Ich war nicht schnell genug. Ich war einfach nicht schnell genug. Der Tequila brannte meine Speiseröhre hinunter, noch bevor Zimt oder Orange in die Nähe meines Mundes kam.

Ich hatte irgendwas falsch gemacht, denn so geschmeidig wie bei den anderen Leuten an der Bar, sah das bei mir nicht aus.

Im Gegenteil.

Dieser Fusel brannte noch Minuten später in meinem Mund. Ich wusste nicht, wie Zimt oder Orange daran etwas ändern könnten.

Taten sie auch nicht.

Es brannte immer noch und im Mund hatte ich nun zudem ein feuchtes Pulver, das nach Zimt und Orange schmeckte.

Mein zweiter Versuch mit Zitrone und Salz sah dann zwar schon etwas eleganter aus, überzeugen konnte mich dies aber nicht.

Weder das Ritual, noch Tequila.

Diese Erfahrung sorgte dafür, dass ich jene Spirituose über Jahre weit von mir weg schob.

Über viele Jahre.

Diese Ablehnung gegenüber alles und jeden, der mir diesen Brand anbot, hielt ich stoisch.

Und ich hätte sie auch heute noch, hätte mir vor vielen Jahren kein Extra Añejo einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Denn dieser Tropfen aus dem Nosing Glas war weich, filigran und schob mir derart viele Aromen entgegen, dass ich zweifelte, ob es sich tatsächlich um Tequila handle.

Das ist tatsächlich das gleiche Spirituosen-Genre, mit dem ich mir als Teenager so kläglich versuchte einen hinter die Binde zu kippen?

Das?

Dieses Erlebnis wandelte mein Verständnis von Tequila um 180 Grad. Heute steht immer ein feiner Agaven-Tropfen in meinem Schrank.

Damit du nicht den gleichen Fehler machen musst und Jahre mit der falschen Vorstellung über ein solch tolles Destillat vergeudest, möchte ich dir im Folgenden die häufigsten Fragen von Einsteigern präsentieren.

Fragen, die ich mir als Tequila-Neuling selbst stellte und die ich in den vergangenen Monaten von einigen Eye for Spirits-Lesern erhielt.

Die Antworten darauf helfen dir, Tequila besser zu verstehen und es auf eine ähnliche Genuss-Stufe wie Whisky, Rum oder Gin zu stellen.

 

 

Was ist Tequila?

 

agave

 

Ähnlich wie Scotch, Cognac oder Champagner unterliegt auch hier die Produktion sowohl Herstellungs- als auch Regionsvorgaben.

Du kannst nicht einfach im Schwarzwald Agavenschnaps herstellen und diesen als Tequila verkaufen. Ebenso wenig wie du dort keinen Cognac oder Scotch Whisky produzieren darfst.

Grundsätzlich ist Tequila eine Spirituose, die auf der Blauen Weber-Agave Agave tequilana basiert und mindestens 35 %Vol. und maximal 55 %Vol. Alkohol besitzt.

Aber sind wir mal ehrlich. Nicht alles, was auf dem Markt erhältlich ist, ist hochwertiger Agavenbrand. Nicht alles davon basiert ausschließlich auf der Blauen Weber-Agave.

Denn Tequila darf per se aromatisiert, gesüßt und gefärbt werden.

Herstellern stehen hier Tür und Angel offen.

Suchst du also nur nach „Tequila“, kann es vorkommen, dass du ein Produkt in Händen hältst, dass zu 49 % auf Industriezucker basiert.

Denn rechtlich ist es Herstellern erlaubt, die Maische aus 51 % Blauer Weber-Agave und 49 % anderer Zuckerquellen aufzubauen.

Dass hieraus kein hochwertiges Produkt mit charakteristischem Profil entsteht, liegt auf der Hand.

Möchtest du also einen High End-Tropfen, solltest du immer darauf achten, dass er zu den 100 % Agave-Tequilas gehört.

Alles andere gehört in die Tonne, denn dies sind Wirkungsdrinks und nicht für den Genuss gemacht.

 

Welche Sorten gibt es?

 

Stehst du vor dem Spirituosen-Regal, kannst du dort zwischen 5 Tequila-Kategorien unterscheiden. Genres, die als offizielle Tequila-Kategorien Mexikos gelten.

Tequilasorten

Kategorie #1: Blanco // Silver

 

Egal, ob du „Silver“ oder „Blanco“ verwendest, es bezieht sich immer auf dieselbe Art Tequila. Beide Begriffe werden als Synonyme verwendet, wenn es um Tequila geht, der nicht im Eichenfass reifte.

Dieser Tropfen wird mit Wasser auf Trinkstärke reduziert und reift häufig in Edelstahl- oder Steingutbehältern. Diese oxidative Reifung reduziert ungewünschte Aromen junger Destillate sowie eine anfängliche alkoholische Schärfe.

