Laphroaig-destillerie
Abb.: Laphroaig Destillerie

Es war vor 5 Jahren. Ich saß in einem Blind-Tasting, bei dem wir verschiedene Whiskys, darunter Laphroaig, verkosteten. Ich hatte 5 Single Malts vor mir, deren Namen mir nicht verraten wurden.

Letztlich war dies ja auch der Sinn der Sache. Denn hätte ich deren Bezeichnungen gewusst, hätte ein Blind Tasting so viel Sinn gemacht wie ein Rauchmelder mit Standby-Funktion.

Nur an einem Punkt machte der Referent eine Ausnahme: Er teilte uns mit, dass es mehrere rauchige Whiskys geben wird, und einer davon ist ein Laphroaig 10 Jahre Cask Strength.

Die Aufgabe: Finde ihn.

Der Referent war ein Fuchs, denn parallel zum Laphroaig steckte er auch Malt Whisky-Marken in die Verkostungsreihe, die ähnliche Haus-Stile wie jene Destillerie besitzen.

Es gab aber einen Punkt, an dem sich der Laphroaig 10 Jahre Cask Strength vom Rest der Gang unterschied: Sein Gehalt an Kresol.

Kresol ist eines der wichtigsten Moleküle in einem Laphroaig.

Dieses Molekül ist eines jener chemischen Verbindungen, die Laphroaig ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken. Dieses Phenol-Derivat kommt zwar auch in anderen Whiskys vor. In nur wenigen hinterlässt es aber eine derart markante Teer-Note.

Vielleicht fragst du dich jetzt, was dir dieses Molekül bzw. diese Nuance als Whisky-Fan bringen soll. Die Antwort ist recht einfach: Individualität.

Laphroaig besitzt einen Haus-Stil, der sich wie ein roter Faden durch all seine Whiskys zieht. Ein Wiedererkennungsmerkmal, das ihm Tausende von Fans beschert.

Laut der IWSR Marktanalyse von 2017 liegt Laphroaig auf Platz 7 der größten Single Malt Scotch Whisky-Marken. Noch vor Balvenie und Glen Grant.

Ich möchte dir heute zeigen, wie die Destillerie diesen Stil in ihre Whiskys bringt und wie du ihn bei deinem Tasting erkennen kannst.

Dies wird dir – versprochen –  mehr Genuss an einem Glas Laphroaig Single Malt Whisky bringen. Dadurch bekommst du nicht nur mehr Whisky für dein Geld, sondern kannst zudem die Entwicklung von neuen Destillaten nachvollziehen.

Ok, fangen wir an.

Haus-Stil: Das sind die typischen Aromen von Laphroaig

Laphroaig dreht an verschiedenen Stellschrauben, um einen Haus-Stil zu erreichen, den du blind erkennen kannst. Um jeden einzelnen dieser nachvollziehen zu können, ist es wichtig, dass du mit der Herstellung von Single Malt Whisky vertraut bist.

Hierfür habe ich ein Kompendium für dich geschrieben, das jeden dieser Schritte bis ins Detail beleuchtet und dir verständlich erklärt:

Der große Single Malt Scotch Whisky-Leitfaden

So lässt sich die Produktion grob in diese Punkte einteilen:

  • Getreide/Mälzen
  • Maischen
  • Fermentation/Gärung
  • Destillation
  • Fasslagerung

Jeder dieser Schritte, bis auf den letzten, definieren den Haus-Stil von Laphroaig. Jener Charakter, der eine Brennerei einzigartig und unterscheidbar vom Rest macht.

Bei Laphroaig sieht das Ergebnis dann folgendermaßen aus.

laphroaig


Neben Teer besitzt Laphroaig 4 Aromen, die das Bouquet dessen New Makes prägen:

  • Rauch
  • Medizin
  • Enzian
  • Malz

Wie Laphroaig zu seinem rauchigen Aroma kommt

Als Teil des Kildalton-Trios an der Ostküste Islays – Lagavulin, Laphroaig, Ardbeg – produziert die Destillerie einen ähnlichen Stil wie die Nachbar-Brennereien.

Aber „ähnlich“ ist eben nicht „gleich“.

Hast du Laphroaig Whiskys im Glas sind diese schwerer und teeriger. Die Destillerie gibt nicht viele Ressourcen auf fruchtige Ester-Aromen. Der Malt soll rauchig werden, soll trocken werden.

Ein Grund für diesen Charakter liegt darin, dass Laphroaig rund 20 % ihres Malzes auf dem Destilleriegelände produziert. Die restlichen 80 stammen von Großmälzereien wie Port Ellen Maltings.

Aber eben genau dieses Fünftel ist das, was Laphroaig einen Hauch Individualität mehr verleiht. 

Hierfür gibt die Destillerie Gerste in Wasser und lässt diese dort 51 Stunden quellen. Anschließend kommt dieses sogenannte „Grünmalz“ auf 2 Darrböden. Laphroaig trocknet diese nun 15 Stunden mit Torfrauch und anschließend 19 Stunden mit heißer Luft. 

