Cocktail Negroni
Abb.: Negroni Cocktail mit Orangen-Twist

Es war 2008 als ich meinen ersten Negroni zubereitete. Aus pädagogischer Sicht war dies im Nachhinein eine gute Wahl, denn dieser Drink gelingt fast immer.

Für einen Einsteiger in die Cocktail-Szene liefert ein Negroni daher schnell ein Erfolgserlebnis.

Ich stelle mir diesen Drink wie ein Klavier vor, bei dem jeder Ton harmonisch klingt. Anders ein Martini Dry, der – eher wie eine Geige – dir den kleinsten Fehler undankbar um die Ohren haut.

Im Laufe der vergangenen Jahre habe ich unzählige Varianten eines Negroni Cocktail zubereitet. Zu Beginn hielt ich mich meist an die Empfehlung der International Bartender Association, bei dem die 3 Zutaten im Verhältnis 1:1:1 stehen.

Als ich aber begann von diesem Verhältnis abzuweichen, als ich begann mit den Zutaten zu spielen, stachen plötzlich Aromen hervor, die ich zuvor noch nie in einem Negroni fand.

Dieser Cocktail bekam plötzlich eine ganz andere Dimension.

Ich möchte dir daher heute zeigen, was ich in 10 Jahren Negroni-Zubereitung lernte. Du wirst erfahren, welche Gins sich für die Rezeptur eignen und warum es eine bessere Alternative zum bekannten „Vermouth Rosso“ gibt.

Am Ende wirst du – zumindest ist dies mein Ziel – einen Negroni anders und mit mehr Aromen zubereiten. 


Negroni-Rezept: So bereitest du ihn zu

Diese Rezeptur hilft dir den Klassiker der italienischen Aperitif-Kultur zuzubereiten. Wahlweise kann das Volumen des Gins von 3 auf 4,5 cl erhöht werden. Die restlichen Ingredienzen bleiben unberührt.
Vorbereitungszeit1 Min.
Zubereitungszeit3 Min.
Arbeitszeit4 Min.
Portionen: 1 Person

Zutaten

  • 3 cl Dry Gin (Wacholder betont)
  • 3 cl Campari
  • 3 cl Vermouth rouge

Anleitungen

  • Alle Zutaten in ein Rührglas geben und 4 bis 5 mittelgroße Eiswürfel hinzu
  • 30 Sekunden mit Barlöffel verrühren
  • In vorgekühlten Tumbler auf einen großen Eiswürfel abseihen
  • Mit den ätherischen Ölen einer Orangenzeste den Drink abspritzen
  • Zeste hinzugeben

Einen Negroni so zuzubereiten, dass er nicht schmeckt, ist schwierig. Seine 3 Zutaten harmonieren derart gut miteinander, dass er in nahezu jeder Konstellation trinkbar ist.

Bevor wir uns in die Details stürzen, uns anschauen, wie du aus einem guten einen genialen Negroni Cocktail machst, sollten wir uns aber die Grundlagen angucken.

3 Zutaten. 1 Rührglas.

Wirfst du einen Blick auf die obige Rezeptur, siehst du, dass die Zubereitung nicht schwierig ist. Entscheidend ist jedoch, welche Produkte und Marken du auswählst. 

Dabei hast du einen Spielraum von 66 Prozent. Denn dadurch, dass der Bitterlikör Campari zwingend in einem Negroni vorkommen muss, entscheidest du die Richtung des Cocktails nur durch Gin und Vermouth.

  • 4,5 cl Dry Gin
  • 3 cl Campari
  • 3 cl Vermouth (z.B. Carpano Antica Formula)

Bei dieser Version fällt der Gin durch sein Volumen aus dem Raster. Da du jedoch – ich gehe einfach mal davon aus – hochwertigen Gin verwendest, ist dies ein optimales Zutatenverhältnis.

Die kleine Menge, mit der der Gin über den anderen beiden Ingredienzen steht, verleiht dem Negroni etwas mehr Intensität und Komplexität.

Ich kann dir versprechen, dass Campari und Vermouth nach wie vor aromatisch den Ton angeben. Dafür haben beide genügend Kraft.