Allerdings darf Blanco oder Silver Tequila nicht länger als 60 Tage in jenen Behältern verbringen.

 

Kategorie #2: Gold // Joven // Oro

 

Tequilas dieser Klasse sind meist das Ergebnis einer Mischung aus Silver- und Reposado-Varianten.

Ich persönlich habe allerdings noch keinen Gold Tequila erlebt, den ich mir ein zweites Mal kaufen würde. Die Qualität hinkt hier meines Erachtens deutlich den anderen Kategorien wie Blanco oder Añejo hinterher.

 

Kategorie #3: Aged // Reposado

 

Reposado oder Aged Tequilas verbringen mindestens 2 Monate in Holzbehältern aus Weiß-Eiche (Quercus alba) oder Stein-Eiche (Quercus ilex).

Tequila-Hersteller sind – ähnlich wie Bourbon Whiskey-Hersteller – nicht gezwungen „Fässer“ zu verwenden. Die Verordnung zur Herstellung von Tequila spricht lediglich von Behältern.

Wie aber auch die amerikanischen Kollegen belassen es die Tequila-Destillerien dann doch meistens aus praktischen und sensorischen Gründen bei klassischen Eichenfässern.

Verschneidet ein Hersteller seinen Aged- bzw. Reposado-Tequila mit Extra Aged-Qualitäten, darf er diesen dennoch nur als Aged- bzw. Reposado-Tequila auf den Markt bringen.

 

Kategorie #4: Extra-aged // Añejo

 

Tequilas dieser Kategorie müssen mindestens 1 Jahr in Eichen-Behältern reifen. Wobei diese Behälter – meist Fässer – nur ein Volumen von maximal 600 Liter besitzen dürfen.

Zum Vergleich: Bei der Scotch Whisky-Produktion liegt diese Obergrenze bei 700 Liter.

Ähnlich wie bei Kategorie 3 so gilt auch hier für Hersteller, die ihren Añejo Tequila mit Extra Añejo-Qualitäten verschneiden, dass sie diesen dann nur als Añejo Tequila auf den Markt bringen dürfen.

Auch wenn er Destillate höherer Altersstufen beinhaltet.

 

Kategorie #5: Ultra-aged Tequila // Extra Añejo

 

Extra Añejo-Tequilas müssen mindestens 3 Jahre in Eichen-Behältern verbrachten haben. Diese bestehen meist aus Quercus alba oder auch Quercus ilex.

Auch hier gilt: Das Fass darf maximal 600 Liter fassen.

 

Interessant ist zudem, dass sowohl Gold als auch Reposado, Añejo und Extra Añejo Tequilas „abgemildert“ werden dürfen, d.h. der Hersteller darf ihnen eines oder mehrere der folgenden Stoffe zugeben:

  • Zuckercouleur als Farbstoff
  • Eichenholzextrakt
  • Glycerin
  • Zuckersirup

 

Wie reift Tequila?

 

Die Reifung von Tequila bzw. die Regelungen, die dafür gelten, sind teilweise anders als du es von anderen Spirituosen-Kategorien kennst.

Nimm zum Beispiel Reposado-Tequila.

Dieser darf in Fässern lagern, deren Fassungsvermögen bei 20.000 Litern (!) liegt.

Tequila-Destillerien bedienen sich meist bei Hölzern aus den USA, Kanada oder Frankreich und bestellen üblicherweise den Standard: Quercus alba.

Manche Hersteller brennen die Innenseite der Fässer aus, um so harzige Verbindungen im Holz abzubauen, Makromoleküle zu zerkleinern und die Oberfläche des Holzes zu vergrößern. Anders als bei der Produktion von Bourbon-Whiskey ist dies allerdings bei Tequila nicht vorgeschrieben.

Vor allem Reposados kommen in Fässer aus neuen, ausgebrannten Hölzern. 

Añejos reifen hingegen meist in Fässern, in denen zuvor Reposado seine Lagerzeit verbrachte. Auch wenn bei Añejos die Reifung in allen Fass-Typen möglich wäre. Selbst wenn zuvor andere Spirituosen-Arten darin reiften.

Entscheidend ist jedoch, dass diese Behälter für die Añejo-Reifung nicht größer als 600 Liter sind.

Meist belassen es dir Hersteller bei Fässern von 200 Liter und befinden sich damit im Bereich von ASBs, American Standard Barrels. Der Standard zur Reifung von Bourbon-Whiskey in den USA.

Vor allem Jack Daniel’s ist hier einer der großen Lieferanten von Whiskey-Fässern gen Mexiko.

