Scotch Malt Whiskys entsprechend ihrer Herkunft zu kategorisieren, macht so viel Sinn wie ein wasserdichter Teebeutel. Es mag dir helfen, dich grob zu orientieren, sobald du jedoch in die Whiskys einer Region eintauchst, wirst du mit Ausnahmen bombardiert.

Eine solche Ausnahme ist Glenkinchie.

 

DIE AROMEN VON GLENKINCHIE

 

 

Es gibt durchaus Gründe, Scotch Malt Whisky in Regionen zu gliedern und diesen dann Aromen- und Geschmacksprofile zuzuordnen.

Dies gibt dir einen Leitfaden und einen ersten Eindruck, was dich beim Kauf dieses oder jenes Single Malts erwartet. Und im Falle von Regionen wie der Isle of Islay mögen die Klischees auch durchaus zutreffend sein.

Aber was passiert, wenn du dir einen Whisky aus der Speyside kaufst und dieser nicht das erwartete blumige und fruchtige Bouquet besitzt? Was wenn es ein schwerer Tropfen mit einem Hauch Fleischbrühe ist oder sogar Torfrauch dessen Bouquet dominiert?

In diesem Fall wird dir bewusst, dass Whisky-Regionen gelegentlich brauchbare Hinweise liefern, letztendlich aber nur geopolitische bzw. geoökonomische Ursachen haben.

Nimm die Destillerie Glenkinchie. 

Diese wurde zwischen 1880 und 1881 errichtet und war der Nachfolger der Milton Distillery. 1825 gründeten die Brüder John & George Rate jene Brennerei in unmittelbarer Nähe zum heutigen Standort von Glenkinchie.

Schaust du dir deren Herstellungsweise an, erinnert dies eher an Brennereien, aus denen heute ein schwerer Feinbrand tropft.

Und das in den Lowlands? Jener Region, die für ihre leichten, blumig-fruchtigen Malts bekannt ist?

Ja, aus genau denen.

Glenkinchie besitzt ebenfalls einige dieser Merkmale, die eher auf einen schweren, deftigen Brand schließen lassen.

So führen die Lyne-Arms deren Brennblasen in steilem Winkel nach unten. Dies führt dazu, dass wenig Rückfluss ensteht und der Brand dadurch tendenziell schwerer und öliger wird.

Hinzukommen bei Glenkinchie Worm Tubs, in denen der Alkoholdampf kondensiert und wieder zur Flüssigkeit wird. Aufgrund des geringen Kontakts des Dampfes zum Kupfer in diesen Spiralen, haben New Makes aus traditionellen Worm Tubs meist mehr Schwefel-Noten als ihre Pendants aus modernen Kondensatoren.

Und dies ist auch der Fall bei Glenkinchie.

 

 

Einzig das Volumen der Brennblasen von Glenkinchie sorgt dafür, dass du keinen schweren, öligen Feinbrand im Glas hast. Keinen, bei dem du schwören würdest, er stamme von so mancher Speyside- oder Highlands-Brennerei.

Lediglich ein Paar Pot Stills unterhält die Destillerie. Vor allem die Wash Still besitzt ein derart großes Volumen, dass sie als die größte der Scotch-Industrie gilt. Die Wash Still umfasst 30.963 Liter, die Spirit Still 20.998.

 

 

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Aufgrund dieses Volumens bekommen die Moleküle der Maische jedoch wenig Kontakt zum Kupfer der Brennblasen. Die Folge ist ähnlich wie bei der Verwendung von Worm Tubs: der Whisky erhält Schwefelnoten, die an Fleischbrühe und Gemüse erinnern.

Single Malts dieser Brennerei wäre allerdings sehr monoton, wenn dies die beiden einzigen Eigenschaften dessen Feinbrands wären. So sorgt unter anderem die 60-stündige Fermentation dafür, dass du im New Make von Glenkinchie Noten von Parfüm und Heu riechst und einen Malt mit mittelschwerem Körper auf der Zunge hast.

