Ich kenne keine Brennerei wie Bruichladdich, die derart mit ihren New Make-Aromen spielt. Klar, wenn der Whisky keine Urzeiten im Fass verbrachte, müssen die Aromen irgendwo anders herkommen.

Ein schwieriger Spagat, wenn du bedenkst, dass das Getreide bei Malt Whisky nicht gerade der beste Aromenlieferant ist. Fermentation und Fasslagerung ja, aber Malz? Nicht besonders.

Bruichladdich macht allerdings aus der Not eine Tugend. Diese Destillerie spielt nicht nur mit Gerste unterschiedlichen Anbaus, sondern liefert dir bereits in der Standardversion einen tollen Brennerei-Charakter.

 

DIE AROMEN VON BRUICHLADDICH

 

Bruichladdich

 

 

Bruichladdich ist eine Whisky-Marke, bei der du – wie bei wenigen anderen – bei vielen Produkten den Brennerei-Charakter erkennst.

Dies liegt zwar zum einen daran, dass einige ihrer Single Malts meist ein geringeres Alters haben als die durchschnittliche Konkurrenz, aber auch daran, dass jene Whisky-Destillerie ihren Hausstil bewusst hervorhebt.

Um zu verstehen, warum dies so besonders ist, lass mich dir kurz zeigen, wie ein durchschnittlicher Single Malt aufgebaut ist:

 

  • 5 Prozent der Aromen stammen aus dem Getreide
  • 20 Prozent liefert die Fermentation
  • 5 Prozent sind auf die Destillation zurückzuführen
  • 70 Prozent der Aromen kommen aus der Holzfasslagerung

 

Diese Werte solltest du zwar nur als grobe Richtwerte sehen, dennoch geben sie dir einen guten Überblick über die Aromen-Verteilung.

Und welcher Schritt führt alle anderen an? Die Reifung in Holzfässern.

Was aber, wenn eine Brennerei wie Bruichladdich ihre Malt Whiskys gar nicht so lange reifen lässt. Was, wenn die Holzfasslagerung deren Single Malts zwar einen Stempel aufdrückt, mehr aber nicht?

Dann verschiebt sich die obige Verteilung mehr in Richtung Getreide und Fermentation.

Und genau darauf legt es Bruichladdich an; genau das ist deren Steckenpferd.

Probiere es einmal aus. Hole dir einen Bruichladdich Single Malt und versuche folgende Aromen zu entdecken: Apfel/Birne, Zitrone und Getreide.

Du wirst erstaunt sein, in wie vielen deren Produkten, du diese Aromen entdeckst. Klar, können Aromen wie Äpfel und Birnen auch Teil des Holzeinflusses sein, bei Bruichladdich sind sie aber auch Teil des New Makes.

Diesen Stil erreicht die Destillerie, indem sie während der Herstellung an verschiedenen Stellschrauben dreht.

Nimm zum Beispiel deren Getreide. Welche Brennerei leistest es sich, von 9 regionalen Bauern Getreide zu beziehen? Das ist nicht nur umständlich, das macht auch einen Schlag in die Bilanz.

Und dabei decken die lokalen Landwirte auf Islay, jener schottischen Insel, auf der Bruichladdich produziert, gerade einmal 30 Prozent des Bedarfs ab. Die Destillerie holt sich also Getreide aus der Region und deckt den Rest mit Gerstenmalz aus dem Angebot der Großmälzerei Bairds Malt Limited.

Diesen Aufwand betreibst du nur, wenn du es gewinnbringend einsetzen kannst. Wenn du das Getreide und dessen Aromen zum Markenzeichen stilisieren kannst.

Dass dies bei Bruichladdich so ist, dafür sorgt nicht nur das Getreide selbst, sondern auch die Fermentation. Bei diesem Prozess wandeln Hefepilze und andere Mikroorganismen Moleküle der Getreidemaische in aromawichtige Verbindungen um.

Bruichladdich setzt hierbei auf Hefe des irischen BioTech-Unternehmens AB Mauri und gibt deren Einzellern 70 bis 105 Stunden Fermentationszeit. Eine ordentliche Menge, wenn du bedenkst, dass manch andere Brennerei bereits nach 48 Stunden den Stecker zieht.

Damit schließlich in deine Nase Noten von Zitrone und Getreide steigen und sich auf deinem Mund ein ölig-weiches Mundgefühl breitmacht, fehlt noch ein weiterer Schritt: die Destillation.

Hierfür lässt Bruichladdich 2 Wash und 2 Spirit Stills laufen. Den Alkoholdampf, der während dieser Destillation entsteht, schicken sie dann durch einen Shell-and-Tube-Condenser.

Und jetzt rate mal warum?

Wenn Bruichladdich die Fasslagerung zurückschraubt, verringert dies nicht nur die additive, sondern auch die subtraktive Reifung. Das heißt, es werden nicht nur weniger Aromen hinzugegeben, sondern auch abgebaut.

Ich kann mir denken, dass du dich jetzt fragst, wie etwas gleichzeitig hinzugegeben und abgegeben werden kann.

