rum

 

Weniges ist bei einem Rum-Tasting schlimmer, als wenn dir deine Gäste aus Langeweile weggleiten.

Daher ist es wichtig, dass du sowohl mit einem Knall beginnst, als auch während deiner Veranstaltung Zwischenmotivationen einbaust.

Hervorragend eignen sich hierfür kurze, prägnante Infos über Rum, die dein Publikum noch nirgends sonst hörte.

Entlockst du ihnen ein stummes „Wow“, dann weißt du, dass sie auch die nächsten Minuten dem lauschen, was du ihnen präsentierst.

Die funktioniert nur leider nicht, wenn deine Gäste Dinge erfahren, die sie bereits vor deinem Rum-Tasting wussten.

So entlockst du niemandem nur auch ein Fünkchen Motivation.

Manche Referenten scheinen dabei einen Hauch Magie zu haben, mit dem sie ihr Publikum über Stunden hinweg fesseln können.

Die Inhalte, die sie präsentieren, lassen ihre Gäste an deren Lippen hängen.

Also wie machen sie das?

Neben einer herausragenden Präsentation, einer einnehmenden Persönlichkeit liegt dies auch an spannenden Fakten, die sie ihrem Publikum präsentieren.

Bei einem Rum-Tasting sollen die Gäste – wenn es gut läuft – nicht nur spannende Tropfen probieren dürfen, sondern auch mit mehr Wissen nach Hause gehen als sie angekommen sind.

Ein mächtiges Werkzeug hierfür sind kurze Informationsstücke, die aus der Masse herausstechen. Das heißt, Fakten, die sich dem Gast in den Kopf brennen und bei seinem nächsten Glas Rum wieder aufploppen.

Heute wirst du 10 dieser Fakten lernen.

 

Rum-Tasting Fact #1: Ohne Portugal gäbe es wahrscheinlich keinen Rum

 

Es klingt irgendwie komisch, dass gerade die Nation, die in der Rum-Szene kaum auftaucht, den Grundstein für eben diese legte.

Wirfst du einmal einen Blick in das 11. und 12. Jahrhundert, weißt du auch warum.

Damals führten arabische Händler Zucker in den Mittelmeerraum ein. Angetan von dessen wirtschaftlichem Potential stiegen Spanien, Portugal und Sizilien kurz darauf in den Handel ein.

Mehr noch. Sie wollten nicht bloß Zwischenhändler sein, sondern an der Quelle sitzen. Das dicke Geld machen.

Sie suchten also nach Alternativen.

Und Portugal fand sie auf Madeira, Cap Verde und den Kanarischen Inseln im 15. Jahrhundert. Denn in jener Region war es möglich, Zuckerrohr anzubauen und dadurch Europa mit jenem Süßstoff zu versorgen.

Das arabische Zuckermonopol war damit gebrochen.

Wie auch in Persien und im arabischen Raum ließen die Portugiesen Sklaven auf ihren Plantagen Zuckerrohr ansetzen und ernten.

Madeira wurde dadurch zu einem der ersten Sklaven-Zentren, die Europa mit exotischen Gütern wie Zucker versorgten.

Allein auf jener Atlantik-Insel schufteten Sklaven in 80 Mühlen und 200 Plantagen. Hierdurch wuchs Portugal im 15. Jahrhundert zur Zucker-Macht in Europa.

Ein derartiger Erfolg zog unweigerlich Neider an.

Spanien, Holland und England mussten etwas vom Kuchen abhaben.

Und sie bekamen es.

Christopher Columbus führte Zuckerrohr auf den westindischen Inseln wie Kuba oder Hispaniola ein. Auch in Mexiko begann die Ernte.

Spanien eroberte daher als erste Kolonialmacht auf dem Rücken von Sklaven den Zuckerrohr-Markt jenseits des Atlantiks.

 

Rum-Tasting Fact #2: Nur Rhum agricole liefert dir „Terroir“ 

 

Du stellst dir jetzt vielleicht die Frage: „Terroir“ bei Rum? Ist das nicht so ein Wein-Ding?“

An sich ja, aber eben nicht nur dort.

Dies wird deutlich, wenn du dir einmal ansiehst, was der Begriff „Terroir“ bedeutet. So bezeichnet dies den Einfluss den geologische und klimatische Gegebenheiten auf eine Pflanze haben. Solche Gegebenheiten, die du dann im Produkt erkennst.

Da spielt es keine Rolle, ob du Trauben für Wein oder Zuckerrohr für Rum verwendest.