Laphroaig-Torf

Die Mischung aus beiden Malz-Sorten werden – wie in der Scotch-Industrie üblich – zunächst zur Maische verarbeitet und anschließend vergoren.

Hieraus entstehen dann „sekundäre Aromen“, die du bereits im New Make, dem Feinbrand der Destillerie entdecken kannst.

Falls du dich nun fragst, wie Laphroaig diese Noten erzeugt, muss ich dir sagen: unspektakulär. Sie verwendet die in der Industrie übliche Mauri-Flüssighefe und lassen die Fermentation im Durchschnitt zwischen 50 und 55 Stunden laufen.

Am Minimum dessen was die Industrie für die Fermentation empfiehlt. Nur 3 Stunden weniger und die Gärung würde mit diesen 47 Stunden zu viele Fehlnoten in den Whisky bringen.

Laphroaig gelingt es aber mit dieser Gratwanderung einen New Make zu kreieren, der gerade zu nach der Reifung in Ex-Bourbonfässer schreit.

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Warum destilliert Laphroaig anders?

Laphroaig hat den längsten Vorlauf der Scotch Whisky-Branche.

Vielleicht ist dir im bisherigen Teil des Artikels etwas aufgefallen. An mehreren Stellen schrieb ich vom individuellen Charakter bzw. Haus-Stils von Laphroaig.

Bisher waren jedoch lediglich die Aufteilung der Gerste und die chemischen Verbindungen des Torfs einzigartig für Laphroaig. Der Rest wie Maischen, Fermentation etc. ist absoluter Industrie-Durchschnitt.

Hierfür gewinnt die Destillerie keinen Individualitätspreis.

Der Knaller, also der Teil, bei dem Laphroaig spätestens seinen Haus-Stil definiert, ist deren Destillation. Die Art und Weise wie sie brennen, unterscheidet sie nicht nur vom Gros anderer Destillerien, sondern auch von den Nachbarn Ardbeg und Lagavulin

Ardbeg und Lagavulin erzeugen während der Destillation mehr Rückfluss als Laphroaig. Dies führt dazu, dass deren Feinbrände mehr Ester-Noten und Süße erhalten.

John Campbell, Distillery Manager bei Laphroaig, möchte aber genau dies vermeiden. Sein Ziel ist eine Note, die an Teer erinnert und einen Körper im Whisky, der sich schwer und zugleich trocken auf deine Zunge legt.

Den Vorlauf ziehen sie erst nach 45 Minuten ab. Dadurch schneiden sie nahezu alle Ester-Aromen heraus und erhöhen den rauchigen Anteil. 

Die Konsequenz: Der Whisky wirkt schwerer und rauchiger.

Der Phenol-Gehalt von Laphroaigs New Make liegt bei 18 ppm.

Am Ende fließt ein Feinbrand mit 68,5 %Vol. aus den Brennblasen. Diesen verdünnt die Destillerie vor der Fasslagerung auf 63,5 %Vol.

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Aus diesem Grund haben Laphroaig Whiskys eine leichte Süße

Wenn du aber bereits den ein oder anderen Laphroaig getrunken hast, gibst du mir vielleicht recht, wenn ich behaupte, dass sie eine markante Süße haben.

Der trockene Charakter des New Makes, von dem ich zuvor sprach, ist nur selten zu erkennen.

Der Grund: die Reifung in Ex-Bourbon-Fässern.

Zwar geben diese bei nahezu jedem Malt egal welcher Destillerie süße Noten in den Whisky. Da bei vielen New Makes diverser Destillerien diese aber bereits einen süßlichen Grundton besitzen, ist der Einfluss der Fässer häufig nicht derart stark erkennbar.

Wenn aber von Haus aus keine Süße da ist – wie eben bei Laphroaig – dann haut das Fass eben voll rein. Vor allem dann, wenn es sich um First Fill-Behälter handelt.

Und dies ist häufig der Fall, wenn Laphroaig seine Fässer von seinem Haus- und Hof-Bourbon-Lieferanten Maker’s Mark bezieht.

Trinke Laphroaig Whiskys bei ungefähr 20 °C

Es gibt 3 Gründe, warum du einen Laphroaig Single Malt nicht zu kühl trinken solltest.

  • Komplexe Raucharomen
  • Schwerer Körper
  • Alkohol gut eingebunden

Diese Punkte machen es unnötig, dass du die Temperatur zu stark reduzierst. Trinkst du einen Laphroaig Whiskys deutlich kühler als 20 °C – eine Faustformel für das Gros des Portfolios – schadest du deinem Trinkgenuss.

Der Single Malt kann dann nicht zeigen, was er drauf hat. Denn hierdurch reduzierst du die Anzahl der Aromen, die du in der Nase wahrnimmst. 

