Immer wenn ich denke, der Markt an guten Gins hat seinen Zenith überschritten, flattern kurz darauf neue Päckchen ins Büro. Allein zwischen Februar und April kamen rund 11 Gins bei uns an.

Falls du dir jetzt denkst, „Noch mehr neue Gins?“, kann ich dich beruhigen. Das Gros dieser Destillate waren Gins, die bereits seit Jahren auf dem Markt existieren.

Es waren also keine neuen Tropfen, von denen noch nie ein Mensch gehört hat. Vielmehr waren es Produkte von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die ihre Marketingaktivitäten vorantrieben.

In einer ähnlichen Geschwindigkeit an Postsendungen verliefen die vergangenen 2 Jahre. Darunter waren manche Gins, die derart schlecht waren, dass wir die Flasche gleich nach dem ersten Glas wieder verschlossen.

Es gab aber auch die andere Fraktion. Solche, die dir sowohl im Purgenuss als auch in Cocktails die Schuhe ausziehen. Wahre Perlen, richtige Gaumenfreuden, guter Gin.

Suchst du einen Tropfen, der das Potential hat, dein nächster Lieblings-Gin zu werden, möchte ich dir heute zur Hand gehen.

Ich möchte dir 10 Gins der vergangenen Monate präsentieren, die uns derart begeisterten, dass ich sie dir uneingeschränkt empfehlen kann. Egal, ob du Gin lieber pur oder mit anderen Zutaten genießt.

Gute Gins, die im Vergleich der Szene-Größen wie Tanqueray, Monkey 47 etc. nur einen kleinen Teil vom Kuchen abbekommen. Aus geschmacklicher Sicht dies aber zu Unrecht.

Ok, legen wir los.

 


Tipp: Wir haben für dich die wichtigsten sowie exotischsten Botanicals für Gin recherchiert und in einem eBook kostenfrei für dich zusammengestellt. Dies hilft dir, zahlreiche Aromen in einem Glas Gin zu entdecken.

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Guter Gin, den du einmal probiert haben musst…mindestens

 

FEINER KAPPLER | familien destillerie baßler

 

 

Als ich das erste Mal die Botanical-Liste las, die die Familie Baßler in ihrem Gin verwendet, war dies nichts, was meinen Kiefer nach unten fallen ließ.

Koriander, Angelika und Hibiskusblüten, Lavendel, Holunder oder auch Kaffirlimetten befinden sich darunter. Nichts, was du in Zeiten der Gin-Flut nicht schon mal irgendwo gelesen hättest.

Der Knaller war aber, wie das kleine baden-württembergische Unternehmen mit diesen Zutaten umgeht.

Hältst du ein Glas des Feiner Kappler unter deine Nase, so strömen dir Wacholder und Limette entgegen. Und zwar mit voller Wucht. Es ist eine Melange aus harzigem, Kiefern-ähnlichem Duft zusammen mit einer spritzig-fruchtigen Komponente.


Infos: 44 %Vol., 500 ml, 29,90 Euro

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COTSWOLDS DRY GIN | cotswolds distillery

 

 

Ich weiß nicht, wovon ich mehr begeistert bin. Von der Qualität dieses Gins oder dem kleinen englischen Städtchen, aus dem dieser stammt.

Suche mal unter Google Bilder nach „Cotswolds“ und du gibst mir eventuell recht. Für einen kurzen Moment vergisst man, was für einen tollen Tropfen man da eigenlicht vor sich hat.

Legen wir aber einmal das Dorf beiseite und werfen einen Blick auf den Gin. Dieser basiert neben Wacholder und Koriander auf Angelikawurzel, Lavendel, Lorbeerblätter, Grapefruit, Limette, schwarzer Pfeffer und Kardamom.

Diese Drogen mazeriert die Destillerie in einem Weizenbrand und destilliert anschließend in einer Pot Still der Firma Holstein.

Herauskommt ein Gin, der sich seither in meiner persönlichen Top 10-Liste befindet. Ein Gin, den du mindestens einmal im Leben probiert haben solltest.


Infos: 46 %Vol., 700 ml, 45 Euro

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BOAR DRY GIN | schwarzwald boar distillery

 

Sich heute noch auf die Region Schwarzwald als Erkennungsmerkmal zu beziehen, ist ein schwieriges Pflaster. Zum einen hat die Gin-Marke Monkey 47 diese zu einem Qualitätsgebiet für deutschen Gin gemacht.

