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„Dieser Single Malt hat ein Manko. Er ist nicht gerade günstig. Alles andere am Bowmore 27 Jahre Port Cask grenzt meiner Ansicht nach jedoch an Perfektion.“

Diese 26 Wörter fassen das zusammen, für was ich knapp eine Stunde benötigte: Die Verkostung des letzten Teils von Bowmores Vintner’s Trilogy.

Dieser Single Malt reifte zunächst 13 Jahre in Ex-Bourbon-Fässer und wurde anschließend für 14 weitere in Port Pipes nachgereift.

Erstere haben ein Fassungsvermögen von rund 250 Litern, letztere hingegen von 500 bis 650. Die Konsequenz ist, dass der Whisky in letzteren aufgrund des geringeren Fasskontakts langsamer reift als in Ex-Bourbon-Fässern.

Du erkennst vielleicht schon, warum dies in Hinblick auf die Whisky-Qualität eine entscheidende Rolle spielt:

Würde der Whisky nach 13 Jahren in Fässer mit 250 Litern oder weniger umgefüllt, bestünde die Gefahr – sofern es keine 2nd- oder 3rd-Fill Fässer sind, dass es zu einer „Überlagerung“ kommt.

Der Bowmore 27 Jahre Port Cask hätte dann zu viele Gerbstoffe und Tannine. Die daraus folgende Adstringenz wäre ein erheblicher Fehler.

 

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Degustation des Bowmore 27 Jahre Port Cask

 

An dieser Stelle müssten jetzt ein paar Worte über das Aussehen des Bowmore 27 Jahre Port Cask fallen. Das wäre zumindest der übliche Gang, wie wir hier auf Eye for Spirits Spirituosen verkosten.

Klar, dessen Terracotta-Farbe ist ansprechend. Und wie die Flüssigkeit langsam im Glas hin und her schwappt und schwerfällige Tropfen auf der Glasinnenseite nach unten rollen, ist auch ganz interessant.

Aber…

Sobald du mit dem Tasting des Bowmore 27 Jahre Port Cask beginnst, sobald du nur deine Nase in Richtung des Glases bewegst, wirst du feststellen, dass sein Aussehen nur eine Randnotiz ist.

Makulatur im Vergleich zu einem Bouquet, das ich als „perfekt“ beschreiben würde.

Du musst diesen Single Malt nicht lange atmen lassen. Sobald er im Glas landet, drücken die ersten Aromen bereits in die andere Richtung.

So beginnt das Nosing mit einem intensivem Bouquet, das zunächst an Rosinen, Pflaumen und Rotwein erinnert. Der Torfrauch hält sich im Hintergrund.

Stelle es dir wie einen gedeckten Tisch vor. Der Rauch bildet die Grundlage, auf dem Speisen und Getränke serviert werden.

In diese erste Front an Aromen mischen sich zudem noch leicht herbe Noten sowie ein Hauch Aceton. 

Die zweite Reihe an Aromen folgt nach rund 10 bis 12 Sekunden. Hier stechen vor allem Karamell und Kardamom deutlich hervor.

Wichtig: Halte deinen Mund beim Nosing geschlossen. Lässt du hingegen die Luft zwischen Mund und Nase zirkulieren, gehen dir im Falle des Bowmore 27 Jahre Port Cask zahlreiche Nuancen verloren.

Während bei einem erheblichen Teil der Malt Whiskys nach der zweiten Reihe an Aromen Schluss mit dem Bouquet ist, liefert dieser Scotch noch ein Potpourri hinterher.

So findest du in der dritten Reihe:

  • Haselnuss
  • Cashew-Kerne
  • Ananas
  • Honigmelone

Das aus meiner Sicht Spannende am Bouquet des Bowmore 27 Jahre Port Cask ist seine Raffinesse. Klar, er ist ohne Zweifel vielschichtig. Aber keines der Aromen zwängt sich in der Vordergrund.

Jede Note spielt eine perfekte Rolle und lässt dennoch allen anderen genug Freiraum für deren eigene.

Nimmst du nun die ersten Schlücke des Bowmore 27 Jahre Port Cask beginnt er im Mund mit intensivem kalten Rauch.

Dieses Aroma dominiert zunächst alles. Selbst Körper und Textur treten für einen kurzen Moment zurück.

Hast du dich daran gewöhnt, so beginnt dieser Single Malt sich mit weicher Textur und mittelschwerem Körper auf deine Zunge zu legen.

Er wirkt salzig.

Interessant finde ich, dass dieser Malt – bei Körper und Geschmack könnte man anderes erwarten – nicht ölig, sondern sich vielmehr schlank im Mund bewegt.

Neben einem salzigen und dezent süßen Geschmack liefert er dir zusätzlich noch eine Hand voll Aromen. Alles andere wäre ja bei dem Bouquet in der Nase auch ein Affront gewesen.

Spielst du den Bowmore 27 Jahre Port Cask etwas mit der Zunge hin und her, atmest dabei durch die Nase aus, zeigt er dir Zitronenschalen und Pampelmuse, Kirsche, Rotwein und Marzipan.

Jeder Schluck macht Spaß.

Verlässt er schließlich deinen Gaumen, so bleiben Torfrauch, Kirsche und Tabak langanhaltend zurück. Und dies ohne jegliche alkoholische Schärfe.

 

 

Bowmore 27 Jahre Port Cask - 48,3 %Vol. - 390 €/0,7l

9.5

Bouquet

9.8/10

Geschmack

9.3/10

Mundgefühl

9.4/10

Nachklang

9.5/10

Positiv

  • Komplexes, raffiniertes Bouquet
  • Zahlreiche Aromen
  • Markante Textur und Geschmacksnoten
  • Perfektes Alter

Negativ

  • Hoher Preis