Stelle es dir so vor. Das Fass gibt während der additiven Reifung Aromen und Farbstoffe in den Whisky ab, gleichzeitig baut es aber auch ungewünschte Moleküle in der Flüssigkeit ab. Solche, die durch Fermentation und Destillation im Feinbrand landen.

Wenn jetzt dieser letzte Schritt verkürzt wird, könnte es passieren, dass die jungen Whiskys von Bruichladdich Fehlnoten besitzen, die den Whisky unangenehm machen.

Glaube mir, ein Whisky mit Fehlnoten macht zwar zunächst Spaß, weil du dich freust, diese entdeckt zu haben. Auf Dauer ist das aber kein Genussmittel.

Aus diesem Grund muss Bruichladdich vermeiden, zu viele Fehlnoten, wie solche durch Schwefelverbindungen, im Whisky zu haben.

Hierbei hilft ihnen nicht nur das Kupfer der Brennblasen, sondern auch die Shell-and-Tube-Condenser. Durch diese lässt Bruichladdich den Alkoholdampf steigen. Dadurch dass in diesen Kondensatoren kleine Kupferrohre sind, bekommt der Feinbrand viel Kontakt mit eben diesem Metall.

Dadurch vermeidet Bruichladdich Schwefelverbindungen im New Make.

Füllen sie diesen dann in Fässer, passiert dies ohne Verdünnung. So wie der Feinbrand bei Bruichladdich aus den Brennblasen tropft, so kommt er auch ins Fass. Mit 68,5 %Vol.

 

 

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BRUICHLADDICH WHISKY VERKOSTEN

 

  • Glas: Nosing Glas; Stiel-Glas mit bauchigem Unterteil und schmal zulaufender Öffnung.
  • Serviertemperatur:  Viele Vintage-Produkte von Bruichladdich basieren auf den Aromen aus Getreide und Fermentation. Diese Destillate solltest du daher aus 2 Gründen etwas kühler genießen. Zum einen verringert dies die Gefahr, dass die Textur zu ölig wird, zum anderen kommen die Aromen des Bruichladdich New Makes hier besser durch. Mit 18 bis 19 °C habe ich hier die besten Erfahrungen gemacht. Nimmst du hingegen einen „alten“ Tropfen wie einen Bruichladdich Black Art solltest du – um möglichst viele Aromen zu bekommen – auf rund 21 °C hochgehen. 
  • Im Glas 2 – 3 Minuten atmen lassen: ja

 

FOODPAIRING MIT SINGLE MALTS VON BRUICHLADDICH

 

pommes

 

Nimmst du einen Bruichladdich Whisky und möchtest ihn in Kombination mit Speisen servieren, dann hast du eine große Auswahl. Schau dir allein mal die verschiedenen Früchte an, die dir die Single Malts jener Brennerei liefern. Unvorstellbar.

Ein Dessert mit Mandarine oder eines mit Granatapfel: ein Bruichladdich-Vintage ist hierzu ein genialer Tropfen.

Eine in meinen Augen fast noch bessere Kombination ist aber einen jener Malts zusammen mit Chips oder Pommes.

Ich weiß, es klingt fast wie Blasphemie, diese fettigen, salzigen Dinger mit einem Bruichladdich zu paaren. Aber probiere es mal aus: Es ist ein Genuss.

 

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Tomate, Chicorée, Gruyère, Cashew, Kartoffelchips, Pommes frites

Kräuter/Gewürze

Olivenöl, Lavendel, Eukalyptus, Hagebutte

Fleisch/Fisch

Schweinelende, Speck, Krabbe, Ente, Austern

Früchte

Mandarine, Melone, Granatapfel, Apfel, Birne, Erdbeere

 

BESITZ & PRODUKTION BEI BRUICHLADDICH

 

 

Bei Bruichladdich wurden erstmals 1881 die Brennblasen angeheizt. Aber wenn wir mal ehrlich sind, die kommenden 100 Jahre waren ein Flickenteppich aus Eigentümerwechseln und Stilllegungen. Aus Unternehmer- als auch Fan-Sicht ein Graus. Etwas, das diesem Tropfen nicht gerecht wird.

Trinkst du heute einen Bruichladdich, dann stammt dieser aus eine Epoche der Kontinuität. Denn seit seiner Gründung produzierte die Destillerie noch nie so lange ohne Unterbrechung.

Den Beginn dieser Ära kannst du ihm Jahr 2001 finden. Am 29. Mai jenen Jahres begann Bruichladdich sein Portfolio mit der Marke Port Charlotte. Eine Produktlinie mit moderatem Torfgehalt.

Im Juli darauf kam die Bruichladdich-Linie ohne Torfaromen.

Bereits ein Jahr später erschien am 23. Oktober mit Octomore die dritte Serie der Brennerei. Einer der Single Malts mit dem höchsten Torfgehalt der Industrie.

Seit dem Jahr 2012 steht Marke und Destillerie „Bruichladdich“ unter den Fittichen des französischen Getränkekonzern Rémy Cointreau.

Quelle Titelbild: Diversa Spezialitäten/Rémy Cointreau