Das einzige Kriterium ist jedoch, dass es sich um eben diesen Rohstoff handeln muss. Und nur um diesen.

Vermählst du diesen mit anderen, zum Beispiel Weinrebe von Ort A mit Rebe von Ort B, brauchst du gar nicht erst nach Terroir suchen.

Bei Rum ist es ähnlich. Wenn eine Destillerie ihre Melasse von verschiedenen Inseln importiert, vermischt und dann vergärt, lohnt es sich nicht nach klimatischen Besonderheiten des Zuckerrohrs zu suchen.

Du wirst sie nicht finden.

Es funktioniert also nur dann, wenn der Rohstoff aus nur einem Gebiet kommt und am besten kaum verändert wurde.

Und dies ist der Fall bei frischem Zuckerrohrsaft wie ihn die Rum-Produzenten in französischen Übersee-Départements wie Martinique, Guadeloupe oder La Réunion verwenden.

Suchst du nach Terroir im Rum, halte nach deren Rhums agricoles Ausschau.

 

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Rum-Tasting Fact #3: Cachaça war die erste Zuckerrohrspirituose

 

Wir lieben Superlative. Manchmal scheint es schon fast wie eine Sucht.

Hören wir eine Superlative, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies in unserer Gehirn brennt, hoch.

Was dabei für dein Rum-Tasting gut funktioniert, ist den oder die Erste in einer Sache zu erwähnen.

Am besten gleich beim wichtigsten Punkt der Rum-Produktion: dem Zuckerrohr.

So stammt das erste Zuckerrohr-Destillat – zumindest soweit wir heute wissen – aus Brasilien. Im 16. Jahrhundert destillierten dortige Bauern das erste Mal Zuckerrohrschnaps.

Cachaça waren Pinga oder Aguardiente Synonyme für ein und dasselbe Genussmittel: Eine Spirituose, hergestellt aus reinem Zuckerrohrsaft.

Wobei…Genussmittel wäre schon fast zu viel gesagt. Es wurde an Sklaven und Indianer weitergereicht und galt zudem als Zahlungsmittel auf dem Sklavenmarkt.

Erst rund 100 Jahre später, im Jahr 1651, erhielt Rum seinen Startschuss. Zumindest wurde er in jenem Jahr das erste Mal schriftlich erwähnt.

Als „Kill-Devil“.

 

Rum-Tasting Fact #4: „Rum“ war in den Anfangsjahren nur einer von vielen Begriffen

 

Wie selbstverständlich wir doch heute den Begriff „Rum“ verwenden. Selbst für Laien ist dies die Bezeichnung für eine bestimmte Spirituosen-Kategorien geworden.

Selbst wenn dieser jemand nicht weiß, aus was Rum hergestellt wird, stellt er nicht in Frage, dass es irgendeine Art Schnaps ist, die er schonmal getrunken hat.

Als Richard Ligon 1651 erstmals den Begriff „Rum“ schriftlich erwähnte, war dies nicht in solch ehrwürdigem Kontext wie Whisky.

Statt der Bestellung eines Königs, wurde für Rum notiert: „Es treibt Männer zu Boden“. In Ligons Werk „A True and Exact History of Barbados“ ist das Licht, das er auf Rum wirft, nicht besonders rosig.

Daher auch der Name „Kill-Devil“. Der Begriff „Rum“ fällt in diesem Zusammenhang nicht.

Vielmehr schrieb er, dass der Schnaps mit Hühnereingeweiden versetzt wurde, um irgendwelche Gebrächen zu lindern.

Wobei mir gerade kein Gebrächen einfällt, bei dem ich so eine Suppe trinken würde.

Neben seiner Erwähnung in verschiedenen medizinischen Bereichen hieß es zudem, dass „Kill-Devil“ Kater der übelsten Sorte verursacht.

Wobei du an dieser Stelle wissen solltest, dass dies damals nicht nur die Menge ausmachte, sondern auch die miserable Qualität jener Spirituosen.

Neben seiner Darstellung als Teufelszeug war Ligon von jenem Zuckerrohrschnaps auch angetan. Zumindest, wenn du es an der frischen Luft mit etwas Tabak genießt.

Auch wenn Ligon lediglich den Begriff „Kill-Devil“ verwendete, war „Rombustion“ der offizielle Begriff für jenen Zuckerrohrschnaps.

„Rombustion“ erschien erstmals im Jahr 1652 in einer holländischen Zeitung; „Rumbullion“ verwendetest du hingegen, wenn du 1660 in Bermuda jenes Höllenzeug in einer Bar bestellen wolltest.

