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Seit Jahren schreien Rum-Fans nach mehr Transparenz auf den Labels ihrer Lieblingstropfen. Plantation und deren Dachkonzern Cognac Ferrand scheinen diese Rufe gehört zu haben. So erhältst du mit dem Plantation Jamaica 2002 nicht nur ein Killer-Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern auch jede Menge Hintergrundinformationen.

Ich weiß nicht mehr, wann ich meinen ersten Plantation Rum trank. Es ist schon zu viele Jahre her. Ich weiß aber noch, dass es ein Rum dieser Marke war, der mir zeigte, dass diese Szene hinter Havana Club und Bacardi nicht aufhört.

Im Gegenteil. Sie fängt dahinter erst an.

Vor allem dann, wenn du dich mit den Herstellungsdetails von Rum beschäftigst, entdeckst du plötzlich Aromen, die dir vorher verborgen blieben.

Jene Details liefert die Plantation mittlerweile auch auf den Labels ihrer Produkte. So zum Beispiel beim Jamaica 2002.

Wirfst du einen Blick auf dessen Rückenlabel, findest du dort nicht nur Infos zur Fassreifung, sondern auch zur Fermentation.

So basiert dieser Rum auf einer Maische-Mixtur der Plummer- als auch Wedderburn-Stufe. Level 2 und 3 der insgesamt 4-stufigen Fermentationsleiter. Jede dieser Stufen gibt einen gewissen Ester-Gehalt an, wobei 1 die niedrigste und 4 die höchste ist.

Nach der Pot Still-Destillation reifte dieser Tropfen 10 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern auf Jamaica und weitere 3 in Cognac Pierre Ferrand-Fässern auf dem Château de Bonbonnet in Frankreich.

Herausgekommen ist ein Rum, der das Zeug zum Dauerbrenner in deinem Regal hat.

 

Degustation des Plantation Jamaica 2002 Rum

 

Bernstein. Hältst du den Plantation Jamaica 2002 Rum vor weißen Hintergrund, besitzt er die Farbe jener kleinen Steinchen, die du gelegentlich auch am Strand finden kannst.

Schwenkst du ihn 2 bis 3 Mal, so bildet er eine Hand voll öliger Tropfen. Und wie viele. Es sind derart viele, dass es fast wie eine kleine Armada wirkt, die da zum Glasboden zurückfließt.

Während du dieses Schauspiel beobachtest, dürfte dir der Plantation Jamaica 2002 schon einen ersten Hauch dessen rübergeschickt haben, was gleich auf dich wartet: ein intensives Bouquet.

Du braucht ihn nicht atmen lassen, denn in dem Moment, in dem du deine Nase über das Glas hältst, zieht diese das Bouquet dieses Rums förmlich an.

Es beginnt mit einer Breitseite an Ester-Aromen wie Pfirsich, Ananas und Birne. Er zeigt also mit aller Kraft, dass er von einer Insel kommt, die bekannt ist für ihre ester-lastigen Rums. Du musst daher kein Rum-Experte sein, um die Fruchtaromen zu entdecken.

Der Plantation Jamaica 2002 macht dir dies denkbar leicht.

Nach diesem ersten Schub an Aromen, solltest du ihn allerdings ein paar Minuten stehen lassen. Hierdurch bekommt das Bouquet Zeit sich im Glas auszubreiten.

Anschließend kannst du dich auf Aromensuche machen. Schwenke hierzu den Rum von einem zum anderen Nasenloch und halte dabei leicht deinen Mund geöffnet. Dadurch entdeckst du salziges Karamell, Vanille und einen Hauch Schlagsahne.

Alles eingebettet in eine Hülle an Früchten.

Diese Melange an Ester-Aromen aus der Rum-Fermentation und der Fassreifung des Plantation Jamaica 2002 geben diesem ein intensives, sattes Bouquet. Sobald du deine Nase über das Glas hältst und das erste Mal einatmest, wirst du verstehen, was ich meine.

Nimmst du anschließend den ersten Schluck, merkst du unmittelbar, dass Plantation seine Rums nachzuckert. Eine solche Süße stammt unmöglich allein aus dem Holzfass.

Plantation macht hieraus auch keinen Hehl und kommuniziert offen, dass es seine Rums zu einem gewissen Prozentsatz durch Zuckerzugabe „ansprechender“ macht. Eine Transparenz, die du in der Rum-Welt nicht all zu häufig finden wirst.

Zwar finde ich die Süße des Plantation Jamaica 2002 hart an der Grenze, aber noch durchaus akzeptabel. Er bekommt dadurch einen mittelschweren Körper und ein öliges Mundgefühl.

Positiv finde ich daran, dass die Ester-Noten hierdurch einen Schub erfahren und du sie im Mund ebenso deutlich wahrnimmst wie in der Nase.

Diese Eigenschaft macht den Rum vor allem für Einsteiger interessant. Aber selbst wenn du als Rum-Aficionado schon zahlreiche Jamaica-Tropfen im Glas hattest, dürfte dieser etwas für dich sein. Denn in meinen Augen ist der Eindruck in Mund und Nase vor allem dann passend, wenn du nicht in Stimmung auf eine tiefgehende Rum-Analyse bist und dich einfach von direkten Aromen erschlagen lassen möchtest.

Und hey…für einen Preis im Bereich von 30 Euro ist der Plantation Jamaica 2002 ein Killer-Tropfen.

Ich hatte in den vergangenen Monaten viele tolle Rums im Glas. Manch einer davon überragte diesen Plantation in Sachen Intensität und Komplexität, aber an dessen Preis-Leistungs-Verhältnis kommt kaum einer ran.

Neben den Fruchtaromen bekommst du im Mund zusätzlich noch Vanille und ein Hauch Karamell. Letzteres wahrscheinlich eine Assoziation mit der Süße.

Allerdings besitzt der Plantation Jamaica 2002 im Mund nicht die Komplexität, die er dir zuvor in der Nase lieferte.

Stattdessen hebt er sich eine Hand voll Aromen noch für den Nachklang auf. Dessen Frucht-Ester haften sich eine schier endlose Zeit an deinen Gaumen. Selbst wenn die Aromen des Fasses schon weg sind, die Süße verflogen, Ananas, Birne und Kirsche scheinen sich mit kleinen Widerhaken an deinem Gaumen festgesetzt zu haben.

 

 

Plantation Jamaica 2002 - 42 %Vol. - 36 €/0,7l

8.2

Bouquet

8.6/10

Geschmack

8.2/10

Mundgefühl

7.7/10

Nachklang

8.3/10

Positiv

  • Intensive Frucht-Ester im Bouquet
  • Alkohol perfekt eingebaut
  • Intensiver Nachklang

Negativ

  • Süße teils zu dominant