Daiquiri Cocktail
Abb.: Daiquiri in Coupette-Glas

Das Rezept eines Daiquiri, dieser Dreiteiler, erinnert mich immer an AC/DC-Songs. Sie wirken zunächst simpel, aber versuchst du sie nachzuahmen, erkennst du die Crux.

Besteht ein Drink nämlich aus nur wenigen Zutaten, hast du keine Möglichkeit auch nur eine davon zu kaschieren. Jede Nuance, die daneben geht, springt deinem Gast mitten ins Gesicht.

Glaube mir, wenn ich dir sage, dass ich davon ein Lied singen kann.

Ich habe in meiner Laufbahn schon mehr Daiquiris gegen die Wand gefahren, als ich zählen kann. Mal waren sie zu sauer, mal zu süß und ein ander Mal war der Rum zu dominant.

Der Grund für diese vielen Fehltritte war die Tatsache, dass ich bei einem Daiquiri gerne mit verschiedenen Rum-Sorten experimentiere.

Blickst du einmal auf die Fülle an Destillaten, die in den vergangenen Jahren auf dem Markt erschienen, wäre es schon fast ein Frevel, diese nicht auszuprobieren.

Und damit meine ich nicht, dass die Discounter-Regale platzen. Nein, ich meine, dass im Fachhandel hochwertige Tropfen erschienen, die einen Daiquiri auf ein neues Level heben.

Mal in die eine aromatische Richtung, mal in die andere.

Aber immer spannend.

Heute möchte ich dir daher zeigen, was ich in den vergangenen Jahren der Daiquiri-Zubereitung gelernt habe.

Du wirst erfahren, wie du eine perfekte Balance zwischen saurem und süßem Geschmack erreichst und welcher Rum deinen Daiquiri in eine neue Liga befördert.


So bereitest du einen perfekten Daiquiri zu

Er ist einer der erfrischendsten und zugleich aromatischsten Cocktails. Dabei basiert er gerade einmal auf 3 Zutaten
Vorbereitungszeit2 Min.
Zubereitungszeit2 Min.
Arbeitszeit4 Min.
Portionen: 1 Person

Equipment

  • Shaker
  • Zitruspresse

Zutaten

  • 6 cl Rum weiß
  • 3 cl Limettensaft
  • 1,5 cl Zuckersirup

Anleitungen

  • Gib alle Ingredienzen in einen Shaker, Eiswürfel dazu.
  • Schüttle kräftig rund 12 Sekunden.
  • Seihe anschließend in eine vorgekühlte Coupette ab und serviere den Daiquiri mit einer Limettenzeste, -scheibe oder wahlweise ohne Garnitur.

Für einen guten Cocktail musst du auf die Süße-Säure-Balance achten

Wirfst du einen Blick auf die Rezeptur des Daiquri, wird dir auffallen, dass die Spirituose immer mehr Volumen einnimmt als die restlichen beiden Zutaten, mehr als Säure und Süßungsquelle.

Aromatisch kannst du dich dabei an folgender Faustformel orientieren:

2:1:1 – Alkohol : Säure : Süße

Hiermit meine ich nich das Verhältnis der einzelnen Volumina zueinander, sondern der aromatische Bezug der einzelnen Zutaten.

Du siehst: Der Alkohol soll in einem Daiquiri das aromatische Zepter übernehmen. Säure und Süße machen ihn anschließend runder, komplexer und sensorisch anspruchsvoller.

Ich kann mir vorstellen, dass du dich gerade fragst, wie dieses „runder“ und „komplexer“ aussieht. Um daher nicht nur die Theorie zu kennen, sondern praktische Erfahrung zu sammeln, probiere einmal folgende Testreihe:

Daiquiri #1 | zu süß

  • 5 cl Weißer Rum
  • 2 cl Limettensaft
  • 3 cl Zuckersirup (2:1)

Daiquiri #2 | zu sauer

  • 5 cl Hochwertiger weißer Rum
  • 3 cl Frischer Limettensaft
  • 1,5 cl Zuckersirup (2:1)

Daiquiri #3 | harmonisch

  • 6 cl Hochwertiger weißer Rum
  • 3 cl Frischer Limettensaft
  • 1,5 cl Rohrzuckersirup (2:1)

Shake alle Zutaten auf Eiswürfel rund 15 Sekunden. Seihe anschließend in eine vorgekühlte Coupette ab.

Durch diese Testreihe bekommst du zum einen ein Gefühl dafür, welche Aufgaben die einzelnen Zutaten in einem Daiquiri haben. 