Nimmst du aber 4,5 cl Gin statt lediglich 3, gibst du dem Negroni Cocktail etwas mehr Wacholder-Charakter.
 

Einfacher Tipp: So verleihst du deinem Negroni mehr Komplexität

Vielleicht hast du schon mal von der Split-Base-Variante gehört. Bei dieser basieren Cocktails auf 2 unterschiedlichen Basis-Spirituosen.

Eine Technik bzw. eine Zubereitungsart, für die ich Jahre brauchte, um sie einigermaßen zu beherrschen. Probiere mal einen Julep oder einen Sazerac in der Split-Base-Variante aus. Du wirst mir recht geben, dass es eine Heidenarbeit ist, hier Balance reinzubringen.

Dieses Split-Prinzip kannst du auch auf einen Negroni übertragen. Dabei stellst du zwar dem Gin keinen hochprozentigen Kollegen an die Seite, jedoch dem Vermouth.

Die Jungs und Mädels aus der New Yorker Bar Death & Co. haben hierfür eine Variante entwickelt, die du ausprobieren solltest.

Hierfür vermählst du zu gleichen Teilen Dolin Rouge Vermouth und Punt e Mes.

Diese Melange setzt du dann in die Rezeptur des Negroni statt dem reinen Vermouth ein.

Das Rezept sieht dann folgendermaßen aus:

  • 4,5 cl Dry gin
  • 3 cl Campari
  • 3 cl DIY-Herbs-Mix

Zur Zubereitung der Split-Vermouth-Variante gibst du alle Zutaten in ein Rührglas auf 4 bis 5 mittelgroße Eiswürfel.

Verrühre 30 Sekunden und seihe anschließend in einen Tumbler auf einen großen Eiswürfel ab. Auch hier bietet sich wieder eine Orangenzeste als Garnitur an.

Ein Negroni besitzt zwischen 27 und 30 %Vol. Alkohol

Bereitest du einen Negroni mit Gin zu, der 40 %Vol. besitzt, so hat der Cocktail zwischen 27 und 30 %Vol. Je nach dem welche Menge an Gin zu einsetzt.

Entscheidest du dich hingegen für einen Gin, der 42, 47 oder noch mehr Volumenprozent besitzt, geht der Wert dementsprechend nach oben.

Welcher Gin eignet sich für einen Negroni?

Eventuell erinnerst du dich noch an meine Worte zu Beginn dieses Leitfadens: „Ein Negroni gelingt fast immer“.

Aber nur weil er „gelingt“, bedeutet dies nicht, dass er auch deine Gäste aus den Socken hat. Um also einen individuellen Negroni zuzubereiten, hast du 2 Stellschrauben, an denen du drehen kannst:

  • Die Gin-Marke
  • Die Vermouth-Marke

Um dir Hilfestellung bei der Auswahl des richtigen Gins zu geben, lass uns zunächst eine Frage beantworten.

Wenn Campari und Vermouth herbe, Kräuter-lastige Aromen liefern, was passt deiner Meinung nach dann am besten?

a) ein fruchtig-süßer New Western Dry Gin

b) ein klassischer Dry Gin mit intensiver Wacholder-Note

Ich bezweifle nicht, dass es den ein oder anderen New Western Dry gibt, der mit Campari und Vermouth harmoniert. Ich habe nur bisher noch keinen gefunden.

Ein Negroni Cocktail ist ein herb-süßer Drink, dessen fruchtige Note von den ätherischen Ölen der Orangen- oder Zitronenzeste stammt.

Das ist etwas ganz anderes, als wenn bereits der Gin eine Packung tropisches Obst mitbringt.

Um dir die Suche nach einem hervorragenden Gin zur Negroni-Zubereitung zu erleichtern, möchte ich dir im Folgenden 3 meiner Favoriten zeigen.


Tipp: Um die Aromen eines Gins zu verstehen und sie in einem Negroni perfekt einzubinden, solltest du die Botanicals deines Gins verstehen.

Hierfür haben wir ein eBook für dich erstellt, das du kostenfrei downloaden kannst.

