Wenig Alkohol macht uns nicht betrunken, viel Alkohol zieht uns die Beine weg.

Ich denke, dass dieser Zusammenhang für dich nichts neues ist. Isst du ein MonChérie spürst du weniger, als wenn du eine halbe Flasche Cask Strength-Whisky trinkst.

Viele ziehen daraus den Schluss, dass hochprozentige Alkoholika wie Whisky folglich auch schneller betrunken machen als solche mit wenig Volumenprozent wie Bier oder Wein.

Dies ist allerdings falsch….nun ja, zumindest nicht ganz richtig.

Gehen wir einmal von folgendem Beispiel aus.

In einem halben Liter Bier mit 5 %Vol. hast du 25 ml reinen Alkohol. In einem Dram mit 4 cl Whisky à 60 %vol. bekommst du 24 ml reinen Alkohol.

Mit logischem Menschenverstand müssten wir daher annehmen, ein solches Glas Whisky benebelt unser Gehirn im gleichen Maß wie eine Halbe Bier.

Tut es aber nicht.

Ich möchte dir daher heute eine Hand voll Phänomene zeigen, die während des Genusses von Whisky in deinem Körper ablaufen.

Dadurch erkennst du zwar nicht mehr Aromen in einem Whisky, aber du wirst Single Malt, Bourbon und Co. anders trinken. Versprochen.

Ok, legen wir los.

 

Hochprozentiger Whisky führt langsamer zum Rausch als Bier

 

Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich möchte dir an dieser Stelle nicht zum Bier raten, damit der Abschuss schneller vonstatten geht, oder zum Whisky damit du mehr trinken kannst.

Im Gegenteil.

Ich möchte dir zeigen, was in deinem Körper passiert, wenn du Whisky – und auch Bier – mit Genuss trinkst. In moderaten Mengen.

Was du dabei über die Verdauung wissen musst, ist die Aufgabe des Magens.

Oder zumindest eine davon.

Denn der Magen reguliert die Menge an Speisebrei und Flüssigkeit, die in den Dünndarm weitergeleitet wird.

Der Magen entscheidet, was weiterkommt, vor allem in Bezug auf den Inhalt. Wenn viel Verdauungsarbeit ansteht, behält der Magen seinen Inhalt länger für sich.

Wenn nicht, dann nicht. 

Für uns erscheint es logisch, dass große, schwere Mahlzeiten für den Magen viel Arbeit bedeuten. Diese Menge an komplexen Molekülen können nicht sofort in den Darm weitergereicht werden. Stattdessen bremst der Magen die Verdauung ab.

Seltsamerweise passiert dies aber auch, sobald du hochprozentige Spirituosen wie Whisky trinkst.

Wie du vermutlich weißt, reagiert dein Körper auf zu viel Whisky nicht besonders erfreut. Diese Abwehrreaktion auf so viel Alkohol passiert aber nicht erst nach deinem 15. Glas Scotch.

Es passiert in dem Moment, in dem der erste Whisky auf dem Boden deines Magens auftrifft.

In diesem Moment schickt dieser ein Signal an den Schließmuskel des Magenpförtners mit dem Kommando: „Mach sofort die Tür zu!“

Diesen Pförtner, der sogenannte Sphincter, kannst du dir vorstellen wie ein Eingangstor vom Magen in den Dünndarm. Macht dieser zu, ist der Whisky über längere Zeit im Magen gefangen.

Allerdings kannst du auch in diesem Stadium die ersten Auswirkungen des Alkohols spüren. Zwar gelangt der Löwenanteil des Alkohol über deine Darmwand in dein Blut. Bei leerem Magen absorbiert aber auch dessen Wand rund 10 Prozent des Alkohols und schickt es in deinen Kreislauf.

Und jetzt kommt der Clou.

Während der Alkohol in deinem Magen hin und her schwimmt. Gibt dein Körper das Enzym Alkoholdehydrogenase hinzu. Jenes Werkzeug, dass auch in der Leber dafür sorgt, dass Alkohol abgebaut wird.

Du kannst dir nun sicherlich denken, wie es weitergeht.

Wenn nun der Sphincter wieder das Tor aufmacht, hat der Magen bereits einen Teil des Whiskys bzw. Alkohols zersetzt. Was nun von deiner Darmwand resorbiert wird, ist nicht mehr die Menge Alkohol, die du ursprünglich in dich hineingeschüttet hast.

