakst. 

Jede seine Zutaten ist entscheidend, weglassen kannst und solltest du keine. Jede hat ihre Aufgabe:

  • Eiweiß/Sahne: Sie geben dem Drink Körper und ein cremiges Mundgefühl
  • Zitrone: Verleiht ihm Spritzigkeit
  • Zucker: Er mäßigt die Säure
  • Orangenblütenwasser: Sorgt für Raffinesse
  • Gin: Gibt einem Ramos Gin Fizz eine würzige Basis
  • Soda: Verleiht ihm Frische.

Was der New Orleans-Bartender Henry C. Ramos mit diesem Drink 1888 kreierte, ist ein Drink, den du alleine genießen solltest. Zum einen, weil dessen Zubereitung für jeden anderen eine Zumutung wäre, zum anderen da du dessen Komplexität und Aromatik am besten bei Ruhe würdigst.

Bildquelle Titelbild: „Ramos Gin Fizz“ (CC BY-NC-ND 2.0) by Brother O’Mara