Zusätzlich erfährst du, bei welcher Menge sie die anderen Zutaten nicht mehr unterstützen, sondern niederbügeln.

Wichtig: Für präzises und schnelles Arbeiten ist es hilfreich die Rezeptur eines Daiquiri auswendig zu wissen. Experimentierst du jedoch mit verschiedenen Zucker- oder Rum-Sorten, dann ist die aromatische Faustformel 2:1:1 wichtiger.

Denn diese gibt dir nicht die Volumina vor, sondern das aromatische Ziel dieses Cocktails.

Dies ist daher entscheidend, da sich sowohl Süße als auch das aromatische Profil von Rum zu Rum unterscheidet. Um daher deinen Gästen konstante Qualität trotz wechselnden Rums oder Zuckers zu bieten, solltest du – wichtiger als das Rezept – das Aromaverhältnis im Kopf haben.

Welcher Rum eignet für einen Daiquiri?

Stelle dir einmal folgende Situation vor. Du baust ein Haus, richtest die einzelnen Zimmern mit exklusiven Möbeln ein.

Du freust dich jedes Mal, wenn du einen Raum betrittst.

Kurz.

Denn das Mauerwerk wird spröde, bekommt Risse und ist undicht. Wasser sickert hinein und teile des Hauses setzen Schimmel an.

Du verstehst worauf ich hinaus will?

Es macht bei einem Daiquiri überhaupt keinen Sinn, wenn du auf die Rezeptur wert legst.

Warum solltest du du frische Limetten verwenden?

Es ist unnötig, den Sirup mit besonderen Zuckerarten selbst herzustellen.

Dies macht alles keinen Sinn, wenn der Rum keine hervorragende Qualität besitzt.

Bei einem Verhältnis von 2:1:1 macht der Rum folglich 50 Prozent deines Daiquiri aus. Er ist das Fundament und das Mauerwerk deines Cocktails.

Hier an der Qualität zu sparen, macht alle anderen Zutaten obsolet.

Greifst du für einen Daiquiri daher auf Discounter-Rum im Preisbereich bis 12 Euro zurück, wird dieser Drink vieles, aber nicht hervorragend.

Der Handel bietet dir allerdings weitaus mehr als Schnaps aus dem Supermarkt. Produkte, die pur als auch in einem Daiquiri eine Gaumenfreude sind.

Um dir die Suche zu erleichtern, möchte ich dir im Folgenden 3 Destillate vorstellen, die einen genialen Daquiri ergeben.

Compagnie des Indes Rum Tricorne

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Inhalt: Rum aus Zuckerrohrsaft, Melasse und Arrak

Alkohol: 43 %Vol.

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Revolte Rum Blanco

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Inhalt: Zuckerrohr aus Papua-Neuguinea

Alkohol: 41,5 %Vol.

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Plantation 3 Stars White Rum

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Inhalt: Melasse-Rum aus Jamaica, Barbados und Trinidad

Alkohol: 41,2 %Vol.

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Mehr zu diesem Thema:


Du möchtest mehr über Rum und dessen Aromatik erfahren? Wir haben einige Artikel geschrieben, die dir Hintergrundinfos und Sensorik-Tipps zu Rum liefern.


Der Limettensaft sollte nicht frisch sein

„Der Limettensaft für einen Daiquiri sollte nicht frisch sein“.

Was wie ein Affront gegen die moderne Barkultur klingt, basiert in Wahrheit auf genau deren Vorstellung eines guten Cocktails.

Ein Drink wie der Daiquiri soll „rund“ wirken, die Zutaten sollen harmonieren.

Beim Gros der Rezepte funktioniert dies auch nur, wenn du frische Säfte verwendest. Allerdings erzielst du mit „frisch“ nicht zwangsläufig das beste Ergebnis für den Gast.

Damit möchte ich dir nicht sagen, Zitrussäfte aus der Flasche zu verwenden. Stattdessen möchte ich dir empfehlen, den Zitrussaft frisch zu pressen und anschließend mehrere Stunden stehen zu lassen.

Bevor du mit der Daiquiri-Zubereitung beginnst, sollte der Limettensaft einige Zeit an der Luft stehen; er soll oxidieren.

Presst du den Limettensaft 4 bis 12 Stunden bevor, wird dieser aromatischer.

Glaube mir, wenn ich dir sage, dass dieses i-Tüpfelchen deinen Daiquiri aufwertet.

Zudem hat es noch einen weiteren Vorteil, wenn du den Limettensaft nicht direkt in den Shaker presst. Nimmst du einen Behälter, in dem du vor der Daiquiri-Zubereitung deinen Saft hindrückst, hast du – logisch – einen Behälter mit Saft.

