Boar Gin

 

Einen Gin, wie den Boar Premium Dry, im Schwarzwald zu produzieren, ist Fluch und Segen zugleich. Man steht unwillkürlich in Konkurrenz zu Deutschlands bekanntestem Wacholdertropfen, dem Monkey 47. Einem Vergleich kommt man dann nicht aus.

Die Jungs von Boar Gin müssen dies meiner Ansicht nach aber nicht fürchten, denn in Sachen Qualität steht dieser Tropfen seinem berühmten Kontrahenten in nichts nach.

Bei dem einen ist es der Affe, beim Boar Gin der Schwarzwaldkeiler. Beide stammen aus dem äußersten Westen Deutschlands, beide verleihen sich selbst ein elitäres Premium-Image.

Und beide besitzen eine überragende Qualität.

Allerdings erreichen sie dies auf unterschiedliche Weise, zumindest wenn du deren Botanicals betrachtest. Der Boar Gin setzt unter anderem auf eine Melange aus Lavendel, Thymian, Zitrone, Süßholz, Piment, Rosmarin, Rosenblüten, Paradieskörner, Goldmelisse, Gewürznelken und Schwarzwaldtrüffel.

Aus diesen Drogen stellt die Schwarzwald Boar Distillery einen Wacholder-Tropfen mit 43 %Vol. her.

 

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DEGUSTATION DES BOAR PREMIUM DRY GIN

 

In dem Moment, in dem du den Boar Gin ins Glas gießt, solltest du ihn beobachten. Wirfst du einen genauen Blick auf ihn, siehst du, dass er etwas zähflüssiger fließt als viele andere Gins.

Du erkennst es nicht beim flüchtigen, sondern nur beim genauen Hingucken.

Hast du diese Gelegenheit beim Eingießen verpasst, dann bekommst du nochmal eine, wenn der Boar Gin bereits im Glas ist.

Schwenke ihn 2 bis 3-mal. Dadurch bildet er lang und schwerfällige Tropfen an der Glasinnenseite, die zum Boden zurückfließen.

Ich kann dir allerdings nur empfehlen, dich mit den optischen Eindrücken dieses Gins nicht all zu lange zu beschäftigen. Denn was er dir gleich danach im Bouquet zu bieten hat, ist eine echte Hausnummer.

Das Ding drückt mit einer Intensität aus dem Glas, die du so nicht bei vielen Gins findest. Die deutlichsten Aromen liefert dabei der Wacholder. Du wirst keine Probleme haben, dessen harzig-trockene Noten zu erkennen.

Sind es immerhin die Aromen, die das Profil des Boar Gins am markantesten prägen. Interessant finde ich dabei, dass es der Brennerei gelingt, die Aromen des Wacholders mit anderen Zutaten auszuweiten.

Du erkennst eindeutig, dass es sich bei dem Leitaroma um Wacholder handelt, in diesem Fall aber mit mehr Komplexität als jene Zapfen von selbst in der Lage wären.

In deiner Nase zeigt sich dies dadurch, dass das Bouquet des Boar Gins Noten von Koniferen und feuchter Erde besitzt. Riechst du an diesem Tropfen, hast du das Gefühl, du stehst nach starkem Regenfall in einem Nadelwald.

Gibst du diesem Gin aber noch etwas mehr Zeit, schwenkst dabei das Glas langsam von links nach rechts unter deiner Nase, werden dir noch weitere Aromen entgegen strömen.

In zweiter und dritter Schicht kommen dann Zitronenschalen, Lavendel, Rosenblüten und ein Hauch Nelke hervor.

Diese erkennst du nicht auf Anhieb, der Boar Gin gibt sie erst frei, wenn du danach suchst.

Zwar habe ich keine Informationen darüber, aufgrund der Viskosität und des Bouquets vermute ich allerdings, dass der Boar Gin nicht gefiltert wurde, das heißt, dass ihm die schweren, langkettigen Moleküle erhalten blieben.

Nimmst du dann 2 bis 3 Schlücke, legt er sich süßlich und mit mittelschwerem Körper auf deine Zunge.

Dies finde ich insofern interessant, da das Bouquet keine Andeutung von dieser Süße machte. Im Gegenteil, es war staubtrocken.

Und dann das…eine weiche und samtige Textur, die etwas an Milch erinnert.

Was den Boar Gin an dieser Stelle für mich zu einem Highlight macht, ist die Tatsache, dass er in Sachen Intensität und Komplexität im Mund nichts einbüßt.

War er bereits im Bouquet eine Wucht, ist er dies auch im Mund. Neben Wacholder sind es hier vor allem Piment, Zitrone und Süßholz, die aromatisch den Ton angeben.

Lediglich im Nachklang schwächelt der Boar Gin etwas im Vergleich zu den ersten beiden Verkostungsschritten. Zwar erkennst du auch hier wieder den Wacholder, sonst aber nichts. Und auch dieser bleibt nur kurz am Gaumen.

Aber wenn ich ehrlich bin: das fällt nach der Wucht in Nase und Mund gar nicht mehr ins Gewicht. Du wirst bei den ersten beiden Schritten derart schwärmen, dass du über den kleinen Makel am Schluss hinwegsiehst.

 

 

Boar Dry Gin - 43%Vol. - 35,90 €/0,5l

9.2

Bouquet

9.6/10

Geschmack

9.3/10

Mundgefühl

9.2/10

Nachklang

8.7/10

Positiv

  • Intensives Bouquet
  • Wacholder perfekt mit anderen Aromen ergänzt
  • Hohe Komplexität sowohl in Nase als auch Mund

Negativ

  • Nachklang im Vergleich zu Nase und Mund recht kurz