Laphroaig 27 Jahre

 

Der Laphroaig 27 Jahre gehört nicht zum Standardangebot dieser Brennerei. Klar, einen Single Malt ins Kernportfolio zu nehmen, der mehr als ein Vierteljahrhundert alt ist, würde zwangsläufig zu Engpässen führen.

Auch dieser Malt bildet da keine Ausnahme. Bei einem Age-Statement mit diesem Alter ist es absehbar, dass dieser Single Malt aus den Händlerregalen verschwindet.

Noch dazu, wenn es sich um einen Cask Strength-Jahrgangsmalt handelt, der sein maximales Alter erreicht hat.

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt, wieso „maximales Alter“?

Hierfür kann es 2 Gründe geben. Entweder die additive Reifung zwingt den Master Blender den Malt aufgrund von drohender Adstringenz und „Überreifung“ aus dem Fass zu nehmen.

Oder aber der Malt reifte derart lange, dass der Angels’ share – die jährliche Verdunstungsrate aus dem Fass – dafür sorgt, dass der Whisky sein gesetzliches Minimum von 40 %Vol. zu unterschreiten droht.

Mit 41,7 %Vol. ist beim Laphroaig 27 Jahre letzteres der Fall. 

Laphroaig destillierte die New Makes für diesen Whisky zwischen Oktober 1988 und November 1989. Anschließend füllten sie diese in Ex-Bourbon-Hogsheads. Gegen Ende der Reifungszeit kamen „neue“ First-Fill-Ex-Bourbonfässer zum Einsatz sowie kleinere Quarter Casks.

 

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DEGUSTATION DES LAPHROAIG 27 JAHRE

 

Die Farbe mag irgendwie nicht zu dem passen, was das Label des Laphroaig 27 Jahre suggeriert. Mehr als ein Vierteljahrhundert verbrachte dieser Malt im Fass und kommt dann doch derart hell ins Glas.

Ich finde es immer wieder schön zu sehen, wenn ein Single Malt das alte Credo „Je länger im Fass, desto dunkler die Farbe“ über den Haufen wirft.

Denn für eine intensive Farbe sorgt zwar die Reifung im Fass, die Dauer ist dabei allerdings nur einer von mehreren Faktoren.

Der Laphroaig 27 Jahre mit seiner Bernstein-Farbe liefert dir den Beweis.

Und er liefert dir gleich noch einen weiteren hinterher.

Nämlich dafür, dass die Farbe nur selten Rückschlüsse auf Bouquet und Geschmack zulässt.

Denn so blass er im Auge wirkt, so wuchtig wirkt er in der Nase.

Schwenke das Glas, kleide es mit dem Whisky aus. Die Flüssigkeit soll den Glasrand berühren.

Hältst du nun deine Nase darüber, kommt dir das Bouquet des Laphroaig 27 Jahre mit einer ordentlichen Breitseite entgegen.

Seine Rauch-Note dominiert dieses nicht nur, sie überlagert alle anderen Aromen. Bist du also eher der Whisky-Fan, der rauchigen Tropfen nicht viel abgewinnen kann, dann solltest du die Flasche besser geschlossen halten.

Hast du allerdings Lust, dir 4 cl brennende Holzscheite, eine Teerstraße und ordentlich Jod-Tinktur ins Glas zu schütten, dann ist der Laphroaig 27 Jahre dein bester Freund. Denn diese Noten prägen das Rauch-Aroma dieses Malts.

Diese Aromen findest du definitiv, jeder Laie wäre dazu im Stande. Denn der Laphroaig 27 Jahre drückt sie so deutlich aus dem Glas, wie nur irgend möglich.

Weitaus schwieriger hingegen wird es, an die zweite Schicht Aromen zu kommen. Jene, die sich hinter der Rauchwolke verstecken.

Hierfür musst du einiges an Technik auspacken.

Halte deine Nase 2 bis 3 Zentimeter über das Glas und öffne leicht deinen Mund. Atme nun gleichzeitig durch Mund und Nase ein. Durch die Frischluft im Mund verdünnst du das Bouquet des Laphroaig 27 Jahre und sezierst dabei dessen Aromen.

Du erkennst Paprika-Gewürz und Leder, Enzian, Pfeffer und Meeresluft.

Es macht Spaß seine Nase in dieses Glas zu halten, denn jedes Mal, wenn sich der Rauch etwas lichtet, kommt eine neue Nuance durch.

Ähnlich verhält er sich auch im Mund.

Ohne Frage dominiert hier das Rauch-Aroma. Was wäre es auch für ein Laphroaig, wenn er es nicht täte?

Der Clou liegt allerdings darin, was außen herum passiert.

Der Malt legt sich zunächst weich, trocken und mit leichtem Körper auf deine Zunge. Auch hier bricht er mit den Vorurteilen über hohes Reifungsalter. Er wirkt nicht schwer, er wirkt nicht ölig.

Er legt sich so auf die Zunge, wie man es von Malts erwarten würde, die mehr als eine Dekade jünger sind als er.

27 Jahre? Das ist eine Hausnummer.

Spielt du ihn mit deiner Zunge etwas hin und her, zeigt er zusätzlich Noten von Vanille, Enzian sowie Äpfel und Birnen.

Allerdings fehlt es ihm hier meiner Ansicht nach etwas an Komplexität. Zum perfekten Tropfen bräuchte er hier noch ein paar Aromen mehr.

Im Nachklang holt der Laphroaig 27 Jahre aber nochmal aus. Der Rauch tritt hier in den Hintergrund und präsentiert, Walnüsse, Pomelo und trockenes Holz.

Und das alles bei einem samt-weichen Charakter.

 

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Laphroaig 27 Jahre - 41,7 %Vol. - 496 €/0,7l

9

Bouquet

9.2/10

Geschmack

8.6/10

Mundgefühl

9.2/10

Nachklang

9.0/10

Positiv

  • Seltene Aromen wie Enzian
  • Rauch-Aroma harmoniert mit restlichem Bouquet
  • Spannender und langanhaltender Nachklang
  • Trotz hohem Alter keine Anzeichen von Überreifung

Negativ

  • Preis
  • Benötigt ein paar mehr Aromen im Mund