In der ersten Bar, in der ich während der Studiums arbeitete, wurde jeder Gin-Cocktail mit Finsbury zubereitet.

Zwar lieferte dieser das ein oder andere Wacholder-Aroma, mehr aber nicht. Im Gegenteil. Er schreit gerade danach von anderen Zutaten überlagert zu werden. 

Dies macht zwar keinen guten Cocktail, aber ist eine der wenigen Möglichkeiten Gins dieser Qualität überhaupt trinkbar zu machen.

Ich erinnere mich, als ich eines Freitagabends 3 Negronis zubereiten sollte. Zur Verfügung standen Campari, Martini Vermouth und Finsbury Gin.

Im Prinzip genau das, was die Rezeptur verlangt: Campari, Vermouth, Gin.

Es musste schnell gehen, die Bons für weitere Bestellungen flatterten bereits auf die Theke. Das Problem war nur, dass keiner der 3 Negronis aus meiner Sicht ein brauchbares Ergebnis lieferte. Zumindest keines, das man einem Gast servieren sollte.

Egal wie ich es drehte und wendete, egal wie ich mit den Zutaten experimentierte, das Ergebnis war unbefriedigend. 

Der Grund: Die Qualität des Gins war miserabel.

So lieferte der Finsbury Gin zum einen nur wenig Alkohol. 37,5 %Vol. erfüllen zwar den minimalen Anspruch, der per Verordnung an Gin gestellt wird. Für ein hochwertiges Produkt, ist dies jedoch deutlich zu wenig.

Mit einem Alkoholgehalt unter 40 %Vol. habe ich noch keinen Gin erlebt, der Balance in einen Cocktail bringen könnte.

Zudem hatte jener Gin eine Hand voll Wacholderaromen zu bieten, mehr aber nicht. Das heißt, es mangelte sowohl dem Gin und folglich auch den Negronis an aromatischer Kraft und Komplexität.

Das ganze Ding schmeckte unglaublich fad.

Du kannst es dir vorstellen wie einen Tee, bei dem du den Teebeutel bereits zum dritten Mal verwendest.

Auf die Frage, ob wir nicht den Finsbury aus dem Speedrack kicken zu Gunsten eines besseren Gins, kam ein kurzes „Nö“. Der damaligen Geschäftsführung reichte die geringe Anzahl an Gin-Bestellungen im Tagesgeschäft nicht aus, um in diese Kategorie zu investieren.

Zum Glück sind ein paar Jahre vergangen. Zum Glück ist die Qualität der Gins, die du heute beinahe in jedem Tante Emma-Laden findest, deutlich besser.

Dies bringt dir nicht nur im Purgenuss mehr ins Glas, sondern auch in jeden Cocktail.

Hierfür solltest du allerdings ein paar Dinge im Umgang mit Gin beachten.

Denn auch wenn sich mittlerweile eine Armee an Gin-Destillateuren größte Mühe gibt, hochwertige Tropfen herzustellen, funktioniert nicht jeder Gin in jeder Rezeptur. Geschweige denn, dass er im Purgenuss einfach zu handhaben sei.

 

Sie achten nicht auf die richtige Temperatur des Gins

 

GIN-temperatur

 

Eine Trinktemperatur zu finden, die dir Zugang zum vollen Potential eines Destillats gewährt, ist schwierig.

Dies ist bei allen Spirituosen so, und auch Gin bildet da keine Ausnahme.

Letztlich kommst du also nicht umhin, dir einen Gin zu nehmen, ihn einzuschenken und ihn zu verkosten. Mal kälter, mal wärmer.

Es gibt allerdings eine Hand voll Tipps, die es dir ermöglicht, eine Abkürzung zur optimalen Trinktemperatur zu nehmen. Tipps, die dir zeigen, wie du Gin richtig trinkst.

 

  • Tipp #1: Behandle Gin als das, was es ist, und zwar eine klare Spirituose

 

Wirfst du einen Blick auf die Spirituosen-Entwicklung der vergangenen 3 Jahrzehnte, wird dir folgendes auffallen: Genussmittel stammten immer aus dem Holzfass.

Klar, wir hatten Vodka, weißen Rum und weißen Tequila.

Aber sind wir doch mal ehrlich. In den 80ern und 90ern wurde das Gros dieser Produkte aus nur einem Grund konsumiert: In wenigen Sekunden voll bis unter die Hirnrinde zu werden.

Genuss war das nicht.

In der High End-Liga, also dort, wo Spirituosen genossen und analysiert wurden, tummelten sich Cognac, Scotch etc. Also jene, die mehrere Jahre Fassreifung hinter sich hatten.

Das Traurige war dabei jedoch, dass wir durchaus „weiße“ Edeldestillate gehabt hätten. Obstbrände, -geiste, Korn etc. 

Es hatte nur nie jemand auf dem Schirm. Es waren nur kleine Nischen.