 

Rum-Tasting Fact #5: Ohne die USA wäre Rum heute nicht so ein großes Ding

 

Vergessen wir einmal den heutigen Markt. Machen wir eine Zeitreise ins Jahr 1758.

Zu jener Zeit strebte George Washington nach einem Amt im Virginia House of Burgesses, dem ersten Abgeordnetenhaus in Nordamerika.

Neben Wahlversprechen lieferte Washington seinen potentiellen Wählern aber auch reale Ware. Und zwar Rum.

28 Gallonen Rum und 50 Gallonen Rum Punch sollten helfen das Kreuz bei George Washington zu machen.

Es zeigt, wie hoch die Lust nach Rum im Nordamerika des 18. Jahrhunderts war. Im Jahr 1765 allein produzierten Rum-Brenner entlang der Ostküste 4,8 Millionen Gallonen Rum – umgerechnet knapp 18 Millionen Liter -.

In Metropolen wie Boston lief Rum damit anderen Spirituosen wie Whiskey den Rang ab. Und zwar deutlich.

Neben dem Konsum in den Städten und am Land hatte Rum neben Whiskey oder Brandy noch einen weiteren Marketing-Bonus: Seefahrer.

Von 1731 an erhielten Seefahrer der British Royal Navy eine Tagesration Jamaica-Rum. Diese Tradition hielt bis 1970, allerdings wurde diese sukzessive verringert.

Die Folge war, dass egal wo jene Seefahrer an Land gingen, egal, ob US-Nordstaaten, Jamaica oder Saint Thomas, stieg der Rum-Konsum für Kurze Zeit immens.

Diesen Wirtschaftsfaktor förderten lokale Regierungen zusätzlich, in dem sie Produktion und Verkauf von Rum an Seefahrer steuerlich begünstigten.

 

Rum-Tasting Fact #6: Grog – der bekannteste Rum-Cocktail

 

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Ich kenne niemanden, der den Begriff „Grog“ nicht zumindest schon einmal gehört hat. Meist wissen jene Personen auch, dass jenes Getränk irgendwie in Zusammenhang mit Rum steht.

Wusstest du woher „Grog“ seinen Namen hat?

In den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts gab Admiral Edward Vernon seinen Matrosen eine Mischung aus Wasser und Rum.

Diese bezeichneten das Getränk als „Grog“, da Vernon meist einen Mantel aus Grogram trug.

Grog wurde so zum Inbegriff für eine Mixtur aus irgendeiner Spirituose mit Wasser, egal ob heiß oder kalt.

Erst später kamen Fruchtsäfte als Zusätze hinzu.
 

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Rum-Tasting Fact #7: Die Zuckerrübe krempelte die gesamte Rum-Industrie um

 

Der deutsche Chemiker Andreas Markgraf war einer jener Personen, die den Rum-Handel revolutionierten.

Unwissentlich.

1747 entdeckte er eine Möglichkeit den Zucker Saccharose – der heute übliche Haushaltszucker – aus Zuckerrüben zu gewinnen.

Die Franzosen ließen nicht lange auf sich warten und nutzten diese Erkenntnis, um dem britischen Zuckerhandel aus Übersee ordentlich an den Karren zu fahren.

Während nahezu alle Großmächte plötzlich begann Zuckerrüben anzubauen, um die Nachfrage nach Zucker zu decken, entdeckten auch US-amerikanische Farmer, dass jene Rübe anspruchsloser als Zuckerrohr ist und zudem leichter zu kultivieren ist.

Der Zuckerhandel aus Übersee brach katastrophal ein.

Britische Kolonien wie Jamaica sahen ihren wirtschaftlichen Kollaps mit Hochgeschwindigkeit auf sie zukommen.

Denn wenn selbst das Mutterland mit all seinen Tee-Trinkern plötzlich Zucker aus Kontinentaleuropa statt aus der Karibik importiert, brennt der Boden unter den Füßen.

Innerhalb eines Jahrzehnts sank für einen normalen Haushalt der Preis von Zucker um 50 Prozent.

Die Zuckerrohr-Raffinieren der Karibik und mit ihnen die Rum-Destillerien hatten nur einen starken Konkurrenten. 

Vielleicht fragst du dich jetzt, warum auch die Rum-Destillieren?

Das Gros der Rums basiert auf Melasse, einem Rohstoff, der übrig bleibt, wenn die Raffiniere Zucker aus dem Zuckerrohr holt.