 

Drinks mit 20 bis 25 %Vol. haben die schnellste Rauschwirkung.

 

Vielleicht fragst du dich jetzt, was das Maximum an Alkohol ist, dass gleich durchgewunken wird. Was ohne großen Zwischenaufenthalt vom Magen in den Dünndarm gelangt.

Es sind Getränke mit 20 bis 25 %Vol.

Werden die Drinks stärker als dieser Grenzgehalt, wird die Reaktion deines Körpers zunehmend stärker. Werden die Drinks schwächer, hat dein Körper schlicht nicht so viel zu tun.

 

Deine Trinkgeschwindigkeit entscheidet, wie schnell du auf Whisky reagierst

 

 

Bleiben wir mal bei hochprozentigem, wie Whisky.

Was würdest du antworten, wenn ich dir folgende Frage stelle:

Bleibst du länger nüchtern, je schneller du trinkst?

Die Antwort: Nein, bleibst du nicht.

Die Geschwindigkeit, mit der du Whisky trinkst, ist einer der wichtigsten Faktoren in Bezug auf einen Rausch.

Und wieder liegt der Grund im Enzym Alkoholdehydrogenase, kurz ADH. Das Molekül, das die harte Arbeit übernimmt, wenn es um den Abbau von Alkohol im Körper geht.

Du musst gar nicht so viel Alkohol zu dir nehmen, um dein System, deine ADH-Fähigkeit zu überlasten. Eine Blut-Alkohol-Konzentration (BAC) von 0,02 reicht bereits aus.

Anders ausgedrückt. Dein Körper hat eine Grenze, wenn es darum geht, wie viel Alkohol pro Stunde abgebaut werden kann.

Egal, ob du nun eine BAC von 0,02, 0,05 oder 30 hast, dein Körper arbeitet am Limit. Du wirst schneller betrunken als wieder nüchtern.

Stelle es dir wie einen Eimer mit einem Loch im Boden vor. Schüttest du Wasser hinein, dann fließt es unten nur so schnell hinaus, wie es der Durchmesser des Loches erlaubt.

Schüttest du nun mehr Wasser in den Eimer, dann läuft dadurch das Wasser auf der Unterseite auch nicht schneller hinaus.

Ähnlich verhält es sich mit der BAC.

Neben sensorischen Gründen solltest du dir daher auch aus gesundheitlichen Zeit für deinen Whisky nehmen.

 

Sollte ich vor einem Whisky-Tasting viel essen?

 

 

Wenn es darum geht, dass du möglichst lange nüchtern bleiben möchtest, dann ja.

Dies liegt aber nicht daran, dass die Nahrung in deinem Magen den Alkohol etwa aufsaugen würde. Im Gegenteil. Der Alkohol bleibt, wo er ist und wartet darauf ins Blut zu gelangen.

Der Sphincteralso der Schließmuskel zwischen Magen und Dünndarm, lässt den Speisebrei nur in Portionen durch. Und auch nur dann, wenn der Magen seinen Job getan hat.

Nimmst du nun ein größeres Menü zu dir, hat dieses Vorrang. Denn der Whisky, der danach kommt, muss warten, bis er an der Reihe ist, um in den Darm zu gelangen.

Und ab hier wird’s interessant.

Während der Alkohol im Magen auf seinen Passierschein wartet, ist er dem Enzym Alkoholdehydrogenase ausgesetzt. Da dieses nun mehr Zeit hat als bei leerem Magen zersetzt sie folglich auch mehr Alkoholmoleküle.

Es kann nicht weg. Nicht in den Darm, und im Speisebrei kann es sich auch nicht verstecken.

Hinzukommt, dass während dieser Wartephase im Magen bis zu 30 Prozent des Alkohols durch die Magenwand ins Blut gelangen.

Erinnerst du dich? Bei leerem Magen waren es nur 10.

Dabei kannst du davon ausgehen, dass bei vollem Magen dein BAC-Maximum rund 60 Prozent niedriger liegt als bei leerem.

Die Nahrung ändert daher nichts an dem Gehalt an Alkohol, der in dein System gelangt. Es steht nur weiter vorne in der Warteschlange und lässt sich nicht hetzen.