Erst als vor rund 7 Jahren Gin mit Anlauf westliche Märkte überrannte, wurden plötzlich zahlreiche Gaumen mit einer völlig neuen Spirituosen-Kategorie geflutet. Kaum einer wusste, wie sich dieses Destillat am besten trinken ließ.

Zumal die Qualität jener Gins rasant anstieg.

 

Erfahre, wie Gin zu seinen Aromen kommt. Klicke hier und lade dir jetzt unser kostenfreies eBook „Botanicals des Gins“ herunter.

 

Gin wurde zum High End-Getränk, das man nur noch richtig trinken können musste.

Anders als bei fasslagerten Spirituosen solltest du Gin jedoch nicht zu warm trinken. Und damit meine ich 20 °C und darüber.

Denn genießt du ihn zu warm, setzt er nicht mehr all zu viele Aromen frei. Nicht so wie bei Scotch oder Weinbrand. 

Im Gegenteil: Trinkst du deinen Gin zu warm, nimmt dessen alkoholische Schärfe zu. Letztendlich stört dies den Genuss.

Meiner Erfahrung nach fährst du daher bei den meisten Gins am besten, wenn du sie bei eine Temperatur von rund 18 °C trinkst.

 

  • Tipp #2: Gins aus dem Holzfass etwas wärmer trinken

 

Gin ist kein Destillat, das mehrere Jahre im Holzfass verbrachte. Zwar gibt es mit der Kategorie der Reserve Gins einen Trend in diese Richtung. Über eine Reifungszeit von mehreren Monaten kommen diese bis dato allerdings nicht hinaus.

Ich bezweifle zudem, dass du in naher Zukunft Reserve Gins in Händen halten wirst, die mehrere Jahre auf dem Buckel haben.

Zum einen nicht, da Gin von Natur aus kein Aromenprofil besitzt, das mehrere Jahre Holzfasslagerung „überleben“ würde.

Zum anderen ist die aktuelle Nachfrage nach Gin ein Hype, der schnell bedient werden möchte. Steckt eine Destillerie nun ihren Gin mehrere Jahre ins Fass, ist dieser bereit für den Markt, wenn dieser schon längst mit Wacholder & Co. abgeschlossen haben könnte.

Eine Gefahr, die sich kein Hersteller freiwillig antut.

Aus diesem Grund findest du im Handel fast ausschließlich Reserve Gins, die nur wenige Monate im Fass verbrachten. Diese gibt ihm das ein oder andere Aroma mehr und ersetzt die oxidative Reifung in Steingut- oder Edelstahlbehältern.

Probiere einen solchen Gin bei rund 19 bis 20 °C. Etwas wärmer als reguläre Gins, um die wenigen Aromen des Holzes deutlicher wahrzunehmen.

 

  • Tipp #3: Old Tom Gins kälter als den Rest trinken

 

Hast du zwei vergleichbare Gins nebeneinander, das heißt, beide haben ein ähnliches Aromenprofil, dann solltest du auch auf die Süße achten.

Je süßer der Gin, desto niedriger die Temperatur, die du anwenden solltest.

Was kann passieren, wenn du es nicht machst? Das Ding wird ekelhaft ölig.

Gesüßte Spirituosen neigen grundsätzlich dazu, eine ölige Textur zu besitzen. Sie legen sich dann wie ein Schluck Olivenöl über deine Zunge.

Erhöhst du dann noch die Temperatur, verstärkt dies dieses Gefühl.

Gesüßte Spirituosen – wie eben Gins der Old Tom-Kategorie – solltest du daher noch kühler trinken. 16 bis 17 °C sind optimal.

Allerdings solltest du nicht noch viel tiefer gehen. Denn das würde dazu führen, dass du zwar die Süße im Griff hast, die Aromen aber auch keine Lust mehr haben, aus dem Glas zu steigen.

 

Wenn du wissen möchtest, welche weiteren Gin-Sorten es gibt, wirst du hier fündig:

Alle 12 Gin-Sorten auf einen Blick

 

Sie trinken Gin nicht pur

 

Es erstaunt mich jedes Mal wieder.

Als der Gin-Trend vor einigen Jahren begann, versuchte ich – zumindest in den Anfangsjahren – jedes neue Produkt zu verkosten.

Ich recherchierte die Botanicals und versuchte durch Nosing und Tasting einen möglichst genauen Eindruck vom Destillat zu erhalten.

Darauf aufbauend entschied ich mich dann den jeweiligen Gin nur pur zu trinken oder mit ein paar andere Zutaten in einen Cocktail zu verwandeln.

Dies war eine Herangehensweise, die ich nicht in Frage stellte.

Im Gegenteil.

Ich ging davon aus, dass das Gros an Gin-Fans ähnlich verfährt.

Wie naiv von mir.

Bei vielen Tastings, Veranstaltungen und auch per Mail lernte ich Gin-Fans kennen, die den anderen Weg gingen.

Sie sehen Gin als Cocktail-Basis, mehr aber auch nicht.

Es ist nicht der Zwilling des Tonics, es ist der Siamesische Zwilling.