Hat der Añejo Tequila seine Pflichtzeit von 1 Jahr im Eichenfass verbracht, kann es sein, dass die Destillerie nicht unmittelbar abfüllt. Manche gehen den Umweg über Edelstahltanks.

In diese füllen sie den Tequila für eine gewisse Zeit.

Dieser Vorgang ermöglicht dann weiterhin die interaktive Reifung innerhalb der Flüssigkeit und verhindert auf der anderen Seite, dass Teile des Tequilas durch Fassporen verdunsten.

 

Aus welcher Pflanze wird Tequila gemacht?

 

 

Tequila basiert auf der Blauen Weber Agave, deren Fachbezeichnung Agave tequilana ist.

Ihren wissenschaftlichen Namen trägt sie daher, da sie – sehen wir einmal von den Zucker-Varianten ab – der einzige Rohstoff für Tequila ist.

Dies passiert mittlerweile in derart großen Mengen, dass die A. tequilana fast ausschließlich noch für die Produkt jener Spirituose angebaut wird. 

Sie ist die meistgetrunkene Agaven-Sorte und auch die, die dem europäischen Gaumen am besten bekannt ist.

 

Wie wird Tequila getrunken?

 

Vergiss die Rituale mit Zitrusfrüchten und Pulver.

Außer dein Ziel ist es, in wenigen Minuten nicht mehr aufrecht stehen zu können. Dann hat diese Variante ihre Berechtigung.

Nicht aber, wenn es um den Genuss von Tequila geht.

Hierfür benötigst du ein Nosing Glas, das sowohl einen Stiel als auch eine Öffnung besitzt, die schmaler ist als der Glas-Unterteil.

Hierdurch können die Aromen aus der Spirituose nach oben steigen und werden durch die schmale Öffnung für deine Nase konzentriert.

Um möglichst viele Aromen aus einem Glas Tequila zu holen, ist aber nicht nur das richtige Glas entscheidend.

Wichtig ist auch, dass du die Flüssigkeit bei der passenden Temperatur genießt.

Zwar ist dies abhängig von Marke und Aromenprofil, als Faustregel kannst du dir jedoch Folgendes merken:

Gehe mit dem Alter des Tequilas von 18 °C bis 22 °C. Je älter, desto wärmer. 

 

Gehe mit dem Alter des Tequilas von 18 °C bis 22 °C. Je älter, desto wärmer. 

 

Du solltest allerdings wissen, dass eine zu niedrige Temperatur nicht nur die alkoholische Schärfe reduziert, sondern auch zahlreiche Aromen killt.

Auf der anderen Seite führt ein zu hohe Temperatur zu mehr alkoholischer Schärfe, öligerer Textur, aber auch einem flacheren und langweiligeren Bouquet. 

Beachte dies und du holst das Maximum aus einem Glas Tequila heraus.

 

Woher kommt Tequila?

 

Die Regionen, in denen Tequila produziert werden darf, sind ebenso strikt geregelt, wie dies bei Champagner, Bourbon oder Armagnac der Fall ist.

Die „Appellation of Origin Tequila“, jene Gebiete Mexikos, in denen Tequila produziert werden darf, sind gesetzlich festgelegt. 1978 wurden diese international anerkannt.

 

 

 

 

Was ist der Unterschied zwischen Tequila und Mezcal?

 

 

Mezcal ist sowohl Oberkategorie vieler Agavenbrände als auch Kollege von Tequila.

Je nach dem aus welcher Sicht du es betrachtest.

Nimm zum Beispiel einen Brand, der auf der Espadin-Agave basiert.

Er besteht wie auch Tequila aus Agave. Da er aber weder die für Tequila vorgeschriebene Agaven-Art besitzt, noch in den entsprechenden Regionen hergestellt wurde, darf er er nicht als „Tequila“ vermarktet werden.

Mezcal kann sich einer weitaus größeren Zahl an Agaven-Arten bedienen. Zudem ist es seit einigen Jahren ebenfalls ein geographisch geschützter Begriff, dessen Herstellung auf bestimmte Regionen begrenzt ist.

Möchtest du noch mehr über Mezcal erfahren, haben wir unter anderem diese 2 Artikel für dich veröffentlicht:

 

Welche Inhaltsstoffe sind in Tequila?

 

Jene Aromen, die du in einem Glas Tequila riechen kannst, sind meist auch wissenschaftlich nachweisbar.

Zwar sind hier die Publikationen nicht ganz so üppig, wie wir es aus der Scotch- oder Cognac-Ecken kennen. Dennoch geben sie interessante Einblicke, in jene chemischen Verbindungen, die das Bouquet eines Tequilas prägen.

Im Folgenden möchte ich dir daher die wichtigsten chemischen Verbindungen in den 3 Tequila-Kategorien Blanco, Reposado und Añejo vorstellen.

 

tequila chemie