Kennst du diese U-Bahn-Musiker in Metropolen? Kleine Jazz-Kombos, die für 2 bis 3 Stationen in die Pariser oder Londoner Metro springen, um für ein paar Münzen, Songs rauszuhauen?

Whiskys der Longmorn Distillery sind wie jene Musiker.

Du hast sie für einen kurzen Moment auf dem Schirm, bist begeistern von deren Qualität und schon sind sie wieder verschwunden.

 

DIE AROMEN VON LONGMORN

 

 

Hast du Longmorns New Make, d.h. das frische Destillat aus den Brennblasen, vor dir, bekommst du einen Obstkorb um die Ohren geschmissen.

Dies ist nicht nur seine prägnanteste Eigenschaft, es definiert den Haus-Stil dieser Destillerie.

Dabei gibt das Bouquet eine klare Linie vor: helle, gelbe Früchte. Seien es Bananen, Birnen oder Mangos, du erhälst ein Potpourri jener Aromen.

Longmorns New Make schmeißt dir allerdings nicht nur eine Hand voll Früchte vor die Füsse und verzieht sich dann. Stattdessen liefert er dann auch auf der Zunge das passende Mundgefühl.

Seine Textur ist äußerst weich, was ihn zusammen mit seinem Bouquet zum Prototypen eines Speyside Malt Whiskys macht.

Die Brennerei erreicht diesen Haus-Stil vor allem durch 2 Herstellungsschritte: Fermentation und Destillation.

Für ersteres verwendet sie Hefen der Kerry-Sorte und gibt diesen 50 Stunden Zeit Zucker in Alkohol umzuwandeln. Dass hierbei noch andere Verbindungen entstehen, sorgt für Aromen, die an Blumenwiese, Birne oder Banane erinnert.

Und auch Fleisch.

Diese jedoch nur dezent. Das Bouquet eines Longmorn New Makes ist keine Fleischbrühe. Im Gegenteil. Jene Note ist äußerst dezent und liegt weit abgeschlagen hinter der Früchte-Front.

Es ist also kein Vergleich mit den Feinbränden von Cragganmore oder Mortlach. Malt Destillerien, die in unmittelbarer Nähe zu Longmorn schweflige, fleischige New Makes produzieren.

Jene Note ist bei Longmorn nur eine Nuance. Eine, die – so vermute ich – aufgrund der recht kurzen Fermentationsdauer von nur 50 Stunden entsteht.

Kaufst du dir jedoch eine Flasche Longmorn egal welchen Alters, bekommst du von dieser schwachen Note nichts mehr mit.

Dafür gibt es 2 Gründe:

  • Destillation
  • Fassreifung

Longmorn verlässt sich bei der Form ihrer Pot Stills auf Industriestandard. Der heiße Dampf, der in diesen aufsteigt, kühlt anschließend in Shell-and-Tube-Condenser.

Moderne Kondensatoren, die dem Alkoholdampf mehr Kontakt zum Kupfer ermöglichen. Dadurch verringern sie Aromen, die auf Schwefelverbindungen basieren, drastisch.

Was am Ende im New Make noch ankommt, ist folglich nur noch dezent erkennbar.

Eine leichte Aufgabe also für das Fass diese in kurzer Zeit abzubauen.

Klicke hier und mache es wie über 3.500 andere Whisky-Fans. Hole dir unsere kostenfreien Poster und Workshops und verbessere Wissen und Sensorik.

 

So bleibt mehr Platz für andere Aromen, die ein Longmorn durch Ausbau in verschiedenen Fass-Typen und -größen erhält. Ex-Sherry, Ex-Bourbon, Hogsheads, …

Bist du eher der Single Malt- als der Blended Whisky-Trinker, überschüttet dich Longmorn und dessen Dachkonzern Pernod Ricard nicht gerade mit Abfüllungen.

Das Gros seines 4,5 Millionen Liter Alkohol-Ausstoßes pro Jahr geht an die Blended Whisky-Industrie. Bisher gibt es als Originalabfüllung lediglich den Longmorn 16 Jahre als auch Distiller’s Choice und den 23-jährigen.

Zum Glück gibt es ja noch die unabhängigen Abfüller.