Am meisten verblüfften mich die Fragen: „Kann man Gin auch pur trinken?“ „Ist das nicht zu scharf?“

Nein, ist es nicht. Aber das findet man nur heraus, wenn man keine Limonade daraus macht.

Aus diesem Grund solltest du Gin als das sehen, was es ist: ein Genussmittel, das man mit weiteren Zutaten verfeinern kann, aber nicht muss.

Um dir Hilfestellung zu geben, wie du Gin am besten pur trinkst, beachte folgende Punkte:

 

  • Verwende ein Nosing-Glas mit Stiel. Bei diesen Gläsern ist die Öffnung schmaler als deren Bauch. Dadurch konzentrieren sich die Aromen des Bouquets auf deine Nase.

 

  • Genieße Gin pur bei der optimalen Trinktemperatur. Diese liegt bei Dry und London Gin im Bereich von 18 °C. Auf keinen Fall solltest du die Flasche in den Kühlschrank stecken und gleich nach der Entnahme verkosten.

 

  • Gieße nicht mehr als 2 bis 4 cl ins Glas.

 

  • Schwenke das Glas 2 bis 3 Mal und rieche dann am Gin. Anschließend kannst du ein paar Schlücke nehmen und nochmal daran riechen. Welche Aromen erkennst du? Wie liegt er auf der Zunge?

 

Sie mixen Cocktails, ohne das Aromenprofil des Gins zu kennen

 

Zitronen

 

Stelle dir folgende Situation vor.

Du baust ein Baumhaus. Nagelst ein Brett ans andere und sägst die Fenster aus. Leiter dran und Dach drauf.

Jetzt brauchst du nur noch eine passende Tür.

Du fährst in den Baumarkt, blickst durch die Regale und wählst eine, die dich optisch anspricht und bei der der Preis in deinem Budget liegt.

Wieder am Baumhaus angekommen, versuchst du die Tür ins Haus zu zimmern.

Und was passiert?

Sie passt nicht.

Egal wie du sie drehst und wendest, sie passt nicht in das Konstrukt, an dem du die Stunden zuvor gearbeitet hast.

Wenn du jetzt das Baumhaus durch verschiedene Cocktail-Zutaten ersetzt und die Tür sinnbildlich für den Gin steht, weißt du, worauf ich hinaus will.

Du kannst keinen guten Cocktail zubereiten, wenn du nicht weißt, welchen Gin du verwendest.

Wir befinden uns in einer Zeit, bei der mittlerweile nicht mal mehr sicher ist, ob der Gin tatsächlich nach Wacholder schmeckt. Eigentlich eines seiner wichtigsten Merkmale.

Hast du nun also einen New Western Dry Gin ohne Wacholderaroma und möchtest ihn in gewohnter Weise in deinem Lieblingscocktail verarbeiten, ist dies in etwa wie eine Tür in ein Bullauge des Baumhauses zu hämmern.

Geht schon irgendwie, sieht aber doof aus.

Und funktionieren tut es auch nicht.

Aus diesem Grund solltest du den Gin verkosten bevor du ihn mit anderen Zutaten vermischst. Dabei ist egal, ob es nur ein Tonic ist oder diverse Kräuter und Früchte. Achte auf das Aromenprofil des Gins.

 

Erfahre, wie Gin zu seinen Aromen kommt. Klicke hier und lade dir jetzt unser kostenfreies eBook „Botanicals des Gins“ herunter.

 

Um dir einmal eine Vorstellung zu geben, was dich dabei erwartet, möchte ich dir 3 der wichtigsten Botanicals eines Gins näher erläutern:

 

  • Wacholder

 

Häufig wirst du „Wacholderbeeren“ hören. Fachlich korrekt wäre hingegen die Bezeichnung „Wacholderzapfen“, da es sich bei diesen nicht um Beeren handelt.

Zu über 40 Prozent bestehen diese aus Zucker und Harzen. Dies verleiht dem Gin trocken-würzige und teils harzige Noten.

 

  • Koriander-Samen

 

Diese Samen sind der perfekte Gegenspieler zum Wacholder. Dessen Aromen ähneln denen des Wacholders, bereichern sie aber um weitere Noten und machen ihn folglich komplexer.

Verantwortlich sind hierfür vor allem Verbindungen wie BorneolLimonenLinalool und Geraniol.

Wenn du mehr über Koriandersamen und deren Einfluss auf das Aroma eines Gins wissen möchtest, habe ich hier einen Artikel für dich veröffentlicht:

Warum so viele Gin-Hersteller Koriander verwenden

 

  • Zitrusschalen

 

Egal, ob Grapefruit, Zitrone oder Limette, die herb-fruchtigen Aromen aus deren Schalen sorgen für ein spannendes Bouquet. Mehr als es Koriander und Wacholder alleine hinkriegen würden.

Sie ergänzen diese, um fruchtige und spritzige Komponenten.

Dies schien in den vergangenen Jahren derart vielen Gin-Fans und -Produzenten zu gefallen, dass sie bei einigen Produkten Zitrusaromen vor das des Wacholders stellten.