Auf der anderen Seite hat dieses intensive Marketing auch dazu geführt, dass der Begriff „Schwarzwald Gin“ bis zur Unkenntlichkeit abgelutscht ist.

Einer der jüngsten Start Ups, die diesen Spagat probieren, ist die Boar Distillery. Mit ihrem gleichnamigen Gin geht sie – auch wenn Parallelen zu erkennen sind – einen anderen Weg als der bekannter Vorgänger.

Es ist ein Gin, der vor allem mit den harzig-trockenen Noten des Wacholders spielt. Andere Zutaten sorgen hingegen für eine Bühne, auf dem jene Zapfen brillieren können.

Diese Komplexität macht den Boar Gin aus meiner Sicht zu einem der besten Gins, der vergangenen Monate.


Infos: 43 %Vol., 500 ml, 35,90 Euro

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N-GIN | destillat-scheune 

 

 

Lass dir diesen Wert mal auf der Zunge zergehen: 80 Flaschen pro Charge.

Rund 80 Flaschen produziert das Unternehmen Destillat-Scheune von ihrem N-Gin pro Destillationslauf. Das ist derart wenig, dass die Vermarktung allein über den eigenen Online-Shop läuft.

Mit einer solch kleinen Menge kannst du auf dem Gin-Markt kaum Fuß fassen. Denn warum in Marketing investieren, wenn du dann eh nicht alle Kunden bedienen könntest.

Natürlich könnten sie die Produktionsmenge steigern, aber Destillat-Scheune scheint zufrieden mit ihrem Boutique-Gin.

Hast du einmal ein Glas des N-Gins probiert, hoffst du vielleicht in Zukunft auch, eine jener Flaschen abzubekommen.

Zwar erkennst du bei diesem den Wacholder zu jedem Zeitpunkt, den aromatischen Ton geben allerdings Limetten, Pampelmusen, Orangen und Zitronen an.

Ein New Western Dry Gin. Ein Boutique New Western Dry Gin.


Infos: 45 %Vol., 500 ml, 24 Euro

Zum Verkostungsartikel: N-Gin: Ein New Western Dry, den du probieren solltest

 

TSCHIN | kaesers schloss

 

Ich kenne keinen Gin, der so minimalistisch is, wie der Schweizer Tschin.

Wirf mal einen Blick auf seinen Namen „Tschin“. Der Hersteller verzichtet sogar auf die englische Schreibweise und schreibt ihn schlicht in Lautschrift.

Da geben manche Unternehmen für ihren Gin Unsummen für Gestaltung und Namensfindung aus, dabei kann eine geniale Idee manchmal so einfach sein.

Und glaub mir, das bleibt im Kopf. Während sich viele mit Superlativen übertrumpfen, stapelt der Tschin ganz tief. Und dadurch sticht er aus der Masse heraus.

Auf ein Minimum setzt er aber nicht nur beim Namen, sondern auch bei der Anzahl der Botanicals. Gerade einmal 4 Zutaten verwendet die kleine Brennerei Kaesers Schloss aus der Schweiz.

  • Wacholder
  • Kirschenblüten
  • Waldmeister
  • Walderdbeeren

Dass es nicht viele Botanicals braucht, um ein kleines Meisterwerk zu zaubern, das erkennst du beim ersten Glas dieses Gins.


Infos: 40 %Vol., 500 ml, 39 Euro

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FIELDFARE DRY GIN | diemelstrand distillers

 

 

Über den Fieldfare Dry Gin erfuhr ich 2017 kurz nach seinem Marktstart.

Die Mail, die ich von dem Diemelstrand Distillers erhielt, begann wie Dutzende andere auch. Es war also nichts, was einem nach 5 Jahren Gin-Hype noch vom Hocker haut.

Je mehr ich aber von dieser Mail las, desto neugieriger wurde ich.

Zwar gab es auch den ein oder anderen Hinweis über die Herstellung und die Botanicals, die wichtigste Botschaft der Mail lag allerdings zwischen den Zeilen.

Es war Leidenschaft.

Der Fieldfare Dry Gin ist ein Familienprojekt. Jedes Mitglieder hat seine eigene Aufgabe. Aus diesem Grund wirst du keine großen Werbeanzeigen zu diesem Gin finden, auch kein Video-Marketing.

Er gehört zu den Gins, die gefunden werden sollen.

Und glaub mir: die Suche lohnt sich. Seit ich das erste Glas dieses Tropfen probiert habe. Das Bouquet könnte kräftiger und komplexer nicht sein.

