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Weißt du noch, warum du angefangen hast, dich für hochwertige Spirituosen zu interessieren? Also ehrlich gesagt, ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, warum ich es Tag ein Tag aus liebe, in dieser Szene zu sein.

Weil meine Sinne mit Aromen in Kontakt kommen, die ich zuvor noch nie erlebt habe.

Und einen dieser Wow-Momente hatte ich wieder vor einigen Wochen.

Alexander Ficht schickte mir eine Mail und stellte darin sein erstes Projekt, seine ersten Gehversuche in der Spirituosenszene vor: AsomBroso Tequila.

Du hast noch nie davon gehört? Hatte ich auch nicht. Und ich schätze sonst auch fast niemand im deutschsprachigen Raum.

Denn die Tequila-Marke AsomBroso gab es vor wenigen Wochen hierzulande noch nicht. Es ist eine High End-Marke, die es bisher noch nicht über den Atlantik schaffte.

Vor kurzem holte jedoch das Start-Up Casa Tequila von Alexander Ficht das gesamte Portfolio von AsomBroso nach Deutschland. Darunter der The Collaboration im Preisbereich von 1.800 Euro bis zur Blanco-Qualität im Bereich von 40 Euro.

Das Flaggschiff der Reihe – ich vermute, du erkennst, welcher das ist – reifte 11 Jahre in neuen Fässern aus französischer Eiche.

Im Anschluss daran kam dieser noch für rund 12 Monate in Ex-Cabernet Sauvignon-Fässer aus amerikanischer Eiche des Weinguts Silver Oak Cellars aus Napa Valley, Kalifornien. Diese Nachreifung variiert von Batch zu Batch, je nachdem wann Master Distiller Ricardo Gamarra den Tequila aus den Fässern zieht.

Aber ich denke, du stimmst mit mir überein, wenn ich sage, dass der AsomBroso The Collaboration kein Massen-Tequila werden wird. Das verhindert der Preis.

Wie mir Alexander mitteilte, stellt dieser Tropfen jedoch nur die Speerspitze des Portfolios dar. Das aromatische und ästhetische Prestige-Produkt.

Wirf mal einen Blick auf die Flasche und du erkennst, was er damit meint. Flasche und Verschluss werden vom Glaskünstler Luciano Gambaro in Murano, Italien mundgeblasen. Bereits diese „Behälter“ haben einen Wert im mittleren 3-stelligen Bereich. 

In den Glascontainer sollten sie daher nicht unbedingt wandern.

Und der andere Grund für den Preis…nun ja…das ist der Inhalt.

 

Degustation des Asombroso The Collaboration

 

Möchtest du einmal eine Spirituose erleben, deren Farbe „Pariser Rot“ besitzt, dann wäre der AsomBroso The Collaboration Tequila das beste Exemplar dafür.

Egal, ob du ihn im Glas oder in der Flasche betrachtest, selten begegnet dir eine solch markante Farbe. Apropos Glas, schwenkst du ihn darin 2 bis 3 mal, dann läuft an der Glasinnenseite eine Armada an öligen Tropfen hinunter.

Diese beiden Punkte sind zwar ein nettes Gimmick, aber in meinen Augen noch kein Grund den AsomBroso The Collaboration aus dem Regal zu holen.

Diesen liefert ein anderer Punkt des Tastings: dessen Bouquet.

Schenke dir 3 bis 4 cl dieses Tequilas ein und lasse ihn 1 bis 2 Minuten im Glas atmen. Berühre ihn nicht, freue dich stattdessen auf das, was gleich kommt.

Führst du nach dieser Zeit den AsomBroso The Collaboration an deine Nase, brauchst du keine raffinierte Degustations-Technik auspacken, die erste Fuhre an Aromen springt dir unweigerlich entgegen. Dagegen kannst du nichts machen.

Die erste Front bilden klassische Agaven-Noten. Würzig und trocken legen sie sich in deine Nase. Dies ist auch die Stelle an der du merkst, dass AsomBroso einen nahezu perfekten Tequila kreiert hat.

Denn die Agaven-Noten sind nicht nur gut erkennbar, sondern bilden einen harmonischen Gegenpart zu den Aromen aus der Fasslagerung.

Stelle es dir vor wie eine Waage. Legst du die Agaven-Noten auf die eine Seite, steht es mit denen aus dem Holzfass im Gleichgewicht.

So liefert letztes ein Potpourri an verschiedenen Noten. Allem voran erkennst du hier Minze, Shisha-Rauch und Chai-Tee. In zweiter Reihe folgen dann Vanille, Rooibos und getrocknete Baumrinde.

Der AsomBroso The Collaboration hat also nicht nur direkte Aromen, die er deiner Nase entgegenschickt, sondern auch Noten in zweiter und dritter Reihe. Der Inbegriff an Komplexität.

Nimmst du dann den ersten Schluck, legt sich dieser Tequila samtweich, mit leichtem Körper auf deine Zunge. Vor allem letzterer bildet einen spannenden Gegenpart zu seinen Aromen.

Denn auch im Mund liefert er dir Agaven-Noten, Vanille und einen Hauch getrocknete Orangen. Allerdings nicht mit einer solchen Komplexität oder gar Raffinesse wie zuvor in der Nase.

Verlässt der AsomBroso The Collaboration schließlich deinen Gaumen, hinterlässt er dort Vanille und Zitronenschalen sowie Rooibos und dezente Alkoholnote.

Als ich die Gelegenheit dazu bekam, musste ich den AsomBroso The Collaboration mehrfach verkosten. Denn in Deutschland bekommst du zwar eine Fülle an Tequilas, aber einen High End-Tropfen zu finden, wie es im Single Malt- oder Rum-Bereich der Fall ist, ist schwierig. Der AsomBroso The Collaboration zeigt dir, dass wir hier in Europa nur einen Schimmer der weltweiten verfügbaren High End-Tropfen erhalten. Mit diesen Tequila ist es aber zum Glück einer mehr.

 

 

AsomBroso The Collaboration - 40 %Vol. - 1800 €/0,7l

9.1

Bouquet

9.5/10

Geschmack

8.7/10

Mundgefühl

9.1/10

Nachklang

9.1/10

Positiv

  • Seltene und extragavante Aromen
  • Samtweiches Mundgefühl
  • Aromatischer Nachklang

Negativ

  • Mund fällt im Vergleich zur fast perfekten "Nase" etwas zurück