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Boar Dry Gin

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Dies ist einer Perle, der neuesten Gin-Generation. Was mich an diesem Gin begeistert, ist Komplexität und Balance verschiedener Aromen.

Granit Bavarian Dry Gin

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Seit Jahren einer der Gins, die ich häufig im Negroni verwende. Zwar konzentriert sich dessen Bouquet auf Wacholder, zusätzlich verleiht ihm ein Hauch Enzian aber Wiedererkennungswert.

Windspiel Dry Gin

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Neben Juniper Jack ist der Windspiel Dry der hochprozentigste Gin in dieser Liste. Neben seinem komplexen Bouquet ist es aber eben dieser Alkoholgehalt, der dem Negroni etwas mehr Pep verleiht.

Um dir zusätzlich beim Thema „Vermouth“ unter die Arme zu greifen, habe ich hier den entsprechenden Leitfaden für dich geschrieben.

Willst du wissen, wer den Negroni Cocktail erfand?

negroni-daten

Blätterst du durch verschiedene Cocktail-Bücher oder klickst du dich durchs Internet, findest du zahlreiche Variationen, sogenannte „Twists“, eines Negroni.

Jede dieser neuen Versionen nimmt dabei das Dreiergespann aus Gin, Campari und Vermouth als Grundgerüst.

Aber was würdest du sagen, wenn ich behaupte, dass der Negroni selbst „nur“ ein Twist ist.

Ein Twist eines anderen bekannten Cocktail-Klassikers: dem Americano.

Drehen wir einmal das Rad zurück. Mehr als 200 Jahre. 

Wir befinden uns nun im Jahr 1786.

Der Italiener Antonio Benedetto Carpano produzierte den ersten Vermouth (heute u.a. erhältlich: Carpano Antica Formula).

Dadurch gab er den Startschuss für diesen aromatisierten, aufgespriteten Wein in Richtung zu einer festen Größe im Aperitif-Geschäft.

Aber mit Vermouth allein kriegt niemand einen Negroni hin. Damals nicht und heute nicht.

Wenn du aber bedenkst, was Carpanos Produkt war, nämlich ein Mazerat aus Kräutern und Gewürzen, dann ist der Schritt zu Campari nicht mehr weit.

Vermouth ging kommerziell durch die Decke, was andere Unternehmer dazu veranlasste eigene Produkte zu entwickeln.

Fernet-Branca, Campari etc.

Mixt du nun Campari mit Vermouth und Wasser erhältst du den Americano. In einer Gesellschaft, in der die Aperitif-Kultur ein hohes Gut ist, ein wahrer Gassenhauer.

Aber jetzt kommt der Clou. Der Americano, der Vorläufer des Negroni, war selbst nur ein Twist. Seine Rezeptur basierte auf dem Cocktail Milano-Torino.

Vielleicht erkennst du bereits den Zusammenhang zwischen dem Namen und seinen Zutaten.

Beim Milano-Torino handelt es sich, ganz pragmatisch, um einen Drink aus Campari aus der Stadt Mailand (ital.: „Milano“) und Vermouth der Firma Martini & Rossi aus Turin (ital.: „Torino“).

Fügst du diesen beiden nun noch einen Schluck Soda hinzu….dann hast du einen Americano.

Großvater und Vater des Negroni.

Springen wir nun einmal paar Jahrzehnte nach vorne. Kurz hinter den 1. Weltkrieg.

Im Jahre 1919 waren sowohl der Milano-Torino als auch der Americano bereits feste Größen im italienischen Bar-Geschäft.

Auch das Caffè Casoni in Florenz, das heute unter dem Namen Caffè Cavalli firmiert, gehörte dazu.

Eine Bar, in der sich illustre Gestalten wie Graf Camillo Negroni die Klinke in die Hand gaben.

Gerade von einer längeren USA-Reise zurückgekehrt, bat er den damaligen Bartender Fosco Scarselli um einen Americano. Nur nicht ganz so schlaff. Etwas härter, etwas rauer. 

Scarselli ersetzte die schwächste Komponente durch die stärkste. Er tauschte Wasser gegen Gin.

Er tauschte einen Americano gegen einen Negroni.

Bildquelle: Titelbild: © weyo – Fotolia.de