 

GLENKINCHIE WHISKY VERKOSTEN

  • Glas: Nosing Glas; Stiel-Glas mit bauchigem Unterteil und schmal zulaufender Öffnung.
  • Serviertemperatur: Hast du die Möglichkeit, dann verzichte auf Glenkinchie jungen Alters. Auch bei NAS-Whiskys wäre ich vorsichtig, da der Schwefel-Charakter und damit einhergehende Aromen das Bouquet dominieren können. Dies kannst du zwar mit einer geringen Trinktemperatur von 17 bis 18 °C eindämmen, darunter leiden dann aber auch die angenehmen Nuancen. Ein Glenkinchie 10 oder 12 funktioniert meiner Meinung nach bei rund 20 °C am besten.
  • Im Glas 2 – 3 Minuten atmen lassen: ja

 

FOODPAIRING MIT SINGLE MALTS VON GLENKINCHIE

 

 

Je länger ein Glenkinchie im Fass liegt, desto mehr baut die subtraktive Reifung dessen Schwefelnoten ab. Streichhölzer, Fleischbrühe oder Gummi verschwinden und machen Platz für zahlreiche Fruchtnuancen.

So ist bereits die 12-jährige Qualität eine hervorragende Begleitung für fruchtige Desserts.

Vor allem dann, wenn du sie mit Vanille paarst, greifst du das Bouquet jenes Glenkinchies mit gleich mehreren Zutaten auf.

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Broccoli, Gruyère, Olivenöl, Ciabatta

Kräuter/Gewürze

Petersilie, Schwarzer Tee, Vanille, Haselnuss, Thymian, Melisse, Sencha Tee,

Fleisch/Fisch

Entenbrust, Rindfleisch, Krabbe,

Früchte

Mango, Maracuja, Schwarze Johannisbeere, Wassermelone, Honigmelone, Orange, Apfel

 

BESITZ & PRODUKTION BEI GLENKINCHIE

 

 

Wirfst du einen Blick auf die offizielle Website von Glenkinchie wirst du 2 Jahreszahlen finden: 1825 und 1837. Das Gründungsjahr und das Jahr der Lizenzierung.

1825 gründeten die Brüder John & George Rate auf dem Geländer der heutigen Brennerei eine Destillerie namens Milton Distillery. Für eine kurze Dauer übernahm James Gray von Leechman & Gray die Geschäftsführung, aber nur, um sie kurze Zeit später wieder an John Rate zu übergeben.

Das war 1852.

Ein Jahr später stellte die Milton Distillery endgültig ihren Betrieb ein. Ein Landwirt aus dem Umland wandelte die verbliebenen Gebäude in ein Sägewerk um.

Mit der heute bekannten Glenkinchie hatte dies alles nichts zu tun.

Gut, vielleicht die gemeinsame Adresse, mehr aber nicht.

Zwischen der Milton Distillery und Glenkinchie liegen knapp 30 Jahre. 3 Jahrzehnte, in denen auf dem Gelände kein Whisky produzierte wurde.

Mehr noch. 

Als 1880 bzw. 1881 ein Konsortium von Produzenten und Händlern aus Edinburgh die Gebäude kaufte und die Glen Kinchie Distillery Co. ins Leben rief, änderten diese auch die Form der ursprünglichen Brennblasen.

Die Brennblasen waren gewaltig und ermöglichten den neuen Besitzern durch ihr großes Volumen die Nachfrage nach leichteren Whiskys zu bedienen.

Der Whisky-Stil von Glenkinchie ist mit jenem der Milton Distillery kaum zu vergleichen. Beziehst du dich daher auf den Brennereicharakter, liegt Glenkinchies Gründungsjahr daher am Ende des 19. Jahrhunderts, nicht zu dessen Beginn.

Der Durchbruch in den Massenmarkt gelang Glenkinchie jedoch erst 100 Jahre später. Als Teil der Classic Malts begann deren Dachkonzern DIAGEO Ende der 1980er 6 Single Malts aus verschiedenen schottischen Whisky-Regionen gemeinsam zu vermarkten.

Glenkinchie war unter diesen ursprünglichen 6 Malts der Repräsentant der Lowlands.

Gemeinsam mit den anderen 5 präsentierte DIAGEO ihre Classic Malts auf einem Sockel, der in Bars und Läden die Aufmerksamkeit der Kunden auf sich ziehen sollte.

Und es funktionierte.

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