Clarendon. Schon mal gehört?

Wenn du nicht gerade ein eingefleischter Rum-Aficionado bist, dann wahrscheinlich nicht. Denn diese Destillerie Jamaicas ist nicht gerade dafür bekannt, Kunden mit Anlauf ins Gesicht zu springen.

Im Gegenteil. Wenn du sie nicht suchst, findest du sie nicht.

An dieser Situation ändert auch die neue Single Cask-Abfüllung aus dem Hause Compagnie des Indes nichts.

Denn das kleine französische Unternehmen hat von diesem Jahrgangs-Rum lediglich 368 Flaschen zur Verfügung, 91 dafür für den deutschen Markt.

Naja…nachdem ich schon eine geöffnet habe, nur noch 90 ;)

Diese paar Dutzend Rums, die Compagnie des Indes nach Deutschland bringt, sind allerdings eine Hausnummer.

Vor allem deshalb, da sie mit dem Klischee brechen, dass helle Destillate kaum Komplexität besitzen.

 

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Degustation des Compagnie des Indes 11 Jahre Jamaica Clarendon

 

11 Jahre im Fass?

Schaust du dir die Farbe des Compagnie des Indes Jamaica 11 Jahre an, kommen dir vermutlich Zweifel. Mit strohgelber Farbe schwingt er im Glas von einer Seite zur anderen und drängt die Frage auf: „Hatte das Fass tatsächlich nicht mehr Farbstoffe parat?“

Angesicht der klimatischen Bedingungen auf Jamaica und der Reifungszeit dieses Rums war ich erstaunt, als ich das erste Mal diesen Tropfen im Glas hatte.

Zwar habe ich keine konkrete Information darüber, ich vermute allerdings, dass es sich bei jenem Fass um eine Zweit- oder Drittbefüllung handelte.

Dies nicht als Wertung, sondern als Vermutung. Denn was dir der CDI 11 Jahre Clarendon gleich um die Ohren hauen wird, ist sagenhaft.

Schenke dir 3 bis 4 Zentiliter ins Nosing-Glas und lasse ihn 1 bis 2 Minuten vor dir stehen. Lass ihn atmen.

Gewährst du ihm diese Ruhepause, bedankt er sich mit einem Bouquet, das mehr Früchte parat hat als die meisten Rums, die du bisher getrunken hast.

Als erstes strömen dir Banane und Kirsche entgegen. Diese beiden sind derart deutlich, dass du sie selbst noch aus rund 30 Zentimeter Entfernung zum Glas entdeckst.

In zweiter Linie folgen Ananas, Pfirsich und Nektarine.

Das Bouquet ist nicht sonderlich schwer. Du bekommst hier keine Wucht wie von den Kollegen der Hampden Distillery der gleichen Insel.

Die Aromen des CDI 11 Jahre Clarendon sind vielmehr filigran und grazil. Und dennoch schafft es die Destillerie Komplexität zu erzeugen.

An dritter Stelle folgen Nuancen von Krankenhaus und Desinfektionsmittel. Diese basieren in erster Linie auf dem Alkohol, der zwar hier nicht störend aber aromatisch seinen Teil beiträgt.

Nimmst du hingegen 3 bis 4 Schlücke sieht die Sache schon anders aus. Hier hält sich der Alkohol nicht mehr so bedeckt, wie er es zuvor in der Nase tat.

Er definiert die Textur.

So zeigt sich der Rum im Mund zunächst mit leichtem Körper und trockenem Mundgefühl. Der Alkohol und dessen Schärfe ist allerdings stets vorhanden. Teilweise erschwert dies die Degustation.

Hast du diesen allerdings durch etwas Frischluft beiseite geschoben, bekommst du ähnlich wie in der Nase ein Potpourri an Aromen.

Banane, Vollmilchschokolade und Vanille. Gurke, Mango und Weinbrand. Interessant fand ich an dieser Stelle, dass der Fasseinfluss zwar vorhanden ist, dass nach 11 Jahren die Aromen aus der Fermentation aber noch uneingeschränkt das Zepter in der Hand halten.

Verlässt der CDI 11 Jahre Clarendon schließlich deinen Gaumen, blitzt der Alkohol noch einmal auf. Dennoch – markant und mit einer dezenten Süße haftet er noch einige Minuten in deinem Mund.

 

 

Compagnie des Indes 11 Jahre Clarendon - 43 %Vol. - 65 €/0,7l

8

Bouquet

8.9/10

Geschmack

8.1/10

Mundgefühl

7.4/10

Nachklang

7.6/10

Positiv

  • Klar definiertes Bouquet
  • Außerordentlich viele Fruchtaromen
  • Hohe Komplexität

Negativ

  • Alkohol teils störend und scharf
  • Nachklang wenige Aromen