 

LONGMORN WHISKY VERKOSTEN

 

  • Glas: Nosing Glas; Stiel-Glas mit bauchigem Unterteil und schmal zulaufender Öffnung.
  • Serviertemperatur: Es ist schwierig eine Trinktemperaturempfehlung für eine Marke zu geben, die gerade einmal eine Originalabfüllung besitzt. Gut, es gibt hie und da noch Longmorn Malts unabhängiger Abfüller, aber auch die überschütten dich nicht mit Vielfalt. Letztlich bleibt uns daher kaum mehr als uns auf den 16-jährigen, Distiller’s Choice oder 23-jährigen zu konzentrieren. Diese genießt du am besten bei ca. 21 °C. Zum einen ist deren New Make bereits weich und besitzt keine störenden Alkoholnoten, zum anderen bietet dir bereits eine 16-jährige Fasslagerung genug Potential für zahlreiche Aromen.
  • Im Glas 2 – 3 Minuten atmen lassen: nein

 

FOODPAIRING MIT SINGLE MALTS VON LONGMORN

 

antipasti whisky

 

Nimmst du den fruchtigen Charakter eines Longmorns als Basis, bietet er dir zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten mit Speisen.

Nicht nur in Richtung Dessert oder Süßspeise, sondern auch als Begleitung deftiger Hauptspeisen. Fasan, Rind……die Aromen des Longmorn halten mit.

Dies liegt in erster Linie daran, dass jener Single Malt zwar intensive Fruchtaromen besitzt, diese aber nicht nur frisch und spritzig wirken.

Das heißt, jener Single Malt bietet dir nicht nur Aromen wie Apfel und Birne, also jene Früchte, die bereits junge Malts besitzen können. Er bietet dir auch Früchte wie Pflaumen, die ihn als Begleitung für herzhafte Speisen empfehlen.

Wählst du einen Longmorn Single Malt als Begleitung, probiere doch mal eine Antipasti mit getrockneten Tomaten und Parmaschinken.

 

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Ciabatta, Reis, Tortilla, Pommes frites

Kräuter/Gewürze

Sandelholz, Muskat, Hopfen, Sencha Tee, Darjeeling Tee

Fleisch/Fisch

Steinbutt, Rind, Ente, Fasan

Früchte

Banane, Birne, Mango, Pflaume, Pfirsich

 

BESITZ & PRODUKTION BEI LONGMORN

 

longmorn 16 jahre

 

Wirfst du einen Blick auf die Brennblasen von Longmorn und denen der japanischen Yoichi Distillery, wird dir eine gewisse Ähnlichkeit auffallen.

Kein Zufall.

Im Jahr 1919 schickte der japanische Unternehmer Shinjiro Torii seinen Mitarbeiter Masataka Taketsuru nach Schottland. Das Ziel: Das Wissen um die Produktion von Scotch Whisky erlangen, da Torii sein Wein-Unternehmen um Whisky erweitern wollte.

Aus genau diesem Unternehmen entstand im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts der Getränke-Gigant Suntory.

Taketsuru erreichte Elgin im April 1919 und kurz darauf die Longmorn Distillery. Gerade einmal 5 Tage arbeitete er dort als Hilfskraft.

Mit zusätzlicher Inspiration aus anderen Malt Brennereien der Speyside half er zurück in Japan bei der Umsetzung seines neuen Wissens. Torii stellt die Whisky-Brennerei Yamazaki auf die Beine.

Nach nur wenigen Jahren zog es Taketsuru jedoch in die Selbstständigkeit und er gründete mit gerade einmal einem 5-tägigen Praktikum das japanische Ebenbild der Longmorn Distillery. Die Destillerie: Yoichi.

In der Zwischenzeit durchlief die Original-Brennerei einige Eigentümerwechsel. Ab 1978 war es in den Händen des kanadischen Unternehmens Seagrams und durch deren Aufkauf seit 2001 im Besitz von Pernod Ricard.

Aber auch unter diesen änderte sich die Ausrichtung Longmorns nicht.

Das Gros ihres Ausstoßes geht weiterhin an die Blended Whisky-Industrie. 

Single Malt-Fans bleibt bisher nichts anderes übrig als sich mit 3 Original-Abfüllungen sowie einer Hand voll Single Malts aus den Beständen unabhängiger Abfüller zu begnügen.

Aber sehen wir es positiv. 

Warst du bereits Whisky-Fan vor dem Jahr 1993 lag deine Auswahlmöglichkeit bei Longmorn Single Malts bei mageren Null.

Erst in jenem Jahr brachte die Destillerie – damals noch unter ihrem alten Besitzer – einen 15-jährigen Single Malt auf den Markt. Dessen Label zeigte die Destillerie eingekesselt in eine schroffe Bergkette.

Longmorn liegt im Flachland in der Nähe der Stadt Elgin.

Du verstehst den Unsinn?

2007, also 6 Jahre nachdem Pernod Ricard die Destillerie übernommen hatte, ersetzte dieser den bisherigen Malt durch den 16-jährigen.

Eines von Longmorns wenigen Lichtblicken für Single Malt Scotch Whisky-Fans.