Wenn jene Raffiniere aber keinen Zucker mehr aus Zuckerrohr herstellt, weil niemand mehr da ist, der ihn abkauft, dann entsteht folglich auch keine Melasse.

Französische Rum-Destillerien der Inseln Martinique und Guadeloupe machten aus der Not eine Tugend. Sie begannen ihren Rum nun nicht mehr auf Basis von Melasse herzustellen, sondern nahmen gleich den frischgepressten Zuckerrohrsaft.

Dadurch übersprangen sie den Bedarf einer Zuckerr-Raffinerie und schufen zugleich eine völlig neue Kategorie von Rum „Rhum agricole“.

 

Rum-Tasting Fact #8: Es gibt auch Rum aus Sirup…schau nach Guatemala

 

Schaust du dir den internationalen Rum-Markt an, so gibt es nicht viele Regeln, denen Destillerien unterworfen sind.

Aber einer schon: Rum muss immer auf Zuckerrohr basieren.

In welcher Form dies basiert, ist allerdings den Destillerien überlassen.

So weißt du bereits, dass manche Rum-Brenner Melasse verwenden, andere wiederum frischen Zuckerrohrsaft.

Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit: Zuckerrohrhonig bzw. -sirup.

Vor allem die Rum-Hersteller Guatemalas haben dies zu ihrem Markenzeichen gemacht. Rum aus jenem Land basiert auf frischen Zuckerrohrsaft, der vor der Fermentation gekocht wird.

Dadurch entsteht ein zähflüssiger Sirup, mit ungefähr 70 Prozent Zucker.

 

Rum-Tasting Fact #9: Das Wasser zur Rum-Herstellung wird häufig viel zu romantisch dargestellt

 

Achte einmal auf die Produktbeschreibungen einiger Hersteller. Häufig – vor allem dann wenn sie über das Produkt selbst nicht viel erzählen dürfen – schwärmen sie über ihre Wasserquelle.

Ich glaube, in diesem Punkt nehmen sich Rum- und Scotch-Hersteller nicht viel.

Wasser und dessen Quelle wird in diesem Zusammenhang romantisiert und soll das Destillat fest mit seiner Herkunftsregion verknüpfen.

Dabei ist dies meist ziemlicher Quatsch.

Aus technischer Sicht ist es für einen Rum-Hersteller wichtig, Zugang zu einer reinen und nicht-mineralischen Wasserquelle zu besitzen. Zu viele Mineralien im Wasser können dem Geschmack des Rums enorm schaden.

Aus diesem Grund verließen sich Destillerien in der Vergangenheit meist auf destilliertes Wasser und gehen heute häufig zu Wasser aus osmotischer Filtration über.

Dabei sollte dieses Wasser nicht zu schnell in die Spirituose gegossen werden, sondern peu à peu. Dadurch verhindert man einen „Schock“, der den Rum irreparabel schädigt.
 

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Rum-Tasting Fact #10: Der „Barrel-Entry-Proof“ ist entscheidend für das Aroma eines Rums

 

Unter „Barrel-Entry-Proof“ versteht man den Alkoholgehalt, mit dem die Destillerie ihren Rum ins Fass gibt.

Dieser kann so hoch sein, wie zu jenem Zeitpunkt als er aus er Brennblase floss, oder auch niedriger. Je nach dem, ob die Brennerei ihren Rum zuvor noch mit Wasser verdünnte oder nicht.

Aber egal für was sie machte, diese Entscheidung hat Einfluss auf Bouquet und Geschmack eines Rums.

Je nach Alkoholgehalt variiert das Zusammenspiel zwischen Flüssigkeit und Fass. Zwischen Alkohol, Wasser und Lignin, Cellulose und Hemicellulose.

So zeigten Experimente in den 1970ern, dass Whisky, der mit 77,5 %Vol. ins Fass kam, nach 12 Jahren an Bouquet und Geschmack verlor. Beim Gegenexperiment mit einem Whisky von 54,5 %Vol. Barrel-Entry-Proof war dies jedoch nicht der Fall.

Der Grund hierfür war, dass das zusätzlich Wasser die Spirituose besser ins Holz eindringen und Bestandteile wie Farb- und Aromastoffe herausziehen lässt.

Bei Rum ist dies ähnlich.

 

Diese 10 Fakten sollen die helfen, bei deinem nächsten Rum-Tasting noch tiefer in Details gehen zu können. Sie sollen dir helfen, die Begeisterung für diese Spirituose auf jeden einzelnen Gast überspringen zu lassen.