Wenn ich einmal Bilanz ziehe und die Spirituosen vergleiche, die ich für Eye for Spirits verkoste, dann stammten die meisten davon aus dem Fass.

Additive Reifung hier, Headspace da. Quartäraromen bestimmten den Löwenanteil des Bouquets.

Aus einem gewissen Grund freue ich mich jedoch jedes Mal eine Spirituose zu entkorken, die nicht auch nur in die Nähe eines Fasses kam.

Rum, Pisco, Tequila etc.

All jene Tropfen, die nur durch Rohstoff, Fermentation und Destillation ihre Aromen erhielten. Die Verkostung dieser Destillate ist deswegen so ein Highlight, da das Fass nichts reparieren kann.

Baut die Destillerie Mist, landet dieser Mist auch im Glas.

Auf der anderen Seite – wenn die Spirituose ein Hit ist – schickt dessen Bouquet deine Sinne auf einen Trip.

Einen, wie beim AsomBroso El Platino Blanco.

 

Degustation des AsomBroso El Platino Blanco

 

Die 100 % Agave Tequilas von AsomBroso sind nichts für einen Shot. Dieses Zeug drückst du dir nicht mit Zitrone und Salz hinter. Das verhindert zum einen deren Preis, zum anderen deren Inhalt. 

Der Grund für letzteres liegt darin, dass das Bouquet von Tequila aus dem Hause AsomBroso komplex und durchzogen von Nuancen ist. Bei den Qualitäten, die ich bisher im Glas hatte, spielte es keine Rolle, ob er Jahre im Fass verbrachte oder nie eines zu Gesicht bekam.

Denn selbst das Bouquet des El Platino Blanco besteht aus zahlreichen Nuancen. Für diese musst du dir allerdings Zeit nehmen. Ich saß rund 12 Minuten über dem Glas – ohne einen Tropfen zu trinken – bis ich den Eindruck hatte, das Bouquet geknackt zu haben.

Bevor du das Glas des El Platino Blanco unter deiner Nase schwenkst, solltest ihn 2 bis 3 Minuten atmen lassen. Gieße ihn ein und lass ihn stehen.

Anschließend bewegst du ihn von einem Nasenloch zum anderen, um möglichst viele Aromen herauszuziehen. Die erste Front an Noten, die dabei auf dich zukommt, besteht sowohl aus klassischen Agaven-Aromen als auch Aloe Vera.

Letzteres bringt einen interessanten, frischen Kontrast zu den erdigen Noten des Rohstoffs.

Dass der El Platino Blanco eine Erlebnisreise und weniger ein Tropfen zum „Kippen“ ist, zeigen auch die Nuancen, die sich im Hintergrund verstecken.

So findest du dort frische Kartoffelschalen und frische Erde. Beides Noten, die zeigen wie aromatisch Agave als Ausgangsstoff der Spirituosenproduktion sein kann.

Nimmst du dann den ersten Schluck erwartet dich auch genau dies: Agave.

Diese darfst du dir in diesem Fall aber nicht als mundfüllend vorstellen. Das Ding knallt dir weder im Mund noch in der Nase mit Gewalt um die Ohren. Es belohnt deine Suche nach Aromen jedoch mit Komplexität und Raffinesse.

Der Wermutstropfen hier ist allerdings der in meinen Augen niedrige Alkoholgehalt. Hierdurch wirkt das Mundgefühl des El Platino Blanco etwas zu ölig.

Für meinen Geschmack steht dies im Widerspruch zum ansonsten filigranen Bouquet. Ein Alkoholgehalt im Bereich von 47 %Vol. hätte ihm mehr Spritzigkeit und dadurch etwas mehr Balance zwischen Aromen und Mundgefühl gegeben.

Allerdings ist dies Jammern auf hohem Niveau. Du wirst mir vielleicht zustimmen, wenn du das erste Glas des El Platino Blanco probiert hast.

Denn bereits im Nachklang holt er nochmals sein Steckenpferd raus: Agaven-Noten. Diese haften sich trocken und mit erdigem Aroma langanhaltend an deinen Gaumen.

 

 

AsomBroso El Platino Blanco - 40 %Vol. - 40 €/0,7l

8

Bouquet

8.4/10

Geschmack

8.1/10

Mundgefühl

7.6/10

Nachklang

8.0/10

Positiv

  • Dezentes, aber komplexes Bouquet
  • Zeigt aromatisches Potential der Agave
  • Individuelle Aromen

Negativ

  • Alkoholgehalt zu niedrig