Gimlet Cocktail
Abb.: Gimlet in Coupette/Cocktailschale

„Hände weg von Premixes, Hände weg von Lebensmitteln, die mehr Konservierungsmittel als Naturstoffe enthalten.“ Dieses Credo führt der Gimlet ad absurdum.

Kaum ein anderer Cocktail macht einen Sirup, einen Cordial mehr zum herausragenden Baustein seiner Rezeptur.

Dies hatte ich auch im Hinterkopf als ich am Tag meiner Abschlussprüfung an der Barschule darauf wartete, meine Prüfungscocktails zu erhalten.

Ich hoffte, dass in der Liste an Drinks, die ich gleich zubereiten muss, der Gimlet stand. Dieser Wunsch hatte 2 Gründe:

  • Er ist unheimlich einfach zuzubereiten
  • Es gibt mehrere Varianten, die hervorragend schmecken

Daraus wurde nichts. Ich erhielt einen Mai Tai, Singapore Sling und Hurricane.

Aber trotz dessen, dass in meiner gesamten Prüfung nicht einmal der Gimlet auftauchte, brannte er sich in mein Gedächtnis.

Nicht nur, da seine Rezeptur so überschaubar ist, sondern auch da er ein Gästemagnet sein kann. In den folgenden Jahren an der Bar schob ich diesen Drink literweise über den Tresen.

In zahlreichen Variationen.

Ich möchte dir daher heute zeigen, wie du einen hervorragenden Gimlet zubereitest und mit wenigen weiteren Zutaten ihm mehr Raffinesse und Komplexität verleihen kannst.


Gimlet: So bereitest du ihn perfekt zu

Die Zubereitung ist auch für Cocktail-Einsteiger einfach zu bewältigen. Entscheidend für die Textur des Drinks ist jedoch, dass er gerührt und nicht geschüttelt wird.
Vorbereitungszeit1 Min.
Zubereitungszeit2 Min.
Arbeitszeit3 Min.
Portionen: 1 Person

Equipment

  • Rührglas
  • Barlöffel
  • Coupette oder Martini-Glas

Zutaten

  • 6 cl Dry Gin (wacholder-betont)
  • 2 cl Lime Cordial (z.B. Rose's Lime Juice)

Anleitungen

  • Alle Zutaten ins Rührglas
  • 4 bis 5 mittelgroße Eiswürfel hinzugeben
  • 30 Sekunden verrühren
  • In Coupette oder Martini-Glas abseihen
  • Mit Limettenzeste dekorieren

Kaum ein anderer Cocktail benötigt derart wenige Zutaten wie ein Gimlet. Als Zweiteiler steht er somit in einer Reihe mit Martini Cocktail oder Gibson.

Zumindest, wenn wir deren Bitters, Silberzwiebel und Zitronenzeste außen vor lassen.

Gimlet-Variante mit frischen Limettensaft

  • 6 cl Dry Gin
  • 2 cl Rose’s Lime Cordial
  • Spritzer Limettensaft

Auch bei dieser Version gibst du alle Zutaten in ein Rührglas auf Eis und verrührst rund 30 Sekunden. Seihe nun den Cocktail in eine Coupette oder ein Martini Glas.

Anschließend drückst du noch den Saft eines Limettenviertels in den Drink und fährst mit dem Fruchtfleisch den Glasrand entlang.

Hierdurch bekommt der Gimlet noch etwas mehr Frische als in der Original-Version.

Welcher Gin eignet sich?

Bis ins Jahr 2010 wäre diese Frage nicht so wichtig gewesen. Nicht derart, wie sie es heute ist.

Bis zu jenem Zeitpunkt gab es kaum Gins, die mit ihrem Aromenprofil großartig aus der Reihe getanzt wären. Klar, du fandest damals auch schon charakteristische Bouquets und Wiedererkennungswert bei einigen Tropfen.

Heute bewegen sich einige Gins hart an der Grenze zum „Flavored Vodka“.

Die Bandbreite an Aromen war jedoch nicht so üppig wie sie heute ist. Heute bewegen sich einige Gins hart an der Grenze zu „Flavored Vodka“, denen das charakteristische Wacholderaroma fehlt.


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Dieses Potpourri an Gins ermöglicht es dir heute aber mehr denn je, Geschmack und Aroma deines Gimlet zu steuern. Denn letztlich ist es die einzige Zutat in diesem Cocktail, mit der du aromatischen Spielraum hast.

Rose’s Lime Cordial ist ein Bestandteil, an dem du nicht rütteln kannst. Und daneben bleibt nur noch Gin…

In den letzten Jahren haben sich dabei 2 Gin-Kategorien herausgebildet, die meiner Ansicht nach einen genialen Gimlet hervorbringen.

Auf Platz #2: Wacholder-betonte Dry Gins

Dry Gins, bei denen der Wacholder das Bouquet definiert. Die harzig-trockenen Noten jener Zapfen sind dominant und werden von anderen Botanicals nur in Nuancen begleitet.

In diesem Fall bekommst du mit dem Gin einen Gegenspieler zum Lime Juice. Auf der einen Seite das Trocken-Würzige, auf der anderen das Süß-Fruchtige.

