Knapp 400 Flaschen sind vom Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre in Deutschland verfügbar.

An sich jetzt erstmal keine große Hausnummer; sind immerhin die meisten Single Casks auf häufig nicht mehr als ein paar Hundert Flaschen begrenzt.

Interessant für Rum-Fans ist hingegen die Tatsache, dass mit dem Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre überhaupt mal einer der wenigen Single Casks jenes Land gen Europa verlässt.

Was dir dieser Tropfen aus der Corporacion Alcoholes Del Cariabos-Brennerei bietet, hat Seltenheitswert.

 

Degustation des Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre 

 

Optisch ist der Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre eine echte Schau. Sobald du die Flasche entkorkst, sie über das Glas hältst, fließt der Rum mit einer auffallenden Öligkeit hinunter.

Diese Viskosität zeigt er dann auch, wenn du ihn im Glas hin und her schwenkst. Zudem bildet die bronzene Flüssigkeit zahlreiche Tropfen, die schwerfällig an der Glasinnenseite zurück zum Boden fließen.

Gut, soviel zum Vorgeplänkel…

Der eigentliche Knaller kommt jetzt.

Und zwar in der Nase.

In diese schickt dir der Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre nicht nur alle aromatischen Klischees jener Region, sondern hievt sie auf ein neues Niveau.

So beginnt die erste Front an Aromen mit Vanille, Karamell und Süßholz. Mit gleicher Intensität folgen kalte Zigarren und Honigmelone.

Vor allem letztere sticht markant heraus, wenn du den Rum von einem zum anderen Nasenloch bewegst und mit dem Glas kurze schnelle Zitterbewegungen machst.

Nach dieser ersten Ladung an Düften, schickt dir der Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre eine zweite hinterher. Kokos, Birne und Ananas, Apfel, nasses Gras und mineralische Aromen.

Das Bouquet dieses Rums könnte komplexer kaum sein.

 

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Passend zu dem Stil, den er dir in der Nase bot, setzt auch das Mundgefühl beim zweiten und dritten Schluck nach. Ganz der südamerikanische Rum, der er ist, beginn er ölig, süß und mit einem mittelschweren Körper.

Der Clou an der ganzen Geschichte ist allerdings, dass Compagnie des Indes darauf hinweist, dass dieser Rum – anders als viele venezuelanischen Kollegen – nicht gesüßt ist. 

Zwar ist sie vorhanden, allerdings darfst du dir die Süße nicht derart dominant vorstellen, wie bei manch anderer Marke jener Region. Dennoch ist sie auch beim Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre deutlich erkennbar. Sie prägt nicht nur die Viskosität, sondern eben auch Mundgefühl und Geschmack.

Startest du dann die retronasale Verkostung, ziehst dir also die Aromen aus dem Rum, während du ihn im Mund hast, warten folgende 4 Noten auf dich: Vanille, Karamell, Kokos und Tabak.

Klassisch, interessant, aber nicht so komplex wie im Mund. Hierdurch fehlt es ihm etwas an Vielschichtigkeit und Raffinesse. Als Trost kommt allerdings nach einer Weile im Mund ein Holz-Ton deutlich durch und erinnert an Bourbon.

Stelle dir die Verkostung des Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre wie eine umgekehrte Pyramide vor. Die Masse an Eindrücken erwartet dich in der Nase und nimmt bis zum letzten Schritt – dem Nachklang – immer weiter ab.

Dies bedeutet nicht, dass der Nachklang unterdurchschnittlich wäre. Im Gegenteil. Dies ist Jammern auf hohem Niveau. Im Vergleich zur Nase fehlt es dem Nachklang aber meiner Ansicht nach etwas an Power.

So bleibt der Compagnie des Indes Venezuela 12 Jahre mit einer herb-trockenen Alkoholnote sowie Holz, Bourbon und Vanille langanhaltend an deinem Gaumen. 

 

 

Compagnie des Indes 12 Jahre Venezuela - 43 %Vol.

8.4

Bouquet

8.9/10

Geschmack

8.2/10

Mundgefühl

8.5/10

Nachklang

8.1/10

Positiv

  • Auffallend komplexes Bouquet
  • Viele, klar definierte Aromen in der Nase
  • Mundgefühl in guter Balance mit Aromen

Negativ

  • Nachklang benötigt etwas mehr Intensität