Zusätzlich solltest du – wie bei der professionellen Degustation nötig – ein Nosing-Glas verwenden. Um mit diesem möglichst viele Aromen aus deinem Single Malt zu ziehen, sollte es folgende Eigenschaften besitzen:

  • Stiellänge mindestens 5 cm
  • Öffnungsdurchmesser ≤ 4,5 cm
  • Volumen ~ 20 ml
  • Hohe Glasqualität

Mehr dazu:


Möchtest du mehr über das richtige Whisky-Glas sowie die Unterschiede der einzelnen Glasqualitäten erfahren, haben wir hier einen Leitfaden für dich geschrieben:

Welches Whiskyglas soll ich nehmen?


5 Single Malts von Laphroaig, die du probieren solltest

Einer der großen Vorteile, den dir Laphroaig bietet, ist sein Standardportfolio. Dieses bietet dir aus meiner Sicht 2 Merkmale, die es von einigen anderen Destillerien abhebt:

  • Breites Aromenspektrum
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Im Folgenden möchte ich dir daher die Single Malts aus deren Kernportfolio zeigen, die mich immer wieder begeistern. Entweder durch ein tolles Bouquet oder durch einen wahnsinnigen Preis im Vergleich zu dem, was du erhältst.

Malt #1: Laphroaig 10 Jahre 40 %Vol.

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Ich muss zugeben, ich kenne keinen Single Malt – egal, welcher Brennerei – mit einem solchen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Klar, es gibt Malts, die sind komplexer, raffinierter und graziler als der Laphroaig 10 Jahre. Aber keiner, den ich kenne, liefert dir eine solche Qualität unter 30 Euro.

Der Laphroaig 10 Jahre zählt bei mir seit Jahren zum Standardinventar. Der perfekte Tropfen, wenn du dich nicht auf Aromen-Analyse begeben, sondern schlicht nur entspannen möchtest.

Hierfür sorgt sein komplexes, rauchiges Bouquet sowie seine ölige Textur als auch sein schwerer Körper.

Tipp: Deutlich seltener als der Laphroaig 10 Jahre ist sein Kollege in Fassstärke. Solltest du mal Gelegenheit bekommen, den Laphroaig 10 Jahre Cask Strength zu verkosten, kann ich dir nur den Rat geben: Greif unbedingt zu.

Malt #2: Laphroaig Quarter Cask 48 %Vol.

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Es gibt 2 Möglichkeiten wie ein Quarter Cask definiert sein kann:

  1. Möglichkeit: Ein Viertel (engl.: Quarter) eines American Standard Barrels mit 200 Litern Volumen. In diesem Fall hätte das Quarter Cask 50 Liter.
  2. Möglichkeit: Ein Viertel eines Sherry Butts mit ca. 491 Litern. Hier hätte das Quarter Cask rund 125 Liter.

Beim Laphroaig Quarter Cask ist die 2. Variante der Fall. Dieser reift zunächst in herkömmlichen Ex-Bourbon-Fässern und erhält anschließend eine Nachreifung in Quarter Casks mit 125 Liter Volumen.

Hierdurch bekommt der Whisky im Vergleich zu größeren Fässern mehr Kontakt zum Holz des Fasses. Die Folge: Additive und subtraktive Reifung laufen schneller ab.

Malt #3: Laphroaig Select 40 %Vol.

Der Laphroaig Select scheint ein Querschnitt durch das Lagerhaus jener Destillerie zu sein. Mehr Fässer als bei den meisten anderen Laphroaig Single Malts kommen hier zum Einsatz.

  • Oloroso Sherryfässer
  • Virgin Oak Fässer
  • PX-Sherry Hogsheads
  • Quarter Casks
  • Ex-Bourbon Hogsheads

Dieser Malt ist einer der deutlichsten Beweise dafür, dass der Brennerei-Charakter Laphroaigs nicht mehr allein von Ex-Bourbonfässern getragen wird.

Malt #4: Laphroaig Triple Wood 48 %Vol.

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Der Name dieses Whiskys ist Programm. Laphroaig verwendete für den Triple Wood 3 verschiedene Fass-Typen, deren Inhalt schließlich als Melange in Flaschen landete.

So verwendet die Destillerie neben Ex-Bourbon-Fässern und Ex-Sherry-Fässern aus europäischer Eiche auch Quarter Casks.

Ins Glas bekommst du mit dem Laphroaig Triple Wood dadurch einen Malt, der neben intensivem Torfrauch, vor allem durch Komplexität auffällt.

Schwelendes Holz, Leder und Majoran steigen intensiv in deine Nase.

Malt #5: Laphroaig Lore 48 %Vol.

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Das Bouquet ist anders, die Verteilung der Fässer ist anders.

Aber wirf mal einen Blick auf die Art der Fässer:

  • Ex-Bourbon-Fässer
  • Quarter Casks
  • Ex-Sherry-Fässer 

Allein mit dieser Aufstellung wirkt der Laphroaig Lore wie eine Ergänzung zum Laphroaig Triple Wood. Und wenn ich nun bedenke, dass letzterer häufig ausverkauft ist, wirkt dieser Gedanke gar nicht so abwegig.

Bildquelle: Destillerieaufnahme & Packshots Beam Suntory Deutschland