glengoyne_21jahre

 

Man sieht es ihm an. Seine Farbe, seine Viskosität. Dieser Tropfen verbrachte eine halbe Ewigkeit im Dunkel von Eichenfässern. Im Falle des Glengoyne 21 Jahre waren es sogar ausschließlich Sherry-Fässer. Ein Tropfen, der dich begeistern wird.

In Zeiten, in denen Finishings zum guten Ton gehören, ist ein Malt wie der Glengoyne 21 Jahre schon fast ein Kuriosum.

„Finishings“ jene Nachreifungen, die in den verschiedensten Fass-Typen für ein paar Monate stattfinden. Manch einem Single Malt mögen sie Raffinesse verleihen, dem Gros aber nicht.

Häufig ist die Nachreifung in „ausgewählten“ Fässern nur eine Maßnahme zur Preissteigerung. Die Mehrheit der Pressemitteilung, die einen solchen Whisky ankündigen, gehen dann schon gar nicht mehr auf die eigentliche Reifung ein.

An sich wäre dies ja das Kernstück jenes Whiskys.

Ein Whisky wie der Glengoyne 21 Jahre, der ausschließlich in Ex-Sherry-Fässern reifte, wirkt da schon fast erfrischend. Mehr noch: Der Großteil jener Fässer, die Glengoyne für diesen Malt verwendete, sind First Fill-Fässer aus europäischer Eiche.

 

DEGUSTATION DES GLENGOYNE 21 JAHRE

 

Du musst noch nicht mal deine Nase in Richtung des Glengoyne 21 Jahre bewegen, um zu sehen, welchen Einfluss 21 Jahre Fassreifung auf ihn hatten.

Mit seiner tiefen braun-roten Farbe erinnert er Terracotta.

Schwenkst du ihn dann 2 bis 3 Mal bildet er eine Vielzahl an öligen Tropfen, die zum Glasboden kriechen.

Das Spannende an diesem Tropfen ist allerdings nicht seine Farbe, sondern das, was dich im Bouquet erwartet.

Wobei….in der Nase ist der Glengoyne 21 Jahre schon eine ziemliche Zicke. Er gibt dir immer wieder kurze Hinweise, was er so alles drauf hat, nimmt sie dir dann immer wieder weg.

Sein Bouquet ist also nichts, was du mal schnell zwischen Tür und Angel analysierst. Hierfür brauchst du Zeit.

Um möglichst viele Aromen zu erreichen, solltest du beim Nosing deinen Mund öffnen. So verflüchtigt sich seine leichte Alkoholnote, die nur dann stört, wenn du den Mund geschlossen hältst.

Indem du deinen Mund wenige Millimeter öffnest, kann frische Luft zirkulieren. Dadurch erkennst du das Aromenprofil des Bouquets deutlich besser.

Der erste Eindruck, den du dabei vom Glengoyne 21 Jahre erhältst, ist der eines trockenen und komplexen Single Malt Whiskys.

An vorderster Front strömen dabei Nuancen in deine Nase, die dich an Kaffee und Karamell, Honig, Rosinen und Schwarztee erinnern.

Am deutlichsten treten diese meiner Ansicht nach hervor, wenn du den Glengoyne 21 Jahre zwischen 21 und 22 Grad verkostest. Dann gesellt sich in zweiter Linie der Duft von Milchreis, Heu und altem Ledersofa hinzu.

Von all diesen Aromen sticht aber keine hervor. Was auf der einen Seite Arbeit erfordert, sie zu suchen, den Glengoyne 21 Jahre auf der anderen Seite aber interessant macht.

 

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Denn jedes mal, wenn du an seinem Bouquet riechst, stößt eine andere Nuance kurzzeitig nach vorne. Nur um dann gleich wieder zu verschwinden und der nächsten Platz zu machen. 

In zweiter und dritter Reihe folgen dann Vanille, Apfel und Birne. Dazu kommen vergilbtes Papier, getrocknete Preiselbeeren und eine leichte Rauchnote, die vom Holz stammt.

Weit im Hintergrund erkennt du zudem eine dezente Gummi-Note, die wahrscheinlich von der ein oder andere Schwefelverbindung herrührt.

Nimmst du den ersten Schluck von diesem Scotch, legt er sich trocken und mit mittelschwerem Körper auf deine Zunge.

Seine Aromen sind hier nicht derart komplex wie sein Bouquet bei der pronasalen Verkostung, aber dennoch trumpft er hier auf.

So bekommst du Tee mit Honig, etwas Eiche und Vanille, dazu einen leicht salzigen Geschmack.

Ähnlich verhält er sich schließlich im Nachklang. Nicht sehr opulent, aber raffiniert.

So verbleibt der Glengoyne 21 Jahre nur kurz an deinem Gaumen, hinterlässt in dieser Zeit aber Aromen von Holz, getrockneten Äpfeln, Karamell und Bitterschokolade.

Fasst man all die Verkostungspunkte zu diesem Scotch zusammen, ist der Glengoyne 21 Jahre ein Tropfen, der Erfahrung fordert. Er ist etwas für Whisky-Fans, die das Know-How haben, versteckte Aromen herauszukitzeln.

Und für solche Whisky-Fans, die Zeit haben. Denn einen Single Malt Whisky, der an seiner Reifungsgrenze angelangt ist, analysiert man nicht wenigen Sekunden.

 

 

Glengoyne 21 Jahre - 43 %Vol.

9

Bouquet

9.4/10

Geschmack

8.7/10

Mundgefühl

8.9/10

Nachklang

9.0/10

Positiv

  • Komplexes Bouquet
  • Viele Aromen
  • Individuell

Negativ

  • Qualität im Mund hinkt dem Bouquet hinterher