Hierdurch hast du die Möglichkeit deinem Cocktail exakt die Menge an Saft hinzuzugeben, die die Rezeptur verlangt.

Bei einem Daiquiri wären dies 3 cl.

Aber sind wir mal ehrlich. Bist du dir 100-prozentig sicher, dass du jedes Mal, wenn du eine Limette direkt in den Shaker drückst, 3 cl erhältst?

Sicher, dass es nicht 2,5 oder 3,5 sind?

Ich habe schon Hunderte Limetten ausgedrückt und muss gestehen, ich bin mir nicht sicher.

Aus diesem Grund schwöre ich – nicht nur beim Daiquiri – darauf, den Saft vorher auszupressen und nach einer Ruhephase diesen direkt in den Shaker oder Jigger zu geben.

Wie du Vollrohrzuckersirup für einen Daiquiri selbst herstellst

Kaufst du Zuckersirup aus dem Handel, machst du nichts falsch. Dieser süßt deinen Drink und liefert den Gegenpart zur Säure der Limette.

Allerdings bringt dieser Sirup meist keine aromatischen Nuancen mit. Es handelt sich schlicht um die Lösung von industriellem Zucker.

Ich möchte dir heute allerdings eine Möglichkeit zeigen, wie du durch Sirup deinem Daiquiri das i-Tüpfelchen verleihst.

Verwendest du Vollrohrzucker statt Rohr- oder Rübenzucker, verleihst du deinen Daiquiri allein durch den Sirup zusätzlich Nuancen.

Neben dieser Variante gibt es allerdings noch einige andere Zucker-Arten, die du verwenden kannst.

Hier haben wir den entsprechenden Artikel für dich geschrieben:

Sirup-Sessions Teil 2: Was du über Zuckersirup an der Bar wissen solltest

Herkunft des Daiquiri

Diverse Spirtuosen-Firmen würden sich die Finger danach lecken, sich „Erfinder des Daiquiri“ nennen zu dürfen.

Dieses Marketing-Potential würde Unsummen in deren Kassen spülen.

Nur dumm, das so gut wie niemand Anspruch auf diesen Drink erheben kann. Viele haben es versucht: Kubanischer Bartender, amerikanische Minenarbeiter, deutsche Prinzen, was auch immer.

Fakt ist allerdings, dass alle 3 Zutaten eines Daiquiri – Rum, Zucker, Limette – derart überschüssig in Südamerika vorkommen, dass er wahrscheinlich an zig Orten unabhängig voneinander entstand. Unter anderem Namen.

Schau einfach mal nach Brasilien, der größte Staat Südamerikas. Deren Nationalcocktail, die Caipirinha, unterscheidet sich nicht grundlegend von einem Daiquiri. Statt Rum wird zwar Cachaça verwendet und Zucker sowie Limetten werden etwas anders verarbeitet, aber die Grundaromatik ist dieselbe.

Kubanischer Mojito?

Zwar kommt hier noch Minze und gelegentlich Bitters dazu, aber auch hier basiert der Drink wieder auf Rum und einem Süß-Säure-Verhältnis von Zucker und Limetten.

Die entscheidende Frage ist also nicht, wer die Kombination aus Rum, Limetten und Zucker erfunden hat, sondern wer ihm seinen heute bekannten Namen „Daiquiri“ aufdrückte und zu Weltruhm verhalf.

Heutige Belege – wobei…es sind nur Indizien – legen den Ursprung des Daiquiri auf die größte Insel der Karibik: Kuba. Aus 2 Gründen.

Grund 1: Rund 25 Kilometer von der kubanischen Stadt Santiago de Cuba liegt das kleine Dorf Daiquirí.

Grund 2: Der Schriftsteller Ernest Hemingway konsumierte Daiquiris nicht nur in abwandelter Form in Massen in Kubas Hauptstadt Havana, er setzte ihnen auch literarisch und mit einer Hand voll Zitaten ein Denkmal.

Was Hemingway zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, krönte kurz darauf das Unternehmen Waring Blendor mit der ersten marktreifen und bekannte Serie an Standmixern.

Frozen Daiquiris mit unzähligen Fruchtrichtungen und Crushed Ice waren daraufhin der Hit in US-amerikanischen Küchen und Bars.

Bis heute.

Bis die moderne Bar-Renaissance zeigte, was ein Daiquiri in seiner Grundform für ein Genussmittel sein kann.

Bildquelle: Daiquiri: © Brent Hofacker – Fotolia.de