Nelke, Anis und Kardamom, Eukalyptus, Minze und Preiselbeeren als auch Aubergine und anderes Gemüse findest du darin.


Infos: 45 %Vol., 500 ml, 34,50 Euro

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NIKKA COFFEY GIN | nikka distilling company

Japan kam spät zur Gin-Party. Erst vor rund 2 Jahren erschienen in Europa die ersten Gins aus Fernost, die etwas Aufmerksamkeit erhaschen konnten.

Einer dieser Neulinge ist der Nikka Coffey Gin.

Probierst du ihn, kommt dir eine Frage in den Sinn: Warum haben die solange gebraucht?

Warum haben die den Markt nicht schon viel früher mit ihren High End-Gins bereichert.

Der Nikka Coffey Gin erzeugt – wie für viele japanische Destillate üblich – mit Nuancen Komplexität. Er drückt dir keine dominanten Aromen entgegen. Stattdessen baut er ein vielfältiges Bouquet durch zahlreiche dezente Noten auf.

Zitronenschalen, frischer Klee und ein Hauch Enzian kannst du hier ebenso entdecken wie Johannisbeeren, Grapefruit und Kardamom.

Und dies auf einen unglaublichen Niveau.


Infos: 47 %Vol., 700 ml, 49 Euro

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AUGUST GIN | spin & gin gmbh

 

 

Als ich den August Gin vor einigen Monaten verkosten durfte, notierte ich mir Folgendes:

Hältst du deine Nase über das Glas August Gin werden dir 3 Dinge auffallen:

  • Der Alkohol ist perfekt eingebunden und stört zu keiner Zeit
  • Es dominieren trockene Kräuter-Noten, allem voran Wacholder
  • Er besitzt eine leichte Gemüse-Note; wahrscheinlich von zu viel Nachlauf

Am August Dry Gin zu riechen, macht Spaß.

Diese Spirituose ist keine Abfüllung, in die du dich sofort verliebst. Du musst sie lieben lernen.

Denn Gemüse-Noten zeugen häufig davon, dass der Gin zu viel Nachlauf enthält und nicht filtriert wurde. Gerade dieser Nachlauf kann aber unter Umständen dazu führen, dass die Aromen aus dem Mittellauf eine neue Dimension bekommen.

So wie beim August Gin.

Nimm dir für diesen Tropfen Zeit und er wird dich begeistern. Versprochen.


Infos: 43 %Vol., 700 ml, 30 Euro

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JUNIPER JACK NAVY STRENGTH GIN | hennig & fiedler

 

 

Wenn ich nur einen Gin zur Zubereitung eines Martini Dry verwenden dürfte, es wäre der Juniper Jack Navy Strength. Dieser Tropfen ist ein Killer-Gin, einer der zeigt, wie komplex das Aroma von Wacholderzapfen sein kann.

Ich muss zugegeben, dass der Preis erstmal ordentlich eine auf die Zwölf gibt. Dies zwar zumindest bei mir so, als ich ihn das erste Mal hörte.

Aber egal mit welcher Superlative der Preis spielt, der Inhalt des Juniper Jack Navy Strength tut dies auch. Dafür sorgen folgende 4 Gründe:

  • Komplexes Bouquet
  • Interessantes Mundgefühl
  • Ausbalancierte Aromen
  • Alkohol gut eingebaut

Infos: 57,2 %Vol., 700 ml, 69,98 Euro

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ISLE OF HARRIS GIN | isle of harris distillery

 

 

Entsteht eine neue Scotch Whisky Destillerie, steht diese früher oder später vor folgendem Problem: Wie liquide bleiben, bis wir den ersten Whisky verkaufen dürfen?

Per Gesetz darf Scotch Whisky erst ab einem Alter von 3 Jahren auf den Markt. In der Zwischenzeit muss die Destillerie aber ihre Kredite und andere Verbindlichkeiten bedienen.

Die neue Isle of Harris Distillery löste dieses Problem, in dem sie die Produktion mit einem eigenen Gin begann. Dem Isle of Harris Gin.

Und ich muss sagen, wird der kommende Whisky nur halb so gut wie deren Gin, dann wird es ein Knaller.

Denn auf der Basis von Wacholder, Bitterorange, Zuckertang und anderen Botanicals kreierte die Brennerei ein kleines Meisterwerk.

Eines, das sie in die schönste Flasche steckte, die ich in den letzten 2 Jahren auf dem Gin-Markt fand.


Infos: 45 %Vol., 700 ml, 41 Euro

Isle of Harris Gin jetzt selbst probieren