Eine hervorragende Figur machen in dieser Sparte folgende 5 Gins:

  • Boar Dry Gin
  • Tanqueray London Dry Gin
  • Isle of Harris Gin
  • Juniper Jack
  • Gin Luum
Abb.: Boar Dry Gin

Auf Platz #1: Wacholder-betonte Dry Gins mit deutlicher Zitrus-Note

Der Wacholder muss bei jedem Gin, den du in einem Gimlet verwendest, das deutlichste Aroma sein. Das heißt aber nicht, dass du dieses nicht noch besser an den Drink anpassen könntest.

Am besten funktioniert dies, wenn du einen Gin wählst, dessen Bouquet eine Brücke zwischen beiden Zutaten schlägt. Das heißt, du benötigst ein Aromenprofil, das zwar Wacholder-betont ist, aber eine deutliche Zitrus-Note besitzt.

Bei vielen dieser Gins stellt sich die Frage, ob es noch klassische Dry Gins oder bereits New Western Drys sind. Aber egal, zu welcher Kategorie du sie nun zählen möchtest, wichtig ist, dass ein Wacholder-Aroma immer deutlich erkennbar ist.

Diese Eigenschaften findest du bei folgenden Tropfen:

Abb.: Nikka Coffey Gin

Kann ich für einen Gimlet Rose’s Lime Juice durch Limettensaft ersetzen?

Wenn dich diese Frage beschäftigt, dann glaube mir: Viele andere stehen ebenfalls vor diesem Dilemma. Rose’s Lime Cordial hat nicht gerade die Verfügbarkeit von Tiefkühlpizza.

Nur wenige Supermärkte bieten jenen Sirup an. Falls du dich daher fragst, ob es bei deinem Supermarkt des Vertrauens der Fall ist, dann lautet die Antwort mit hoher Wahrscheinlichkeit:

Nein!

Mit Limettensaft und Zucker machst du einen Gin Sour, aber keinen Gimlet.

Bist du nicht in der glücklichen Lage einen gut sortierten Fachhändler in deiner Nähe zu haben, bleibt dir meist nur die Online-Bestellung.

Dieses Verfügbarkeits-Dilemma beantworten manche Cocktail-Fans mit der Verwendung von frischem Limettensaft. Die fehlende Süße ergänzen sie dann durch Zucker.

Wenn du einen Gin Sour kreieren möchtest, ist dies ein guter Weg. Möchtest du aber einen Gimlet servieren, macht dieser Weg so viel Sinn wie ein wasserdichter Teebeutel.

Denn auch wenn ein Gimlet dem Grunde nach ein Sour-Cocktail ist, lässt sich Rose’s Lime Cordial nicht einfach durch Limettensaft und Zucker ersetzen. Hierfür ist der Geschmack jenes Sirup zu charakteristisch.

Die gute Nachricht, die ich allerdings für dich habe, ist die hohe Verfügbarkeit von Rose’s Lime Juice im Internet. Allein auf Amazon bekommst du den Sirup schon deutlich unter 5 Euro.

Die Biografie des Gimlet

Diesen Cocktail erfand kein Bartender aus Freude an Neukreationen. Auch kam kein Markenbotschafter in einer Freitagabend-Schicht an den Tresen und stellte die neueste Kreation seines Unternehmens Rose’s vor.

Die Entstehung des Gimlet ist weitaus banaler und pragmatischer. Auch wenn es beinahe zynisch klingt, den Gimlet verdanken wir dem Leid vieler Seeleute.

Zahlreiche Seefahrer litten bis ins 19. Jahrhundert an der Krankheit Skorbut. Dessen Symptome basierten auf dem Mangel an Ascorbinsäure, kurz Vitamin C, wodurch es bei jenen Matrosen zu Zahnfleischbluten, Erschöpfung, Fieber und sogar zum Tod kommen konnte.

Die Einnahme von Sauerkraut oder Zitrussäften wurde aufgrund deren Gehalts an Vitamin C verpflichtend auf zahlreichen Schiffen.

Das Problem: Jene Lebensmittel waren nicht gerade für ihre lange Haltbarkeit bekannt.

Um wochen- und monatelange Überfahrten zu überstehen, wurde nach Möglichkeiten gesucht, jene Säure zu konservieren.

Eine davon gelang durch die Zugabe großer Mengen Zucker. Eine davon gelang unter dem Namen Rose’s Lime Cordial.

Jener Sirup wurde also nicht als Cocktail-Zutat konzipiert, sondern als wichtiger Nahrungsbestandteil von Seefahrern.

Da Offiziere der British Navy im 19. Jahrhundert ihre feste Gin-Ration erhielten, lag die Kombination beider Flüssigkeiten nicht weit.

Das eine musste rein, das andere wollte rein. Also kam beides gleichzeitig.

Betrachtet man die Entstehungsgeschichte eines Gimlet, so hat dieser einen Nahverwandten. Einer, der im selben Jahrhundert aufgrund der Einnahme des Malaria-Schutzes Chinin Tonic entstand.

Die Rede ist vom Gin Tonic.

Bildquelle Gimlet Cocktail: © Brent Hofacker – Fotolia.de