Bietet dir eine Spirituosen-Marke derart viele Qualitäten wie es bei Asombroso Tequila der Fall ist, dann ergibt sich häufig folgendes Problem: Einzelne Produkte kannibalisieren sich gegenseitig.

Bei Asombroso ist die Wahrscheinlichkeit hierfür besonders hoch, da sie allein im Extra Añejo-Segment 5 verschiedene Qualitäten listet. 

So auch der Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre. Ein Tropfen, der seine Lagerzeit in Ex-Cognac-Fässern aus französischer Eiche verbrachte.

Ein guter Tequila, in den Schatten gestellt von seinem jüngeren Bruder.

 

Degustation des Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre

 

Hast du einmal die Gelegenheit – zum Beispiel auf einer Messe – die Asombroso-Tequilas miteinander zu vergleichen, dann achte mal auf die Farbe der Extra Añejos.

Äußerlich wirst du so gut wie keinen Unterschied feststellen. Im Gegenteil. Ich fand es äußerst schwer, selbst bei perfekten Lichtbedingungen nur Nuancen in der Farbgebung zu entdecken.

Wie auch seine etwa gleichaltrigen Kollegen landet der Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre mit goldgelber Farbe in deinem Glas. 

Bevor du dann deine Nase über das Glas Tequila hältst, solltest du ihm etwas Ruhe gönnen. Das Bouquet dieses Asombrosos besteht nicht aus kraftvollen Noten, die schnellstmöglich aus dem Glas möchten. Es setzt sich viel mehr aus dezenten Düften zusammen, die du suchen musst.

Als erstes erkennst du einen Hauch Agave. Die Primäraromen dieses Tequilas treten dadurch genial hervor. Allerdings solltest du nun nicht vermuten, dass er dir diese um die Ohren haut. Im Gegenteil. Jedes Aroma im Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre ist äußert dezent, auch das der Agave.

Nach dieser kommt Vanille, gefolgt von getrockneten Orangenschalen und Rosenblüten.

Auch wenn die einzelnen Noten nur dezent vorhanden sind, so liefern sie dennoch ein komplexes und spannendes Bouquet.

Dabei gleich die Entdeckung einzelner Aromen einer Reise. Eine, die jedoch gelegentlich vom Alkohol unsanft durchbrochen wird.

Eine ähnliche Schiene fährt er auch, sobald du zwei bis drei Schlücke nimmst. Wobei…der Alkohol tritt hier nicht mehr negativ in Erscheinung. Im Gegenteil. Er sorgt unter anderem für ein spannendes Mundgefühl und dient als Transportvehikel einiger Aromen.

Bereits mit dem ersten Schluck legt sich der Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre mild und mit leichtem Körper auf deine Zunge. Agaven-Noten sind zwar noch zu erkennen, aber dieses mal deutlich geringer als bei seinen jüngeren Kollegen.

In Hinblick auf subtraktive Reifung ist der Fasseinfluss hier auffälliger. Der Brennerei-Charakter wurde deutlich zurückgedrängt.

Konzentrierst du dich hingegen auf die Aromen, die der Tequila durch die additive Reifung erhielt, so findest du beim Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre neben einem Hauch Vanille vor allem Orangeschalen.

Verlässt er schließlich deinen Gaumen, dann geschieht dies auf einer Linie mit den Eindrücken aus Nase und Mund. Agaven-Noten sind im Hintergrund schwach erkennbar, das aromatische Zepter übernehmen Holz und Vanille. Diese Melange bleibt über Minuten an deinem Gaumen haften.

Nachdem ich mehrere Proben des Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre verkostete hatte, stellte ich mir 2 Fragen:

  • Kann ich diesen Tequila empfehlen?
  • Würde ich ihn mir selbst kaufen?

Die Antwort auf Frage #1 wäre „ja“. Die Antwort auf Frage #2 wäre „nein“. Vielleicht mag dies für dich etwas widersprüchlich klingen, der Grund hierfür ist aber leicht erklärt. Das restliche Portfolio von Asombroso stellt dir derartige Hammer-Tequilas zu einem günstigeren Preis ins Regal, dass ich nicht lange überlegen müsste. Zwar ist der Asombroso Especial de Rouge 10 Jahre ohne Frage ein guter Tequila, in Konkurrenz mit dem Asombroso 5 Jahre Extra Añejo würde ich mich ohne zu zögern aber immer für zweiten entscheiden.

 

 

Asombroso 10 Jahre Especial de Rouge - 40 %Vol. - 549 €/0,7l

7.8

Bouquet

7.7/10

Geschmack

7.7/10

Mundgefühl

8.0/10

Nachklang

7.8/10

Positiv

  • Mundgefühl unterstützt dezentes Bouquet
  • Spannende Balance zwischen Bouquet und Textur

Negativ

  • Alkohol stört in der Nase
  • Bouquet zu wenig Intensität